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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-12-20 · Heft 51 (20.12.1907) · p. Seite 604

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 51 (20.12.1907)
Date
1907-12-20
Page
Seite 604 (sequence 4)
Language
German
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Es muß ausgesprochen werden, das; weder die Liberalen noch die Konservativen mit dem Kompromiß recht zufrieden gewesen sind. Die liberalen Wähler glaubten nach dem letzten großen Siege ein Anrecht zu haben, auch diesmal nur liberale Männer in das Repräsentanten-Kollegium entsenden zu dürfen, entsprechend der Stimmung und der Majorität der Liberalen in Berlin. Die Konservativen dagegen hatten die Meinung, daß sie mit Geheimrat Senator an der Spitze der Liste sicher siegen würden und gaben ihrer Unzufriedenheit ebenfalls Ausdruck. Das Kompromiß war geschlossen worden lediglich der Personenfrage wegen. Die Liberalen hatten vorher in ihrem Aufruf deutlich erklärt, daß sie auch in Zukunft bemüht bleiben werden, dafür zu sorgen, daß die Verwaltung unserer Gemeinde in liberalem Sinne geführt werde. Sie hatten, um jede unnötige Aufregung zu vermeiden, ehrlich ein Kompromiß mit den Konservativen geschlossen, und wir freuen uns, sagen zu können, daß mit geringen Ausnahmen die Liberalen die getroffene Vereinbarung auch gehalten haben. 604 WMWMWWDWMMWWWWNWWff Leider ist das bei den Konservativen nicht der Fall gewesen. Nicht auf die einzelnen Wähler soll hierbei Bezug genommen werden, die nach ihren eigenen Wünschen in ihrem Sinne die Wahlzettel geändert haben. Das ist hüben wie drüben geschehen. Systematisch aber wurde das Kompromiß von den Konservativen in den Bezirken umgangen, in denen sie die Majorität stets haben und gehabt haben. Als Beweis dafür können wir anführen, daß Hunderte von Stimmzetteln in der Weise „präpariert" waren, daß die auf der linken Seite des Zettels zuletzt aufgeführten beiden liberalen Kandidaten Paul Schlochauer und Emil Cohn herausgeschnitten und an deren Stelle die Nummern 15 und 16. Kaufmann Lewinski und Bankier Loewenberg, eingeklebt worden waren. Alle anderen liberalen Kandidaten waren ebenfalls kassiert, und das so 'gewonnene „Destillat" enthielt also nur neun konservative Kandidaten. Einen weiteren Beweis liefert das offizielle Wahltableaü, das folgendes Bild für die einzelnen Wahllokale zeigt: Wahllokale: "e>' CO § r-> « r-» SS ä ’S <3 U ........ Q c *0 00 « a s Ä o CO aT 03 .St O?■» *£» ’S; CO ST *05 U R Ci Ä C P G 5 ö JO o* S- 3 »St C u r-> -2 R i n S >20 L ••O >§ O i. jO Jn! C i?-> SS 3 , *Ü 3 N oo " irH i *>■' T““l B I u 1 .5! c> i O 2 £ c öS» £ d 3 , O <5? o S3- 3 a g Z ' | g 3 : ö 3 . sO SS «2 : K; $2 03 rH £ -«• S« a rs sc j -Q 2 ti> g 53 O SS 3 « *03 1 j. " , | Geheimer Rat Senator. . i: 481 ’ 362 508 294 | 528 , 51 ' 297 | 157 227 i 369 86 204 3559 Geheimer Sanitätsrat Blumenthal... . i 464 i 346 497 286; 513 51 290! 154 230 350 82 199 3462 Rechtsanwalt Dr. I. Cohn . . 462 | 350 496 285 509 - 51 294 | 154 216 350 84 197 3448 Aron Hirsch. . 467 | 350 493 284 509; 5i 282 153 216 341 81 197 3424 I. Weinberg . . j 450 : 343 493 271; 496 50 290! 153 211 338 81 188 3364 Kommerzienrat G. Simon. . 472; 346 505 286! 507! 51 289! 156 219 352 86 201 3470 Jul. Bodenstein . . 1 458 : 349 491 284 500 | 50 288! 152 214 341 84 1 192 3403 Paul Schlochauer . .; 409 | 349 414 301 507! 52 237 149 221 368 86 202 3295 Emil Cohn. . 415 I 355 417 298 504! 50 237 152 218 368 84 206 3304 Dr. Max Ginsberg. . 427 | 361 422 306 503! 51 237 150 222 377 88 207 3351 Justizrat Dr. Guttsmann. . 411 353 419 300 ’ 503 | 51 237; 147 220 372 87 , 203 3303 Alexander Hahn . .; 408 i 350 418 296 502 1 51 233 140 220 ■' 369 87 201 3275 Sanitätsrat Dr. Holz.. . > 408 351 412 299 i 505! 51! 233 140 220 377 90 204 3290 Architekt S. Kuznitzky. . 411 350 420 305 : 502 I 51 237! 150 I 220 367 88 208 3304 Ad. Lewinski. . 446 344 489 273 498 I 49 290! 152 211 340 84 191 3367 Oskar Loewenberg . . il 465 i 348 , 487 296 511 1 49 291 1 155 i 220 347 84 196 3449 Professor Dr. Türk. . 401 346 j 395 289 j 502; 51 230! 140 215 370 89 203 3240 Maurermeister S. Weile.. .! 419; 355 425 303 513 1 51 241 1 151 218 | 370 89 207 3342 Zersplittert. . 1 70 * 24 53 35 1 38 11! 32 i 1 6 . 10 1 14 3 5 301 Während in allen anderen Bezirken die Liberalen und die Konservativen genau die gleiche Stimmenzahl haben, nur um 10 oder 20 Stimmen differieren, ist das Bild ein ganz anderes in der Kaiserstraße, in der Schönhauser Allee und in der Oranienburger Straße. Nur in diesen drei Bezirken ist die Differenz eine größere. Den Vergleichspunkt sollen die beiden Kandidaten bilden, welche die höchste resp. die niedrigste Stimmenzahl auf sich vereinigt haben, das sind die Herren Geheimrat Senator und Professor Türk. Während in der Kaiserstraße Geheimrat Senator 503 Stimmen hat, hat Professor Türk nur 395 bekommen. Während in der Schönhauser Allee sich auf Senator 297 Stimmen vereinigten, erhielt Türk nur 230. Auch in der Oranienburgerstraße müssen derartige Praktiken ausgeführt worden sein. Während Senator dort 481 Stimmen bekam, erhielt Türk nur 401. In allen denjenigen Bezirken aber, in denen sonst sicher und auch diesmal zumeist liberal gewählt worden ist, ist die Differenz zwischen den beiden Kandidaten viel geringer. Sie beträgt in der Lindenstraße 16 Stimmen, in der Burgstraße 4, in der Potsdamer Straße 26, in der Blücherstraße 0, in der Luckauerstraße 17, Holsteiner Ufer12,Joachimsthalerstraße1, Bismarckstraße 3, Schöneberg 1 Stimme. Diese Zahlen sprechen für sich selbst. Daß Herr Professor Türk auch noch wesentlich weniger Stimmen als alle anderen liberalen Kandidaten erhalten hat, lag an der Agitation des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens. Der Vorstand dieses Vereins hatte an seine Mitglieder die Aufforderung ergehen lassen, die Nummer 17 des Stimmzettels, den Namen des Herrn Professor Türk mit dem Namen des ersten Vorsitzenden des genannten Vereins, Bürstenfabrikanien Max Herz, zu überkleben, und die hübsche Aufmunterung daran geknüpft: „Tun Sie das Ihrige, und wir werden nicht resultatlos von dannen ziehen!" Durch solche Praktiken ist das Wahlresultat für die Liberalen in ungünstiger Weise beeinflußt worden. Die Liberalen hatten nach den Abmachungen, die sie getroffen haten, sicher darauf rechnen könnendaß der bisherige Repräsentanten-Stellvertreter Paul Schlochauer in das Kollegium einrücken würde. Das war ihr Wunsch gewesen, und dieser ist durch die vorhin gekennzeichneten Maßnahmen des Beschneidens der Stimmzettel vereitelt worden. Außerdem aber wollten die Liberalen die bisherigen Repräsentanten wohl in die Versammlung wieder einrücken sehen, doch wollten sie für ihre liberalen Erwählten nicht die letzten Stellen haben, die gleichzeitig den Nachteil haben, daß die betreffenden Herren nur auf drei Jahre gewählt sind. Denn nach der jetzigen Zusammensetzung sind die konservativen Repräsentanten auf sechs Jahre gewählt und nur ein einziger Liberaler auf die gleiche Zeitdauer. Die anderen beiden sind/

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