Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1918)
- Date
- 1918-12-06
- Page
- Seite 380 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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580 rühren keineswegs von einem völlig Radikalen, sondern von einem Gemäßigten her. Man wird sie ohne Schauder betrachten, wenn man die wenigen enorm Reichen ins Auge faßt. Aber man bedenke nur, was aus allen denen werden soll, die alt, krank oder arbeitsunfähig, von ihrem Vermögen gelebt haben und leben müssen. Eine Familie, die bisher eine Rente von etwa 10 000 Mark besaß nud bei niedrigen Preisen damit ungefähr auskam, würde bei den enorm gesteigerten Preisen, wie sie jetzt herrschen und gewiß noch füreinige Zeit sortdauern, sich mit 8000 Mark begnügen, d. h. auf jede Bequemlichkeit und jeden Lebensgenuß verzichten müssen. Es ist von Wichtigkeit, auf diese Dinge hinzuweisen, da solche einschneidenden Maßregeln, denen man, wie wir fürchten, nicht wird entgehen können, auch unsere Glaubensgenossen treffen. * Wir haben in manchen Ausführungen stark dagegen polemisiert, daß man die ganze Revolution den Juden in die Schuhe schielet, und es bedauert, daß unter den führenden Männern in Nord- und Mitteldeutschland so sehr viel Juden sich befinden. In dieser Hinsicht 'schließen wir uns einer Ausführung der Münchner Zeitung „Das jüdische Echo" an, die in viele Blätter übergegangen war. Sie lautet: Man soll Stimmungen nicht mit Meinungen verwechseln. Aber inan fmtit Stimmungen ReckMung tragen, ohne feine Meinung preiszugeben. „Es sind zu viele Juden in der Regierung, sowohl int Reiche wie in Bayern", das ist die allgemeine Stimmung. Wenn Inden tüchtig sind, der Allgemeinheit nützen tömum, dann haben sie dieselben Rechte wie Nichtjuden; also auch das Recht, an der Spitze der Negierung zu stehen. Das ist unsere Meinung. Wenn aber die allgemeine Stimmung diese Führer bekämpft, die nicht aus breiter, gesetzlich begründeter Wahl zu dem erhoben worden sind, nwzn sie die Umwälzung gemacht hat, dann handeln sie vielleicht nicht klug, wenn sie im Führermut verharren. Ihre Tüchtigkeit findet unter solchen Umständen nicht die objektive Beurteilung, die sie erwarten dürste; Mißgunst und Mißtrauen jchadeu nicht mtv ihnen, sondern der Allgemeinheit und vor allem dein Judentum. * Wie weit der Haß gegen diese allzu starke Beteiligung Oer Juden an dem neuen Regiment ist, geht aus der nachstehenden, freilich äußerst übertriebenen Auslassung der „Deutschen Zeitung" hervor: Das Judentum i n den „B vlksregl e r u n g e n". Auf die Frage: Wer regiert? antwortet der „Bayerische Kurier" Unter den Vvltsbeauftragten und den übrigen führenden Männern in Berlin finden nur die Namen wie Eohn, Bern st ein, H a a s e, £ p p e n h e i m er, Rosenfeld , Herzfeld , Simon, L a n d s b e r g usw. Bei den radikalen Unabhängigen .und Spartatus-Lenten spielen Liebknecht, Levi und R o s a L tt x e nt bürg die erste Rolle. Die Anßenpolitit der Einzelstaaten vertreten in Bayern Eisner, in Württemberg H e y m a n n , in Sachsen Lipi n s k i, in Deutsch- Oesterreich Ban e r. Lei der Reichstvnserenz mürbe soeben als Gesandter Deutsch-Oesterreichs der konfessionslose 'Wiener Jude Lndv Har^ntann, Svhn des aus dent Frankfurter Parlament bekannten Moritz Hartmann, eingeführt. Für die freundliche Begrüßung dankte er, indeut er gleichzeitig betonte, es dürfe kein Präjudiz sein, wenn er heute als Gast in Berlin weile, er fühle sich schon völlig zugehörig. Ganz begreiflich, werden doch die j ü - d i s ch e n Vertrete r bald a u s f ch L i e ß l ich. unter s i ch s e i n. Eisner forderte iit der gleichen 'Sitzung attsdrückltch den Rücktritt Svtss.und Erzbergers. Man mag über die genannten beiden Staatsmänner lote immer urteileit, zweifellos sind sie Deutsche, und ttach ihrem Abgang wird utan eilt altes Sprüchletn zeitgemäß variieren können: Vergebens spähest du umher. Du findest keinen Ehrt st e n nt ehr! Sogar die F r o n t a r m e e tmterstellt sich jüdisch e r Führung. So steht an der Spitze des Soldatettrates der vierten Armee (Krefeld) Lewinsohn als Sprecher einer halben Milli oll Feldgrauer. Wer ftitb die wahrem Besieger Deutschlands? Sind es die Franzosen, Eitgländer, Amerikaner? Nein. Bott ihnen alten herrscht lttentaiib so unumschränkt in den deutschen „Freistaaten" wie das I u b c it t u m. Tie Gleichberechtig11ng von 1848 hat 1871 der Borherrschaft, 1018 aber der Alleinherrschaft des jüdischen Voltes in Deutschland Platz gemacht. Hc Ein neues, in Ton und Inhalt -gleich bedrohliches Flugblatt ist in den letzten Tagen in Berlin verteilt wovden: Ende des Militarismus — Anfang der Jndenherrschaft! 50 Monate haben wir an der Front gestanden, jetzt kehren wir heim und hosfen, auf Grund der letzten Ereignisse cm freies Detttschlano mit einer Voltsregierung an der Spitze zu finden. Was bietet utan uns? Eine Judenherrschaft! Die Beteiligung der Inden an den Frontkämpfen war gleich Null. Ihre Beteiligung an der Regierung beträgt jetzt schon 80 Prozent. Die Verhältmszahl der jüdischen Bevölkerung zur Gesamtbevölkerung ist ly Prozent. Augen auf! Kameraden, ihr kennt die Blutsauger. Kameraden, )vn hat sich freiwillig zur Front gemeldet? Wer hat am meisten da draußeu im Dreck gesessen? - - Wir. Wer hat, sich daheim in die Kriegsgesellschaften ist t am nged rängt? - Die Juden. Wer hat m den Kanu neu und Schreibstuben gesessen? --- Die Juden. Welche Aerzte haben ihre Glaubensgenossen vor dem Schützengraben geschützt? Wer hat uns. trotzdem wir zerschossen waren, nnmer wieder k.v. gemacht? Diese Leute regieren uns also. Sollen sie unsere Zutunft bestimmen? Leute wie Haase, Dr. Kurt Eisner, Hirsch, James Simon, Bernstein, Dr. Rosenfeld, Schlesinger, Emanuel Wurm, Eohn, Tr. Bresin, Katzenstein, Dr. Wehl, Landsberg nfw. ufw. haben die Regierung au sich gerissen. Auch in den Soldatenräten führen die Juden das große Wort und das Regiment. Vier Jahre lang haben sich diese Leute von dr Front gedrückt. Am 0. November hatten sie die Eouragr, mit der Flinte in der Hand uns Frontsoldaten die Kokarden, Achselklappen und Ehreltzeichen herunterzureißen. Kameraden, mir wollen als ein freies Volt auch selbst bestimmen und von'Männern unseres Voltes regiert fein. Welch schlechtes Gewissen diese Leute haben, zeigt die Mitteilung des Herrn Landau auf einer Versanunlung der indischen Zionisten im Lehrervereinshause am Alexanderplatz, indem er sagte, daß er Gelegenheit gehabt hatte, m das Material Einsicht zu nehmen, das von judengegnerischer Seite während des Krieges gesammelt worden sei. Eine Veröfsentlichnng dieses Materials würde dazu geführt haben, daß man die Juden ans den Straßen totgeschlagen hätte. Er bedauerte, daß sie (die Juden) den Anlaß zu diesem Matertal gegeben hatten, und ermahnte sie zu tiefer Dankbarkeit der Sozialdemokratie gegenüber, deren Sieg die einzige Rettung der Juden in Deutschland gewesen lväre. Deswegen ist die Einberufung der Nationalversammlung dringend notwendig, um Männer unseres Voltes und unserer Gesinnung in die Negierung hineinznbringen. Unser Losungswort muß sein: Deutschland den Deutschen. * Die nachfolgenden Aktenstücke sind der Mitteilung wert. Zunächst eine Erklärung des Nürnberger Rabbinats, die in dortigen Blättern zu lesen war. Sie lautet: Eine neue Welt ist angebrochen. Aus ungeheuren blutigen Opfern ward sie geboren. Des Morde ns Ende ist nunmehr gekommen, Friede soll sich micber breiten über die jo lange Jahre schwer heimgesuchten Nationen. Diese wollen fortan selbst ihr Schicksal sich gestalten und es nicht mehr ans den .Händen der Regenten entgegennehmen, die bisher darob verfügtett. Auch wir Inden müssen Stellung zu dem großen Umjchlvung nehmen., der unser ganzes vaterländisches Denken und Leben auf neuen Boden stellt. Wie in den anderen Religivusbetenntnissen ist auch bei uns diese Stellungnahme bei den einzelnen Angehörigen unseres Glaubens eine, ganz verschiedenartige und hat mit dem Glaubensbekenntnis nichts zu t.un. Die einen unter nns lösen sich nur mit Zagen vvit der bisherigen Gestaltung des Vaterlandes los, die sie mit ehrlicher lieber zeugt mg vertraten und der sie in voller Treue noch in der furchtbaren Kriegszett die schwersten Opfer brachten. Tie anderen wieder treten in zuversichtlichem Glauben an eine bessere und würdigere Zukunft des Voltes und der ganzen Menschheit freudig in die nengeschassenen