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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-12-06 · Heft 49 (6.12.1918) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 49 (6.12.1918)
Date
1918-12-06
Page
Seite 384 (sequence 10)
Language
German
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584nsit.. Leichtigkeit erheben . kann. .3tt liberalen^ Kreisen . herrscht eine ähnliche St immung. Mgesehen von der Aeußerung Dr. Müllers (Hof) lmd der Zustimmung Kohl's, schr.i-e.ben sogar die „M. N. Nachr." von „fremden. Elementen", die sich jetzt in Bayern dreitwachen. Das ist auch ganz richtig. Wer Gelegenheit hatte, sich die Leute anzusehen, die bei den Veränderungen der letzten Woche das. große Wort führten, der wird eine ganze Atafse Juden und Norddeutsche entdeckt haben. An dieser Tatsache kann niemand rütteln, der die Verhältnisse aus eigener Anschauung kennt. Uebriaens sieht man es der „Münchener Post" förmlich an, wie schwer ihr die neue-Nolle als Negierinigsblatt fällt, als welches es die ..Neuordnung" aecw Angriffe zu verteidigen hat. Sie ist mit einem Schlage gar nicht mehr „interessant". Uebrigens eine andere Frage unter vier Augen an die „Münchener Post": Wie lange besteht denn ihre Liebe zu den Herren Eisner nsw. und ihre jetzt, uneingeschränkte Vorliebe für die fremden Elemente? Es ist noch gar nicht so lauge der, da konnte man in den sozialdenwkratischen Kreisen ganz andere Tune hören und lesen. Am 31. Oktober noch brachte die „Münchener Bost" einen Artikel gegen die Unabhängigen, in dem sie über den Antisemitismus in den sozialdemokratischen Reihen Krokodilsträueu vergoß. Um sich zu saldieren, schob sie dieses Treiben den Unabhängigen m\; es machte ihr aber sichtlich ein diebisches Vergnügeil, einen Brief eines angeblichen Unabhängigen an Herrn Auer zu veröffentlicben. in welchem mit Ausdrücken wie „Saujudenweiber", „mit jüdischem Geld bestochene Verräter am deutschen Volke", „äbgeschnnerter Judenknecht", „polnischen und galizischeu Schnorrern" nur so bermngeworsen wurde. Wer solche Erzeugnisse des offenkundlichsten Judenhasses veröffentlicht, den nennen wir einen Anti-, semiten, denn er träat zweifellos zur Ausbreitung der Stimmung gegen die Juden bei!" Nicht nur. der Eingeweihtesieht klar. Wie die Redaktion des maßgeblichen klerikalen Tageblattes sich bei diesen bissigen Zeilen, die den hervorragendsten Raum im---Abschnitt- ^Bayern und Deutsches Reich" einnehmen, ironisch lächelnd'vergnügt die Hände reibt. Nämlich, wo es den: bürgerlich-demokratischen Weltblatt, den „Münchener Neuesten Nachrichten",. mit ihren Hintermännern, dem als rednerischen Hauptapostel der Gewissensfreiheit in den Parlamenten einstmals ständig sich betätigenden Neichstngs- und Landtags-Fr-aktionsmitführer Dr. Müller-Meiningen und dem etwas als Außenseiter und massives enfant terrible verschrienen landtäglichen und gemeindlichen Volksvertreter Kohl, unsere Leser seien an sein warmes parlamentarisches Verfechten des Rechtes der Juden an der Front und daheim 11)16/17 erinnert und der „Münchener Post" als dem Kampf¬ und nunmehrigen Regierungsorgan der einheimischen Sozialdemokratie den schönsten, keineswegs mehr verkappten Antisemitismus an die Rockschöße hängt. Zur raschen Aufklärung über den vom Zentrumspublizisten schmunzelnd registrierten Anfichts- und Wortstreit zwischen der linksliberalen und der soffaldemokratischen Hanvtzeitung diene folgendes: Die „Münchener Neuesten Nachrichten" -hatten am 14. November in Nr. 575 anläßlich des. Thronverzichtes König Ludwigs III. geschrieben: „Daß dem Lande bald völlige Ruhe werde, daß bald des eigenen Stammes Männer und Frauen, nicht fremde Elemente, in der freiesten Selbstbestimmung und Staatsform die Angelegenheiten des Landes in ihre Obhut nehmen können, nachdem ein gewaltiger Sturm die alte Form zerbrochen hat, dazu hat der König mit seinem Schritt voll beute, was an ihm noch lag, beigetragen." Darauf biß das sozialdemokratische Parteiorgan sofort an, obwohl es, wie die oben von mir abgedruckten Ausfälle des „Bayerischen Kuriers" ahnen lassen, trotz seiner anti-antisemitischen Entrüftungskomödie und seiner vieljährigen geschäftlichen Leitung durch einen norddeutschen Veteranen aus dem Bebel-Kreise,! Kohn, selbst nicht ganz judenrein ist. Prompt erwiderten,! nur 48 Stunden nach jenem ersten Angriff auf die Fremd-! stämmigen, die-„Münchener Neuesten Nachrichten in Nr. 579 vom 16. November unter der Spitzmarke „Deutsche und. internationale Politik" nach Wiederholung des.oben angeführten Satzes: „Tie „Münchener Post" greift diese Worte auf, nennt sie „hetzerisch" und verweist aus die Verdienste, die internationale Geisteskräfte an dem Ausbau der Menschheit und der Staaten erwarben haben. Es wäre aber bei einiger Ueberlegung, zu der auch in diesen stürmischen Tagen die Zeit genommenwerden nach, ein leichtes gewesen, den wahren Sinn unserer Worte zu erkennen. Er ging nicht dahin und fomite auch nicht dahin gedeutet werden, als ob wir die Errungenschaften der internationalen Geistesarbeit für unser Land und für das gesamte Deutschland ablehnen und eine „bajuvarische Absperrungsmaner" errichten wollten. Alan braucht, nur unsere Worte richtig zu verstellen, ja nur zu sehen und zu hören, wie die neue Negierung unter Maßnahmen leidet, da eine ganze Reihe von sich vordrängende rr und unberufenen Leuten in einer zu Unrecht angemaßten Zuständigkeit Maßnahmen und' Uebergriffe schafft, die den Bedürfnissen des Landes - vorn Reich ist nicht die Rede gewesen — stracks zuwidertaufen. Nur diese in rein bayerischen, weist nicht einmal politischen Fragen ungeschickte und auch der neuen Regierung unerträglich scheinende Betriebsamkeit land- und sachstemder Elemente konnte in unseren Worten gemeint sein. Erst dann, wenn Bayern seine eigenen wirtschaftlichen und' innerpolitischen Angelegenheiten in freier Form auf dem Boden des freien Bolksstaates fest 'geordnet hat, kann es im Reich wirksam Mitarbeiten an den Zielen, die die „Münchener Post" ganz richtig mit der Ueberfchrift „Deutsche und internationale Politik" bezeichnet hat, und die auch das bayerische Bürgertum in der gleichen Richtung anstrebt. Im- Interesse des ruhigen' Fortganges der notwendigen Kleinarbeit im eigenen Lande, die eine unerläßliche Vorbedingung Kr die volle Erreichung der großen Ziele der freien kratie ist, wäre der fahrlässige Vorwurf der Hetze besser unterblieben. Tie ganze bayerische Bevölkerung und gerade das Bürgertum stellen sich völlig auf den Boden des freien Volksstaates: um so mehr haben sie das Recht, in der Ordnung der eigenen Angelegenheiten, hauptsächlich lvirtschafilicher Art, selbst die Hand mitanzu-legen und nicht alles jugendlichen und unkundigen „fremden Elementen" zu überlassen: nrir wissen uns in dieser Forderung einig mit den Männern, die die schwierige Ausgabe -der geordneten Ueberführung der Staatsgeschäfte in die neue Zeit übernommen haben." Man weiß in der Tat nicht: soll man die Kunst, sich um ein glattes Bekenntnis zum Antisemitismus, vielleicht in Rücksicht seiner ausgesprochen linksliberalen Lesermehrheit mit ihrem jüdischen Bestandteil, herumzudrücken, bei diesem weiteftr erbreiteten Tagesblatt Süddeutschlands angesichts feiner offenherzig demokratischen Einstellung mehr bewundern als das Becharren beim einmal eingefchlagenen Ankreiden angeblich „fremdstämmiger" Revolutionsleitung? Dabei ist übrigens Kurt Eisner, der entscheidende Fadenzieher und fellbstgebackene Ministerpräsident, 1867 zu Berlin geboren, fo daß eine ziemlich hochstehende Person im bayerischen Kultuswefen höchstens im bajuvarischen Volksjargon die Gründung der Republik durch „solchenen preißischn Judd" beklagen durfte. Inzwischen -wurde nun noch ein den judenfresserifchen Krakeelern hochwillkommener „Fall" entdeckt und aufgedeckt. Auch hier ließ das Zentrums-Hauptblatt, der „Bayerische Kurier", das schmutzige Wasser mit Wonne über fein Mühlrad laufen. Seine selbe Nummer 319, welche die Eisner-Fvage zu lösen unternahm, brachte «auf der Stirnseite sogleich hinter dem Hirtenbrief des Münchener Erzbischofs einen Leitartikel: „Cr sitzt!" Darin lesen wir: „Der hochgebielende Herr Stadtkommandant Münchens, Arnold, ist bekanntlich nicht mehr. Nachdem er glorreich der Revolution auf die Beine geholfen, dabei unendlich viel Zigaretten geraucht und die brennenden Stummel auf den wertvollen Teppich des Empfangssaales geworfen hatte — ein kleines Bildchen ans diesen Revolutionstagen —, hat man ihn plötzlich nach vier oder fünf Tagen vor die Tür gesetzt. „Ein Herr Arnold", so lautete kurz der offizielle Erlaß des Kriegsministeriums, „sei feines Postens enthoben worden." Man sah sich verwundert an. Ein Mann mit solchen. Verdiensten, der die Revolution aus der Taufe gehoben hatte - das-Wort Taufe ist -aller-

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