Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-12-13 · Heft 50 (13.12.1907) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228744-3228795--64042-3297993
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Krau ausgeschieden. Las hohe Interesse, das sie dem Mädchenhause seit seiner Begründung entgegengebracht haben, sichert ihnen den Dank des Vereins auch in späterer Zeit. Hierauf wird auf Antrag des Revisors Herrn Karl Schiff dem Vorstand einstimmig die Entlastung erteilt. Einstimmig erfolgte auch die Wiederwahl der turnusmäßig ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Kommerzienrat E i su er und Theodor Pincus sowie der Revisoren Karl Schiff und Otto Pariser. Zum Schluß hielt Frau Kommerzienrat Eisner an die prämiierten Mädchen eine eindrucksvolle Ansprache und ermahnte sie, auch ferner fleißige, achtbare Menschen zu bleiben, zur Ehre des Judentunis und zur Ehre der Anstalt, in der sie ihre Ausbildung genossen haben. x Berlin, 9. Dezember. Die Ausstellung jüdischer Künstler, Galerie für alte und neue Kunst, Wilhelmstraße 45, die sich eines regen Besuches erfreut, wurde in den letzten Tagen durch verschiedene Kunstwerke bereichert. Hervorzuheben sind: Professor S. Hirszenberg „Spinoza", Leopold Bernstamm (Paris) „Büsten", Robert Bsreny (Paris) „Straße in Paris", Lazar Rosenberg „Beim Talmudstudium", Prof. Boris Schatz lJerusalem) „Bildnis von Alexander Strakosch", ferner die Werke mehrerer Krakauer Künstler. Auch der Abteilung der Altertümer wurden neue, wertvolle Objekte einverleibt. Eine neue, textlich ergänzte und mit zahlreichen Illustrationen versehene Auflage des Kataloges ist erschienen. Die Ausstellung ist an Wochentagen von 10—7, Sonntags von 12—6 Uhr geöffnet. s. Berlin, 6. Dezember. Am 4. d. Mts. ist hier der Maler Nathaniel Sichel gestorben. Mit ihm schwindet eine Persönlichkeit, die in der Berliner Gesellschaft lange Zeit eine Rolle gespielt hat, sozusagen „in Mode" gewesen war. Halb Berlin IV. ließ sich einst von dem Maler des „Mädchens aus der Fremde" porträtieren, und sogar Max Liebcrmann „saß" seinem Antipoden. Nathaniel Sichel ist viel angefeindet worden. Dennoch haben seine idealisierten orientalischen Mädchen und Frauen in Berlin und Paris, wo er längere Zeit gelebt hat, viel Anklang gefunden. Oft sind auch sehr hohe Preise für Sichel-Originale gezahlt worden. In den letzten Jahren freilich hatte das Interesse, das einst die farbenbunten glatten Frauenbilder Sichels erweckten, stark abgenommen. Nathaniel Sichel hat ein Alter von 03 Jahren erreicht. Er war ein geborener Mainzer. Sichel hatte bei Julius Schräder an der Berliner Akademie studiert und 1864 einen Preis ans der Michael-Beer-Stiftuug erhalten. Nach längerem Aufenthalt in Nom und in Paris, wo er zahlreiche Anhänger fand, hat er sich erst in den neunziger Jahren in Berlin angesiedelt. Er war Inhaber der Großen Silbernen Medaille der Akademie. Von seinen Werken sind besonders bekannt die Gemälde „Francesca da Nimini" und „Maria Stuarts Abschied von Melvil". Seine „Fellah-Weiber" sind berühmt geworden. In der Ausstellung jüdischer Künstler sind verschiedene seiner Bilder enthalten. s. Berlin, 9. Dezember. Zu einer würdigen Trauerfeier gestaltete sich die Beerdigung des Fräulein Thildi Mecklenburg, die am 8. d. M. zu Grabe getragen wurde. 18 Zöglinge des II. Waisenhauses der jüdischen Gemeinde geleiteten den Sarg von dem Portale nach der Friedhofkapelle. Hier wurde die Trauerfeier durch den von den Waisenknaben gesungenen Psalm: „Harre meine Seele" eingeleitet. Au den warmen Nachruf, den Rabbiner Dr. Weiße der Verblichenen widmete, schloß sich das ebenfalls von den Waisenknaben gesungene Lied: „Es ist bestimmt in Gottes Rat". Nachdem die sterbliche Hülle der Erde übergeben worden war, sprachen die Knaben das Kaddischgebet. Obgleich Fräulein Mecklenburg noch jung an Jahren war, so war doch ihr ganzes Sinnen darauf gerichtet, Gutes zu tun. Besonders war sie dem II. Waisenhause nahe getreten. Bei keiner Festlichkeit fehlte sie. Immer war sie bemüht, durch eigene Arbeit und Teilnahme die Festfreude der Kinder zu erhöhen. Ihr Andenken wird im Waisenhause stets in Ehren gehalten werden. ns. Memel, 8. Dezember. Am 5. d. Mts. beging Herr Joseph Abelmann sein 25jühriges Zimtsjubiläum als Vorsteher unserer Shnagogengemeiude. Ist es überall bedeutungsvoll, an der hohen Warte einer größeren Korporation das Vertrauen der Mitglieder viele Jahre zu erhalten, bei uns an der äußersten Nordostmark innerhalb des jüdischen Gemeinwesens, wo moderne. Art und altjüdische Anschauung aneinandergereiht sind, ist es geradezu ein seltenes Ereignis, ein Vierteljahrhundert einen Mann der Initiative an der Leitung wirken zu sehen, der erfolgreich und segensreich über die Parteien einen Mittelpunkt bildete. Unser Rabbiner, Herr Dr. Stein, und eine Abordnung der Gemeindekollegien unter Führung des ersten Vorstehers, Herrn Kommerzienrat Alexander, überreichte dem Jubilar eine künstlerisch ausgestattete, inhaltreiche Dankadresse, und zollten seiner vielseitigen, ersprießlichen Tätigkeit warme Anerkennung. Der Gefeierte dankte in bewegten Worten und stiftete zu Ehren des Tages Spenden für unsere Wohlfahrtsvereine. Von allen Seiten ergeht an den im Ehrenamt der Gemeinde verdienstvollen Manne der Ruf und Wunsch: Glückauf bis zum Volljubiläum, immer eingedenk des Leitmotivs: „Aeltestes bewahrt mit Treue, freundlich aufgefaßt das Neue!" H. Posen, 8. Dezember. Ein alter, braver Mann ist aus unserer Gemeinde geschieden. Nach kurzer Krankheit starb am 26. d. M. der Tischlermeister Michaelis Kunkel. Trotz der 80 Jahre konnte er noch seinem Berufe nachgehen, denn er erfreute sich einer vollen Rüstigkeit wie Geistesfrische. Der Dahingeschiedene zählte zu den ältesten Mitgliedern des Anschei-Chessed-Vereins und fand sich stets zu allen Liebesdiensten bereit. Bei der früheren freiwilligen Feuerwehr, zu deren Mitbegründern er gehörte, tat er sich immer rühmend hervor. Im Trauerhause sprach Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld und pries die Tugenden und Vorzüge des verstorbenen Mannes. Vor dem Leichenzuge schritt die Feuerwehr mit ihrer Fahne. Ein Kamerad trug die Ehrenzeichen auf einem Kissen. — In Wreschen feierte der jüdische Männerkranken-Verein am 8. d. M. sein 25jähriges Bestehen. — Am 1. d. M. verstarb in Stenschewo plötzlich der Kaufmann Adolph Satiuger im 64. Lebensjahre. Der Dahingeschiedene war im Kreise der Geschäftswelt und der Landwirte eine sehr geschätzte Persönlichkeit. Als ein Kind dortiger Stadt hat er als Stadtverordneter und in vielen sonstigen Ehrenämtern lange Jahre unermüdlich gewirkt. — Die israelitische Kranke nver pfleg ungs- und Beerdigungs- Gesellschaft zu Posen versendet ihren Bericht. Die Einnahmen sind: 1. Bestand aus dem Vorjahre 108 667,61 Mark. 2. Beihilfe der Synagogengemeinde 900 Mark. 3. Beiträge der Gesellschafts- Mitglieder 5051,90 Mark. 4. Aus Sammelbüchsen 1608,80 Mark. 5. Spenden 2762,50 Mark. 6. Legat des Herrn Paul Falkenfeld 1500 Mark. 7. Beihilfe zu der: Ausgaben Pos. 7 und 8 4862.50 Mark. 8. Rückerstattung für Krankenwartung 3648,25 Mark. 9. Mietsertrag für Synagogenstellen 16 Mark. 10. Für Leichenkleider.1153,90 Mark. 11. Särge 1234,85 Mark. 12. Zinsen und regelmäßige Eingänge aus Stiftungen 5068,45 Mark. 13. Für verkaufte Utensilien 3 Mark. 14. Gekaufte Effekten 1500 Mark. Summa 137 977,76 Mark. Ausgaben 26 956,54 Mark. Bestand per 1. Januar 1907 111 021,22 Mark. ----- Kattowitz, 8. Dezember. Ter Verein israelitischer Lehrer Oberschlesiens hielt im Sitzungssaale der hiesigen Synagogengemeinde seine Jahresversammlung ab. Stadtrat Wiener- Kattowitz begrüßte die Versammlung namens der Synagogengemeinde Kattowitz und zugleich als Delegierter des Verbandes der jüdischen Gemeinden des Regierungsbezirks Oppeln und wünschte den Beratungen glücklichen Erfolg zur Hebung des religiösen Sinnes der Jugend. Rabbiner Dr. Coyn-Kattowitz dankte in seiner Rede für die Einladung und für die Tagung in Kattowitz, der Stadt, welche für Ausgestaltung und Ausbildung städtischer Einrichtungen, besonders des Schulwesens, die größten Opfer bringe. Das gelte besonders bezüglich der materiellen Stellung der Lehrer, worum Kattowitz an der Spitze der Kommunen Oberschlesiens stehe. Das sei um so anerkennenswerter, als gerade dem Lehrer eine zeitgemäße Entlohnung für seine schwierige Tätigkeit nottue, um seinen Idealismus für den Lehrerberuf zu erhalten. Auch er wünschte den Beratungen Glück und Segen für Schule und Gemeinde. Willner- Kattowitz begrüßte die Versammlung namens des Ortskomitees. Der Vorsitzende, Hauptlehrer Petzal-Zabrze. widmete dem Andenken des verstorbenen Kollegen Bernhard, des Begründers und langjährigen Leiters des Vereins, tiefempfundene Worte des Dankes. Der Verein habe einen nuersetzlichen Verlust in dem Manne erlitten, der durch seinen Geist, seine hervorragende Beredsamkeit, seine rastlose Tätigkeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.