Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1918)
- Date
- 1918-02-22
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 für jüdische Kriegsgefangene begründeten Gesellschaft Roter Magen David Herr Sally Kirschstein (Berlin) an einem Vortragsabend des Jüdischen Frauenbundes der Berliner sozialen Franenlchnle. Die Kriegs<zefangenenfarsorge. der sich in allen kriegsuhrenden Staaten allgemeine Organisationen mit;um Teil sehr bedeutenden Mitteln widmen, ist von jüdi'ckwr Seite bislxr nicht vernachlässigt worden. Das Rote Kreuz hat einen Teil der »sürsorgarbeit durch Gewährung von Kleidung und verschiedenen Liebesgaben übernommen, während der Christliche Verein junger M an ner die Versorgung der Kriegs gefangenen mit geistiger Nahrung ausübt. Eine besondere Wirksamkeit für ihre Glanlnmsgcnossen wird von den evangelischen und katholischen Millionen ungeübt.!?»r die Arbeit an den jüdischen Gefangenen hat llch in der Schweiz ein Verein Roter Magen David gebildet, der jedoch bisher bei den massaebcu den jüdischen Organisationen in Deutschland keine Unterstützung fand. Dagegen haben sich einige private Organisationen zu einem R e i ch s v e r b a n d für jüdische G e f a n g e n e n s n r s o r g e zusammengeschlossen. der sich im Rahmen seiner sehr beschränkten Mittel der in Deutschland internierten jüdischen Gefangenen durch Entsendung jüdnck^r Geistlicher zur Abhaltung von Gottesdiensten. Aussprachen. Gewährung von Lesestoffen und ähnliche Liebesarluütcn annimmt. Mitteilnugen ans der Praris ergänzten die interessanten Ausführungen des Redners. W. Posen, 15. Februar. Dem hiesigen Armeuhilfsverein ist cs durch die hochherzige Spende des verstorbenen Geheimen Kommerzienrats Michaelis Herz, dessen Andenken für alle Zeiten bei uns fortleben wird, und seiner verstorbenen Frau Gemahlin sowie anderer Zn- Wendungen müglich gewesen, seinen Rescrvestock von 75.00 Mark ans 20 000 Mark zu erhöhen. Die MitgliedSbeiträge sind durch den Zutritt neuer freunde des Vereins um etwa 300 Mark gegenüber dem Vorjahre gestiegen, so das; die übliche Beihilfe der Shnagoaengomeinde. welche in früheren Jahren 2000 Mark beiwstenert hat. nicht in Anspruch genommen zu werden brauchte. Die Allsgaben beioeaeu sich im Rahmen des Vorjahres: wahrend die laufenden monatlichen Unterstützungen sich etwas ermäsziat haben, sind die ausserordentlichen nnd die der Kriegerfamilien, den Zeit- Verhältnissen entsprechend, gestiegcn. Der Verein hat die Einrichlnng getroffen, d<is; diejenigen Freunde des Vereins, loelche eine einmalige Spende von 5.00 Mark aelvähren. zu immerwährenden Mitgliedern getvählt und als solche für alle Zeiten in den Jahresberichten genannt werden. --- Durch den Ausspruch, das; die ganze Reichsgetreidegesellschast nur ans Juden und Judengenosseu stände. die er nicht respektieren könne, gegen sie vielmehr Front "lachen müsse, hatte sich der Rrtleranlsbesitnr Johannes Lüpke zu Warl^elin U'eaen Beleidigung der Reichsgetreidegesellschast zu ver «'ntlvorten. Da? Gericht erkannte ivcgen Beleidigung airr 300 Mark < Geldstrafe beziehungsweise 30 Tage Gefängnis. — Die Insassin der Latzkchen Anstalt MUve Güttel Gerson geborene Bär ist. 03 Jahre alt. tvrschii'de,,. Die Verstorbene war ivcgen ihres lent- 'eliaen Wesens von den Mitinsassen und der Direktion gern aelitten. Auch in der Stadt erfreute sie sich arossen Ansehens. - Vizekeld- 'vebel S. M a n hei m. Sohn des verstorbenen Fabrikbesitzers Isidor Manheim, wurde zum Leutnant der Reserve befördert. Dessau, 15. Februar. Herr Laudtagsal^geordneter Justizrat Dr. Cohn in Dessau ist zugleich als StadtZ^erordncteuvorsteher an Iwrvorragender Stelle an der Führung der städtisckren Gesck^itc be teiliat. Seine Nnterirrchung ül'er vom Oberbürgermeister Gehenucn Reaierimgsrat Dr. Ebeling bei der LebensmilelverteiLung begangene Nnreaelmassiakeiten und Charakierkosiakeiten hat Dr. Etxling. dessen antisemitisches Gebühren lloch von früheren Zusainmenstössen mit Dr. ^ohn bekannt ist. zum Rücktritt gezwungen. Zu seine«, Nackssolaer bat Dr. Cohn den sreissnniaen Stadtrat Hesse vorgeschlagen, dessen Wahl dann auch mit grosser Mehrheit erfolate. Die volitischen Gegner <vrrrr Dr. Cohns fint> Nuubcr ganz ans dein Häuschen geraten und baden sich zu heftigen Angriffen gegen ihn verstiegen. Die Dcssauer Organisation der fortschrittlichen Volkspartei hat nnn in folgender einstimmig gefassten Cntschliessung zu den Angriffen Stellung genommen: .Die Bersannnlung bnuff den fortschrittlichen Stadtverordneten »ür ihre erfolgreiche Mitwirkung bei der Abstellung der in der Stadtverwaltung hervorgetretenen Mängel und stellt fest, dass der Stadtvcrordnetenvorstel^r Dr. Cohn die ihn, obliegende Kontrolle 5pr Stadtverwaltung pslichtmässig aus«Mbt hat. Die Versammlung stellt ferner auf Grund deS Berichtes de» Vorßtzeade» Dr. Coh« und anderer Mitglieder fest, dass die WahlrechtsSnderrmg in der hiesigen jüdischen Gemeinde zur Sicherstellung der (auS der Erbschaft der Baronin von Cohn-Oppenheim herrührenden) EtistunHSmillioven tn dom fleiucn Kreise der Gemeinden,iiglieder den pekuniär interessierten Elementen gegenüber eine unablveisbare Noüvendigkeit war. mit der die grundsätzliche Frage nichts zu tun hatte. Tie Versammlung spricht daher Herrn Dr. Cohn von neuem ihr Vertrauen und ihre lebhafte Anerkennung seiner im Dienste der Partei und der Allgemeinheit unermüdlich geleisteten Dienste aus.^ Einer ähnlichen Resolution hat die Repräsentantcnvcrsannnsimg der Designer Jüdischen Gemeinde ebenfalls cinstinning ihre Zustimmung erteilt. Danach haben die politischen Gegner Dr. Cohns, dessen Stellung in der Dcssauer Bürgerschaft fester lvie je ist. wieder den kürzeren ge.zogeu. l. X. /Halle, 15. Februar. Am 27.V.M. verschied hochlvtagt nach einem reichzefegneten Leben die erste Vorsitzende und Begründerin des Israelitischen Franc,,Vereins zu Halle a. d. Saale, Frau Dr. Fröhlich geb. Goldbera. Die Verklärte war w'e Gattin des leider zu früh verstorbenen Rabbiners Dr. Wilhelm gröblich und als solche im wahren Sinne des Wortes die Mutter der Gemeinde, der Armen und Bedrängten, deren Leid und Freud sie stets zu dem ihren inachte. Als Begründerin und Vorsiticude des Israelitischen Frane»iver«'i„s \vor die Verewigte, ansaestattet mit seltenen Geistesgaben, in fast vierzia jähriger DüLkgl-üt bis an ihr Lelvnsende bemüht, denselben nach jeder Richtung hin zu fördern, nud hat sich dadurch ein unvergüng lick^s Denkmal gesetzt. L/D KSt», 15,. Februar Der Bericht ül>?r die Sitzung der Zentral weblfahrl -stelle der deutsckvn Juden bringt wenig iil»er die in der iüdisck^n Jugendfürsorae bestehenden Mängel, nichts ül^er Mittel und Wege, wie denselben zu befeanen ist. und muss alle diejenigen ent täuschen, die beständig mit den Schwierigkeiten zu kämpfen habe», ,velck^ die llnterbringnng unversorgter jüdisck^r Jugend verursacht Ich gestatte nur. einige wenige derjenigen Punkte zu erwähnen, dir eingehender Erörternna bedürfen, wenn die iüdisckss Jugendfürsorae nur in etrvas derjenigen der öffentlichen gleichkonunen sollte: 1. Fan alle?lttstal1en bnv. Waisenhäuser beschränken sich ans das schul pflichtige Alter: kleine Kinder und Säuglinge bleiben fast gänzlich »« beachtet. 2 Die Ausnahmebedirwungett sind meist derart iinzci: ge,näss lvschränkend. di,ss die Anstalten nur in besckreideuem Masse lokalen Bedürfnissen Rechnung tragen. 3. Die öffentliche« Behörden sind vielfach ratlos, wenn sie sich mit der Unterbringung jüdischer Kinder zu befassen haben. 4. Geeignete indische Privat-Pftegestelleu sind nur in seltenen Fällen zu finden. Obgleich unsere Anstalt nn ai'sabr 2<!0 arnre Kinder zu versorgen hat und wohl die ärmste der jüdischen Anstalten Deutschlands ist. crreickren „ns beständig Ans «alnncgesuche von öffentlichen Behörden. Geineinden nud Ortsarnieu verbänden, die berücksichtigt werden tnüssen, weil vergeblich versucht wurde, die Kinder anderweitig nnterzubringen. Die Städtische Waisen deputation Berlin und die Ortsarrne'nverbände anderer Städte werden gewiss auf Wunsch Auskunft geben, welchen Schnnerigkeiten sie bei der llnterbringnng jüdisckpr Pfleglinge begegnen. Es wird von 200 leeren Betten berichtet, die noch in Anstalten besetzt werden können. Ja. ,vas Hilst das Bett, wenn es für das ar,„e Kind nicht zn halben ist. weil letzteres unter sechs oder über zwölf Jahre alt ist. ,veil der Vater Ausländer, weil es am Orte, in den, sich die Anstalt befindet, nicht zuständig ist. iveil es nicht eidlicher Geburt, weil cs eine Sck^oäckje hat. die für die Reinhaltung der Schlafräume unerwünscht ist, weil es für Beelitz nicht genügend rückständig, für andere Anstalten geistig nicht genug entwickelt ist. „sw. usw. Anstalten, in de,vn die Am nahmen von der Gnade nnd Varu,Herzigkeit einzelner abhängig sind, haben für die öffentliche Wohlfahrt ,vcnig Wert. Anstalten und Betten sind genügend vorhanden, wahrlich auch Mittel: Hunderttansende liegen brach, die für die Versorgung armer Kinder gespendet wurden, in diesen schweren Zeiten keine Verwendung finden, aber ausreichen wurden für eine „nisterhafte Organisation zur Versorgung hilfsbedürftiger jüdischer Jugend. Was hinsichtlich des Shstems der sogenannten -Massenanstalten" ansgeführt wird, muss als vollkommen verfehlt betrachtet werden. 2Dcr beispielsweise die Einrichtung der grossen in Köln bestehenden Anstalt kennt, wird eines Besseren belehrt werden. Hier werden die Kinder in Gruppen von 10 bis 25 je nach -llter und Veranlagung eingeteilt nnd für jede Gruppe geeignetes Pflege- bzw. Erziel,ungspersonal eingestellt. Jede Gruppe bildet eine Jamilie, die einheitlich erzogen wird. und jtehen die Erziehnngsersolge