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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-02-22 · Heft 8 (22.2.1918) · p. Seite 92

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 8 (22.2.1918)
Date
1918-02-22
Page
Seite 92 (sequence 10)
Language
German
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92 Luftschisse vorschlug. Zu wirkliche» praktischen Versuchen kam er jedoch nicht, weil er über die «AliM» Geldmittel nicht versagte. . Unter den vielen Problemen, die Popper als Erfinder gelöst. sür die er die iinninstSstliche Formel gefunden hat. steht die cleltrijche Kraftübertragung obenan. Xic Priorität derselben ist durch ei» vcrslegcltes Schreiben jcstgesteilt, das er 1802 der kaiserliche» Akademie der Wissenschaften «»k^Wien überreicht hat. An ihm erjütltc sich das typische Schicksal des vsterrcichischen Genies, das sich in vielen ferfindungen und! vnrveaungen vjsenbart, aber durch die Zweifklsucht oer Zeilgcnojscn um alle ferjvlgc gebracht wird. Wie es vor ihm Ressel unt der Schiffsschraube »nd nach ihm Kreß mit dem Trachcnslieger erging, so geschah cs Popper mit der elektrischen Kraslnveriragung. Mu Muhe und :>tvt gelang cs ihm, eine» Mechaittler sur den praktischen Versuch zu gewinnen; aber bei der ersten Schivierigtett itcp er Popper mt Stich, ferne ferjindung, die dem «roustrleuen Leven Oesterreich» einen neuen und kräftigen Aiislvsj gegeben hätte, vliev unveachtet und trat erst ■jv Fahre spater von Teulschland ans den Siegeslauf uin die Vielt am Ter große Begründer der mechanischen Wärmetheorie, :)i iui c r i a h e r in veübronn, hat pch und Popper geehrt, als er ihm den Wunsch aussprach, er möge seine eben in zivener Auflage erschienene .Meryamr der Warme' vesprechen. Unser Fubilar zögerte rn seiner Geivissenyaftigteit tauge mit seiner Fuslunmung, weil er sich, der eigentlich kein gachman» m Physik war, für ein solches llnternchnren nicht für kvnipetcnt hielt, fer bat daher Physiker von Fach, an seiner «lall diese Besprechung zu »vernehmen. Ta jeooch meiiiaiio daraus ciilgeycn wvulc, unterzog er sich endlich — doch »ul Nicht gerrngem Kleinmut — dieser Ausgave, hatte aver zu seiner gropen tteverraschnng ine Freude, sie zur vollsten FUsrieoenhen Mayers zu tosen. Tiefer schncv »ym: .verehrter Freund! Kaum kann ich Fhuen »« Worten ansdrnaen, >v>c ich crsreut war, als ich die Ar. &> des .Auslandes' unt Zhrcr ivuiioervvuell Arven von feotta erhielt... So viel ist ueivlsj, dag diese Besprechung m einem so hochgeachteten «.rgtui ept-ihemacheno ist sur mcme ganze Levens- und Leidensgeschichte und daß ich mich Zhucu dajttr zu iinuicrivayrendem grösste» Tanke verpslichlet fuytc. Zn meiner Biographie spielen Sie dadurch cnie sehr hervorragende Rone, „uunu i)t zemand >o lies, >v,e Sie, in den Geist uicincr Arbeiten elngcdrungcn und hat sich so »nt denselvcn vertraut gemacht . . . Zcy werde '.uanun imc Lievig utto Berdel, Lhiidau mio Popper slers in daiiioarsienl Kerzen oc>vayrc»r. Zu einem Zustande von Mißmut, als cs ihm iu mehrfacher Bczieliung schlecht ging, waudte sutz der begabte fersinder, dem die augerordeutuche Gave des Schauen» und Kombinierens immer und überall geblieben ist. der Soziologie in großem Stile zu. fer zielte »u seiner Soziaiethil sleis auf das Praltische. vergaß aber nie. ein Killturproblem anzupaaen, ohne sich um die vegriffliche Klärung des Wcsciis ocs Sittliche» bemüht zu Häven, fer war nie Dilettant. Wie "es hagle er die Beziehungen von Ratur und Sittlichkeit und ihrer Spannungcu und Kviijlitle! Las. >vas allen ferjor- Ichern der Tatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens aus der Seele brannte, ging ailch ihm ganz persönlich nahe: Ist eine Ethisierung der Aatur möglich { Was ist cs mit der Tvppeljeitigkeit der Kultur? Wie stehen Sitte und Recht zur Sittlichkeit! .Wenn irgendein selbst noch so unbedeutendes Individuum, das keines andere» Leben mit Absicht gefährdet, ohne oder gar ivider seinen Willen aus der Welt vcrschivindet, so ist das ein ungleich wichtigeres Ereignis als alle politischen, religiösen oder nationalen Ereignisse und als sänitliche wissenschaftlichen, künstlerischen „nd technischen Fortschritte aller Zayrhunderte und aller Völker zusammen." Zn dltscn schlichte»^ aver ausdrucksvollcn Worten legt Pvppcr-Lyntcus in dem Werke .Ta» Zndividn»», und die Bcivertnng menschlicher Existenzen', in dein neue grundlegende privatiind sozialclhiflye Maximen prattischer Art dargevote» »vcrden, das Grundprinzip einer gesttlelen Gefcllfcha,tsordnung nieder. Er schreckt nicht davor zurück, pyrasenyafte Zdeale zu zerstören, und leitet ans dem fegoismlis des Selvstcryaltiingstriebcs die siarksten Arg», meiitc f»r sein Prinzip der höchsten Menschlichkeit av. -a>» 1 Aachiveis für dasselvc erbringt er auf dem Wege psychvlo-! g>scher Ziidiittivn; es kann jeder die Probe darauf »lachen,! „idem er es aus das eigene Zch oder aus ihm naycftehende! Bieiischen amveridet. Zn der Tat wird das Prinzip, wie unser Lenker zeigt, viel häufiger realisiert, als man sich dessen tlar bcivutzl ist, aver es fehlt ihm eben darum noch der feharatter augemcincr Berbindtichkeir, die keine Ausnayine duldet. Besonders das gcgenwärligc Zeitalter ist weit davon entfernt, ihm dicfen feharatter zuzuertcnnen. An verschledenen recht vefchamenden Beispielen iveist Popper nach, daß der Werl des Menschrnlevens sich einer geringen Schätzung erfreut, ja. daß rn diesem Piliitte gerade yeme eine atavifuflye Brinailtat pomphaft Zlir Schau gestellt wirb, welche das humamlare Zocat des achtzehnte» Zayryunderts als üver iviindeire Zllusloil behandelt. 'Temgeurap vefcheidet er fich denn auch nicht mit der ansschliepiich cmpirischc» Begru»- vulig seines erhabenen Gcdanrens, fvnoern er hevt auch die Tatsache hervor, dag jedes Znoipiouum ein Mitrvlosmos l,i, welches die ganze Welt in durchaus eigenartiger Weise spiegelt, dag seine Zerstörung demnach die Zerstörung einer ganzen Wett bedeutet. Sein ganzes Sinnen und Trachten ist allezeit darauf gerichtet. das Gefühl der höchsten Wertschätziing eines zeorn menschliche» Ziioiviouuins, unabhängig von seinen Vorzüge» in physischer, intcllcttiicUcr, moralischer oder sozialer Bezieyiliig, zu wecken; sein Recht zu leben, ötvnomifcy zu sichern, vas Znolvidlluin iniavyanglg zu »rachen und yicrourch eno guttig,von dm Gespenstern der Rot und der Sorge zu vesreien. Tie „Augciueiuc Rayrpstichl' t|t der Giebel, o,c Krönung srinrs svz,alresor«latvrischcn Levensivertes. fem ^»cusvuns ionnre »naii dieses Wert mit Fug und Recht nennen; ihm svuce die Ausinertsamlelt aller, dieliver der Menschheit oe» Menschen,, über der Avftratlion d«e Realität nicht vergefscn, zugeivcnoet sei». Allen Respekt vor dem Tcnter, dessen lilrrarischc Groglalc» von dem vesliigelilden Gedanten geirage» slno, nicht ein einziges „fevcnbilo Gottes" oder .Kind Gvllcs ourse man vcruunmcrn lassen, man müsse alles andere stehen mio liegen lassen, um cs zu retten. Popper hebt stch glanzeno ao von den Aauonalötvnvmen, die die Menschen m Klasse» lellen, das jozurle Problem nicht als ein Menschen-, sonoern als ein «kanvesprovlein, speziell nur als Frage des Proletariats aussaiseii, immer nur Lohn und Arbeit vor sich scheu; die ungeheure Zahl der allen anderen Berusen angehörcnden Ringer um das nackte Dasein aver nicht sehe» oder nicht beachten, .weil diese sich nicht so wie die Arbeiterbataillone laut genug melden und wert stch bei anderen Leuten nicht jo subtile vvltsivirtjchastlichc Argumentationen verivcnden lassen wie Tie Triebfeder der tiefgründigen Wirksamkeit des scharfen Denkers ist jene Achtung vor der ganz voraussetzungslos genommenen Jndividualexistenz, welche die wichtigste Grundlage aller Ethik im privaten wie im össentlichen Leben bildet. bei der Lohnsrage'. Er keimt nur eine einzige Teilung d> Gesellschaft in soziatökonomischer Beziehung, eine Teilung i solche, die in ökonomisch gesicherter Stellung sind, und in jcn die cs nicht sind und die erdrückende Majorität ansmachci

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