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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-02-22 · Heft 8 (22.2.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 8 (22.2.1918)
Date
1918-02-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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82. Jahrgang. Nr. 8 Berlin, 22. Februar 1918. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse mm Dirfc Acitunz erscheint wöchentlich. Ubonnemener-Preir: durch den Vach» Handel oder die Post (in Berlin und vor. orten durch unsere vertriebrstellen) bezogen vierteljährlich 3 8t, — Postscheckkonto 324* vegründel von Rabbiner vr. Ludwig Philipps-» Unter Leitung de» Geheimen Regierungrrats Professor vr. Ludwig Seiger Verlag: Rudolf Moose, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Ave Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der »ÄÜgem. Zeirung de» Iudrnlmn»", veriin SW, Jerusalemer Strotze 4L zu richten. Verlag uo« Nudoif Masse, Verttn. Purim. Von Albert Katz. — Tie 21-oche. — Nietzsche yUljuU. unb der Antisemitznius. Von!. — Prof. Tr. Edmund Landau in Götlingen. Von L. — Josef Popper-Lynkeus. (Zu seinem ti<>. Keburtstuae). Von I. B. Münz. — Feuilleton: Ter Sven deS junssen Herrnann Kahn. Von Clement ine Krämer (München). — Literarische Mitteilungen — Büchereinlans. Der Gemeindebote (Beilage zur.Allgemeinen Zeitung detz Judentums*). Berlin, Posen, Dessau, Halle, Küln, Kassel, Frankfurt a. M., Bruchsal, Den Haag. — Don Nah und Fern. Ourim. Von A l b c r t K a tz. as Buch Esther, das alljährlich atn 14. Adar in der Synagoge zur össerltlichen Verlesung gelangt, ist nicht auf Israels heimatlichem Baden, in Palästina, sondern in der fremde, in Persien, entstanden. Es ist ein Produkt des Erits. eine Galut-Blüie, der kein Zionsdust entströmt: sie belebt nns nicht, stnldern sie l>eranscht und mutet uns an wie ein Märchen aus „Tausend und eine Nacht", das weniger <mf unseren Verstand als ans unsere Sinne einwirkt. Aber sehen wir von der uns fremdartig erscheinenden Färbung ab, vertiefen lvir mls in den Inhalt der in diesem eigenartigen Buche geschilderten Vorkommnisse, so erkennen wir bald, dasi der Verfasser uns kein Märchen, sondern einen Abschnitt aus dem Lebenslauf Israels mitteilt, der sich innncr wiederholt: eine alte Geschichte, die ewig neu bleibt. Nicht allein vor zwei Jahrtausenden am persischen Hof zu Susan hat ein Haman gelebt, der die Juden samt und sonders ausrotten wollte! Er wurde, wird uns erzählt, gehängt, aber er hat seine giftige Seele am Galgen nicht ansgehaucht. So wenig wie die Sohne (Zorachs ist er und Nachkommenschaft gestorben: sie lebten und leben fort. fr. -:b stehen zu allen Zeiten und in allen Ländern gegen da mVS MIT schwache Lämmlcin Israel ans, um es mit Haut und Haaren zn verschlingen. Nur ist es ihnen bis auf den heutigen Tag nicht gelungen, ihr Vorhaben, wie oft und mit welchen Mitteln sie es auch unternahmen, restlos zu vollführen. und das ist ein großes Wunder, jedenfalls nicht geringer als jenes, von dem das Buch Esther in so malerischer Ausschmückung erzählt. Wir begreifen daher, weshalb Esther, wie im Talmud mitgeteilt wird, an die Lehrer und M,rr>r Israels die Bitte richtete: jrni“6 ':12N2 schreibet meine Geschichte für künftige (Geschlechter nieder*). Aus den Begebenheiten, die sich zu ihrer Zeit abgespielt haben, sollten künftige Geschlechter die Gewißheit schöpfen, daß mächtiger als der tzaß ihrer Ieinde die Liebe Gottes ist, der die Pläne ihrer sie zu vernichten trachtenden Gegner vereitelt und den Erretter zur rechten Zeit erstehen läßt. Es hat an Versuchen, insbesondere von nichtjüdischer Seite, nicht gemangelt, die im Buche Esther mitgeteilte Purimgeschichte in das Märchenreich *) Mcgilln 7a.; zu verweisen. Nach Kräh soll das Pnrimfcst griechischen Urj sprunges sein (Band 2 II; S. 251). „Tie Perser" — schreibt | Ernest Nenan - „feierten alljährlich ein großes ^rcnderrfest. | welches in den lebten Tagen des Jahres wiederkehrte und durch . große Schmausereien und gegenseitige Geschenke charakteri- | fielt tvnrde. Dieses Irst hieß Ifnrdi. Auch die Juden! nahmen dieses Iest an als eine weltliche Zweier und verlegten j es, den Persern gleich, ans den zwölften Monat. Tabei wnr-! den allerlei Lnstlmrkeiten und ^estgekage veranstaltet, bei )velchen sogar die Trunkei'beit erlaubt war. Dieses I^est wurde nun ans aramäisch Purdal, hebräisch Iurdirn genannt. woraus schließtick^durch einen f»aläogra pH i schon, leicht er-! klärlichen Fehler Furinr oder Pnrim wurde, llebrigens lvurde dieses r?eft nicht im Tempel gefeiert, denn es war ja ur- ' sprünglich keine religiöse Feier gewesen: fcafö aber lvollte man. ' daß auch diese weltliche Feier ihre eigentliche Haggadah i besitzen solle und schrieb zn diesem Zwecke das Buch Esther. > Für die Juden mußte eben jedes Fest einen geschichtlichen Hintergrund, eine eigene Legende baden, samt einer besonderen Schrift oder Nolle, der Megitla. Wau nahm also an, daß das Pnrilnfest sich ans einen großen Sieg Israels bezöge und mtf eine Bernichtikna seines mächtiger, Feindes. Da es aber keine Neliaionsseier war. so enthielt man sich systematisch bei der Errähtnna dor Erwähnung des göttlichen Namens' und vlrmied jede reliaivse Betrachtrmg. Daraus entstand das seltsamste Buch von der Welt, ein schlechtes, gottloses und cmpörendes Buck,, das amn aeaen die Absicht des Verfassers zn einerw religiösen Mer? erhoben werden sollte. Israel v"rd darin als ein aesäbrliches Volk dargestellt, das seine Feinde dank einer aebeimnisvnlsi'n inuereir Kraft zu töten vermag und dessen Nachbarschaft Unheil brinat. Niemals wurde der nationale Egoismus mit so viel Schamlosigkeit ciiraestanden." Allein diese und ähnliche?ltkslastunaen anderer nichtjüdischer Schriststeller. die hier annlsükren wir uns versaaen müssen, vermögen nicht die Glaubrvurdiakeit des bibrifrficn Berichts x\t erschüttern. Wer in der Weise, wie Renan Geschichte schreibt, mag wohl ein geistreicher Feuilletonist sein, ein Historiker ist er nickt. Aus seiner Beurteilung des jüdischen Dnrimfestes und Verunglimpfung des Esther- Buches ist deutlich zu sehen, daß ihm nicht nur die erforderliche Kenntnis des hebräischen und ganz besonders talmudischen Schrifttums fehlt, sondern daß er auch nicht die Objektivität besitzt, die wir bei jedem Geschichtsschreiber voraussehen. Wir zweifeln nicht. daß die Porter ebenso wie die Griechen in der Zeit des Ileberganges des Winters nun Fruhling. wenn der Weinstock in Blüte schießt, ein i?reubcnfeft feierten, aber von dieser Feier das jüdische Purimfest abzuteiten vermag nur derjenige, der das jüdische Seelenleben nicht kennt oder unterschätzt. Das jüdische Pnrim hat mit dem

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