Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1918)
- Date
- 1918-02-22
- Page
- Seite 88 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ich von dem Genannten ein Schreiben, aus dem ich folgende Stelle wiedergebe. .In Nunnner 5 Ihrer geschätzten Zeitschrift brachten Sie den Auszug aus einem Artikel, den ich in Nummer 2 des jiddischen Tag. blatte? ..Wiener Morgenzeitung" vom 2. Januar d. I. veröffentlicht hatte, Ta ich der Meinung bin. dich dieser Auszug durch die Art der Äurmnet und Zusammenfassung leicht yt Mchoerständnisscn über den ' ^".d über den Tenor meiner Ausführungen führen kann, erla... .11 mir. Ihnen hiermit eine eigene deutsch' Nelrersetzung des crwätzruen 2lrtikels — für die ich die volle Verantwortung überi'ebme - - zu übermitteln und Tie yi bitten, in Ihnen geeignet erscheinender Vene Ihr Lestpublikum allsyiklaren." d Bei der Bedeutung, die Herr Birnbaum nicht bloss m den Krenen seiner Gesinnungsgenossen geniesst. glaube ich feinen 79nnsch erfüllen yt sollen und lasse daher seinen Artikel an diewr Stelle folgen, der in schöner, geradezu prophetisch gesarbtcr Sprache Ansichten anssert. die ich achte, ohne sse yt teilen, freilich nmss ich bemerken, dass ich meine nach der blossen Kenntnisnahme de? Auszugs gehegte nnd geäusserte Ansicht anch mm, da ich den Artikel in seinem Wortlaut kenne, nicht yt ändern vermag. Tic Ausführungen de? Herrn Birnbaum lauten folgendermaßen: , ohne Eelbftbessn»»»-, LM GesjchM. sich als llttzncht, und die Um zucht. die sich als Freiheit. Schönheit und Kunst maskiert. alle die häßlickje Zügellosigkeit, die sich für schön ansgibt, die verschiedenen Abcs. die sich als Erkenntnis hinstellen, die ganze Herrschst von Pöbelhaften. verlotterten. grausamen. heuchlerischen und schmeichleriscljen Menschen. Ich erschauere bei dem Gedanken, dass die heilige Stadt Jerusalem als Vorstadt von New?)ork oder London oder Berlin neu erstehen könnte — so dass selbst dort die Sckcchino im Eril bleiben würde - . dass Jerusalem noch schlimmer worden könnte. als es die Propheten sahen, und kein Prophet da sein wird. «Und deshalb scheint mir nnr eine Hilft möglich: Wenn irgendwo in einem Winkel der jüdischen Wett eine grosse furchtbare Sckiam wach würde. ein Sich Schämen all der HüssliäLcit. mit der man sich rellae logen hat. vor Gott, vor sich selber, vor dem Erile und vor dem Laude Israel: wenn die Scham lim sich griffe und über das ganze ' Volk sich ausbreitete: wenn aus ihr nidjt mir Worte und Ideen, wu- ' dern auch gleiche Wege hervorkämen: Wege der Attgemeiuh.it.! Lebcuswetze. auf denen die jüdische Seele, ihrem Gotte und''ein?r Lehre treu, sich läutern und umbauen, mit tatkräftigem Glauben und mit schöpferischer Glut ihr Nest sich bauen kann — aus jüdisch? Art nnd nach Gottes Villen, überall wo Inden wohnen nnd um h mehr im Lande Israel? ... Nur so weit braucht uns Gott tu helfen — der Gott, der uns von allen Völkern auserwählte. der tut? feine Lehre gab. der uns befahl. Es gibt n n r eine Hilfe. In llebereinssimmuna mit den bedeutendsten und hingebettdsten Zionisten glgube ich nicht, dass beim Weltfrieden wirklich ein selbständiger jüdischer Staat in Palästina herauskommen wird. In Ncbereinstimmnng mit ihnen glaube ich. dass ein solcher Staat, plötzsich gewonnen, eine Betastung vorstellen würde, die die heutigen ökonomischen tmd Politischen Fähigkeiten der Juden überstiege. Nnd anch darin stimme ich mit ihnen überein, dass ich sehr .zufrieden sein werde, wenn nur die Tore Palästinas für eine freie und garantierte Einwanderung geöffnet werden und die Einwanderer nur eine Autonomie bekommen, wie wir sse jetzt in allen Ländern verlangen. Doch, wieviel immer auch von den allen Hoffnungen, die jetzt die jüduche Sessenllichkeit in Hinsicht aus Palästina bewegen, und wie intmer es auch in Erfüllung gehen maa. für zeden Fall beschäftigt mich eine Frage aan.z anderer Art - tvie mich dünkt, die tvichtigste unter allen Palästina-Fragen: Sb wir sscher sein dürfen, dass diejenigen. die in da? Heilige Land unserer Ahnen heimkehrcn. dort durch das Land werden geheiligt werden, oder ob nicht vielmehr eine Gefahr besteht, dass das Land. Gott behüte, durch sse unheilig werde. Ich glaube au ..Erde". d. h. dass dort, wo sich der Mettsch ans sse stützt, seine Seele ssch leichter mitten in die Wirrnisse der Welt hinstellen. inmitten der ökonomisck-technisihen Wirbel den ruhigen Blick himmelwärts, das stille Alleinsein mit Gott behaupten kann. Aber ich sehe, dass er anch damit nicht sscher geht, dass ssch unsere europäische Zivilisation schon lanae nickt aus ..Erde" stützt, dass der Eitlsbtss der ..Erde" auf den Mensch von Tag zu Taa kleiner, um io grösser aber der Einslttss schwankender Erwerbe. Beschäftigt, itgcn. Ideen nnd Bergnüaunaen ans ihr wird. Nnd ich sehe, dass mit den Juden die europäische Zivilisation nack Palästina zu kotnmen tut Begriffe ist . Ick glaube an die ..jüdische Erde", d. h. ich glaube wirklich, dass die Erde, an deren Grenze unser Lehrer Moses vor seinem Tode stand nnd auf die er noch seinen letzten sehnenden Blick hinüberwarf: die Erde, auf der die Propheten ihre grosse ewige Sehnsucht nach der messianischen Zeit im Sturm verküudeten: die Erde, die unsere Besten mit der sehnenden Zuversicht verlieben, dass wir einmal heimkehren werden als heiliges, aeläntertes Volk — ich glaube, dass wir berechtigt ssnd. diese Erde die jüdische zu nennen.?lber ich lveiss. dass wir uns schon einmal oder richtiger zweimal nicht gar jüdisch auf ihr aufsübrten. Und ich sehe, dass wir uns auch das drittemal zu keiner besseren Aussühruna vorbereiten, dass wir kommen, um sw mit dem Geiste europäischer Weltlichkeit, diesem Todfeinde wahrer Iüdischkcit. zu überschwemmen. Ja. ich glaube an ..Erde" und ap ..jüdische Erde". Aber, tveil ich an sse alaube. erschauere ich bei dem Gedanken, dass auf Palästina der aaine Pech- und Sckvvefelregen der europäisch-amerikanischen Welt niederaehen könnte, dass auch' dort der öde Rummel losbrecken und man darauf lind) stolz sein konnte. Ich erschauere bei dem Gedanken, dass dort wieder beginnen kömtten die alte Jagd nach Geld, die Unterdrückung des Arbeiters nnd des Armen, das alberne üppige Treiben ihm ein heiliges Volk zu sein, der uns für das Ende der Taae d-c Erlösung versprach — und wir werden es nicht nötig haben, die Benedluna Palästinas mit eigener Entweihung des Landes, mit einem Ehillnl haschem zu beginnen. * In der ..Deutschen Montaas-Zeitimg"' vom 21. Januar steht ein?lrtikel von Friedrich Sternthal: «Kegen den jüdifcken Staat"'.'dem ich mich voll nnd ganz ansckliesse. Er ist viel ztt lang, tun hier mitcheteilt zu werden, aber es sei nachdrücklich daratrf hinaewiesen. Ter Verfasser führt ans. dass die Juden staatserbaltend waren und ssnd. aber nicht staatsbildend. und weist zu diesem Zwecke ans Tisraeli und Trotzki hin — den ich im Gegenteil zn «staatserhallend"' als «sta.rtsltörend"' bezeichnen möchte. Er legt dar. dass die von den Zionisten ersehnte Schaffung fine? jüdischen Staates tut Sinne von England. Amerika. Italien lieat. und schliem mit folgenden Sätzen, die ich im ganzen unterschreiben kann, oltgleich ich in betreff der Einwanderung der Cftiubcn nach Westeuropa nicht ganz die Anschauung des Verfassers teile: Alfo 1. Annahme aller türkischen Vorschläge über Palästina. 2. Nationiernnq der iüdi'cken Einwan-eruna nach Palästina. Ta- Land darf nickt mehr Einwohtter habe«, als es änsserstenfalls bei intensil>er Bewirtschaftung ernähren kann, weil sonst die E.e»abr einer Entladung nach Syrien besteht. Tie Höckttzahl der Zuioandernden muss also weaen der natürlichen Vermehrung der Bevölkerung unterhalb der Höchstgrenze der Einwohnerzahl bleiben. 3. Ta Nussland bei intenssver Bewirtschaftung des Landes den bcire ren Juden viele Möalickkeiten bietet, fo verweigere man dnrck zwi'ck^nstaatliche Bereinbarunaen unter allen Umständen ostjüdisckcn Enwanderern den Eintritt nach Mittel- oder Westenrova. Tenn d e vstjüdiscke Massenwanderung wäre eine Katastrophe für Cit* und Weftiuden und Nicktjnden. Man muss sich bei vieler sehr ernsten Frage nickt durch allgemeine humanitäre Redensarten irrcmacken lassen. Niemandem wird damit ein Dienst erwiesen. Man könnte bestenfalls erreichen, dass die Lftjnben in Europa moralisch vcrkrüvveln würden. 4. Denjenigen tstinden aber, die nickt nach Palästina gehen können und nickt in Nussland bleiben wollen, verschaffe man alle nur denkbaren Erleichterungen lür die Auswandc runa nach Südamerika oder vielleicht auch noch in die dcuncken Kolonien. Ich weiß, dass dies alles nur die wichtigsten Vorschläge in den gröbsten Umrissen find. Tie deutschen und österreichischen Antisemiten, die dcn Juten staat mit lo viel Freude begrüßen. sollten wissen, daß sie ein englisches Kuckucksei ansgebrütet haben. Wichtiger als dies alles ist, dass die Vestjuden an der ScHtiumg neuer Zustände nach diesem europäischen Zusammenbruch ni::-