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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-12-13 · Heft 50 (13.12.1907) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
Seite 599 (sequence 11)
Language
German
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509 wurde, kündigte auch den Juden ein freieres Atmen an. Jetzt durften die Juden in Gottes schöner Welt, die allen Menschen gegeben, sich auch menschlich fühlen. Es schien, als ob eine neue Sonne am Horizont emporstiege! Doch es kam noch mancher schwere Tag, ehe der Himmel sich geklärt. Lin untrrnrhmendrr Momrr. Von Bernhard Nathan. Ukamas liegt au der östlichen Grenze von Deutsch- Südwestafrika, fünf Stunden zu Pferde von der Bahnlinie durch die Kapkolonie. Die Farm umfaßt 48 000 Acker Land, hauptsächlich steiniger und sandiger Natur. Während der letzten 25 Jahre ist sie im Besitz eines alten Schweizer Ansiedlers gewesen, der als erster Pionier Brunnen zu graben und ein Haus zu bauen hatte, sich indessen auf Rindvieh- und Schafzucht beschränkte, wie es in diesem Lande üblich ist. Im letzten Dezember kaufte Hugo Fried mann, ein junger deutscher Jude, der während der letzten acht Jahre auf deutschem Gebiete als Farmer tätig war, diese und einige benachbarte Farmen. Dieser Jude, dessen Vater ein deutscher Fabrikant ist und der selbst für eine kaufmännische Laufbahn erzogen wurde, entfaltet jetzt eine Tätigkeit und einen Unternehmungsgeist auf landwirtschaftlichem Gebiete, der die benachbarten Farmer (Deutsche und Buren) fast gänzlich in den Schatten stellt. In der kurzen Zeit, die er dort ist, hat er das Haus irr eine richtige Villa umgewandelt, sie wie ein Herrenhaus eingerichtet und ist augenblicklich damit beschäftigt, einen Garten davor anzulegen. Neben den gewöhnlichen landwirtschaftlichen Unternehmungen mit Rindvieh und Schafen, die er in großem Maßstabe betreibt, hat er höchst kostbare Pferde von edler Abkrrnft zu Zuchtzwecken eingeführt. Er hat Gärten für Obst und Gemüse angelegt, und was am wichtigsten ist, er hat zur Bewässerung eines großen Komplexes einen breiten und starken Damm für die Aufstauung von Wasser gebaut. (Man muß sich erinnern, daß Regen und Wasser in diesem Lande sehr knapp sind.) Das ganze Terrain ist eingezäunt worden, schon bewässert, gepflügt und mit Getreide, Kartoffeln, Luzerne und Tabak besät und läßt in jeder Beziehung eine gute Ernte erwarten. Wenn man bedenkt, daß bisher alle diese Produkte aus der Kapkolonie in diesen Teil des Landes importiert werden mußten, bloß weil die Farmer nicht den Mut und den erforderlichen Unternehmungsgeist hatten, den Boden in diesem unfruchtbaren Lande anzubauen, so muß man wirklich bewundern, was dieser junge Jude für sich und nebenher für die neue Kolonie tut, in der er ein so nützlicher Ansiedler ist. Das Leben und die Tätigkeit dieses ausgezeichneten Mannes straft das häufige antisemitische Geschrei, daß alle Juden Kaufleute und Zwischenhändler und nicht produktiv sind, geradezu Lügen. Er ist produktiv im besten Sinne des Wortes; produktiv in einem Lande, das bisher unproduktiv gewesen ist. Diese Mitteilungen stammen aus unverdächtiger Quelle — die „West African Mail" vom 4. d. M. hat sie gebracht. Und es unterliegt keinem Zweifel, daß die Leser der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" sie gleichfalls mit Interesse aufnehmen werden. Von Fenlter?u Fmlter. Von Leopold v. Sacher-Masoch. X. ls Genendel nach zwei Stunden etwa zurückkehrte und ihren Gefangenen mit einem spöttischen Lächeln die Freiheit gab, regte sich Baroin nicht, ja er erhob nicht einmal die Augen zu ihr, er blieb vollkommen vernichtet aus seinem Stuhle sitzen. Am folgenden Tage fragte er sie schüchtern, wo sie gewesen war. Sie lachte und hieß ihn schweigen. „Aber ich muß doch wissen, wo meine Frau etwa hingeht —" ries er aus, er bebte am ganzen Leibe. „Du wirst es schon einmal erfahren," sagte sie. Eine Woche verging. Dann kam Baroin einmal in Genendels Zimmer und sah, wie sie rasch ein Papier in ihrer Brust verbarg. „Was hast Du da für einen Brief?" fragte er mißtrauisch. „Einen Brief, der Dich nichts angeht." Barom schlich beschämt hinaus. Er sprach kein Wort mehr von dem Borgefallenen, aber er ging nmher wie ein Kranker, ließ den Kopf hängen, seufzte und blieb auf seinem Zimmer, und Genendel, die seinem Benehmen eine andere Deutung gab, seufzte gleichfalls und saß an dem Fenster und trocknete endlich sogar ein paar große Tränen mit dem spitzenbesetzten Taschentuche. Wochen vergingen; es war Winter geworden und Baroms Blick blieb düster, Blässe bedeckte seine Wangen. Genendel fragte ihn nicht, sie war zu stolz, ihn zu fragen, und sie war nicht im Unrecht in diesem Falle, denn es schien ihr, daß seine Liebe für sie vollkommen erloschen sei, und das hatte sie gewiß nicht verdient. Indessen beobachtete sie ihr Mann fast ängstlich. Er sah, daß sie den einen Kasten stets abgesperrt hatte und den Schlüssel bei sich trug. Jedesmal, wenn sie allein ausging, wollte er vor Unruhe und Qual vergehen, und dennoch wagte er es nicht, ihr zu folgen. Eines Abends kam Baroin nach Hause und sah, daß Genendel, die an dem Fenster saß, sich rasch von ihm abwendete, und er sah, daß sie es nur tat, um ihre Tränen zu verbergen. „Was hast Du, Frau?" fragte er bekümmert. „Nichts, was soll ich habeir?" Sie wischte sich mit dem Taschentuche ab. „Du weinst, Genendel, weshalb weinst Tu?" Er trat zu ihr und faßte ihre Hände. „Wenn Du cs siehst," sprach sie, die feucht verschleierten Augen zu ihm erhoben, „so ist es eben nicht zu ändern." „Warum nicht zu ändern, Genendel?" Er ließ ihre Hände nicht mehr los. „Weil ich mich nicht schön machen kann und interessant." Sie begann laut zu schluchzen. „Genendel, was hast Du für kuriose Einfälle!" rief Barom. „Ich will Dich doch nicht anders haben, als Du bist, nicht ein Härchen an Dir." „Aber Du bist so — so gleichgültig seit einiger Zeit. Dn willst mich nur überreden." »Ich? — Ich bingleichgültig?"

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