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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-12-06 · Heft 49 (6.12.1918) · p. Seite 383

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 49 (6.12.1918)
Date
1918-12-06
Page
Seite 383 (sequence 9)
Language
German
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583 Diesen Ausführungen gegenüber kann ich meinerseits nur stets wiederholen, daß ich voll und ganz auf dem Boden der ErklärmK; der großen jüdischen Organisationen stehe, die am Schluß der vorigen Nummer abgedruckt worden ist. - * Das Zionistische Bureau in Kopenhagen meDet folgendes: Erwachendes Wirtschaftsleben in Palästina. Das Wirtschaftsleben in Palästina beginnt, sich stärker als je zuvor zu regen. In Jaffa hat man bereits Pläne allsgearbeitet für die Bewässerung des Landes, für die Ausnutzung der Wasserkraft zu Zwecken der Beleuchtung und elektrischer Betriebe, für den Allsban des Hafens und die Förderung der Seisenindnstrie. Bei der Wiedererweckung der Landarbeit bemüht man sich gleichzeitig, den: Bodenwacher vorzubeugen. In Jaffa und in Jerusalem wurden Handelsauskunftsburemls eingerichtet, welche der Fördernilg des Handels zwischen Palästina und Europa dienen sollen. Vortänsig ist allerdings der Handel noch durch das Verbot der Güterausfuhr gehindert. In naher Zukunft hofft man, in Kairo und Alexandrien Ausstellungen von Palästinaprodukten arrangieren zu können, auf denen auch Produkte aus den jüdischen Kolonien gezeigt werden sollen. Für die Handelstätigkeit sind besonders der während des Krieges erfolgte Ausbau, der Landstraßen lind die von der englischen Regierung im ganzen Lande eingeführte gleiche Währung von Nutzen. * £ i e Grenze n Palä st i n n s. „The Zionist Review" schreibt in seiner Nummer 7 vom November i „Es ist für die Zionisten der ganzen Wett die Zeit gekommen, daß sie ihre Meinung über die zll fordernden Grenzen Palästinas niedertegen müssen. Tiew Grenzen sind durch die historischen, natürlichen und-wirtschaftlichen Interessen des neuen Palästinas vorgezeichnet. Jnl Süden wird die Grenze bitvd) Aegypten und Akaba am Roten Meere gebildet, jenem Hasen, der während der beiden größten wirtschaftlichen Epochen der Geschichte Palästinas, nämlich unter der Regierung des Königs Salomo lind unter der römischen Herrschaft, eine w hervorragende Rolle im Wirtichast-sleben spielte. - Auch im Norden sind die Grenzen leicht zu bestimmen. An der Küste muß die Grenze zwischen Beirut und Saida beginnen (als Beweis für Saidas Zugehörigkeit zinn einstigen Erez Israel sei die Tatsache erwähnt, daß es noch hellte nur einen Tag der hol)en Teste feiert). Tie Bestimmung der Grenze gegen die Libanonprovinz dürfte ebenfalls keine Schwierigkeiten bieten: sie sollte in einer geeigneten Linie südlich von Damaskus verlaufen. Bei einer normalen Entwicklung der Tinge würde die Ostgrenze längs der Wüste verlaufen: hier ist jedoch die Situation durch die iicumm Ereignisse etwas erschwert worden, da der König des Hedchas einen Kontakt mit dem Gebiet von Damaskus wünscht, welcher mirburdi die Hedschasbahn hergestellt werden kann. Hier könnten mit Leichtigkeit Vorkehrungen getroffen lverden, wonach dies« -Eisenbahn und ein schmaler Gürtel westlich davon an das arabische Reich fallen würden. Das sind in kurzen Zügen die für Palästina notwendigen Grenzen: wir wiederholen-, daß für die Zionisten die Zeit gekommen ist, sie im einzelnen und mit äußerster Präzision zu bestimmen. * G e m e i n s ch a f t l i ch e E r k l ä r n u g d e r e u g (i s ch e n und der französischen Regierung. „Berlingske Tidende" vom 9. November veröffentlicht die folgende durch das Rentersche Bureau verbreitete Erklärung: Das Ziel, welches Frankreich und Großbritannien bei der Fortsetzung des Krieges im Orient, der von dem deutschen Ehrgeiz befreit ist, vor Angen haben, ist eine vollständige und endgültige Befreiung der Völker, die so lange von den Türken unterdrückt waren, und die Errichtung nationaler Regierinrgen und Behörden, die ihre Autorität aus der Initiative und der freien Wahl der eingeborenen. Bevölkerung herleiten. Um diese Absichten zu verwirklichen, sind Frankreich und Großbritannien darin einig, anfznmuntern und zu helfen bei der Errichtung eingeborener Regierungen und Behörden in Syrien und Mesopotamien, die jetzt von den Alliierten befreit worden sind, sowie in den Gebieten, deren Befreiung jetzt verwirklicht wird. Sie sind weiter einig, diese Regierungen und Behörden anznerkennen, sobald fie-<nrf wirksame Weife errichtet sind. Weit entfernt davon, der Bevölkerung in diesen Gebieten diese oder jene Institution .aufzwingen zu wollen, gehen Frankreich und Großbritannien auf nichts anderes aus, als durch ihre Unterstützung und mit ihrem wirksamen Beistand das normale Funktionieren der Regierungen und Behörden zu sichern, welche die Bevölkerung sich in Freiheit gegeben haben wird. Unparteiisches und gleiches Recht für alle zu sichern, die ökonomische Entwicklung des Landes durch Erweckung und Ermunterung der lokalen Initiative zu erleichtern, die Ausbreitung des öffentlichen Unterrichts zu begünstigen, den Streitigkeiten ein Ende zu machen, die allzu lange von der türkischen Politik ansgenützt wurden, das ist die Rolle, welche die beiden alliierten Regierungen in den befreiten Teilen des Landes zu spielen wünschen. Bnorrhiilltrr politischer ßlntilkmitismus im hrutigrn ßavfrn. Ein Kapitel am der jüngsten deutschen Gegenwart. on jeher war in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" jahrelang von mir der Standpunkt vertreten worden. daß im Staat Bayern der sogenannte latente, d. h. nicht offenkundige Antisemitismus sehr stark sei. Die jetzige gewaltige innere Umwälzung des Deutschen Reiches hat sich in Bayern an erster Stelle vollzogen und hat unter anderen Zeichen radikalere Umsturzes des Bisherigen auch die durchgängige Gleichheit des Staatsbürgers vor dem Gesetz endgültig irr die Praxis nmznsetzen begonnen. Und da zeigt sich denn sofort die scheinbar merkwürdige Sachlage (die aber den Kenner der dauerhaft heimlich wie offen anfgepeitschten bajrwarischen Volksseele kaum verwrrndern darf), daß b e i n a h e a t l e Worts ü h r e r r rr n e r P o l i t i s ch e r •W i ch t rr n g e rr a rr s ihre r s ch l rr in m ernden Indenf e i rr d s ch a f t gar fei rr H e h l m a ch e n. Handelt es sich dabei auch zunächst nur um Zwei 'bestimmte Persönlichkeiten, so trat doch der olfenbarte Gegensatz, ja Widerwillen so stark grundsätzlich ans Licht, daß er nicht anders denn als rrackter p r a k t i s ch - p o l i t i s ch e r A n t r s e m i t i s rn rr s gewertet werden darf. Lassen wir die rrnwidersprochen gebliebenen allgemein zugänglichen Arrslafsungen der führenden hauptstädtischen Parteiorgane reden. Da marschiert natürlich das offizielle Blatt und Sprachrohr der Zentrumsfraktion, als der erdrückenden Mehrheit der bisherigen Abaeordnetenkammer, an der Spitze: der „Bayerische Kurier". Frühere Ergüsse aus den noch aufgeregteren ersten Tagen der überraschenden Revolution, worauf die Zeitung hier übrigens selber Bezug nimmt, nberschlagend, wiederholen wir nur einen höchst bezeichnenden Artikel ans Nr. 319 vom HS. November, „F r e m dlinge in Bayern" betitelt. Er lautet: „Die ,.M. Post" hält sich darüber auf. daß der „Bayer. Kurier" von dom ..polnischk-jüdisch-preußischen Hans Eisnor" geschrieben hat. das jetzt in Bayern regiert. Außerdem bringt das sozialdemokratische Blatt die Mitteilung, daß in einer liberalen Ansschnßsitznng am 9. November der bekannte fortschrittliche Abgeordnete Dr. Müller (Hof) mit der Faust auf den Tisch geschlagen und geschrien habe: „Bon dem galizlsck)en Inden Kurt Eisner lassen nur uns nicht regieren!" Der jungliberale Abg. Kohl habe dem Dr. Müller (Hof) zugestimmt. Tie ,.M. Post" handelt sehr einseitig, wenn sie die Schale ihres Zornes nur über den .Hayer. Kurier" und die Abgg. Müller (Hof) und Kohl ansgießt. Denn einer der ersten, der gegen das Regiment Eisners Verwahrung einlegte, war der Mehrlzeitssozi allst Schöneck. der in der Versammlung der christlichen Arbeiterschaft Münchens am 12. Noveinbor die jüdische Abstammung Eisners beanstandete und erklärte. ..in einem christlichen Staate wie Bayern könne Hein Jude an der Spitze stehen, wir wollen keinen -bayerischen Trotzki". So wie Lchöneck urteilen auch andere Sozialdemokraten, wie die „M. Post'^

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