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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-12-06 · Heft 49 (6.12.1907) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 49 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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?1. Jahrgang. Nr. 49. Berlin, 6. Dezember 1007. Der Gemeindebote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums. LorrelprmÄrnsm und Aschnchtm. Deutschland. 8. Berlin, 3. Dezember. Das offizielle Ergebnis der Wahlen zur Nepräsentanten-Versammlung liegt nunmehr vor. Die Beteiligung an der Wahl war eine sehr schwache. Von 22 013 Stimmberechtigten haben nur 3767 Gemeindemitglieder ihrer Pflicht genügt. Seit langen Jahren hatte die Wahl nicht eine so geringe Zahl von Zensiten zur Urne geführt. Ein Vergleich zu den Vorjahren ergibt so recht die Differenz. Wahrend noch im Jahre 1895 von 13 040 Stimmberechtigten 4820 (36,8 Prozent), im Jahre 1898 von 16 895 Stimmberechtigten 6153 (36,4 Prozent), im Jahre 1901 von 18 284 Stinunberechtigten 7786 (42,6 Prozent) und im Jahre 1904 von 20 103 Stimmberechtigten sogar 8808 Zensiten, d. h. fast 44 Prozent ihr Wahlrecht ausübten, beträgt die diesmalige Beteiligung nur 17,1 Prozent. Unter den Wahllokalen, deren Zahl wie zur vorigen Wahl wiederum 12, über die ganze Stadt verteilt, betrug, wiesen, wenn man überhaupt von starker Beteiligung sprechen darf, die stärkste Frequenz die Lokale Oranienburger Straße (508), Kaiserstraße (523) und Potsdamer Straße (544) auf. Alsdann folgen die Lokale Joachimsthaler Straße mit 390, Lindenstraße mit 387, Burgstraße mit 345, Schönhauser Allee mit 309, Holsteiner Ufer mit 238, Schöneberg mit 214, Luckauer Straße mit 162 Wahlzetteln. In Charlottenburg (Bismarckstraße) und Blücherstraße haben ganze 95 resp. 52 Mann den Weg zum Wahllokale angetreten. Es wurden zu Repräsentanten folgende 12 Herren gewählt: Geheimer Medizinalrat Professor Senator mit 3559 Stimmen, Kommerzienrat Gerson Simon (3470), Geh. Sanitätsrat Blumenthal (3462), Bankier Oskar Loewenberg (3449), Rechtsanwalt Dr. Ignaz Cohn (3448), Aron Hirsch (3424), Julius Bodenstein (3403), Adolf Lewinski (3867), Jakob Weinberg (3364), Tr. Max Ginsberg (3351), Maurermeister S. Weile (3342) und Emil Cohn (3304). Von diesen sind die ersten zehn Herren in der Ergänzungswahl auf sechs Jahre, die zwei letztgenannten in der Ersatzwahl auf drei Jahre gewählt. Zu Repräsentantenstellvertretern wurden die folgenden Herren gewählt: Architekt Kuznitzky mit 3304 Stimmen (zwischen ihm und Emil Cohn entschied bei gleicher Stimmenzahl das Los), Justizrat Dr. Max Guttsmann (3303), Kursmakler Paul Sch loch au er (3295), Sanitätsrat Dr. Benno Holz (3290), Kaufmann Alexander Hahn (3275) und Oberlehrer Professor Dr. Türk (3240). Von diesen sind die ersten fünf Herren in der Ergänzungswahl aus sechs Jahre, der letztgenannte in der Ersatzwahl auf drei Jahre gewählt. Wieviel konservative und wieviel liberale Stimmen bei der diesmaligen Wahl abgegeben worden sind, läßt sich sehr schwer entscheiden. Wenn man die Wahllokale mit ihren Ergebnissen in Rücksicht zieht, so hat es den Anschein, als ob mehr Liberale als Konservative ihr Wahlrecht ausgeübt haben. Den Ausschlag haben zweifellos die Stimmzettel gegeben, die von Konservativen abgegeben wurden und ausschließlich konservative Kandidaten auswiesen. Auf Grund dieses Wahlresultates wird nunmehr die Nepräsentanten-Versammlung zwölf liberale und neun konservative Vertreter zu ihren Mitgliedern zählen. Zu den aus der vorigen Wahl in der Versammlung verbliebenen neun liberalen Vertretern kommen die drei Liberalen Dr. Ginsberg, S. Weile und Emil Cohn hinzu. Ja, vielleicht stellt sich die liberale Majorität noch etwas günstiger wie vordem, da unter den neun konservativen Vertretern drei Mitglieder nicht entschieden konservativ sind. In einem besonderen Artikel gedenken wir noch auf das Ergebnis der Wahl zurückzukommen. 8. fBevUit, 3. Dezember. Auch in der jüdischen Reformgemeinde fanden am 1. d. Mts. die Wahlen zur Repräsentantenversammlung statt. Es wurden zu Repräsentanten auf sechs Jahre gewählt die Herren Direktor H. Fried mann, Sanitätsrat Tr. H. Guttmann, Sanitätsrat Dr. Benno Holz, Oskar Italiener, Moritz Werthauer, Ludwig Cohn, Moritz Monasch und an Stelle des aus' dem Kollegium ausgeschiedenen Herrn Edmund Lazarus in der Ersatzwahl aus drei Jahre Herr Paul Schl och au er. Zu Repräsentanten-Stellvertretern die Herren Amtsgerichtsrat Dr. P. Köhne, Professor R. Wolfsenste in, Justizrat Gustav Sandberg, D. Rom, Eugen Blumenfeldt, Max Kallmann, Max Behr. s. Berlin, 29.November. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt am 26. d. M. Herr Rabbiner Dr. Felix Perles aus Königsberg einen sehr lehrreichen Vortrag über „Judentum und Griechentum in ihren gegenseitigen Beziehungen", der allgemeines Interesse erregte. Mit großer Sachkenntnis und in lichtvoller Darstellung wurden die Einflüsse der beiden Kulturen auf einander in Sprache, Lehre und Sitte durch alle Phasen ihrer Entwicklung geschildert. Der Vortrag fand lebhaften und verdienten Beifall. — Aus den auswärtigen Vereinen: In Rixdorf sprach Schriftsteller B. Loew enberg - Graudenz über „Ernstes und Heiteres aus der modernen jüdischen Literatur", Dr. I. E. Poritzh las ausgewählte Erzählungen aus seinen eigenen Dichtungen. — In Cottbus sprach Dr. Posner über „Das Prinzip der Liebe im! Judentum", in Königsberg i. Pr. und in Hohensalza hielt I Dr. E. Geh er einen Rezitationsabend ab. Lehrer Sandler sprach! in Königsberg über Baeks,.Wesen des Judentums". Frau Leiserj Köln sprach in H oh ensalza über „Altjüdische und modernePädägogik"! und in Lautenburg i. Westpr. über „Kulturarbeit der jüdischen | Frau". — In Dresden sprach Dr. Ackermann-Brandenburg! über „Judentum und Christentum", in Hamburg Dr. Rosenthal-! Berlin über „Moses Chajjim Luzzatos Dramen und die Kabbala", in Eisenach derselbe über „Judentum und Vaterlandsliebe", i Dr. I. E. Poritzky sprach in Lage über „Josef Israels", in Hamm > über „Jüdische Essayisten, in Lippstadt über „Rahel Varnhagen",! in Höxter über „Hermann Heijermans". in Steinheim über! „Die spanische Inquisition", in Hameln über „Ludwig Börne", in! Marburg über „Heinrich Heine". In Es sen sprach FrauDr. Johanna Wolff-Friedeberg-Karlsruhe über „Der jüdischeFrauentypus ind'er deutschen Literatur", in Bonn Frau Regina Neisser über „Bedeutende jüdische Frauen des 19. Jahrhunderts in Literatur,! Kunst und Humanität", in Mannheim Assessor Dr. Friedemanni Wiesbaden über „Palästina", in Hattingen .(Ruhr) Kantor Zi wi - Elberfeld über „Ursprung und Entwicklung der jüdischen Musik". — Der Verein in Wiesbaden hat eine 'lo^nbee-Halle eröffnet. 3. Berlin, 1. Dezember. Die aus Vertretern des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes und des Verbandes der Deutschen Juden zusammengesetzte Kommission zur Ausarbeitung eines Organisationsgesetzes für die jüdischen Gemeinden Preußens hat in den Tagen vom 17. bis 21. November in fünf umfangreichen Sitzungen die zweite Lesung des Gesetzentwurfs vorgenommen. Die Sitzungen waren sehr zahlreich besucht: von auswärts waren die Herren Rechtsanwalt Dr. Blau aus Frankfurt a. M. und Justizrat Dr. Nolhfels aus Kassel anwesend. Von den am Erscheinen verhinderten auswärtigen Mitgliedern waren zum Teil sehr umfangreiche Amendierungsanträge zu allen Teilen des Entwurfs eingegangen. Die Kommission, in die noch die Herren Justizrat Lilienthal, Syndikus der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Oberlandgerichtsrat a. D. Geheimer Justizrat Professor Mosse und Stadtverordneter Louis Sachs neu eingetreten sind, hat eine aus drei Mitgliedern bestehende Redaktionskommission eingesetzt, der die genaue Formulierung der Beschlüsse zweiter Lesung übertragen wurde. Die Arbeit dürfte mehrere Monate beanspruchen, ihr Ergebnis wird deul Plenum der Kommission zur Prüfung vorgelegt. Alsdann soll der Entwurf der Oeffentlichkeit zur freien Beurteilung übergeben werden, bevor in die dritte Lesung eingetreten wird.

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