Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 56 (10.5.1838)
- Date
- 1838-05-10
- Page
- Seite 228 (sequence 4)
- Language
- German
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2L8 die gegen dasselbe gerichteten Strafverkündkgungen und VerwerfungsbeschLüsse im Worte Gottes." — „Zwar die sündige Liebe zum Volke Israel von Seiten der Namenchristen, die das Recht ihrer Erstgeburt nicht höher als ein Linsengericht schätzen, ist heut zu Tage nicht weniger strafbar, als der sündige Haß ihrer Vorfahren, die in pharisäischer Einbildung auf ihre ererbte Wassertaufe nicht bedachten, daß Gott auch aus den Steinen Kinder Abrahams erwecken könne: doch wie die Vorzeit, so ist auch die Gegenwart, selbst in ihrer Verschuldung, ein willenloses Werkzeug in der Hand des Herrn und die größere bürgerliche und gesellige Gleichstellung zwischen Juden und Christen, nicht ein erfreuliches Zeichen der Liebe der Christenheit zum Gotte Abrahams und des Dankes für seine Segnungen, sondern ein trauriges Erzeugniß ihrer Gleichgiltigkeit und ihres Unglaubens an den dreieinigen Gott des neuen Bundes, dieser irreligiöse Liberalismus unserer Tage ist doch schon manchem Nathanael ein Wegweiser zur wahren Freiheit im Herrn geworden." — Solche Passagen hatte ich gern einmal einem Sokrates und Plato vorlesen mögen! Wie weit wäre die Menschheit in den 22 Jahrhunderten gekommen, die seitdem verflossen, wenn diese Brechweinstein-Sprache die allgemeine wäre! Wahrscheinlich waren die Spanier in Amerika auch solche Fluchsvollstrecker, und die Peitschenhiebe der Pflanzer auf die schwarzen Leiber der Neger kamen eigentlich von einem Liebesarm, den die Scheu, Gottes Richteramt zu hemmen, dazu zwingt, die Hiebe recht hageldicht fallen zu lassen. Pfui über die, so eine herrliche Religion zu einem Henker Gottes machen, und sie dadurch noch zu verherrlichen gedenken. Wären diese weiter nichts wie bornirt, waren sie nicht zugleich boshaft und diabolisch: ich würde sagen: Ihr jammert mich!- Correspoudenzen, Auszüge, Repli ken. Florenz, 15. März. Kleinkinderbewahranstalt zu Livorno. (Fortsetzung auS No. 51). „Ich taffe Me Erzählung einiger kleinen Vorfälle folgen, welche recht lebhaft den Stand der Anstalt erweisen werden. Eines Tages litt die Vorsteherin an einem Halsübel, daß sie kaum sprechen konnte. Als sie die Mädchen um sich hatte, forderte sie diese zur Stille auf. Dann richtete sie die Frage an sie; Sagt mir, meine Lieben, habt ihr mich lieb? Ja, ja, antworteten Alle. So müßt ihr mich heute die Befehle nicht zweimal wiederholen kaffen. Thur also alle eure Pflichten, und ich will daraus erkennen, ob ihr mich lieb habt. Nach diesen Worten hefteten alle die Blicke auf die Vorsteherin, alö ob sie ihr etwas zu sagen wünschten. Sie fragte, waö sie wollten. Da vernahm man eine Stimme, hierauf eine zweite, bald eine dritte, die leise sagte: ich möchte sie küflen! Die Vorsteherin küßte sie Me, und die Beschäftigungen deö Tages schritten in völliger Ordnung fort.-Eines Tages fand ein Mädchen, als es zur Anstatt ging, ein Stück Pergament. Aber die Schuldienenn sagte ihr, sie wisse, wer eS verloren. Das Kind gab eS der Dienerin zurück, alö es aber in daS Schulzimmer trat, hatte eS Thranen im Auge. Als sie die.Ursache einem andern Mädchen angab, fragte'diese, ob sie sich nicht der Erzählung von der Oraniendändlerin erinnere? (worin von der Pflicht, verlorene Sachen wieder zurückzugeben, die Rede war), und das Mädchen ward wieder heiter. Dabei war das andere früher unbändig und starrsinnig, so daß man nicht geglaubt hatte, daß die Sorge, die man ihr schenkte, etwas fruchten würd?.- Eines Tages fehlte einem Kinde einiges Obst aus dem Körbchen, und man wußte nicht, wer e6 entwendet hätte. Als alle Mädchen sich gesetzt, erzählte die Vorsteherin das Geschehene, und forderte die, welche den Fehler begangen, auf, ihn zu bereuen und einzugestehen, aber sie verbot, sich einander anzuklagen. Allgemeine Stille. Indessen warf die Vorsteherin einen forschenden Blick auf die Gesichter, und ward bald in ne, wer sich dessen schuldig gemacht. Sie drückte ihren Schmerz auS, daß so wenig Aufrichtigkeit unter den Mädchen herrsche, um so mehr, da sie sich einiges Trostes gewärtig war, nachdem Eines unter ihnen einen so großen Fehl begangen. Dann rief sie daö Mädchen, auf dem ihr Verdacht ruhte, zu sich, und fragte sie: „Wüßtest du den Grund, warum das Kind, daö den Fehler begangen, ihn nicht eingesteht?" „Weil eS sich schämt," antwortete jenes zitternd. „Wenn daö so ist, so will ich Andre aufrufen, es zu nennen." „Ich war es selbst, Frau, rief daS Mädchen, und brach in ein mächtiges Weinen aus. —" „Eine Klein kinderbewahranstalt,'worin man diese und ähnliche Vorfälle bemerkt, wird Alle befriedigen, die den wahren Zweck einer solchen Anstalt erkennen, welcher ist, den Boden zu bereiten, die guten Neigungen deS KindeSalters zu nähren, die schlechten gleich von der Geburt an zu bestreiten, allerdings auch nickt ohne die Geistesbildung, soweit sie diesen ersten Lebensjahren zusteht, zu befördern. Denn jeder höhere Unterricht muß natürlich den eigentlichen Schulen aufbewahrt bleiben, un'd wehe der Stadt, die keine Anstalten hätte für die Kinder, die die Bewahranstatt verlassen. „Was nun die Resultate deS Unterrichts betrifft, so sind die Stunden so eingetheilt, daß Nutzen und Vergnügen Fets abwechseln, jedoch darf der Nutzen nie aus den Augen gelassen werden, und auch das, was bloser Zeitvertreib scheint, muß seinen Nutzen haben, denn man darf nicht vergessen, daß man Kinder der Armen vor sich hat. Es ist nicht wahr, daß das Marsckiren und Singen einen allzugroßen Theil der Zeit in solchen Anstalten einnehmen, und daß man ihnen eine allzugroße Wichtigkeit beilege. Sie sind dem Unterrichte untergeordnet, aber in diesem Sinne erfüllen sie ihren Zweck, > i. die physische Entwicklung zu fördern, den im Kindesalter so leicht eintretende Ueberdruß zu verhindern, endlich den Körperverrichtungen eiüe gewisse Regularität zu geben, die durch die geheimen Bezüge zwischen Geist und Körper, auch auf den ersteren übergeht, und jede Art des Unterrichtes erleichtert." (Schluß folgt.) .. "r,w"" —---- —■ . _ ... - / Redact-ur: vr. L. Philippfon. — Verlag von Baumgartner- Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld.