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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-12-13 · Heft 50 (13.12.1907) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Jahrgang. Nr. 50. Berlin, 13. Dezember 1907. Der Gemeindevote. Beilsge zur „Allsemelaen Leitung deK Judentums". Kgrrelponükn-rn und Nachrichten. Deutschland. Berlin, 8. Dezember. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur fand am 3. d. M. der erste der populärwissenschaftlichen Vorträge dieser Saison statt. Oberkantor Birn* bäum aus Königsberg, bekannt als Forscher und Sammler im Gebiete der Synagogalmusik. gab eine reichhaltige, mit vielen musikalischen Vorführungen gewürzte und anschaulich gemachte Darstellung dessen, „was unsere Altvordern sangen". Nach allgemeiner Einleitung über die Entwicklung nationaler Volks- und Liturgie-Gesänge ging er Zunächst auf verschiedene alte Accentuationssysteme ein, das ist auf die melodischen Phrasen, mit denen ehedem die Heiligen Schriften vorgetragen wurden, und wandte sich dann zu den ausgesührteren liturgischen Melodien, von denen mannigfache, den verschiedensten Zeiten und Ländern entstammende Beispiele teils von ihm selbst, teils von Herrn Kantor Guttmann ans Potsdam, teils von einem Doppelquartett aus Mitgliedern des Synagogenchors Lindenstraße gesungen wurden, während eine andere Reihe Melodien voll der Violinvirtuosin Frl. Erna Schulz vorgetragen und sämtliche Klavierpartien von Prof. William Wolf ausgeführt wurden. Die interessanteste Darbietung für die sehr zahlreich erschienene Zuhörerschaft dürste die Gegenüberstellung der Komposition des Kol nidre von Rabbi Michel Chasstd (1720 Rabbiner von ' Berlin und Frankfurt a. O.) und der modernen Lewandowskischen Bearbeitung für Geige und Klavier gewesen sein; sie wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Herr Birnbaum beschloß seinen lehri reichen Vortrag mit einer alten, der unserigen ganz heterogenen, aber sehr ansprechenden Melodie zum Chanukah-Lied Maus rar! .jescliuossi. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen.! A Berlitt, 9. Dezember. Das Kuratorium des Vereins j „Lehrlingsheim Pankow" versendet in diesen Tagen den fol- > gen den Aufruf, der allgemeiner Teilnahme wärmstens empfohlen sei:! „Sehr geehrter Herr!! Unter schweren Zeiten seufzen unsere Glaubensgenossen allüberall. j Um solche Zeiten ertragen zu können, müssen sie gestählt werden j durch Linderung materieller Rot wie durch kulturelle Hebung, und j vor allem muß die Jugend init den Mitteln ausgestattet werden, - welche eine glücklichere Zukunft vorzubereiteu ermöglichen.! Keine Veranstaltung dürfte in gleichem Maße allen diesen Zwecken! gleichzeitig zu dienen geeignet sein, wie das „Lehrlingsheim" in! Pankow. Hier erhalten jüdische Handwerkslehrlinge während der Lehrzeit Wohnung, Bekleidung, Beköstigung, hier wird für die Vermehrung ihrer Jach- und allgemeinen Bildung gesorgt, indem sie zum Besuch von Fach- und Fortbildungsschulen angehalten werden; hier werden sie durch geeignete Aufsicht vor den vielfachen Gefahren der Großstadt bewahrt, hier wird ihre nächste Zukunft nach Beendigung der Lehrzeit durch Uebergabe von Sparkassenbüchern sicher gestellt, hier ihnen die Möglichkeit gegeben, mit beruflich und sittlich Gleichstehenden Freundschaften zu schließen, die ihnen im späteren Leben zu dauernder Stütze gereichen können. Durch unsere besser situierten Glaubensgenossen ist die Anstalt in den zwölf Jahren ihres Bestehens in den Stand gesetzt worden, eine große Anzahl von Zöglingen (Schlosser, Mechaniker, Maler, Gärtner, Buchbinder, Gürtler, Klempner, Tischler, Maurer, Zimmerer, Maschinenbauer) in jeder Beziehung gut ausgebildet zu entlassen. Sie alle erzielen einen guten Verdienst und sind der Anstalt treu anhänglich geblieben. Wohl haben wir in unserem Grundstück Platz für eine höhere Zahl von Zöglingen, nicht aber wissen wir auch nur unsere laufenden Ausgaben durch unsere Einkünfte sicher gedeckt. Das indessen dürfte das unbedingt Notwendigste sein, das erzielt werden muß. Großes ist erreicht, bei weitem Größeres anzustreben! Trage jeder nach seinen Kräften dazu bei, ein Institut zu unterstützen, das in materieller und sittlicher Beziehung die Stellung unserer Glaubensgenossen zu heben geeignet ist! Der Gedanke, der uns leitet, hat in einem Erlasse des preußischen Handelsministeriums volle Anerkennung gefunden; möge die Unterstützung seitens unserer Glaubensbrüder seine immer umfassendere Verwirklichung ermöglichen! Der Jahresbeitrag ist auf mindestens zehn Mark festgestellt. Die immerwährende Mitgliedschaft wird durch Zahlung von 500 Mark erworben. Kuratorium des Vereins „Lehrlingsheim", Pankow. I. Loewe Geheimer Kommerzienrat Vorsitzender. Kraft Justizrat Schriftführer. Dr. I. Ginsberg Fabrikbesitzer stellv. Schatzmeister. M. D. Feilchenfeld Rentier. Rudolf Mosse Berlagsbuchhändler und Rittergutsbesitzer ftellvertr. Vorsitzender. Dr. Strelitz Waisenhaus direkter stellv. Schriftführer. Dr. Magnus Regierungsrat a. D. Max Fränkel Maurermeister. I. Bo den st ein Landschaftsmaler Schatzmeister. Leo p. Fri edrnanu Bankier Kontrolleur. Dr. Feist W ai sen h a usd irekt o r. 8. Berlin, 8. Dezember. Im Jüdischen Mädchenstift fand am 5. Dezember anläßlich der Chanukah-Feier im Beisein des Vorstandes und einer Reihe von Freunden der Anstalt neben der üblichen Bescherung auch eine Prämienverteilung für treue Pflichterfüllung im Dienste statt. Es konnte diesmal ersrenlicherweise drei Mädchen, welche die Bedingung eines mindestens zweijährigen einwandfreien Dienstes bei derselben Herrschaft erfüllt haben, die Prämie im Betrage von je 40 Mark zuerteilt werden. Unter den im ganzen während des 17jährigen Bestehens des Stistes aus demselben entlassenen 92 Zöglingen ist bisher l9, welche sich zwei bis neun Jahre lang in derselben Stellung bewährt haben, die Dienstprämie zuerkannt worden, ein Erfolg, der am deutlichsten für die ersprießliche Wirksamkeit der immer noch nicht nach Gebühr gewürdigten und unterstützten Anstalt spricht. Gesänge und andere Vorträge eröffneten und beschlossen die Feier, bei welcher der Vorsitzende, Direktor Dr. Strelitz, eine eindrucksvolle Ansprache an die versammelten gegenwärtigen und ehemaligen Zöglinge hielt. K. Berlin, 10. Dezember. Der Verein „Mädchenhaus Pankow" hielt am 8. d. M. seine diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung ab. Wie aus dem von Herrn Rechtsanwalt F. Makower erstatteten Verwaltungsbericht zu entnehmen ist, hat der Verein entsprechend dem in .der letzten Generalversammlung gefaßten Beschluß seit dem 1. April 1907 auch mit der Aufnahme schulpflichtiger Mädchen begonnen. Am 30. September befanden sich vier solcher Kinder im Mädchenhause. Mit Rücksicht auf die bedrängte Vermögenslage der Eltern und Erzieher dieser Kinder sind einige gegen eine geringe Entschädigung (im Mindestsatz 180 Mark jährlich) ausgenommen worden. Die Zahl der erwachsenen Mädchen betrug in der Zeit vom 1. Oktober 1906 bis 30. September 1907 durchschnittlich 23, gegen 20 im Vorjahre. Die Ausbildungsergebnisse sind zur Zufriedenheit ausgefallen. Von den seit den: Bestand des Hauses aufgenommenen 209 Mädchen sind 128, im letzten Jahre 11, in Dienst getreten, sechs sollen in diesem Jahre für einjährige Dienstzeit auf der ersten Stelle prämiiert werden. Obwohl die Mitgliederzahl in steter Zunahme begriffen ist, so sind doch in diesem Jahre die jährlich wiederkehrenden Einnahmen um etwa 1000 Mark hinter den laufenden Ausgaben zurückgeblieben. In Anbetracht der sozialen und kulturellen Zwecke des Vereins wäre es zu wünschen, daß ihm neue Mitglieder beitreten und größere Spenden znfließen mögen. — Aus dem Vorstande sind im Berichtsjahre Herr Emil Mosse und

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