Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1918)
- Date
- 1918-02-22
- Page
- Seite 87 (sequence 5)
- Language
- German
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Von den Kriegsschauplätzen selbst ist «ichtt Besonderes zu berichten, n«r muß noch darauf hingewiesen werden, daß die Erfolge unserer Unterseeboote auch in der letzten Zeit ganz ungewöhnlich groß waren, so daß die Hoffnung besteht, daß von dieser Seite aus die Rettung für uns konnneu werde. Allerdings soü nicht verschnncgen werden, daß gerade in jüngster Zeit seitens eines besonnenen englischen Staatsmannes der August als Termin für die Beendigung dieser Gefahr für England voransgesagt worden ist. Wir aber wollen nicht aufhören die Wahrheit solcher Prophezeiungen zu leugnen und uns der Hoffnung hingeben, daß noch vor dem August ein Ende hcrbeigeführt sein werde. *-! In dieser Hoffnung wird man durch zwei Tatsachen bcj stärkt: die eine, das; da? neue rumänische Ministerium, da?! hauptsächlich gebildet ist, um au? den verworrenen unhaltbaren j Zuständen heransznkommen. zu Verhandlungen bereit ist. j die andere, das; zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und den sogenannten Verbandmächten starke Unstimmigkeiten; eingetreten sind, die sich daraus ergeben, das; Amerika nicht gewillt ist, sich für die Machtpläne der Westmächte ohne , weiteres brauchen zu lasten. * Was die i n n e r e n V er h ä l t n i s s e Preußen? betrifft, die für die Inden gleichfalls von -größter Bedeutung sind, ist zu nwlden, daß mm nach den entschiedenen Erktärrmgen der Minister eine Mehrheit für die neue Wahlrechtsvorlage gesichert erscheint. Eine größere Zahl von Nationalliberalen und allch einige Freikonservative haben sich dem Zentrum und der Fvrtschrittlichjen Bolkspartei angeschloffen und werden für die Vorlage der Regierung stimmen Wir begrüßen ols Deutsche urrd als Jirden diesen Entschluß mit großer Freude, nicht bloß, weit dadurch unseren Feinden gezeigt wird, daß ihr Gerede von der Zurückgebliebenheit Teutschlands, dje sie als emeu BvNvand für die Fortsetzung des Krieges ausgeben, t)altlos ist. sondern deswegen, weil jeder Fortschritt im Innern, wozu die Herstellung eines gesunden Wahlrechts gehört, die Bürgschaft enthält, auch den Juden die ihnen gebührende Stellung einzuräumen. O Bon eigentlich jüdischen Verhältnisse« ist sehr Verschiedenartiges zu berichten. Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt: Kanüle der R e v o l n t i o n i e r n n Welche unterirdischen Flußlänfc für die Vorbereitung der Revolntivniernng der Mitternächte in Frage kommen. dafür gibt ei« gettnß unverdächtiger Zeuge, der „Vorwärts". einen Beweis, iudeur er sich vom niederosterreichischen sozio ldcmokratisckzen Parteitag über den streik in der Doaaumottarchic u. a. berichten läßt: Während der Bewegung sind zwölf Personen verhaftet lvorden. bei denen man revolutionäre Flugblätter fand; sie haben ihre Verhaftung vielleicht auch sich selbst und ihrer llnvorsichtigkeit zuzuschreiben. Es fehlte nicht an Spott darüber, daß sich die Freunde dieser Radikalsten mn Hilfe an einen Abgeordneten gewendet haben, nebenbei bemerkt an einen Z i o n i st e n; danach scheinen es jüdische Flüchtlinge all? den Kriegsgebieten des Nordostens gervcsen &it sein, die allerdings unter dem Krieg besonders zu leiden haben und inmitten des kleinbürgerlichen Antisemitismus noch mehr gereizt werden mögen. Bekanntlich haben auch in Deutschland östliche Vertreter des Judentums eine ähnliche Rolle gespielt, so in München Fra» Sara Lerch-Rabinowitsch. Damit ist der eine der großen, aus dem Lsten kommenden Kanüle aufgezeigt. Ein anderer führt, wenn man ihm nachgeht, ins tschechische Lager, was ja auch ohne weiteres einlcuchtend erscheint nach allem, was die Leffentlichkeit bereits über die besondere tschechische Art und Auffassung erfahren hat. Das ist wieder eine jener häßlichen Insinuationen, die man so oft zu bekämpfen hat. Weil ein paar Illden bei der Streikbewegung beteiligt waren, wird flugS das Judentum Ntffir verantwortlich gemacht. Was aber würde man zu unS sagen, wenn wir dem Christentum schuld dafür gäben, ivas die Vaterlandspartei tut? * Von Herrn Dr. Scherbel erhalten nur folgendes Schreiben: In Ihrer Artikelserie: ..Jüdische Sorgen", schrieben Sie. es müßten womöglich in jedem Literaturverein Kurse (Vortragsreihen) gehalten werden über jüdische Geschichte und jüdische Religionswissenschaft. Vielleicht interessiert es Sie, das; unser Rabbiner Dr. Gelles Ihrem Wunsche zuvorgekommen ist, indem er in diesem Winter eine Vortragsreihe über jüdische Geschichte gehakten hat und dabei folgende Themen behandelte: 1. Tie Anfänge des jüdischen Volkes, 2. Niedergang und Aufstieg des jüdischen Volkes. •3. Jesus von Nazareth. 4. Der Eintritt der Inden in die abendländische Kultur. 5. Ter Mystizismus in der jüdischen Religion, 6. Die Juden der Gegenlvart. Sie schrieben auch mit Recht, daß in den Literatirrvereinen nicht nur eine Bibliothek gegründet, sondern auch auf ihre fleißige Benutzung gedrungen werden müßte. Das ist der springende Punkt in der so wichtigen Biblivtheksfrage. Eine Bibliothek, die nicht benutzt wird, bat ihren. Berns verfehlt. Wenn man siebt, wie fleißig z. B. in ähnlichen katholischen Vereinen die Bibliotheken benutzt werden, muß man bedauern, daß es nicht in gleicher Weise allch in den jüdischen Vereinen, insbesondere in den Literaturvereincn, geschieht. Sie sollten namentlich linserer Heranwachsenden Gelleration eine Stätte bieten, an der sie auch nach der Entlastung ans der Schule in enger Berbindnna mit indischem Denken und Dichten bleibt, das jüdische Sclbstbewrrßtsxin stärken, die Liebe und das Verständnis für das Judentum und seine Geschichte mehren lmd pflegen. Ten Erwachsenen aber wird sie Auge lind Herz öfßlen für die Ewigkeitswerte, die im aeistigen Nachlaß linserer Väter ruhen: sie wird ihnen den Weg zu ilmerem Reichtlnn zeigen lrnd denen, die alls der Sorge und Nnrllhe des Tages für kurze Zeit hinansslttchten wollen, friedliche lind llnterhaltende Stlinden schaffen, indem sie ihnen einen Eiilblick gewährt in die wertlrnd gehaltvolle neuere jüdische Literatur. Als Bibliothekar uilseres Vereins für jüdische Geschichte und Literatur glaube ich im Namen'aller Bibliothekare dieser lrnd anderer jüdischer Vereine sprechen zu können, wenn ich Sie bitte, dieser Frage in Ihrem geschätzten Blatte allch loeiterhin Ihr Interefle bewahren zll wollen. Es kann daraus sehr Heilsames rmd Ersprießliches für die Zllkrmft des Judentums hervorgehen. * Herr Professor Tr. Liebermann schreibt uns: Ein Nachtrag zll einem russischen Ritnalmordprozeß. Als Deklis angeklagt wurde, einen Christenknaben ermordet zu haben, verteidigte ihn D. A. Maklakvw. ein Politiker der Kadetten Partei, der 1917 russischer Botschafter zu Paris wurde. Die Briese an letzteren wurden durch das Schwarze Kabinett -ll .Kiew auf Befehl der Regierung während jenes Prozesses abgefangen. Diese Tatsache wird erst jetzt bekannt, da die Revolutionsregierung die Akten des Schwarzen Kabinetts des Zaren veröffentlicht. * Ich habe in Nummer 5 dieses Blattes aus einer zionistischeu Korrespondenz einen Auszug aus einer Auslassung des Herrn Nathan Birnbaum gebracht. Mit Bezllg darauf erhalte