Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1918)
- Date
- 1918-02-22
- Page
- Seite 91 (sequence 9)
- Language
- German
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91 lytischen Zahlentheorie, darunter einen äußerst einfachen Beweis der zuerst von v. M a n g o l d t bewiesenen R i e nt a n n * schon Primzahlformel. hat Landau in einem großen zweibändigen Werke, dem „Handbuch der Lehre von der Verteilung der Primzahlen", das 1909 erschienen ist, niedergelegt. Ein weiteres der znsannnmenhängenden Darstellung einiger neuerer Ergebnisse der Funktionentheorie gewidmetes kleineres Buch ist von Landau 1916 veröffentlicht worden. Hier handelt es sich zum Teil um Resultate, die von Landau selbst herrühren oder von ihm angeregt worden sind. Eine andere Reihe Arbeiten von Landau beschäftigt sich mit der Funktionentheorie. Im Mittelpunkt dieser Arbeiten steht der sogenannte Picard-Landau sche Saß, auf dem sich eine ganze seitdem entstandene Literatur aufbant. Man verdankt L a n d a u ferner unter anderem eine Reihe tief eindringender llnlersuchnngen über die Verteilung von Gitterpnnkten in zwei- und mehrdimensionalen Bereichen. E. L a n d a u ist einer der produktivsten zeitgenössischen Mathematiker. Er gehört zu den wenigen akademischen Lehrern, die eine Schule gegründet haben. Für jüdische Fragen interessiert er sich sehr, ohne am öffentlichen Leben teilzu nehmen. Er steht in ihnen aus konservativem Standpunkt. Soeben erschien „Einführung in die elementare und analytische Theorie der algebraischen Zahlen und der Jdeale"(Leipzig und Berlin, Teubner, 1918). L. L. Prof. Dr. Edmund Landau. Iolek Kopper-LynKeus. Zu seinem achtzigsten Geburtstage. Bon I. B. Münz. *11 opf und Herz sind dem Manne, dessen Namen an der Spitze dieser Zeilen Prangt, auf den erhabensten Grundton der Sozialethik gestimmt. Gr hat sich das bedeutungsvolle Pseudonyin Lynkeus gewählt: ein Türmer auf der höchsten Zinne der Menschheit, warnt er mit weithin schallendem Ruf, wenn Feinde Ueberfall planen, und verkündet Zuzug von Freunden und Mitstreitern. Popper-Lynkens wurde am 2t. Februar 1848 zu Kolin in Böhmen geboren und wuchs dort bis zu seinem 15. Jahre im Getto ans. Sein Bater war ein gutmütiger, schlichter und heiterer Mann, der besonders Musik sehr lieote; er hatte ein kleines Tuch- und Sämereigeschäft und brachte eS selbst in den besten Zeiten nicht über einen ganz unbeüMtenden Wohlitand hinaus; der größte Teil des Lebens verfloß unter steten Nahrnngssorgen. Seine Mutter war die Tochter eines in Prag sehr geachteten jüdischen Gelehrten, der sich so kümmer» lich fortbrachte, daß er finanziell zusammcnbrach; unglücklichertveise verbrachten auch die Geschwister seiner Mutter ihr ganzes Leben in größter Not. Ganz besonLers galt das für ihren gelehrten Bruder, der unter dem Pseudonym Rork schrieb und noch heute in der deutschen Gclehrtemoelt einen guten Ruf genießt. Gr lebte, nachdem er wegen eines PaSquills gegen gewisse Personen der Prager Gemeinde seine Heimat verlassen mußte, in Stuttgart, dann in Leipzig, wo er »nter anderen mit Ludwig Tieck verkehrte, und starb in mißlichen Verhältnissen 1850 in Teplitz. Nach dem Austritt aus der Gcttvschnle besuchte uiiscr Jubilar die Kvliiicr christliche Kreishaiiptschulc, die ungefähr der heutigen Untcrrcalschulc entsprach. 1851 trat er in die Prager dcntschc Lbcrrealschule ein, besuchte nach Absolvierung derselben das dortige Polytechnikum bis Gude 1857; die zwei folgenden Jahre verbrachte er an der Wiener Technik, wo er Land- und Wasserbaukunde, Technologie und Baumechanik hörte. Trotz der glänzendste» Zeugnisse über seine Studien gelang cs dem Ingenieur Popper in Ermangelung aller Bekanntschaften und jeder Protektiv» nicht, in einer Maschinenfabrik, selbst nicht in der kleinen Reparatiirwerkstätte der damals französische» Staatseisen» bahngesellschaft im Bahnhof PragAufnahine zu finden. Am liebsten hätte er wohl die rein wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen, und am Prager Polytechnikum war er bereits von den Professoren der höherenMathematik und der praktischen Geometrie zum Assistenten bestimmt worden; die Ernennung tvurde ihm aber als Juden kraft des Konkordats von der Tirektion verweigert. Es blieb ihm daher, um sein Leben zu fristen, nicht? anderes übrig, als bei der genannten Staatscisenbahngcscllschaft eineAnstellung für den kommerziellen Betrieb anzuuehmen, wobei er im Prager Frachtcnaufgabeburran die Frachtbriefe in Karte» einzuschreiben hatte und toiui im Gilgntbnreau «nd auch bei der Pcrsonenkasse verwendet tvurde. 1861 wurde er plötzlich nach dem Banat geschickt, um an Stelle eines dort an Fieber erkrankten Beamten Frachten, namentlich serbische Schweine, aufzugeben und beim Zugverkehr zn intervenieren, zog sich aber ein lange Zeit andauerndes heftiges Wechsclsieber, das ihn dem Tode nahe brachte, zu und mußte infolgedessen Ende 1861 den Eifcnbahndienst verlassen. Es vergingen nun in Wien mehrere Jahre beispiellos harte» Broterwerbs. 1867 beschloß er, sich derart auf eigene Füße zu stellen, daß er seine technischen Kentltnisse benutzen wollt», um sich durch eigene Erfindungen erhalten zu können. stetigsten beschäftigte er sich mit dem ihn seit seine«» 16. Lebens» jahre beherrschenden Flugproblcm, sowohl nach seiner Praktischen als seiner theoretischen Seite. Er war auch der erste, der die Herstellung von Landnngshäfcn für . lenkbare