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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-12-13 · Heft 50 (13.12.1907) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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im Dienste der Lehrerschaft sich unvergängliche Verdienste erworben. Die Versammlung ehrte sein Andenken in üblicher Weise. — Nach Verlesung des vorjährigen Protokolls teilte der Vorsitzende mit, daß der Deutsch-Israelitische Gemeindebund dem Antrag des Vereins nachgekommen sei und ein Preisausschreiben für eine Methodik des jüdischen Religionsunterrichts erlassen habe. Auch einem weiteren Anträge habe die gesamte Korporation stattgegeben, welche das Ergebnis der Schulrevisionen betraf. Plauth-Sorau (O.-S.) erstattete das Referat über das Verbandsthema: Die materielle Lage der jüdischen Lehrer im Deutschen Reiche unter Berücksichtigung der oberschlesischen Verhältnisse. Der wohldurchdachte und sehr beifällig aufgenommene Vortrag fand lebhaften Beifall und veranlaßte eine recht lange Debatte, an welcher sich auch Stadtrat Wiener lebhaft beteiligte. Die dann aufgestellten vier Leitsätze wurden mit unwesentlichen Modifikationen angenommen. — In den Vorstand wurde an Stelle Abraham- Königs Hütte Stern-Tarnowitz gewählt. Der Delegiertentag, der Weihnachten in Hannover tagt, soll durch ein vom Vorstand zu bestimmendes Mitglied beschickt werden. Leipzig, 4. Dezember. Die Angriffe, die neulich in der Zweiten Kammer des sächsischen Landtags von konservativ-antisemitischer Seite gegen die hiesige H andelsho chschule und das hier vorherrschende Ausländertum gerichtet wurden, hat gestern der hiesige Handelskammerpräsident. Geh. Kommerzienrat Zweiniger, bei der Etatsberatung in der Ersten Kammer sehr energisch zurückgewiesen. Die Ausländer, die hier studierten, brächten die Kosten, die sie der Handelshochschule verursachten, selbst auf, ja sie trügen noch dazu bei, viele Inländer auf der Hochschule erhalten zu können. Technische Geheimnisse würden nicht gelehrt und die Befürchtung, daß die hier ausgebildeten Ausländer unserem Handel und unserer Industrie gefährlich werden könnten, sei durchaus unbegründet. Wohl aber könne die in gewissen Kreisen vorherrschende Abneigung gegen die ausländischen Studierenden nur dazu beitragen, unsere Handelsbeziehungen zum Auslande zu beeinträchtigen und das Ansehen der Handelshochschule zu diskreditieren. o. Hannover, im Dezember. Ueber die Simon-Stiftung hier ist soeben eine lesenswerte Broschüre erschienen, in der der Anteil der Juden am deutschen Wirtschaftsleben, ihre berufliche Sonderstellung, die einen Eingriff notwendig macht, ausführlich geschildert wird. Die Simon-Stistung (der flüssige Teil ihres Vermögens beträgt schon mehrere Millionen Mark) dient bekanntlich der Erziehung der jüdischen Jugend in Landwirtschaft, Gärtnerei, Handwerk und gewerblicher Arbeit jeder Art, ferner aber auch in geeigneten Fällen der Seßhastmachung unserer Glaubensgenossen. Die Tätigkeit der Stiftung ist keineswegs aus Deutschland beschränkt. Die Broschüre führt die wichtigsten Fälle an, bei denen sie nach ihrem Statut Abhilfe gewähren kann. Sie wird auch eigene Anstalten zur Förderung ihrer Zwecke errichten. Grundsätzlich gewährt sie keine Almosen, sondern sie will die Erwerbsfähigkeit vor allem in Ackerbau, Gärtnerei und Handwerk fördern. Das Bureau der Stiftung leitet in Hannover Syndikus Dr. Eugen Katz, Maschstraße 8, an beu alle Zuschriften von Interessenten zu richten sind, und der bereitwilligst jede gewünschte Anskunst erteilt. Der Vorstand der Stiftung besteht aus den Herren I. de Beer, Direktor Berliner, Dr. L. Caro, Arnold Daniel, S. Federlein, Direktor Zsenstein, Konsul Jaffa, S. Reihnold, I. Seckel, S. Seckel, Justizrat Dr. Steinfeld, M. Zuckerinann in Hannover, Rechtsanwalt Dr. Blau-Frankfurt a. M., Kammergerichtsrat Hammerschlag-Berlin. s. Hildesheim, 3. Dezember. Heute verschied hier im 81. Lebensjahre der emeritierte Lehrer M. Fauerbach. Derselbe warannähernd 50 Jahre im Lehrerberufe tätig gewesen. 33 Jahre war er hier, die übrige Zeit amtierte er in Hanau, Witzenhausen und Seesen. 14 Jahre genoß er den Ruhestand. Er war kurze Zeit Vorsitzender des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Hannover. Er hat auch die pädagogische Literatur um eine hebräische Lesefibel bereichert, die sich die grammatikalische Erlernung der hebräischen Sprache zur Aufgabe machte. Diese Fibel wird hierzulande noch hier und da gebraucht. Er war ein tüchtiger Lehrer, der in der Schule stramme Zucht zu halten verstand. Die hiesige Gemeinde widmet ihm einen, ehrenden Nachruf, in dem sie seine Beliebtheit als Lehrer und Vorbeter rühmend hervorhebt. □ Karlsruhe, 6. Dezember. Am 30. v. M. ist der bekannte Baurat Professor Ludwig Levy aus einer Dienstreise von Freiburg hierher im Kupee auf der Station Offenburg tot aufgefunden worden. Ein Herzschlag hatte dem Leben des 53jährigen ein jähes Ende bereitet. Mit ihm ist einer der hervorragendsten Architekten des Landes dahingegangen. Er wurde am 14. März 1852 in Landau geboren. Seine Spezialität war der Bau von Synagogen. Die nach seinen Plänen gebauten Synagogen in Straßburg, Kaiserslautern, Baden-Baden, Pforzheim, Luxemburg, St. Johann und Rostock, ferner viele andere Bauten, darunter das prächtige Ministerialgebäude in Straßburg, bilden unvergängliche Denkmäler der schöpferischen Künstlernatur des Verewigten. In mehr als 20 jähriger Tätigkeit als Professor der hiesigen Baugewerksschule hat er ein segensreiches Wirken entfaltet. Außerdem war er im Ministerium des Innern tätig. Sein Andenken sei gesegnet. $ Gesterntch-Ungarn. ü Wien, 8. Dezember. Herr Lueger hat seinen rühmlichen Rückzug angetreten. Er hat natürlich nicht für die Verchristlichung, sondern nur gegen die Verjudung der Universitäten sprechen wollen. Demgegenüber ist folgende statistische Uebersicht von Interesse: In den letzten zehn Jahren sind an den deutschen Universitäten Oesterreichs ernannt worden für ordentliche Lehrkanzeln folgende Juden im weitesten Sinne des Wortes: in Wien an der rechts- und staatswissenschastlichen Fakultät einer, an der medizinischen Fakultät niemand, an der philosophischen Fakultät einer (seither gestorben); in Prag an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät zwei (davon einer seither gestorben), an der medizinischen Fakultät einer (seither gestorben), an der philosophischen Fakultät niemand; in Graz überhaupt niemand, in Innsbruck einer (an der medizinischen Fakultät), in Czernowitz an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät niemand, an der philosophischen Fakultät zwei. Im ganzen wurden also in den letzten zehn Jahren für ordentliche Lehrstühle acht Professoren ernannt, die selbst oder deren Vorfahren je jüdischen Glaubens gewesen waren; davon sind drei bereits gestorben, so daß es sich nur noch um fünf handeln kann. Dem wirklichen Sachverhalt in diesem Angenblick entspricht das Bild jedoch nicht mehr. Es hat sich in den letzten Jahren vieles geändert. Von den hier erwähnten Ernennungen fallen sehr wenige in die letzte Zeit, etwa seit 1900, und auch diese beruhen zum Teil aus früheren Vorschlägen, so die drei Ernennungen an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät in Wien und Prag. Jetzt wären sie wohl nicht mehr möglich. Der jetzige Zustand ist wohl der, daß alle rechts- und staatswiffenjchaftlichen, sowie alle medizinischen Fakultäten an den deutschen Universitäten Oesterreichs (vielleicht mit Ausnahme der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät in Czernowitz, wo die Verhältnisse nicht ganz klar liegen) stillschweigend, die Universität Graz bereits seit vielen Jahren und auch Innsbruck seit mehreren Jahren ganz offen sich bei ihren Vorschlägen zu einem antisemitischen Programm bekennen. Zumal in Graz sollen bei jedem, der in einen Vorschlag ausgenommen werden soll, förmliche Ahnenproben ausgestellt werden. Man sieht, wie es mit der Wahrheit der christlichsozialen Behauptungen beschaffen ist! — Die Kultusgemeinde Wien widmet zur Feier des sechzigjährigen Negierungsjubiläums des Kaisers einen Betrag von 100 000 Kronen zum Bau eines Knabenwaisenhauses gemeinsam mit dem Vereine zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Kultusgemeinde Wien. — Am 1. d. M. ist hier der vormalige Gewerbe-Oberinsvektor und Vorstand des Gewerbe-Jnspektorats, Regierungsrat Michael Kulka, im Alter von 59 Jahren einem Herzleiden erlegen. —- Der „Verein zur Förderung und Verbreitung der Wissenschaft des Judentums" (Afike Jehuda) in Prag hat anläßlich seines 40jährigen Bestandes ein Preisausschreiben für die beste wissenschaftliche Arbeit über die „Josefinische Gesetzgebung und ihre Rückwirkung auf die Geschichte und Literatur der Juden in Böhmen" erlassen. Der Preis beträgt 500 Kronen. *

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