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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-12-06 · Heft 49 (6.12.1907) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 49 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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s. Berlin, 28. November. Im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach heute abend im Langenbeck-Haus vor dichtgefülltem Auditorium Herr Rabbiner Professor Dr. Hofmann aus Reichenberg i. B. über das Thema: „Die Ehre und das Judentum." Nachdem er das Wort Ehre begrifflich umgrenzt hatte, zeigte er diese Tugend, deren Wesen und deren Entwicklung in drei Wissenschaften, in der Ethik, der Soziologie und der Rechtswissenschaft gegeben wird, in ihren verschiedenen Epochen und Schicksalen im Lichte der Philosophie, der Geschichte und im Spiegel der Dichtung. In seinen geistvollen und klar durchdachten Ausführungen gelangte der Redner zu dem Schlüsse, das; das Judentum die tiefste und richtigste Auffassung über die Ehre habe. Denn tm Gegensatz zur Antike und zum Mittelalter lehrt es auf Grund der biblischen Schöpfungsidee, daß jedem Menschen ohne Unterschied eine Würde inne wohnt, daß ihm diese Würde angeboren ist und einen unzertrennlichen und unzerstörbaren Teil der menschlichen Persönlichkeit bildet. Diese Anschauung bildet die Grundlage der Rechts" gleichheit, die das Judentunl gleichfalls im Gegensatz zur Antike und zum Mittelalter zuerst verkündet und streng durchgeführt hat, jene aus dem Ehrbegriff quellende Demokratisierung des Rechts, welche eines der größten Verdienste des Judentums ist. Diesen Lehren hat stets auch das Leben der Juden entsprochen, die auf allen Gebieten menschlicher Tätigkeit ihre Ehre daran gesetzt haben, Hervorragendes zn leisten und denen ein Einfluß auf' die Erziehung und den Bildungsgang der Menschheit nie und nimmer bestritten werden kann. Zu allen Zeiten war die Ehre des Vaterlandes auch die eigene Ehre der Juden. Deshalb sollten sie sich nicht durch trübe Erfahrungen, durch Zurücksetzungen und Erniedrigungen beirren lassen in ihrem Selbstgefühl, sie sollten das stolze Bewußtsein ihrer Würde haben; denn höher als alle Würden und Ehren steht die Würde und die Ehre. Trotzdem ist, wo es sich um die Ehre der Gesamtheit handelt, Untätigkeit gegenüber den vielfachen Angriffen gegen das Judentum nicht am Platze, die Abwehr ist eine sittliche Pflicht, ein Gebot der Selbsterhaltung für die Juden. — Die nach Form und Inhalt glänzenden Darlegungen des Redners fanden den wohlverdienten, lebhaften und sich mehrfach wiederholenden Beifall der Zuhörer. K. Ratibor, 28. November. Zu Ehren der Mitglieder unserer Chewra Kadischah, der Institutionen der Kommission für Armen- Krankenpflege und Beerdigungswesen, veranstaltete die Gemeinde am 25. d. M. ein Fest. Nach einem am Vormittag in der Friedhofshatle abgehaltenen feierlichen Gottesdienst vereinigten sich fast alle Mitglieder der Gemeinde am Abend zu einem Festessen im Bruckschen Saale. Der Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde, Herr Hugo Schück, brachte in markigen Worten den Kaisertoast aus, nach welchem die Festversammlung die Nationalhymne sang. Auf die Bedeutung der Chewra — dies der traditionelle Name der Kommission — wies der folgende Redner, Dr. med. Böhm, hin. Sie sei aufgebaut auf dem Fundament reiner, wahrer Menschenliebe, die der Hauptgrundsatz des Judentums sei. Rabbiner Dr. Dienemann knüpfte an die Worte des Vorredners an, meinte jedoch, daß gerade darin das Edle und Hohe in der Tätigkeit der Chewra liege, daß sie ohne jeden Anspruch auf Dank oder Anerkennung ihrer Tätigkeit obliege-, daß den Mitgliedern das Bewußtsein, eine religiöse Pflicht zu erfüllen, der schönste Lohn sei. Nunmehr ergriff der langjährige Vorsitzende der Chewra, Herr Hugo Schück, der seit mehr als 30 Jahren in hingebungsvoller Weise seine Person in den Dienst der Chewra gestellt hat, das Wort, um allen Festteiluehmern für die der Chewra bereitete Ehrung zu danken. Mit einem warmen Appell, besonders an die jüngeren Mitglieder der Gemeinde, sich in den Dienst der Chewra zu stellen, und mit innigen Wünschen für das fernere Wachsen, Blühen und Gedeihen der Gemeinde schloß der Redner seine Ausführungen. Als Mitglied der Gemeinde sprach Dr. Breslauer. Seine Aufforderung, ein solches Fest zu Ehren der Chewra in jedem Jahre zu feiern, fand Beifall. Auch der Frauenabteilung wurde mit ehrenden Worten gedacht. e. Königshütte, 28. November. Am 28. v. M. fand hier im Hotel „Graf Reden" eine Versammlung statt zwecks Gründung eines „Vereins für jüdische Geschichte und Literatur". Es nahmen an dieser etwa vierzig Herren und Damen teil. Zunächst begrüßte Herr Referendar Dr. Fränkel im Namen des vorbereitenden Komitees, das aus drei jungen Leuten hiesiger Stadt gebildet war, die Versammlung. Er wies in seiner Rede darauf hin, daß die Idee, einen solchen Verein zu gründen, schon in früheren Jahren öfters aufgetaucht sei, ohne bisher jemals verwirklicht worden zu sein, und daß nunmehr die Jugend die vorbereitenden Schritte getan habe, von der Ansicht ausgehend, daß unsere Stadt für die Förderung jüdischen Wissens dasselbe leisten könnte wie die Mehrzahl der übrigen oberschlesischen Städte. Der Verein werde sein Ziel durch Schaffung einer Bibliothek, Veranstaltung von Vorträgen und planmäßig Studien in kleinen Arbeitszirkeln junger Leute zu erreichen suchen. Der Redner teilte schließlich mit, daß für die Bibliothek ein Fonds von 350 Mark vorhanden sei und daß sich bisher schon 110 Mitglieder zum Beitritt bereit erklärt hätten. Nach Herrn Dr. Fränkel hielt Herr Rabbiner Dr. Braunschweiger-Kattowitz ein Referat über „Ziel und Aufgabe eines Vereins für jüdische Geschichte und Literatur". An die fesselnden Ausführungen des Referenten knüpfte sich eine rege Diskussion über den Wert des zu gründenden Vereins. Schließlich wurde der Verein mit allen gegen eine Stimme gegründet. Er zählt bereits 110 Mitglieder. Hannover, 2. Dezember. Am 24. und 25. d. M. findet hier im großen Saale der Börse, Osterstr. 16B, der vierte Verbandstag des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche statt. Die Tagesordnung lautet: Erste Hauptversammlung am 24. Dezember (Beginn: morgens 10 V2 Uhr). 1. Berichterstattung des Verbandsvorstandes 1905/07. 2. „Die Notwendigkeit der methodischen Unlgestaltung des hebräischen Unterrichts." Referenten: Rothschild- Eßlingen und Goldschmidt-Hamburg. 3. Wahl von drei Kassenrevisoren und Entlastung des Schatzmeisters (§ 13 der Satzungen). 4. Anträge auf Abänderung der Satzungen. Referent: Amram- Borken. 5. Die Kantorenbewegung in Deutschland. Referent: Nußbaum-Wiesbaden. Zweite Hauptversammlung am 25. Dezember. (Beginn: morgens 11 Uhr). 6. „Die materielle Lage der jüdischen Lehrerschaft im Deutschen Reiche." Referent: Andorn-Crefeld 7. Antrag der „Freien Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz" betreffend Verbandsorgan. Referent: Waldbott-Speyer. Erste Vorstandssitzung am 24. Dezember im Parterre-Saal der Börse (Beginn morgens 9 Uhr). 1. Antrag betreffend die Organisation der Pensionskasse des Verbandes. Referent: Fein er-Hamburg. 2. Das Verbandsorgan. Referent: Steinhardt-Magdeburg. 3. Die Lesebuchsrage. Referent: Preßburger - Creglingen. Zweite Vorstandssitzung am 25. Dezember im Parterre-Saal der Börse (Beginn nachmittags 4 Uhr). 1. Konstituierung; Wahl des geschäftsführenden Ausschusses. 2. Festsetzung der Subventionen für die nächsten drei Jahre. 3. Festsetzung des Verbandsthemas. 4. Beratung vorliegender Anträge. — Der Bericht über die Tätigkeit des Verbandsvorstandes über die beiden letzten Jahre konstatiert mit Genugtuung, daß zwei weitere Lehrervereine dem Vereine beigetreten sind, der jetzt 1180 jüdische Lehrer umfaßt. Der Bericht verbreitet sich des weiteren über das Schulunterhaltungsgesetz, Bezirksrabbinate und Inspektion des Religionsunterrichts, die Kantoren-Sektion, die Verbandspensionskasse, das Verbandsorgan, die Iugendschriften-Kommission und manches andere. Im ganzen darf die gedeihliche Entwicklung des Verbandes zu den erfreulichsten Erscheinungen im jüdischen Leben unseres Verbandes gerechnet werden. i. Stuttgart, 29. November. Der „Verein israelitischer Lehrer und Vorsänger in Württemberg" versendet seinen 25. Rechenschaftsbericht. Der Zweck, den der Verein verfolgt, die Linderung der Not von Lehrerwitwen und Waisen sowie gegenseitige Anregung im Wirken von Synagogen und Schulen, wurde auch in diesem Jahre wesentlich gefördert. Hiernach konnten an 12 Lehrer- Witwen 2800 Mark verteilt werden. Auch diesmal hatte sich der Verein der Teilnahme des Königs und der Königin zu erfreuen. Die satzungsmäßige Mitgliederversammlung fand am 3. und 4. Juni d. I. hier statt. Es waren 34 Teilnehmer erschienen. Die Beratungen erstreckten sich aus folgende Punkte: Bericht über den Standpunkt der Memorierbuchfrage, erstattet von Hähnlein-Hall; die Agadah von Bacher, Referent Spatz-Rexingen und Rotschild-Eßlingen; die durch den neuen Normallehrplan hervorgernfenen Aenderungen in bezug aus die Erteilung des Religionsunterrichts, Referent Spatz-Rexlingen.

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