Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1907)
- Date
- 1907-11-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Berlin, 29. November 1907. 7l. Jahrgang. Nr. 4S. Der Gemeindevote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums". korrrlpondkn?en und Kschnchten. Deutschland. s. Berlin, 25. November. Die jüdische Gemeinde in Berlin hat einen Skizzenwettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für beit Bau einer Synagoge und einer Religionsschule auf dem Grundstück Charlottenburg, Fasanenstraße 79/80, ausgeschrieben. Die Preise betragen 5000, 3000 und 2000 Mark. Der Ankauf weiterer Entwürfe zum Preise von je 750 Mark wird beabsichtigt. Die Entwürfe sind bis zum 1. März 1908 nachmittags 6 Uhr bei dem Vorstande der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Oranienburgerstraße 29, einznliesern, von dem auch die Unterlagen und Bedingungen für den Wettbewerb gegen Erlegung von 1,50 Mark bezogen werden können. Dieser Betrag wird dem Einlieferer eines Entwurfs nach der Preisverteilung zurückerstattet. 8. Berlin, 24. November. Der Vorstand der H i l s s k a s s e für israelitische Kantoren und Kultnsbearnte, deren Witwen und Waisen in Deutschland (E. V.) erläßt den folgenden Aufruf, den wir der Teilnahme aller Glaubensgenossen wärmstens empfehlen: Die mittleren und kleineren jüdischen Gemeinden Deutschlands sind hinsichtlich der Gewährung von Ruhegehalt an ihre Kultusbeamteu. sowie betreffs der Relikten Versorgung vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Denn so unabweislich diese Verpflichtung gegenüber den im Amte ergrauten Beamten und ihren Hinterbliebenen ist, so wenig gestatten die durch den Abzug unserer vermögenden Glaubensgenossen in die Großstädte sich jährlich verschlechternden Etats der betreffenden Gemeinden, diesen unentbehrlichen Mitgliedern von Gemeinde und Gotteshaus eine Alters- oder Reliktenrente zu gewähren, welche ein sorgenloses Alter nach langer Lebensarbeit gestattet. Hier helfend einzugreifen, dem Alter eine wohlverdiente Stütze, der Witwe und den Waisen ein Helfer in Sorge und Kummer zu sein, ist die Aufgabe der Hilfskasse für israelitische Kultusbeamte, deren Witwen und Waisen in Deutschland. Groß sind die Anforderungen seitens der auf unsere Hilfe Vertrauenden, und so j müssen wir auf die dauernde Vermehrung unserer Einnahmen zur Erfüllung unserer Aufgabe Bedacht nehmen. Hier gilt es einer Klasse von Glaubensgenossen im Alter hilfreiche Hand zu bieten, deren Lebensberuf sie nur bescheiden ernährte, ohne Ersparnisse zu ermöglichen. Unser Verein blickt nun bereits auf eine 23jährige segensreiche Wirksamkeit zurück, aber die wachsenden Anforderungen des Lebens steigern auch unsere Verpflichtungen, deren Erfüllung uns zu einem Appell an diejenigen Glaubensgenossen nötigt, deren Wohltätigkeitssinn bekannt ist, welche Wohltun als die aus edler Lebensauffassung und Betätigung sich ergebende Pflicht betrachten. So hoffen wir auch bei Ihnen keine Fehlbitte zu tun, wenn wir uns an Sie mit der Bitte wenden, unsere wahrhaft jüdischen Bestrebungen, für welche nur von rinseren Glaubensgenossen uns Hilfe kommt, durch Zeichnung eines Beitrages zu fördern. Wir geben uns der Hoffnung hin, keine Fehlbitte bei Ihnen zu tun, und gestatten uns für Ihre Anteilnahme an unserem Hilfswerk Ihnen unseren ergebensten Dank im voraus abzustatten. Mit vorzüglicher Hochachtung Der Vorstand Rentier G. Michalski, Bankier Siegbert Daniel 1. Vorsitzender Schatzmeister Motzstr. 53 Jyhannisstr. 4 Etwaige Zuschriften und Anfragen wolle man gefl. an unseren Schriftführer, Herrn Kantor Max Sacher, Berlin, Jnselstraße 9 a, richten. 8. Berlin, 25. November, lieber die Bewegung der jüdischen Bevölkerung in Berlin bringt die „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" interessante Mitteilungen. Es waren im Jahre 1905 1463 rein jüdische Geburten, 103 uneheliche mit jüdischer Mutter. Es starben 709 Männer. 601 Frauen. Es fanden 624 rein jüdische, 277 Mischehen statt. Bei letzteren waren 106 jüdische Frauen und 171 jüdische Männer. Von den Ehescheidungen betrafen 55 Ehen zwischen jüdischen Gatten. 7 Mischehen mit christlichem Mann und 9 Mischehen mit christlicher Frau. 22 Berlin, 14. November. Die Vereinigung jüdischer Religionslehrer Berlins hielt am 7. November ihre Monatssitzung ab, in der Herr Dr. Meier-Hildesheimer einen Vortrag über das Thema hielt: „Die Behandlung der biblischen Wundererzählungen." Um diese Erzählungen dem oft recht kritischen Sinn der Kinder verständlicher zu machen, hält Vortragender es für nötig, daß der ganze biblische Geschichtsunterricht ein mehr religiöses als historisches Gepräge trage. Die Wundererzählungen selbst müßten dann dem im Kindesgemüt beruhenden poetischen Sinn entsprechend — so wie in der Heiligen Schrift auch geschieht — in einer das Uebernatürliche vorbereitenden Einkleidung erscheinen (zum Beispiel Offenbarung, Dornbusch, Tod Elias), jedoch muß der Lehrer vermeiden, allzu stark auf die Durchbrechung der Naturgesetze hinzuweisen, auch soll er nicht den poetischen Schimmer, der über diesen Erzählungen ruht,! durch rationalistische Ausdeutungen oder symbolische Erklärungen zerstören, etwaige Fragen derKinder muß er mit Ernst und Würde durch Hinweis auf unsere mangelhaste Kenntnis der Einwirkung des Himmels auf! die Erde zurückweisen. Seine Ausführungen hatte Vortragender! in fünf Thesen znsammengefaßt. Nach einer überaus angeregten! Diskussion wurde die Sitzung nach Mitternacht geschlossen. Die! nächste Sitzung (im Dezember) wird die Generalversammlung sein, in der die vorn Verein bereits beschlossene Prüfungsordnung für Religionslehrer endgültig angenommen werden soll. S2 Berlin, 14. November. Die hiesigen Delegierten der vortrefflichen „Kuranstalt für arme Israeliten" in Bad Soden a. T., die Herren Hugo Heilmann (Oranienburger Straße 33), Stadtverordneter H. Wittkowski und Arth. Zamory, versenden den nachstehenden Aufruf, dem die wohlverdiente Beherzigung weitester Kreise zu wünschen ist: „Wie vor acht Jahren, sehen wir uns heute wieder veranlaßt, die mildtätige Hilfe unserer hiesigen wohlhabenden jüdischen Gemeindemitglieder für die Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden am Taunus anzurufen, in der sicheren Voraussetzung, daß es nur dieses Appells bedarf, um der Anstalt diejenigen Mittel zuzuführen, welche sie so dringend zur Aufrechterhaltung und Erweiterung ihrer Leistungsfähigkeit nötig hat. Die Verteuerung aller Lebensbedürfnisse hat auch von dieser Anstalt erhebliche Opser verlangt und leider dazu geführt, die Ausnahme von Hilfesuchenden zu beschränken. Immerhin haben in dem Berichtsjahre 1906 von in Berlin ansässigen armen Patienten 30 — bei einer Frequenz von 213 Patienten — in der Anstalt Aufnahme gefunden. Es verdient dies um so größere Anerkennung, als ein dringend notwendiger Neu ba u für wirtschaftliche Zwecke, trotz kräftiger Mithilfe einer hohen Gönnerin, welche für diesen Zweck 55 000 Mark spendete, der Verwaltung einerseits große Opfer auferlegte, andererseits aber den Patienten in hygienischer Beziehung große Annehmlichkeiten verschafft. Nach den: Nechnungsbericht pro 1906 hat die Anstalt ein Defizit von ca. 3600 Mark zu verzeichnen. Wollen wir es nicht geschehen lassen, daß infolge fehlender Mittel die Zahl der Aufzunehmenden weiter beschränkt werden muß, obgleich die Zahl der Hilfesuchenden, die, von Mitteln entblößt, Aufnahme in die Anstalt und Erlangung ihrer Arbeitsfähigkeit erhoffen, alljährlich größer wird, so ist dringend die Mithilfe unserer wohlhabenden Glaubensgenossen erforderlich. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß es nur dieses Appells an den bewährten und immer hilfsbereiten Wohltätigkeitssinn bedarf, um zu veranlassen, durch Zeichnung eines einmaligen oder jährlichen Beitrags die Anstalt zu fördern und hierdurch zur Linderung der Leiden unserer armen kranken Glaubensgenossen beizutragen."