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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-11-29 · Heft 48 (29.11.1907) · p. Seite 574

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 48 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
Seite 574 (sequence 10)
Language
German
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574 mit Köpfen in allen möglichen Stellungen von Eli Nadclmann (Nr. 98 bis 100), und die drei feinen Köpfe von Margot Lipmann (Nr. 102) sofort beim Betreten der Räume auf. Auch zwei Meisterzeichnungen von Professor L. Pasternak (Nr. 108 nnd 109) schmücken den Vvrraum. M. Coschells Dainenporträt (Nr. 21hebt in seiner dunklen Farbenstiminnng herrlich das frische Gesicht heraus, dein sich ein Porträt von Richard Pollak-Karlin (Nr. 119) in feiner Ausdrucksform aiischließt. Bon dem großen englischen Pörträtisten Solomon I. Solomon ustrd nur eine kleine Kostprobe gegeben, auch sonstige Porträts entbehren nicht des Interesses, aber trotzdem wenden sich in diesen Räumen die Besucher mehr den jüdischen Sujets zu, vor allem dem Monumentalgemälde Samuel Hirszenbergs: „Inder Verbannung" (Nr. 47). Sie wandern ... endlos dehnt sich der Zug, sie ivaudern in unwirtsamer Gegend ins — Ungewisse! Wie mächtig kontrastiert dieser dunkle Zug mit dem weißen Schnee, der zertreten wie sie dunkel und traurig wird. Die Alten schreiten voran, einer trägt eine Thorarolle, Kinder, die nicht wissen, wie ihnen geschieht, Greise, die in Gott vertrauend ruhig fortschreiten, Frauen rmd Jünglinge, die in dumpfer Resignation in die Zukunft wandern. Ergreifend ivirkt diese Ruhe; sie wandern im Glauben an ihren Gott. Und an die Trauer des ganzen Volkes schließt sich die Trauer des einzelnen, der beim Morgengebet beim Scheine des j Jahrzeitlichtchcns andächtig dasteht (Nr. 68), dann die betende Gemeinde am Versöhnungstage (Nr. 145), aus der besonders j die links vorn sitzende Gestalt uns anzieht. Pilichowskis Laubhüttenfest (Nr. 117) dagegen wirft einen fröhlichen Strahl in dies traurige Alltagsleben. Heiter schimmert der gelbe Esrog in den Händen, der Lulaw wandelt den schmucklosen Raum in einen wogenden Palmenhain, und auch über die ernsten Mienen der Greise fliegt ein Lächeln. Ein Lächeln auch liegt auf den rosigen Lippen von Hirszenbergs Sulainit, deren harmonisches Gewand und Diadem das Entzücken erhöht. Jst's möglich, daß dieses Bild derselben Hand gelungen, die uns die traurige Wanderung schuf? Die kleinen Bildchen (Nr. 44—37) zeigen Arbeiten von Moritz Gottlieb, einem Schüler Piloths, der im blühenden Alter von 23 Jahren 1879 in Krakau starb. Auch sonst sind unter den Gemälden noch viele Arbeiten mehr oder weniger bekannter Künstler, die alle aufzuführen der Raum mir nicht gestattet. Auch manch bedeutender Künstler fehlt in dieser Versammlung, besonders ist das Ausbleiben Mar Liebermanns, unstreitig unseres größten Deutschen, zu bedauern, doch hoffen wir, daß die Berliner -- denn von diesen vermissen wir eine ganze Anzahl — bei anderer Gelegenheit uns ihre Werke zeigen mögen. Zwischen den Gemälden zerstreut stehen einzelne Skulpturen. Mark Antokolskis (gest. 1902) Jaroslaw der Weise nnd Iwan der Grausame sind gewaltige Bronzen. „Der Kopf eines Talmudisten" deutet die Geisteskraft im Gegensatz zu der physischen der beiden Vorwerke. Und die Stärke und Macht dieser drei Männer spiegelt sich in dem todten Haupte des Johannes wieder, dessen markiger Charakter noch den Toten verklärt. Antokolskis Schüler Elias Günzbnrg, den er als arinen Knaben in Erkenntnis seines Talentes zu sich nahm, zeigt uns seinen Lehrer und Gönner in einer überlebensgroßen Büste und in einer kleinen Bronze den in einem Sessel sitzenden Tolstoi; aber gewaltig steht er hinter seinem Meister zurück, besonders in diesen Männerdarstellungen, zu deren Darstellung seine Kraft nicht in dem Maße reicht; ansprechender sind seine mannigfaltigen Kindergruppen. Voll sprühenden Lebens dagegen sind die beiden Statuen Leopold B. Bernstamms und Henryk Glicensteins d'Annunzio, der allerdings unter der dreifachen Färbung etwas einbüßt. Alfred Nossigs „Beduinenentwurf" wirkt etwas eintönig durch die dreifache Wiederholung derselben Figur, die an und für sich schön ist, als Träger des Gesims, dagegen sind seine Medaillons von frischer und flotter Ausführung. Boris Schatz, der Leiter der Kunstgewerkeschule „Bezalel" zu Jerusalem, die zum erstenmal mit einigen Teppichen an die Oeffentlichkeit tritt, gefällt besonders in seinem Hochrelief eines schlafenden Alten nnd in dem Basrelief „Die Sparbüchse". Die Büste einer jungen Jüdin von S. Wagner wirkt leider in ihrer niedrigen Aufstellung nicht günstig. Die Arbeiten Israel Rouktomowskys führen uns hinüber in die Abteilung der kunstgewerblichen Arbeiten, denn gar mancher Thoraschmuck seiner Hand ziert die Synagogen. Dieser Künstler hat mit seiner Tiara des Saitaphernes einen Streit unter den Künstlern rmd Archäologen hervorgerufen, der den in Odessa ruhig schaffenden Meister plötzlich der Welt bekannt machte. Der Louvre kaufte die Tiara an, und Rouktonrowsky siedelte mit seinen beiden Söhnen nach Paris über, wo er Wunderwerke der Miniaturarbeit fertigt. Die kunstgewerbliche Abteilung ist noch reicht vollständig zur Aufstellung gelangt und zeigt daher auch nur von jeder Gattung einige charakteristische Beispiele. Die Fülle solcher Gegenstände, wie sie seinerzeit London arrfwies, ist auch bei uns nicht zrr erreichen. Die Kriltusgerüte werden ja den meisten Besuchern bekannt sein, ich kann mich daher mit dieser kurzen Andeutung hier begnügen. Der Leser dieser Zeilen wird erkennen, daß die Ausstellung genug des Interessanten bietet, und daß sie Gelegenheit gibt, die Kenntnis unserer schaffenden Künstler in weiteren Kreisen zu verbreiten. Meine Worte, die weniger kritisieren als den Besuch der Ausstellung fördern und den Genuß an dem Gebotenen erhöhen wollen, mögen mit aufrichtiger Anerkennung für den jungen Verein, der uns zu dieser sehenswerten Veranstaltung verholfen hat, ausklingen. Möge der Besuch ein recht reger und die Einnahme, die zur Förderung junger Künstler verwandt werden soll, eine bedeutende sein?) K. S. Von Frnlter?u Walter. Bon Leopold v. Sach er-Mas och. VIII. / I^enendel liebte ihren Mann in einer Weise, welche minbestens ein wenig altväterisch war. Bei den Gebildeten ist dieses Gefühl aus der Mode gekommen, und in der vornehmen Welt vor allem wäre es ein arger Verstoß gegen die gute Erziehung, wenn eine Frau ihrem Alaune in dieser Weise zugetan sein wollte. Die Liebe Genendels hatte indes nichts Romantisches oder Poetisches, oder nur Aufregendes an sich. Sie verlor dadurch nicht ein Pfund ihres ansehnlichen Gewichtes. Wozu sollte sie sich auch aufregen? Barom gehörte ihr, ganz ihr und ihr allein. Es gab nichts in der Welt, was ihn, wenn auch nur aus eine Viertelstunde, ihr h lieber die Berechtigung und den Wert einer solchen Ausstellung wird auch nach diesem Referat noch ein Wort zu sagen sein. Doch erscheint es angemessen, dies erst nach Schluß der Ausstellung zu tun. Die Red.

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