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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-02-22 · Heft 8 (22.2.1918) · p. Seite 86

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 8 (22.2.1918)
Date
1918-02-22
Page
Seite 86 (sequence 4)
Language
German
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geknechteten Volkes. das unter der Herrschaft emes ^vrannen seufzte, der zwischen naiver (Grausamkeit und wirklicher Milde hin und l)er schwankte. Es ist eben ein Buch, das im Eril entstanden ist und als Ouelle des Trustes für das leidende Israel auch in späteren Zeiten bestimmt ist. Es vermeidet, vielleicht mit Absicht^wn Namen Gottes in die Handlung zu ziehen-), um anzudeuten, das; Israel vvn einer höheren Macht geleitet wird, auch wenn, es sich van dieser Macht verlassen und verstoßen glaubt. „Das Denken und fühlen des jüdischen Volkes" beiuerkt irgendwo, wenn ich nicht irre, Samuel Hold heim „ist der beste Kommentar und zuverlässigste Beurteiler seiner heiligen Schriften." Dieses Mort, das die größte Beachtung verdient, dürfen nur auch bei der Besprechung des Esther- Buches anwenden, von dem schon in alter Zeit gesagt wurde: mö*C STTEtt nrc r*VCK* der Verfasser des Buches Esther war von einem weitschanenden heiligen Geist beseelt. Wie er voranssagte: „Die Erinnerung an die Purimtage wird ans Israels Mitte nie schwinden," begingen unsere Ahnen und begehen auch wir alljährlich den 14. Adar zum Andenken an überstandene Leiden in dem durch manuiafache Erlebnisse gestärkten Bewußtsein, daß dem jüdischen Volke, sooft es auch in Not und Gefahr gerät. Rettung und Hilfe nicht ausbleiben. Nicht allein AchauAverosch und Haman, auch Mardechi und Esther leben fort, lmd Israels Hüter wacht, auch worrn sein Name so wenig wie in der Piirimgeschichte erwähnt wird. Sir Woche. Berlin. 19. Februar 191R. ie Verhältnisse haben sich auch in der abgclaufenen Berichtsnwche nicht geklärt. Die Verhandlungen mit Rumänien scheinen begonnen zu haben, sind aber noch zu keinem Abschluffe gelangt: das; dort ein neues Ministerium an das Ruder gekommen ist. ans Männern bestehend, die ferne Kriegshetzer waren, daß diesen ein Abmahnungsschreiben der Entente zugegangen ist, das; die neuen Minister zwar den Empfang des Schreibens bestätigt haben, aber ohne näher darauf einzugehen, ist immer ein gutes Zeichen. Mit Rußland dagegen stehen die Verhältnisse in sehr eigenartiger Weise. Ein wirklicher Friede ist nicht abgeschlossen, so daß nach der allgemeinen Ansicht der Kriegszustand fortbesteht oder wieder ausgenommen worden ist. lieber die Demobilisation werden widersprechende Nachrichten verbreitet: nach den einen ist die Order wenige Stunden später wieder zurückgenomnien worden, nach den anderen besteht sie weiter in Kraft, aber an die Stelle des regulären Heeres ist die „rote Garde" eingesetzt worden, also jene wilden Horden, die bisher überall, wo sie erschienen, Entsetzen verbreiteten und furchtbare Blutbäder anrichteten. Ob diese wirklich dazu bestimmt sind, nun auch den deutschen Truppen und ihren Verbündeten entgegengesetzt zu lverden, steht dahin. Jedenfalls hat die deutsche Regierung erklärt, daß sie sich, da der Waffenstillstand am 1s. mu abgelaufen ist, vom 19. an als von neuem in *) Eüw beachtenswerte Erklärung hierfür gibt Abraham ibn Esra in seinem Kommmtar .zmn Buche Esther. 3) Megilla 7;i. ist. Bei dem Widerstand, der sich an manchen Orten gegen das herrschende Regiment regt, darf man wohl annehmen, daß die Tage dieses gewalttätigen Regiments gezählt sind und daß eine weniger rücksichtslose Partei in Rußland ans Ruder kommt, die wirklich gewillt ist, im Innern Ordnung zu schassen, und die bei dieser ungeheuren Arbeit keine größere Sehnsucht kennen wird, als den Frieden nach außen herzustellen, um sich den schwierigen Arbeiten, die zur inneren Beruhigung nötig sind, mit voller Kraft zu widmen. Dagegen predigt in England der leitende Minister Llohd George den Krieg weiter. Doch mehren sich die Stimmen, welche sein Auftreten gegen die Männer, die an der Spifu? des Heeres stehen. und sein Verhalten dem Parlament gegenüber stark mißbilligen. Immer mehr zeigt sich, was jedem Einsichtigen schon lange klar war, daß England der einzige bedrohliche Feind ist. Die Engländer haben einen großen Teil der französischen Front für sich übernommen; an ihrer Seite stehe» nun auch die Amerikaner, die nach den neuesten Zeitungsrneldungen in einer Anzahl von 70000 Mann, also einer verhältnismäßig höchst winzigen Summe, in Europa gelandet sind. Während so die Amerikaner -begonnen haben, aktiv an dem europäiscl-en Kriege teilzunehmen, sind die Erklärungen des amerikanischen Präsidenten, wenn auch nicht friedlich, so doch jedenfalls Verhandlungen nicht so durchaus abgeneigt wie die Versicherungen der englischen unb französischen Staatsmänner. Herr Wilson hat nämlich eine neue große Rede gehalten, die sich als eine Antwort aus die Erklärungen der deutschen und österreichischen Staatsmännn. ausgibt und die man in gewisser Weise als Friedensbotschaft auslegen kann. In ihr wird ausdrücklich versichert, daß Amerika nicht den Wunsch hege, sich in die europäischen Angelegenheiten zu mischen und als Schiedsrichter in den europäisch-territorialen Zwistigkeiten aufzntreten. Wilson präzisiert seine Forderungen in folgenden Sähen, die hier wiedergegeben werden sollen, obgleich sie, vielleicht infolge der mangelhaften liebersctzurig so unklar sind, daß sie eitlen genau faßbaren Sinn nicht ergebend Sie lauten folgendermaßen: D i c P r i n z i p i e n, die b e im Friedens schtu ß a n gewendet werden m ü sseu. sind: 1. das; jeder Teil der definitiven Lösung begründet sein muß mri bicrechtigkeit jedes Einzelsalles und auf einer derartigen Regelung, welche die meisten Aussichten im einen dauerhaften Frieden bietet; 2. daß die Völker und Provinzen nicht von einem Fürsten einem anderen übergeben lverden. als ob sie nichts anderes wären wie Bauern in einem Schachspiel; Z. jede territoriale Regelung, die in Betracht kommt, muß getroffen lverden im Interesse und zum Vorteil des betreffe,wen Voltes und nicht im Interesse der Regelung oder des Vergleichs der einander bekämpfenden Staaten; 4. alle natürlichen Aspirationen lverden, svlvcit es geht, befriedigt, und das Bestehende wird, soweit dies 'ohne allzu große Schwierigkeiten möglich ist. beibclplten werden. Ein allgemeiner Friede auf derartiger Basis kann sofort besprühen lverden. Aber bis dahin können wir nichts anderes tun als lveiterkämpfen. Freilich ist der Schlußsatz derart, daß er geeignet ist. die Vordersätze auszuheben. Tenn wenn auch im allgemeinen die Ansicht vorherrscht, daß den Westmachten gegenüber Friedens- Verhandlungen ohne Waffenstillstand begonnen werden können, so ist der ausgesprochene Grnndsatz, weiterkämpfen zu wollen, ein unübersteigliches Hindernis für jede Verhandlung. persischen F u r d i oder mit dein griechischen „Kannenfest" j so wenig Gemeinsames, wie der deutsche Buß- und Bettag > mit unserem Jom kippur. Für uns ist der Ursprung und die Bedeutung des Purimfestes klar und deutlich im Esther-Buche angegeben, das sicherlich nicht in den Kanon ausgenommen! worden wäre, wenn es keinen historischen Hintergrund gehabt ' hätte. Das Buch Esther enth"li nichts Rätselhaftes, keine Spur von Mpstik: es erzählt uns von den Leiden und Freuden eines Kriegszustarrd «ät lunr ruKsiche« Republik befindet. Ti Ukraine ihrerseits, mit der wir Fr«den geschloffen haben, un! die sich in erster Linie von den russischen Banden bedroh sieht, hat einen dringenden Hilferuf an Deutschland gerichtet Man darf hoffen, daß die russischen Heere, wie sie auch heißen nicht mehr die Kraft besitzen, geordneten Truppen entgegen zu treten, und wird sich hoffentlich nicht in der Erwartung ränschen. daß der Kriegszustand mit Rußland wirklich zu Eudc

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