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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-12-06 · Heft 49 (6.12.1907) · p. Seite 579

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 49 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
Seite 579 (sequence 3)
Language
German
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579 Zn Sachsen wohnten 1900: Von 100 Nicht¬ Von 100 juden Juden In Städten bis 5 000 Einw. 46,1 9,8 „ „ von 5—20 000 „ 20,1 2,0 „ „ 20—100 000 „ 8,8 4,9 „ „ über 100 000 „ 25,0 83.3 100 100 Wir sehen, daß die Juden, die bis zur Mitte der fünfziger Jahre nur in Leipzig und Dresden wohnen durften, auch heute noch in erster Linie Großstadtbewohner sind (83 Prozent), so daß man ihre Kriminalität nur mit der der Großstädte Sachsens hätte vergleichen oürfen, aber nicht mit der des ganzen Landes. Für das Jahr 1887 habe ich diesen Vergleich aus Seite 99 meiner?ben zitierten Studie angestellt und bin dabei zu folgenden Resultaten gekommen: 1. Die Behauptung Böhmerts : „Namentlich treten auch diejenigen Delikte, deren verhältnismäßige Häufigkeit der jüdischen Kriminalität?igen ist, Beleidigung und Betrug, durch hohe Verhältniszahlen Oervor", ist unrichtig. 2. Es besteht eine ganz außerordentliche Aehnlichkeit zwischen der Kriminalität der Großstädte und der Verfehligkeit der Juden. Genau dieselben Beobachtungen lassen sich auch bei dem vorliegenden Material machen. * Auf 10 000 Juden treffen im Jahrzehnt 1893/1902 13 Verurteilungen wegen Betrugs auf 10 000 Einwohnern der Stadt Leipzig 8,5 „ „ „ „ „ Chemnitz 11,0 „ „ „ „ „ Dresden 11,7 io daß also von.einem einigermaßen beträchtlichen Unterschied nicht gesprochen werden kann. Damit ist gleichzeitig aber auch ein neuer Beweis für die a. a. O. S. 90 von mir aufgestellte Behauptung erbracht, daß die zukünftige Entwicklung zu einer immer größeren Annäherung der Kriminalität der Juden an die der Christen führen werde, da ja gerade „die spezifisch kapitalistischen Züge des Wirtschaftslebens, die dem jüdischen Charakter adäquat sind", sich immer mehr ausbreiten. Dies soll aber keineswegs verstanden werden, wie dies von seiten Schallmahers im Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie geschieht (S. 409 ff.), als ob ich die Kriminalität der Juden als allein durch soziale Verhältnisse verursacht auffassen würde. Sondern es soll damit nur gesagt sein, die Krimi nalitüt der Juden ist nicht wesentlich anders als die der sozialen Schichten, aus denen sie sich zusammensetzen. Warum sich die Juden gerade aus diesen Schichten zusammensetzen (hier spielen historische und, wie ich gern zugebe, auch biologische Momente mit), das zu untersuchen ist eine Aufgabe, die nicht der Kriminalist und Nationalökonom, sondern in erster Linie der Vertreter der Naturwissenschaften zu lösen hat". * Die Einzigen,die heute in Frankreich gegen die drohende russische Anleihe, die sicher zustande kommt, wenn die dritte Duma leben bleibt, energisch Front machen, sind — die Sozialisten! So erhebt vor allem Jaurbs entrüstete Einsprache gegen die vorbereitete neue Russenanleihe und gegen Falliöres geplante Reise nach Petersburg. „Das hieße," ruft er, „dem blutigsten Despotismus gestatten, sich aus Frankreich zu berufen, das wäre eine Herausforderung des Russenvolkes, das für seine Freiheit kämpft. Das würde alle diese Heldenseelen in Verzweiflung stürzen, die sich nicht daran gewöhnen können, vom republikanischen Frankreich verleugnet zu werden. Herr Präsident, um der Ehre Frankreichs und der Republik willen, um unseres sittlichen Werts bei den Völkern willen, machen Sie diese Reise nicht! Treten Sie die Blutzeugen nicht mit Füßen, seien Sie nicht der Gast des Staatsstreichs, das Spielzeug der Henker, die Ihre Bewegung mißbrauchen werden, um die Knechtschaft eines unglücklichen Volkes noch zu verschlimmern. Denken Sie an die früheren Kämpfe des französischen Volkes, die das russische Volk jetzt aufnimmt! Denken Sie an das Frankreich von gestern und an das Rußland von morgen!" «$> Aus Rußland kommt wieder trübe Botschaft. In seiner Programmrede hat Stolypin der Juden mit keinem Worte gedacht. Dafür arbeitet das „Schwarze Hundert" mit seinen Pogromen ungehindert weiter. Namentlich in dem arg verwüsteten Odessa. Der Telegraph hat in dieser Woche die Nachricht vom plötzlichen Tode des Generalgouverneurs von Odessa Nowitzky und mit ebenso unheimlicher Schnelligkeit die Ernennung eines provisorischen Nachfolgers gemeldet. Ueber die näheren Umstände des plötzlichen Ablebens des Generalgouverneurs ist noch kein Wort in die Oeffentlichkeit gedrungen. Gleichzeitig aber bringt der Telegraph eine höchst auffallende Meldung aus Odessa, nach der in dem Augenblick, in dem Nowitzky die Augen schloß, der Verband des russischen Volkes zu neuen Gewalttaten gegen die dortigen Juden ausholte. Der Hilfsverein der deutschen Juden erhielt folgendes Telegramm aus Odessa vom 28. November: „Nach der gestern durch „Expropriatoren" versuchten Ausräubung des Kontors eines Moskauer Arbeiterverbandes in Odessa inszenierten die Mitglieder des Verbandes des russischen Volkes große Exzesse gegen die Juden. In den Hauptstraßen überfielen Gruppen des schwarzen Hundert die dort passierenden Juden, mißhandelten sie und verwundeten zahlreiche Personen. Zehn Juden sind mit lebensgefährlichen Wunden in das jüdische Krankenhaus eingeliesert worden. Der jüdischen Bevölkerung, namentlich in den äußeren Stadtteilen, hat sich eine große Panik bemächtigt. Das Begräbnis des so plötzlich gestorbenen Generalgouverneurs Nowitzki wurde von den Verbändlern und deren halbwüchsigem Anhang auch als Anlaß zu weiteren schweren Ausschreitungen benutzt. Die Verbändler stürzten sich, mit Messern und Gummiknütteln bewaffnet, in den Straßen auf die ihnen begegnenden Juden, schlugen und verwundeten sie. Selbst in Läden und Werkstätten drangen sie ein. mißhandelten dort sogar Frauen und Kinder. Sie vollbrachten ihre Untaten wiederum. ohne daß irgend jemand verhaftet wurde. Die Panik der jüdischen Bevölkerung wächst." Das ist das Wirken des Verbandes, dessen Vorsitzender Dr. Dubrowin sich der unwandelbaren Gunst des Zaren erfreut, und dessen Vertreter, Fürst Wolkonski, die Duma ihren ersten Vizepräsidenten zu nennen die Ehre hat. ft Wieder einmal erhalten wir aus Amerika die Nachricht van einer beabsichtigten Intervention zugunsten der russischen Juden. Das „New Yorker Tageblatt" will von einer hohen und verläßlichen Persönlichkeit, dessen freundschaftliche Beziehungen zum Präsidenten Roosevelt bekannt sind, erfahren haben, daß Minister Taft den Auftrag habe, in seiner Audienz beim Kaiser von Rußland auch die Judenfrage zur Sprache zu bringen und den Zaren für die Juden Rußlands günstiger zu stimmen. Präsident Roosevelt habe hauptsächlich deshalb Taft mit dieser Mission betraut, weil dieser als äußerst geschickter Diplomat gilt und auch in den russischen Regieruugskreisen sich der größten Beliebtheit erfreue. Besonders sei Taft beauftragt, die russischen Regierungskreise und den Beherrscher Rußlands darüber aufzuklären, daß die Juden in Amerika zu hohen Staatsstellen gelangt sind und auf die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten einen segensreichen Einfluß geübt haben. Diese Erfahrungen mit den Juden Amerikas, die zum großen Teile aus Rußland eingewandert seien, lassen es den Präsidenten Roosevelt tief bedauern, daß die Juden in Rußland nicht diß

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