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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-02-22 · Heft 8 (22.2.1918) · p. Seite 96

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 8 (22.2.1918)
Date
1918-02-22
Page
Seite 96 (sequence 14)
Language
German
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% buch nehmen'. Gottlob. dak Mutter ihn um sich hatte! Mutter! Und erst jetzt begannen Hermann langsam die Tränen über die Backen herabzutropfen. * Ter Rabbiner hatte seine Rede beendigt, /Jude sein, heitzt ein guter Mensch sein." . . . Hermann hörte nach den Tonfall, in dem der (Geistliche zwei-, dreimal diese Worte gesprochen, als er zwischen Lnkel Ferdinand und Lnkel Maier -- Vaters beiden jüngeren Brüdern dem Grabe zuschritt. Tann wurde der Larg hinabgelassen, Jeder -- zuerst der Lohn warf drei Lchanfeln Erde nach. Tarauf wurde noch ein kurzes Gebet gesprochen - in hebräischer Lprache. Uni> dann stieg man in Dir bercitstehenden Wagen und fuhr davon. Heim zur Mutter, die nach jüdischer Litte zu Hanse geblieben war, umgeben von den Frauen der Verwandtschaft. l'fije schluchzend hielten sich Mutter und Lohn eine lange Zeit umfangen, £cife schluchzten die umstehenden Frauen. Und die Männer schneuzten sich und wischten sich die Augen. Tann aber verlangte Lnkel Lalonwn, ein weitläufiger Vetter des Vaters, ein ganz alter Mann nahe den Achtzig, der von weither ans der Provinz gekommen war. also der verlangte nun überlaut nach einer „LchüsseL" voll Kafsee, denn er habe den ganzen Tag noch keinen „Bisten übers Herz gebracht". Und er käme noch ganz von .graften auf diese Weise. Und er sei kein heuriges Häschen mehr. Und sie sollten jetzt überhaupt anfhören zu weinen, ihm werde schon ganz i übel davon und er könne cs nicht mehr länger mit anfehen.! Und erhätte seinen Vetter Julius gewitz anch gern gehabt, sonst wäre er nicht ertra den weiten Weg hergereist, aber alles nrüffe einmal ein Ende nehmen. «Fortsetzung folgt.) Litrrsrilchr Mitteilungen. ~ Auktions-Katalog XI, enthaltend eine Reihe von hervorragend seltenen Münzen und Medaillen, darunter viele Unika nnd nnedierte Ltücke. Tic Versteigerung findet statt Montag, den 4. März, in den Gesclstrjrsrmimen Lophienstrasre 36 unter Leitung der Inhalier der Firma A. Riechmann u. Eo., Halle (Laale), L0phienstras;eM. A. Riechamnn n. Eo., Hatte l-aale), Iamcar 1018.' Tiejer neue Münzkatalog, der mit 17 sehr schonen Tafeln geziert ist nnd durch diesen schmuck ein wirkliches Kunstwerk darftcllt, verdient desivegen hier angeführt zu werden, weil unter den Münzen gar mancize sind, ans denen Hebräisckxs nnd Biblisches sich findet nnd einzelnes, daS sich auf die Geschichte der Inden bezieht. Unter den Münzen ersterer Art sei ans einen Bierdukaten von 1617 hingewiejen, aus dem ein hebräisct)es Wort vorkvnunt und aus dem „König Lalomo vor seiner ans einem Testet sitzenden Mutter adgebildet ist". Unter den letzteren sind zivci Frankfurter Medaillen ans dcm Jahre 1721 zn erwähnen: die eine, auf die vier Fenersvrnnstc in dem vergangenen Jahrzehnt sich beziehend, hat ans der Vorderseite eine la1nriisc1)e, aus der Rückseite folgende dentscl-e Inschrift: „Ind! was hilfet deine Kunst, dein Lchcm hammephvrascht (!)^ t<r Malach esch spricht: Tunst', dein Zenhren (!) mich lischt wenn du nicht tjchnba tust und Rab Icschna ehrst, im Esch r>erderbcn mutzt, ob du schon battim mehrst." Tie andere, glcichfaNs ans dem Jahre 1-721 stammend, ans dasselbe Ereignis pch l^zicl)end, hat folgende sehr merkwürdige Inschrist: Ehrist! rühm und prahle nicht, Tatz Indenhäuser brennen, Tie Lacl)e bester richt: Lich einen Christen nennen-, £1)11’ Butz und Glaube macist, Tatz Rach und Feuer wacht. Wenn du in Lichcrheit, Und Lust zubringst die Zeit. Tie erste Medaille gehört zu den grössten Tcltcnheiren, die zweite findet sich nirgends beschrieben. Es wäre sehr wünschenswert, wenn diese beiden höchst merkwürdigen Münzen für unsere Wolssche Lammlnng erworben werden tonnten. I.. (1. — Feldrabbiner Tr. Salztzcrger: A u S tu 11 \\ * m Kriegstagebuch (Tonderabdruck ans der Monatsschrift „Liderakes Judentum"). Verlag „Lilwrales Judentum" 1916. Preis 75 Pfennig. (Frankfurt' a. M.) Gar vielen ivcrden diese Kriegstagebnäststätter sck-on (bekannt sein; um so mehr werden sie es mit Freude begrüßen, datz sie jetzt ge« sammelt erschienen sind. Liest mau sie so hintereinander, so ersckzeinen sie uns wie ein Führer durch diesen so endlos langen Krieg j nnd spiegeln in ihren einzelnen Abschnitten den verschiedenen ' Ltimmnngsgehalt der vergangenen Epochen. '?lls Tr. Lalzberger ins Feld zog, da schien es, als ob die gemeinsame Not alle konsestionell trennenden Lchranken zmn alten Eisen iversen ivurde und gleiches Recht im gleichen Vaterlande allen bc schieden sein sollte! In den Lchlnsr des Buches klingt die Indcnzählnng hinein, und ' einer stillen Resignation kann sich anch der Verfasser nicht er j wehren, uh'uu ihn anch „vor allen dusteren Gedanken über die > Zukunft der alte, in tauscndsacl)em Leid erprobte jübisclx LptimismuS lvivithrt". Ganz unindcnvolle, poetisch belebte Stimmungsbilder lätzt cr vor unserem Auge erstehen. Wir nehmen mit ihm an den jüdiscl)en Feiertagen im Felde teil, wandern mit ihm durch die Lazarette, begleiten ihn auf seinen Reisen durch die Armee und lasten uns von ihm über die „Feld rabbinerkonjerenz" berichten-. Es ist an dieser Ltctte nicht unsere Lache, daraus hinznweisen, wieviel in den vergangenen Kriegsjahren von den Jeldrabbincrn geleistet worden ist und täglich geleistet wird, aber die Tatsache sei doch anläßlich des vorliegenden Lalzbergcrsck)en BucheS betont, datz ein unendlicher Ltrom der religiösen und geistigen Anregung sich von ihnen über uns jüdische Loldaten ergiejst, für den wir stets anss neue dankbar sind. Nnterstreic1)en al^er möchte ich zum Lck)lntz noch die folgenden Lätze aus der letzten Betrachtung des Verfassers: „Was uns Juden ater ein gewisser Trost sein kann, ist die Tatsacl)e, datz unsere jüdischen Loldaten jüdifcl)er geworden sind. Es zeigt sich eben, daß cs autzerhalb oder bester unterlzalb des Glaubens noch etlvas gibt, ivas uns verbindet: Berga ngenlzcit, Gegenwart. Zuknust. kurz die gemeinsame Geschichte. Ein festes Band von Fleisch und Blut gewordenen Erinnerungen, von lebendigen Erlebnistcn und von Lorgcn und Hossnnngen umschlingt uns alle." Möchte Lalzbergers Echrist in reckst vielen Exemplaren zu! jüdischen Feldgrauen hinansgehen und ihnen in einsamer Stunde Freund und Genosse sein. Tr. Willy Cohn (im Felde). Mcheremlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalte«. Aurückseudmcg der Bücher findet ln keinem FaLe statt. Mar Hcrnkaun: Kai». Tramatisck)e Dichtung. Leipzig 1896, E. G. Naumann. Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in Elsatz-Lothringcn 1917. Gebweiler, Bnckst>ruckcrei I. Treysus, 1917. T. Limonsen: Dänemark nnd die Inden in Prag 1745. Tidsffrift sor Ivdijk Historie og Literaülr. In Kommistion bei Levin u. Munksgaard, Kopenhagen 1918. Alfred Friedmann: Kirclstnraub, eme Arbeiternovelle. Leipzig. Phil. Reclam jun. Alfred Friedmann: Tie Zitherspielerin oder Das Testament. Lübeck, Ltto Westel. Alfred Friedmalln: Vertauscht. Leipzig. Phil. Reclam jun. Anton Eholonewski: Geist der Geschichte Polens. Krakau, im Lclbstverlage des Verfassers. Buchdruckerei des Glos Narodu, 1917, Brest-Litowsk. Ein Wahrzeick)en russischer Kultur im Weltkriege 1917. Hermann Hillger Verlag, Berlin \V 9. Tie Geschichte der Juden in Brest-Litowsk. Von Rabbiner Dr. A. Tänzer (Göppingen), Armeerabbiner der Bugarmee. Berlin 1918, Verlag von Louis Lamm. Die Aussichten des freien Handels nach dem Kriege. Von S. Gottdiener, Gesellschafter der Firma Hugo Löwenstein G. m. b. H.. Tüsseldorf. Bonn 1918, Verlag von Alexander Schmidt.

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