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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-02-22 · Heft 8 (22.2.1918) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 8 (22.2.1918)
Date
1918-02-22
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 hierbei, wie allgemein anerkannt wird, gegen diejenigen in kleinen Anstalten in keiner Weise zurück. Vom geldlick-en Standpunkt ist zu betonen, daß bekanntlich die Pslegesätze in groben Allstalten meist nur die Halste derjenige» in Keinen betragen. Daß sich die bestehenden Mißstände in der KriegsM doppelt fühlbar machen und auch rlvch lallge nachher fühlbar sei» werden, wenn llicht Abhilfe gcfcf>trffcn wird, bedarf keiner mcilfrc« Erörterung. M. Plato, Leiter des Israelitisch» Kinderheims. Köln. I.. N. Kassel, 15. Februar. Schoo wieder wurde unsere Gemeinde durch einen Todesfall tief ersciMteet. Im 70. Lebeilsjahr verschied infolge eines Gchirnschlages Herr Fabrikbesitzer Adolf Eisenberg, der viele Jahre das Amt eures Gemeindevorstehers in Kassel mld in seinem srül)eren Wohnsitze Hofgeismar mit aller Hingebung und Treue verwaltete und überall durch seine vornehnw wie hochherzige Gesinnung geehrt und geschaht war. Mit ihm scheidet auch einer der bedeutendsten JndnstriMen Kassels und Mitteldeutschlands aus dem Leben; feine Mälzereien liege» in Hofgeismar und Erhört und sind wohl die größten Werke chrer Art. Seine'vielseitige ge. schästliche Tätigkeit drallste Herr« Eisenberg in nahe Beziehungen zur Landeskanlnrer, deren wertgcjchatztes Mitglied er bis zu seinem Lebensende blieb. Bei dieser Bchörde hatte er dre Bearbeitung der Fahrpläne für unseren Tirektiousbezirt, eine schwierige und umsichtige Arbeit, die er stets z»rr größten Besriediglurg für Handel. Industrie mld Gervecke löste, wobei chm die vielfachen Erfahrungen und schätzenswerten Verbindungen ats Mitglied des Eisenbahnbeirats der Königlichen EiserckchichLrettion zu Erfurt sehr zustatten kamen. Ter Verstorbene willlle auch als stellvertretender Handelsrichter und leistete «och m vielen städtische und jüdischen Dereimn wertvolle Arbeit. — Unter großer Beteiligung fand am 13. d. M. die Beerdigung Mt bei der Herr Seminardirektor Dr. Lazarus mii beredten Worte» Leben und Wirken des Heimgegangenen schilderte. Sein Andend» wird stets ein gesegnetes bleiben. er. Frankfurt a. M., 15. Fllb«mr. Tie erste jüdische Sammelvormundschaft im Deutschen Reiche w«rde im Jahre 1907 in Frankfurt a. M. eingerichtet. Die Neuschöptzmg fand in der Berliner Jüdischen Gemeinde Nachahmung, ivo die Gemeindebehörden seit etwa allst Jahren einen Sammelvormrmd «gestellt haben. Während die Berliner Einrichtung von der Gemeindeverwaltung geschaffen wurde und aus Gemeindemiitel» erhMvo wird, verdankt die Frankfurter Einrichtung der Initiative vor «ichnge» „weiblichen Fürsorge" ihr Entstehen, die zur Durchfuhr»«- einer systematischen Einzel- Pflege und der genügenden Be«stßchtignng ihrer Pflegebefohlenen die Schaffurig einer jüdische» Sammelvoruumdschast für Frankfurt a. M. anrcgte. Tie Geme«^cßehörden, vertreten durch den ,Aluroseukastcn der Israelitisll-en Gemeinde*, stellen den Samrnel- Vormund an. 1 nährend hk erfoeLerlÄhen Mittel durch eine Kommission beschafft werden, rvelche -«selben von verschiedenen Ber» eitlen und auch von ilrteressterten Prümtperfonen aufbringt. Etwa 25 Helferinnen üben die eigentliche My-erißhe Tätigkeit an bcu Schutzbefohlenen der Sanunellwrmnndschaft «ns. Seit der Errichtung der Lammclvormrmdschaft (1. Januar AW7) «ntcrstanden bisher in^esamt 207 Kinder ihrer Pflege, darurüer lÄ Krmben und 112 Mädchen. Bon diesen waren 77 Knaben und <9 Mädchen ehelich geboren. 78 Knaben und <»3 Mädchen Ware« «»ehelicher Geburt. Es gehört zu den selbstverständlichen Grundsätzen der Sarmnelvornmndschast, daß die jüdischen Kinder in allen Altersstufe» nur in jüdischen Pflegestellen untergebrallst werden. In Durchführung dieser Uebung wurden 17 Kinder, die sich bei Begründ««- der Sannnetvormundschast bei christlichen Pflegeeltern befanden, in Dvqichen Familien nntergebracht. Soweit es irgend tunlich ist, ivertze« die Kinder in ländliche Fürsorge gegeben; es befanden bzw. besagen sich noch 76 Knaben und 64 Mädchen in Landpflege, während 79 bzrv. 50 in der Stadt nntergebracht sind. Bo» de» Mündeln des jüdischen SammekvormmrdS befinden sich IN Knaben und 88 Mädchen in Familienpflege; in Anstalten sind 53 Zünder nntergebracht (30 Knaben. 23 Mädchen;. Zehn Knaben und drei Mädchen stehen unter Fürsorge» erziehung, vier Kinder sind in Heilanstalten nntergebracht. In den vergangenen elf Jahren waren 23 Dadessiille zu verzeichnen. Tie Aufwendungen, die diese große Anzahl von Zöglingen verursachten, waren sehr erheblich: besonders die Sefpfe» Jahre haben die Bedürfnisse der Sammelvormundschaft rapide «aoachsen lassen, da die Pflegegelder von ihrem ursprünglichen Satze mn 20 bis 25 Mark auf 45 bis 53 Mark gestiegen sind. e/v Bruchsal, l5. Februar. Tas Hinlcheiden des Landrabbiners Tr. Doktor in Kassel (vgl. Nr. 7 d. Bl.) hat auch ' hier in Bruchsal allgemeine ivehmütige Teilnahme geweckt. Hat! er doch während einer sechsjährigen Wirksamkeit als unter Bezirksrabbaier (KM) bis 1906) durch seine Tatkraft und feinen Eifer in Schule und Gotteshaus, in den Vereinen und im Leben überall aufrichtige Hoch'cl'ätznng sich erworl^n. Er hat den hiesigen Der- : ein für jüdische Geschichte und Literatur ins Leben gerufen und ' die Wohltätiakeitsvereine z» einem Wohltätigkeitsrat verbunden,! er schul ferner der Fugend am Vorabend des Thora-Freudenfestes! einen schönen Gottesdienst. Tie dankbare Erinnerung an diese , Verdienste bekundete sich darin, daß die Gemeinde zur Beerdigung de? Entschlafenen ihren derzeitigen Bezirksrabbiner Tr. Grzttm i sch entsandte, welcher auch ans dem Friedhofe an der Bahre ' jener segensreichen Tätigkeit warm empfundenen Ausdruck verlieh. Holland. C/a Den Haaa, im Februar. Tie Spendeneinnahmen des Indischen N a t i v n a l f o n d s im Jc.bre 1917 betragen, nach Ländern geordnet: Rußland 475 312 Rubel. Testerreich 447 662 Kronen. Nordamerika 73 502 Dollar. TenEchland 149 368 Mark. Bolen und Litauen: deutsche Okkupation 83 69-? Mark, österreichische Tkknvation 72 463 Kranen. Holland 28 767 Gulden. England 1396.1.10 Pfund Sterling. Argentinien 13 378 2resns. Kaliada 4056 Dollar. Ilnaarn 18 526 Kronen. Südafrika 639.8.4 Pfund Sterlina. südslawische Läi.der 14 940 Kronen. Bnlaarien 13 846 Levas. Schweiz 11572 Francs. Belgien 8329 Francs. Frankreich (inklusive Tunis) 6978 Francs. Aealwten 255.11.4 Pfund Sterling. Griellvnland 6425 Francs. Sstasien 160 Pfund Sterlina. Schmieden 2542 Kronen. Dänemark 2447 Kronen. Australien 82.10.6 Pinnd Sterlina. Neuseeland 52.1.3 Mund Sterlina. Italien 697 Lire. Ehina 20 Pfund Sterling. Brasilien 192 Gulden. Svgn'ei, 300 Francs. RoNvegen 85 Kronen und diverse Länder 460 Francs. Das ernstst;it den Kursen vom 31. Dezember 1917 zusammen 1 747 278 Francs. Nach den Friedensknrfen ergeben diese Betraue 27 3 0011 Francs. Da ein großer Teil der Svenden vorerst nicht realisiert wird, sondern in den Landeswährungen deponiert bleibt, so ist das Eraebnis noch nickst als endanltig anznseben. Bei einer eventuellen Erholung der Währungskurse nach dein Kriege könnte die Kursdifferenz .nun Teil an den Jüdischen Nationalfonds znrückflkeßen. Tie Emnabme deS Kriegsjahres 1917 ist ein deutlicher Bcrveis. daß der Nationalfonds sich einer außerordentlichen Popularität erfreut, ja foaar die belichteste Institution im jüdischen Bolle genannt werden darf. — Der kürzlich verstorbene kaiserliche Rat Karl Hirsch in Wien bat dem Indischen Nationalfonds ein Legat'von 2 0 000 Kronen hinterlassen. — Ende Tezeinber 1917 bat in Berlin eine Konferenz der deutschen Bert ran ensmünner des Jüdischen N a t i on a l so nd 8 stattgefunden, lim w beraten, auf ivelcke Weife fnr die in nächster Zukunft an den Nationalfonds herantretcnden großen Aufaaben bedeutende Kapitalien bereilzn stellen leien. Die Konferenz beschloß, zu diesein Zwecke in erster Linie den Friedensscheck de8 Jüdischen Nationalfonds zu propagieren, wobei envartet wird, daß jeder Spender einen seiner finanziellen Leistungsfähigkeit entsprechenden Betrag zeichnet. — Eine wichtige Konferenz zur Förderung des Jüdischen N a t i o n al fo nds hat ebenfalls Ende Dezember in London stattgesnnden. Beinahe alle zionistischen Vereine Londons und sehr viele der Provinz hatten Delegierte entsendet. Ten Vorsitz führte Nah um Sokolow. der darauf hinwies, daß der Jüdische Nationalfonds für die Zukunft Palästinas eine der belangreichsten Rollen zu spielen haben ,verde: im Hinblick auf die letzten Ereignisse ruhe auf den Juden Englands die besondere Pflicht, das früher Versäumt^ gutzumachen und den Fonds in jeder Hinsichst zu stärken. Darauf gab Jng.-Aqr. I. Lettinger eine Uebersscht der Skedkungsaufgaben des Jüdischen Nationalfonds wahrend der nächsten Zeit und erläuterte seinen bekannten Plan der Gründung von zunächst dreißig Kolonien mit dreitausend landwirtschaftlich tätigen Familien mit dem Aufwand von 75 Millionen Francs, wovon 25 Millionen vom Jüdischen Nationalfonds für den Boden beizutragen wären. Zur Förderung dieses Planes empfahl er eine Agitation für die „Nach^h", d. h. eine Spende von 100 Dunam (den durchschnittlichen Bodenanteil einer Familie) im Betrage von 5000 Francs. Tie Konferenz nahm schließlich n. a. die folgenden Resolutionen einstimmig an: 1. Das Haupt-

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