Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1907)
- Date
- 1907-11-29
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Posen, 22. November. Der verantwortliche Redakteur des polnisch-antisemitischen Blattes „Postemp", Stanislaus Kunz, drohte einer Anzahl Bürgern von Buck, die er mit den Ansangsbuchstaben bezeichnete, die aber nicht unschwer erkennbar waren, sie an den Pranger zu stellen, wenn sie weiter bei „Juden und Deutschen" kaufen würden. Die zweite Strafkammer erblickte in dem inkriminierten Artikel eine verursachte Nötigung und verurteilte Kunz zu einer Gefängnisstrafe von zwei Wochen. Kunz, der eine vierwöchentliche Gefängnisstrafe verbüßt, wurde aus dem Gefängnis in Gefangenenkleidung vorgeführt. Kp. Aus der Provinz Posen, im November. Jn Crone a. Br. ist kürzlich im Alter von 65 Jahren der Rentier Abraham Joseph gestorben. Derselbe war eine lange Reihe von Jahren Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums und des Synagogen-Gemeindevorstandes daselbst. — Mitte November starb in Schroda im Alter von 73 Jahren der Rentier Bernhard Mendelsohn. Derselbe war daselbst über 30 Jahre Stadtverordneter, und innerhalb der Synagogengemeinde verwaltete er außer mehreren anderen Aemtern das eines Repräsentantenvorstehers über 81 Jahre hindurch. — Dr. med. Simon ist zum Vorsitzenden des in Schulitz kürzlich neugegründeten gemeinnützigen Vereins gewählt worden. — Hotelbesitzer Jacob Hirsch in Znin ist kürzlich gestorben. Derselbe hat an allen gemeinnützigen Bestrebungen den regsten Anteil genommen. — Rentier Heinrich Seligsohn in Samotschin ist vom dortigen Repräsentantenkollegium zum ersten Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde gewählt worden. — In Ostrowo ist am 22. November der Fabrikbesitzer Jsaac Frankel im Alter von 64 Jahren gestorben. Der Verstorbene hatte die Feldzüge 1866 und 1870 71 mitgemacht, war Vorsitzender der städtischen Ortskrankenkasse und viele Jahre hindurch Mitglied der Schuldeputation der jüdischen Volksschule und des Repräsentantenkollegiums daselbst. Hannover, 24. November. Am 17. d. M. fand die diesjährige ordentliche Sitzung des Kuratoriums der Israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem in den Räumen der Zionloge zu Hannover statt. Zunächst wurden Wahlen erledigt. Die nach dem Turnus ausscheidenden Mitglieder wurden wiedergewählt. Neu in das Kuratorium wurden berufen die Herren Rechtsanwalt Dr. Apsel-- Cöln, Geh. Kommerzienrat Georg Arnhold-Dresden, Dr. med. L. Caro- Hannover, Hermann Karger-Breslau. Albert Meyer-Leipzig, Justizrat Placzek-Posen und Adolf Sternberg-Breslau. Herr Konsul JaM- Hannover wurde aus dem Kuratorium in den Vorstand berufen. Die von den Rechnungsrevisoren geprüfte Rechnung des Jahres 1906 wurde genehmigt; ebenso der Voranschlag für das Jahr 1908, der auch noch, wie in den beiden letzten Vorjahren, mit einem kleinen Defizit abschließt. Besondere Freude erregte es, daß diesmal in den Etat ein Einnahmeposten von 10000 Mark eingesetzt werden konnte, die von der Simonschen Stiftung in Hannover einige Tage vorher für die Anstalt Ahlem bewilligt waren. Ein Teil dieser Summe soll zur Herstellung einer notwendigen Bewässerungsanlage benutzt werden, der Rest zur Erleichterung der Ausnahme armer Kinder, also zur Herabsetzung desjenigen Teils der Erziehungskosten, der von den Angehörigen der Zöglinge (beziehungsweise Vereinen, Armenverwaltungen usw.) zu zahlen ist, während die Anstalt für den anderen größeren Teil der Kosten nach wie vor auf die Opferwillig, keit weiter Kreise rechnen muß. Die Bemühungen des Vorstandes, neue Freunde zu gewinnen, haben im vorigen Jahre einen erfreulichen Erfolg erzielt. Ans dem vom Vorstande erstatteten Bericht können wir Mitteilen, daß seit dem 1. Januar dieses Jahres 13 Lehrlinge, (elf Gärtner, ein Schuhmacher und ein Bäcker) nach vollendeter Lehrzeit die Anstalt verlassen und sämtlich Stellung gefunden haben. Aus dem Mädchenhause gingen elf Haushaltuugsschülerinnen ab, davon vier in Stellung als Dienstboten bezw. Stützen, die anderen zu ihren Angehörigen. Die Berichte der früheren Zöglinge, mit denen die Anstalt einen regelmäßigen Briesverkehr unterhält, beweisen, daß die jungen Leute in ihren Stellungen zufrieden sind und in denselben auch gut vorwärts kommen. Von den Darlehen, die der „Hilfsfonds" einzelnen ehemaligen Zöglingen der Anstalt in den Jahren 1902 bis 1906 in Höhe von 3250 Mark gewährt hat, sind bis jetzt schon über 700 Mark zurückgezahlt. o. Dortmund, im November. Den: vierten Jahresbericht des Kuratoriums für jüdische Krankenpflegerinnen entnehmen »vir folgendes: An erster Stelle sei des herben Verlustes gedacht, den wir durch den allzu frühen Heimgang unseres Mitgliedes des Herrn Sanitätsrats Dr. Blankenstein in Dortmund erlitten haben. Der Verblichene brachte unserer Anstalt ein zunehmendes Interesse entgegen, »vas sich schon darin bekundete, daß er trotz seines leidenden Zustandes nicht leicht eine unserer Sitzungen versäumte; er verschied sanft und friedlich am 27. März d. I., und »vie wir es schon in dem öffentlichen Nachrufe aussprachen, werden wir dem verdienten Manne und lieben Freunde immer ein getreues Gedenken bewahren. Dafür traten in das Kuratorium ein die Herren Dr. med. Otto Schild- Dortmund und Bankier Hermann Schüler-Bochum und späterhin für den freiwillig ausscheidenden Herrn L. Sternau-Dortmund Herr Rabbiner Dr. Jacob-Dortmund. Sonst hat das verflossene Jahr einen ruhigen und gedeihlichen Verlauf genommen; unser Beitragszahler-Bestand hat sich so »veit vermehrt, daß der bedeutende Einnahmeausfall, den uns die Abzweigung Essens verursachen mußte, wieder ausgeglichen »vurde; zugleich haben »vir uns, wie die Zahl der vollführten Pflegen beweist, einem noch größeren Kreise hilfreich er»veisen können, ltttb dabei sind unsere Sch»vestern das ganze Jahr hindurch rüstig und gesund geblieben. Geleistet »vurden in Dortmund 51 (43) Pflegen mit 529 Pflegetagen, 311 Pflegenächten und 60 Nachtwachen. Die 24 auswärtigen Pflegen kamen den Städten Ahlen, Bochum, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm. Hattingen, Herne, Hörde, Schalke, Unna, Wattenscheid und Witten zugute. Die Kasse schließt mit einem Bestände von 6 076 156 Mark ab. Der Pensionsfonds hat einen Bestand von 4833,20 Mark. Leider nimmt unser Pensionsfonds nur in ungenügendem Maße zu. Der Bericht schließt: Er»vähnen »vir noch, daß »vir mit den Pflegevereinen zu Essen und Köln ein freundschaftliches Verhältnis unterhalten und einander auszuhelfen suchen, so dürfen »vir »nit de»n Wunsche schließen, daß unserem gemeinnützigen Werke das neue Jahr die alten Freunde erhalten und recht viel neue zuführen möge! 1. Ans Westfalen, 18. November. Gestern fand in Dortmund eine Sitzung der Schulkommission des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens unter dem Vorsitz des Seminardirektors Dr. Spanier-Münster statt, deren Ergebnis für weitere Kreise Interesse haben dürfte. Rabbiner Dr. Coblenz-Bielefeld referierte über die Stoffverteilung im systematischen Religionsunterricht. In seinen Ausführungen wies er nach, daß der systematische Religionsunterricht, »vie er bis jetzt vielfach nach Herxheimer und ähnlichen Lehrbüchern erteilt werde, völlig verfehlt sei. Dieser sogenannte Religionsunterricht müsse durch eine lebendige Darbietung des religiösen Lehrstoffes ersetzt »verden. Redner führte in dem z»veiten Teile seines Referates diesen Gedanken näher aus, indem er die Stoffverteilung des syste»natischen Religionsunterrichtes in der Weise aufbaute, daß unter steter Berücksichtigung der Bibel, insbesondere der prophetischen Literatur, eins aus dem anderen not- »vendig folgte und alle trockenen Definitionen vermieden wurden. Redner schloß seine interessanten Darlegungen mit der Erklärung, daß er nach den vorgetragenen Grundsätzen ein neues Religionsbuch verfassen werde. In der Debatte betonten alle Redner, daß die vorgetragenen Anschauungen ztvar eine völlige Umgestaltung des systematischen Religionsunterrichts bedeuten, daß aber eine solche Unlgestaltung und insbesondere das in Aussicht gestellte neue Lehrbuch überall freudig begrüßt »vürden. Rabbiner Dr. Coblenz verpflichtete sich, das Manuskript bis Mitte März fertig zu stellen. Sodann hielt Rabbiner Dr. David-Bochum ein Referat über den biblischen Geschichtsunterricht in der Volksschule, über das indessen wegen der vorgerückten Zeit nicht mehr debattiert »verden konnte. Anfang Januar soll wieder eine Kommissionssitzung stattfinden, in der der Plan des Rabbiners Dr. David zur Debatte gestellt wird. Auch wird auf einstimmigen Beschluß als erster Punkt der Tagesordnung für diese Sitzung die Kooptation des Rabbiners Dr. Jacob- Dortmund festgesetzt. e. Köln, 21. November. Am 10 d. Mts. fand hier die Ausschußsitznng des Provinzialverbandes der rheinischen Synagogen-' gemeinden statt. Der Vorsitzende, Sanitätsrat Dr. Apfel, berichtete