Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1907)
- Date
- 1907-11-29
- Page
- Seite 569 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228744-3228793--63999-3297948- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
569 es in den von den mehr in werden, ^dustrien lbringen. wohnen, jüdischen -anderer, >ie ihrerelbsttätig mal ver-! Massen. >en, und neu eine aus üben, Dsten der auch ein vorwärts -crfiedeln ten kann en Gesetze i\, die es pfangen, ch dieser olche, die st vorerst ,führun§ es Hilfsanisatio? ung, die es selbst- )nen das ben deui es Ein errichtet e Untere ststaaten zunesagt lpfangen, chlvierig Arbeits ikenntni' inwegzu wandereer liegen Planes, ge wenn end Geld ind Sud zierungs t, daß er >eimftättv chen voll t gibt ev ll, bedarf 3 Dollar ndig für : die Er llnterhal Zeizenbar n wollen schastliche Beschäftigung in Garten- und Gemüsebau rentiert sich nur in der Bähe von großen Städten, die als Absatzrnarkt für die Produkte dienen können. Natürlich ist für derartigen landwirtschaftlichen Betrieb nicht ein so großes Stück Land notwendig als für den Anbau aon Weizen usw., 25 bis 60 Acre (= 10 bis 24 ha) genügen. Ein olches Stück Land würde aber etwa 500 bis 1000 Dollar (2000 bis MO Mark) kosten, die Summe zur Etablierung würde außerdem?ie gleiche sein wie bei den oben genannten landwirtschaftlichen Bnsiedlungen. Auch im Süden ist die Möglichkeit für landwirtschaftliche Bnsiedlungen nicht ausgeschlossen, aber das Klima und die dort erhältliche Negerarbeit, mit der die Weißen Arbeiter schwer konkurrieren können, werden starke Hindernisse für eine Ansiedlung nlden. Das Gros der jüdischen Auswanderer besteht aus Handwerkern .md gelernten Arbeitern. Für sie ist in erster Linie der Plan berechnet. Die Arbeiter, nach denen in den betreffenden Staaten besondere Bachfrage ist, sind hauptsächlich gesunde, kräftige, möglichst nicht über W Jahre alte Arbeiter folgender Kategorien: Arbeiter der Eisenindustrie jeder Art, Zimmerlente, Tischler, landwirtschaftliche Arbeiter, ungelernte aber an physische Arbeit gewöhnte Arbeiter, Schlächter Arbeiter sür die Arbeiten in den Schlachthäusern und Fleischpackhäuseru), Maler, Tapezierer, Schuhmacher, Klempner, Gerber, Schneider, Maurer, Steinmetzen, Gas- und Wasserleitungsarbeiter, Bohrarbeiter und Maschinisten. Lur Lrmnerunu an Leopold Stern. Von Dr. Adolf Brüll. männer, die ihrer Zeit vorausgeeilt, überleben sich nicht, und wenn sie längst der Grabeshügel deckt, strahlt ihr Geist, leuchtet ihr Wirken noch in herrlicher Jugendfrische; denn die Edlen, die Gerechten heißen nach ihrem Tode noch die Lebendigen, besonders wenn die nachfolgenden Geschlechter, Sen Idealen abgestorben, als die Toten zu betrachten sind. Leopold Stein, der ein Vierteljahrhundert (seit 2. Dezember 1882) unter dem grünen Rasen ruht, lebtundwirkt noch immer; die deutsche Judenheit, die sich bis jetzt noch nicht zu seiner geistigen Höhe emporgerungen, hat allen Grund, sein Gedächtnis zu erwecken, um sein Licht in die dunkle Gegenwart hineinleuchten zu lassen, und besonders die Frankfurter israelitische Gemeinde, deren erster Rabbiner er gewesen, die ihm die Reform des Gottesdienstes und des jüdischen Lehrinhalts verdankt. Stein gehört pl den Männern, die in unserer Zeit nur noch selten angetroffen werden, denen der Beruf und dessen angestrebte Ziele alles, die Rücksichten auf das eigene Interesse nichts bedeuten, die als überzeugungstreue, gesiunungstüchtige Theologen ansharrten und von dem Rufe nicht ließen, der >vie Gottesstimme ihnen durch die Seele rauschte, wenn sie auch persönlich darunter litten und darob verfolgt. wurden. Steins Reden waren durchglüht vom heiligen Eifer für das reine geläuterte prophetische Judentum, dessen innerster Kern die Verbrüderung der Menschheit bildet. Dieser Gesinnung lieh er in Wort und Schrift und Tat begeisterten Ausdruck und trat für dieselbe mit dem ganzen Schwergewicht seiner bedeutenden Persönlichkeit mutig und fest, offen und standhaft auf und ein, und das um so mehr, als er sich getragen wußte nicht nur von dem heiligen Erbe der Vergangenheit, von den dringenden Bedürfnissen der Gegenwart, sondern auch von den beseligenden Forderungen der Zukunft. Stein war in der Nebergangszeit aus der alten in die neue Zeit eine providentielle Erscheinung. Als mächtiger Verkünder der Wahrheiten des Judentums stand er, ein echter Priester, zwischen dem Toten, Abgestorbenen und dem Neuen, Auflebenden, und wehrte so durch mannhaftes, verständnisvolles Wirken dem Verfall und Untergang, der immer droht, wenn Werdendes mit Gewordenem im Kampfe liegt. Welche Stürme hatte er gerade darob zu bestehen, und welche Verfolgungen zu erdulden? Ihn trafen gleichzeitig die giftigen Pfeile der alten Glaubenseiferer und die der Heranwachsenden Glaubenslosen, und mit dem alten Seher konnte er ausrufen: Das sind die Wunden, die ich empfangen im Hause derer, die mich hätten lieben sollen. Aber ihm ward auch der Lohn, daß seine reine lautere Einzelgesinnung zum Bekenntnis einer großen Gesamtheit geworden, die heute noch in dankbarer Liebe und Verehrung zu ihm aufblickt. Stein ließ sich von seinen Idealen in seinem Leben und Wirken leiten und war als Prediger, Dichter und Schriftsteller sich selbst stets treu geblieben in allen Kümpfen und Stürmen bis in den Tod; er hat die Fahne nicht gesenkt und den Schild nicht entweiht, ihn krönt der Lorbeer der Geschichte, und wenn die edlen Vorkämpfer der Entwicklung der Geschichte des Judentums im vorigen Jahrhundert genannt werden, wird sein Name in erster Linie ruhmbedeckt steheu, und sein unvergängliches Lebensbild bleibt aufbewahrt zum ewigen Gedenken in der Ruhmeshalle, wo die weilen, die in Ehren gekämpft für Licht und Wahrheit. ES ist hier nicht der Platz, all das im einzelnen aufzuzählen, was Stein, ein Vorkämpfer für Reform des Judentums, zur Hebung und Veredlung unseres Gottesdienstes, als Mitschöpfer der modernen jüdischen Kanzelberedsamkeit und als hervorragender liturgischer Schriftsteller gewirkt und geleistet hat. Stein ging in seinem geistigen Entwicklungsgänge durch die alte Theologenschule und rang sich aus ihr zu einer neuen Entwicklung in seiner Persönlichkeit durch; er war als geborener Kanzelredner berufen, durch seine Reden, die durch Klarheit im Aufbau, durch Reichtum an Gedanken und durch Tiefe des Empfindens ausgezeichnet waren, mächtig auf seine Zeitgenossen einzuwirken. Schon in seiner frühen Wirksamkeit, in Burg- und Altenkundstatt (1835), woselbst damals ein aufgeklärter Kaufmannsstand den Kern der Gemeinde bildete, hat er seine glänzenden Eigenschaften und Anlagen, die später sich so reich entwickelten, zur segensreichen Entfaltung gebracht. In diesem kleinen Reiche übte er seine großen Kräfte und bewährte sich als eine selbstständige, selbstbewußte, für die historische Fortentwicklung des Judentums begeisterte Persönlichkeit. Er half dem Judentum einen neuen Frühling bringen nach langer banger Winterszeit und trat in Wort und Schrift und Tat frei und offen, ehrlich und mutig für seine Ueberzeugung auf. Und als er im Jahre 1844 als erster moderner Rabbiner nach Frankfurt a. M. berufen wurde, hat er bis zum Austritt aus dem Amte, der heute im Lichte der Geschichte ein ehrend Zeugnis seiner Gesinnungshoheit und Gesinnungstüchtigkeit bildet, viel gewirkt, wenn er auch verkannt und verfolgt wurde. Und als er im Jahre 1862 aus seinem Amte schied, da hat er in seinem neuen Berufe treu und unentwegt fortgewirkt, bis ihn der Tod von dannen rief. Er schrieb die „Schrift des Lebens", durch die er sich ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Wir werden in dieser Schrift lesen und lesen und daraus Erhebung und Beseligung schöpfen in unserer an ehrlichen Theologen so armen Zeit. Stein hat bis an sein Lebensende unablässig und begeistert für Fortschritt und Aufklärung gewirkt, sür Hebung und Läuterung des Judentums und für Veredlung unserer Glaubensgemeinde. Wem es vergönnt war, ihm, dem aufrichtigen Mann, ins freundliche, wolkenlose, klare Antlitz zu schauen, wer je mit ihm Zwiesprache i i i i SiSÜS