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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-12-27 · Heft 52 (27.12.1907) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 52 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Predigt dem scheidenden ersten Vorsteher widmete.- AmSonntug-fand im Verwaltungsgebäude die eigentliche Feier statt. Der stellvertretende Vorsitzende Herr Bernhard Cohn begrüßte im Namen des Vorstandes den Gefeierten mit warmen, herzlichen Worten. Als Dank für seine Tätigkeit, so sagte er, habe die Gemeindevertretung beschlossen, Stadtrat Gimkiewicz zum Ehrenmitglied der Gemeinde zu ernennen. Der Repräsentantenvorsteher Sanitätsrat Dr. Wolfs verlas nunmehr die inzwischen enthüllte Adresse mit dem Ehrenrnitgliedsbrief. Das Vorstandsmitglied Herr Bat nahm hierauf das Wort, um im Namen der Mitglieder beider Körperschaften eine ebenfalls künstlerisch ausgestattete Galerie von Bildern des Rabbiners, sämtlicher Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung, verziert mit verschiedenen Emblemen, das Innere der Synagoge sowie den großen Sitzungssaal darstellend, dem Scheidenden zur Erinnerung an seine Mitarbeiter zu überreichen. Nach ihm sprach Rabbiner Tr. Jacobson im Namen des Frauenvereins. Außerdem verlas und überreichte er eine Adresse des Armenvereins. Das Mitglied des Vorstandes, Stadtverordnetenvorsteher Wreszynski, teilte mit, daß die Gemeinde den Wunsch geäußert habe, das Bild des Scheidenden im Sitznngssaale zu sehen, an der Stätte seines segensreichen Wirkens. Hierauf nahm Stadtrat Giinkiewicz selbst das Wort, indem er der Gemeinde und seinen Vertretern dankte für die großen Ehrungen, die ihm zuteil geworden. Er schloß mit dem Wunsche, daß es ihm vergönnt sein möge, nur immer Gutes von seinem Kinde, der Synagogengemeinde, zu hören. Nach dieser wahrlich erhebenden Feier fand das Festessen statt, das eine große Anzahl von Toasten schmückte, in denen Rabbiner Dr. Jacobson, das Vorstandsmitglied Herr Galliner und der stellvertretende Repräsentantenvorsteher Deutschmann den Scheidenden feierten, der in warmen Worten seinen Dank für alle diese Ehrungen aussprach. Es folgte noch eine weitere Reihe von Toasten und die Versammelten blieben noch lange in angeregter Unterhaltung zusammen. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß Stadtrat Gimkiewicz der Gemeinde eine Stiftung zum Gedächtnis seiner verstorbenen Gemahlin, sowie außerdem größere Spenden für die Gemeinde und verschiedene Vereine überwiesen hat. Thorrr, im Dezember. Der Zentral Munin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte bei dem Präsidenten des königlichen Landgerichts Thorn Beschwerde gegen einen Amtsrichter in einer Stadt Westpreußens erhoben, der beim Konkurse eines jüdischen Glaswarenhändlers die Ernennung eines Juden zum Konkursverwalter mit Rücksicht auf die Konfession abgelehnt hatte. Zur Begründung seiner Ablehnung erklärte der Amtsrichter: „Die Juden bilden einen Staat für sich, sie unterstützen sich gegenseitig und ergreifen einer für den anderen Partei." Die Beschwerde wurde abgewiesen, mit dem Hinweis, daß der Amtsrichter überhaupt nicht verpflichtet gewesen sei. die Gründe seiner Ablehnung anzugeben, und deshalb dieser Teil seiner Erklärung als außeramtlich anzusehen sei. Der Zentralverein beruhigte sich dabei nicht. Er wandte sich beschwerdeführend an den Oberlandesgerichtspräsidenten in Marienwerder und erhielt folgenden, vom 9. November datierten Bescheid' „Die über den Amtsrichter N. erhobene Beschwerde habe ich geprüft und insofern für begründet erachtet, als die von dem betreffenden Richter irr bezug auf das Judentum getanen Aeußerungeu meines Erachtens besser unterblieben wären. Dies ist von mir dem Amtsrichter eröffnet worden." i. Königsberg i. Pr., 16. Dezember. Gestern fand hier die Beerdigung des am 11. d. Mts. im 77. Lebensjahre in Berlin verstorbenen Kommerzienrats Isidor Gottschalk aus Bischofsburg statt. Der Heimgegangene war eine in den Handelskreisen Ostpreußens sehr bekannte Persönlichkeit. Er hat sich um die Stadt Bischofsburg uiib den Kreis Rössel mannigfache Verdienste erworben, unter anderem stiftete er der Stadt Kapital zum Bau eines Siechenhauses; bei seinem Scheiden aus Bischofsburg wurde er zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Er war mehr als 40 Jahre Stadt- 'rordneter und Stadtverordnetenvorsteher. Die Beerdigung fand m ttev lebhafter Teilnahme weiter Kreise der Bevölkerung statt. Zahliche Vereine hatten Abordnungen zu der Beisetzung entsandt, und ai! ud) der Kreisausschuß des Kreises Rössel, dem der Dahingeschiedene f ange Jahre angehört hatte, sowie die Stadt Bischofsburg ließen sich vertreten. In der Trauerversammlung bemerkte man unter anderen auch . den Weihbischvf Hermann von Er'niland. mit; seinem Kaplan, mit dem.der Verstorbene durch langjährige Freundschaft verbunden war. Dr. Vogelstein hielt eine sehr wirkungsvolle Grabrede, und der Synagogenchor sang unter Leitung des Herrn Oberkantors Birnbaum „Schlnmm're sanft", Psalm 9l, und ,,Es ist bestimmt/ i. Neuenahr, 13. Dezember. Am 17. v.M. tagte in der Rheinlandloge in Köln a. Rhein eine Versammlung, die sich mit den Bestrebungen des Vereins „Israelitisches Kranken he im in Bad Neuenahr" beschäftigte. Der Verein besteht seit neun Jahren und hat sich die Ausgabe gestellt, unbemittelten bedürftigen Israeliten eine Kur in Neuenahr kostenlos zu gewähren. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Raphael Ettlinger-Franksnrt a. M.. leitete die Verhandlungen, und wurden die Herren Rabbiner Dr. Frank-Cöln, Hermann Wahl-Barmen als Beisitzer, Daniel Wallach-Linz a. Rhein als Schriftführer ernannt. Herr Rechtsanwalt Ludwig Cahen I.-Eöln erklärte, der heutigen Versammlung nur zur Berichterstattung an die Großloge der U. O. B. B. in Berlin ohne Stimmabgabe beizuwohnen. Zunächst berichtete Herr R. Ettlinger über die bisherige Tätigkeit des Vereins. Dann wies Dr. med. Weidenbaum-Nenenahr vom ärztlichen Standpunkte die Notwendigkeit einer Kuranstalt für unbemittelte Israeliten in Neuenahr nach. Diese Darlegungen wurden bestätigt und ergänzt von Herrn Dr. med. Lichtenstein-Neuwied. Nach Beant« Wortung einiger zur Orientierung von dem Vertreter der Großloge gestellten Fragen durch die Vorredner beteiligten sich an der recht anregend verlaufenen Diskussion noch die Herren Geheimer Kommerzienrat Coppel-Solingen, Rabbiner Dr. Frank-Cöln, Herz Hirschland- Münster i. W., Jonas-M.-Gladbach, Rabbiner Dr. Katischer-Bonn, Oberrabbiner Dr. Levy-Crefeld, M. Stern-Rheydt, Hermann Wahl- Barmen. Einmütig stinnnten alle Redner darin überein, daß die Bestrebungen des Vereins „Israelitisches Krankenheim in Bad Neuenahr" tatkräftigst gefördert werden müßten. Dem entsprechend gab die Versammlung einstimmig in folgender Resolution Ausdruck: „In der Ueberzeugnng, daß für unbemittelte Israeliten in Bad Neuenahr ein eigenes Heim notwendig ist, muß ailch fernerhin mit allen Kräften an der Beschaffung weiterer Mittel für den bereits bestehenden Baufonds des Krankenheims gearbeitet werden. Durch die Entfaltung einer energischen Propaganda zn diesem Zwecke sei eine rege Werbung neuer Mitglieder damit zu verbinden, und soll zunächst zur Unterbringung der durch den Verein aufgenommenen Kranken statt der bisherigen Privatpflege ein Heus als Heim gemietet werden." Es wurde hierauf ein Agitationskomilee gebildet, und erklärten sich sämtliche Herren bereit, ihre Dienste dem Verein zu widmen; vorerst sind Mitgliederanmeldungen, Beiträge oder Geschenke an die Herren Raphael Ettlinger in Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. Frank-Cöln a. Rhein, Hermann Wahl in Barmen zu richten. i. Karlsruhe, im Dezember. Die Neu wählen zur israelitischen Landessynode werden voraussichtlich nicht vor. Mitte Mürz k. I. stattfinden können. Nach Vorschrift des Landeskirchensteuergesetzes hat die Aufstellung des der Besteuerung für allgemeine kirchliche Bedürfnisse zugrunde zu legenden Voranschlages, in welchem der Steuerfuß nach den neuen Vermögens- und Einkommensteneranschlägen zu berechnen ist, und die Auslegung dieses Voranschlags in den einzelnen Gemeinden während der Dauer eines Monats voranzugehen. Da die Frist für die Einsendung der die neuen Steuer anschläge enthaltenden Register durch die Großh. Steuerkornmissäre bis 1. Februar k. I. sich erstreckt, wird die Auflegung des Voranschlags etwa Mitte Februar beginnen können. Kann hiernach der Wahltermin erst auf Mitte März anberaumt werden, so dürste die Einberufung der Synode immerhin noch vor Ostern zu ermöglichen sein. — Darmstadt, 20. Dezember. Das hessische Schulministeriurn hat nun auch die Abnahme der Prüfung für israelitische Religionslehrer in sein Ressort ausgenommen und findet die nächste derartige Prüfung statt am 30. März k. I. in: Amtslokal der Abteilung für Schulangelegenheiten in Darmstadt. Die nötigen Zeugnisse haben die betreffenden Examinanden denjenigen Kreis-- schulkommissionen einznsenden, in deren Bezirken sie sich zurzeit aufhalten. ---Gietzerr, 20. Dezember. In Dornheirn folgte jüngst einer Beerdigung der jüdische Kultusbeamte in Talar und Barett.

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