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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-05-10 · Heft 56 (10.5.1838) · p. Seite 227

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 56 (10.5.1838)
Date
1838-05-10
Page
Seite 227 (sequence 3)
Language
German
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227 das Recht lieben, um etwas, anders .'als gezwungen, dafür thun zu können!" Jonathan hatte schweigend, fast mit Unmuth zugehört. „Laß uns hiervon schweigen, fiel er ein, Du weißt, es ist dies meine verwundbare Seite. Bringe mich nicht aus meiner Zufriedenheit heraus. Ich habe stets in Schriften wie Gesellschaften hierüber geschwiegen, weit ich es für zu gering hielt, von einem schlechten Zahler eine Schuld zu fordern, weil ich die Gewalt der Worte an den nicht verschwenden wollte, der die Gewalt der Zeit und Umstände nicht einmal anerkennt. Uebrigens werden die Juden, nicht dem europäischen, aber dem deutschen Leben dadurch entfremdet, die höheren Geister derselben erkalten für dasielbe ganz, und da die Geschichte lehrt, daß jedes Faktum seine Wirkung hat, und darin gerade die Ahndung besteht, so kann eine Zeit kommen, wo dies Deutschland empfinden wird." Ludolf machte ihn aufmerksam, er habe seine Gesinnung in diesem Augenblicke auch nur geäußert, um sie gleichsam als eine Bürgschaft für die Zukunft bei ihm niederzulegen. Jonathan meinte, er hoffe, daß es einer solchen nicht bedürfen würde. „Und nun, Freund Jonathan, will ich noch eine Freundesfrage an Dich richten, fuhr Ludolf fort. Was gedenkst Du zu thun? Kannst Du, so mache mich mit dem Ziele und Zwecke bekannt, die Du Dir vorgesetzt. Du bist zu tiefer und besonnener Natur, um Dir darüber nicht klar zu sein, und wenn Du auch zeither das Drängen und Streben des akademischen Lebens zur Ruhe kommen lassen wolltest, so weiß ich doch, daß Du diese Muße angewendet haben wirst, um die Zukunft vorzubereiten." „Die Antwort auf Deine Frage, lieber Ludolf wird Dich nicht überraschen. Du brauchst nur in meinen Bildungsgang und meine Verhältnisse einen Blick zu werfen. Ich habe Philologie studirt und bin Jude. Beamter des Staates kann und möchte ich nicht einmal werden, dazu ist die Selbstständigkeit meiner Denkungsart zu überwiegend. Die philologische Literatur ist jetzt auf einen Standpunkt der Ruhe und innern Festigkeit gelangt, daß sie des einzelnen Literaten leicht entbehrm kann, und ich bin jetzt zu regsam nach außen, die Fühlfäden meines Geistes sind zu sehr der Außenwelt zugewendet, um der philologischen literarischen Thätigkeit, die stets des Arbeiters ganze Hingebung in Anspruch nimmt, mich überlassen zu können. Dagegen eröffnet sich ein weites Gebiet tiefen und großartigen Strebens für mich da, wo meine Wurzel und mein Stamm. Ich werde für meine Glaubensgenossen, ich werde für ihre Entwickelung und Erhebung thatig sein. — Ich glaube, so leicht wird hier Niemand in günstigeren Umständen auftrelen. Ausgerüstet mit jüdischer wie mit europäischer Wissenschaft, durch meine Familie mit Altgesinnten, durch meine Laufbahn mit den Neugesinnten verbunden, und so gewissermaßen über beiden stehend, dabei unabhängig, mit äußern Glücksgütern versehen. — Ich will kein jüdischer Geistlicher werden, denn auch das würde mich in Abhängigkeit setzen. Aber ich werde mit Schrift und Wort und That auf sie einwirken. Es ist jetzt unter den Juden vermöge der vielen fehlgeschlagenen Hoffnungen eine Erschlaffung eingetreten *), die höchst schädlich ist. Es fehlt an bedeutenden Persönlichkeiten. Ich werde einige Lücke ausfüllen. Man soll sich an mir aufrichtett im engem und weitern Kreise. Das ist mein Lebenszweck. Ich habe ihn erkannt und werde ihn zu erfüllen suchen. Dann hat mein Vater, und haben alle meine Lehrer ihr Genüge an mir.-Du siehst, Ludolf, setzte er nach einigen Augenblicken hinzu, wir haben Beide Vieles und Großes vor, mögen wir beide uns einst nicht getäuscht finden. Aber der Wille ist ja schon ein ganzes Heiligthum!" Die Zeit der Trennung war genahet. Eine Umarmung, ein herzlicher Bruderkuß, und die Freunde trennten sich. Jonathan sah ihm einige Augenblicke sinnend nach, dann stieg er hinunter zu seinem greisen Vater. (Fortsetzung folgt.) M i s c e l l e. Nur der Curiosi'tat wegen, nicht um etwa zu replicr'ren, und Anmerkungen dazu zu machen, stellen wir einige Sätze aus einer Beurtheilung (von dem Büchlein: „Wie die portug. Juden Brüder Eappadose rc.") in der Evangelischen Kirchenzeitung hierher: „Achtzehnhundett Jahre hindurch hat nun bereits die Christenheit zum Fluchsvottstrecker über Israel gedient, nicht ohne schwere Verschuldung, aber doch im Dienste des unerforschlichen Rathschlusses des Herrn. Gleich als ob die Scheu, seinem Richteramte hemmend und unberufen in den Weg zu treten, der Kirche Christi den Liebesarm gebunden hielte, hatten auch die wahren und lebendigen Glieder derselben ihre Herzen von dem Volke der Erwählung abgewendet und hefteten unverrückte und erbarmungslose Blicke auf

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