Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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an das Leben wie an das Gotteshaus stellte, wird sicher jeder gern unterschreiben, der auf die Zukunst des Judentums im Sinne jener groben Propheten-Religion vertraut. Der geistvolle Vortrag fand lebhaften Beifall. Wie der Vorsitzende des Vereins, Herr Justizrat Breslauer, vor Beginn des Vortrags mitteilte, hat der Verein die Absicht, im Laufe des Winters eine Reihe solcher Vorträge zu veranstalten, die weite Kreise über die Aufgaben und Ziele der Reform im Judentum ausklären sollen. Wir können diese Absicht nur willkommen heißen; wie der starke Besuch am gestrigen Abend zeigte, hat sie auch bei den Mitgliedern des Vereins verständnisvolle Aufnahme gefunden. 8. Berlin, 17. November. Ter Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Logen U. O. B. B., Monbljouplatz 10, teilt uns mit, daß zurzeit ein außergewöhnlich großer Andrang von arbeitsuchenden Personen vorhanden ist. Dieses Institut ist daher imstande, Aufträge jeder Art umgehend zu erledigen. Die Vermittlung für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer geschieht vollständig kostenlos. Der Verein vermittelt folgendes kaufmännisches Personal: Buchhalter, Kontoristen, Reisende. Verkäufer jeder Branche; Buchhalterinnen, Kontoristinnen, Maschinenschreiberinnen, Stenographinnen, Verkäuferinnen jeder Art usw. Gewerbliches Personal: Hausdiener, Packer. Radfahrer, Arbeiter, Handwerksgehilfen usw. — Rastentmr'g, 15. November DerVerband der ostpreußischen Synagogengemeinden hielt hier seine diesjährige ordentliche Generalversamrnlung ab, die zahlreich besucht war. Der stellvertretende Vorsitzende, Herr Sanitütsrat Dr. Kamnitzer-Allenstein, leitete den Geschäftsbericht mit der Mitteilung ein, daß Herr Rechtsanwalt Schey, der bisherige erste Vorsitzende, nach Berlin übergesiedelt sei. In Würdigung der hervorragenden Verdienste des früheren Vorsitzenden um den Verband beantragte Herr Dr. Kamnitzer namens des Ausschusses, Herrn Rechtsanwalt Schey zum Ehrenmitglied des Verbandes zu ernennen, was die Versammlung mit großem Beifall beschloß. Die Haupttätigkeit des Verbandes war wieder der Förderung der Religionsschulverhältnisse unserer Provinz zugewandt. Eine Anzahl Gemeinden wurde zur Anstellung eines eigenen Beamten mit Geldmitteln unterstützt. An einzelnen Orten ist der Verband beschäftigt, mehrere benachbarte kleine Gemeinden, die sich nicht mehr selbstständig zu erhalten vermögen, zu einem Schulverbande zu vereinigen. Die Mehrzahl der Verbands-Religionsschulen ist wieder durch die Verbandsschulinspektion (Rabbiner und bewährte Lehrer) inspiziert worden. Die Pensionskasse für die ostpreußischen jüdischen Lehrer und Kultus beamten erhielt wieder die regste Unterstützung seitens des Verbandes. Das neue Verbands-Alters- und Siechenhaus in Allenstein ist inzwischen eröffnet. Dem Kassenberichte ist zu entnehmen, daß das Verbandsvermögen auf 13 158 Mark gestiegen ist. Ueber die Schulinspektion im Jahre 1906 berichtet der Vorsitzende der Verbandsschulinspektion, Herr Rabbiner Dr. Vogelstein-Königsberg. Die Verhältnisse der Religionsschulen hätten sich im ganzen etwas besser erwiesen wie im Vorjahre. Nur das Lehrer-Material sei minderwürtig. Eine Fortsetzung erfuhren diese Debatten in gewisser Richtung durch das sich anschließende Referat des Herrn Waisenhausinspektors Peritz- Königsberg über die neuesten statistischen Feststellungen bezüglich der Gehaltsverhältnisse der jüdischen Beamten in Ostpreußen. Die neuesten Feststellungen über die Einkommensverhältnisse hätten ergeben, daß ein drittel aller unserer Beamten in Ostpreußen auch nicht einmal das Mindesteinkommen von 1200 Mark habe. Die Versammlung beschloß nach dem Anträge des Referenten, den Verbandsgemeinden mitzuteilen, daß der Verband zur Anstellung von seminaristisch geprüften Lehrern besondere Unterstützungen zu gewähren bereit ist. ferner, daß die Vereinigung kleiner, leistungsunfähiger Gemeinden zu einem Schulverbande mit gemeinsamen, für das Schulamt ordentlich vorgebildeten Kultusbeamten mit aller Energie betrieben werden soll, und endlich überwies sie die Angelegenheit im ganzen dem Dezernenten der neugebildeten Abteilung für das gesamte Schulwesen des Verbandes, Herrn Justizrat Holz-Königsberg, zur weiteren Betreibung in Gemeinschaft mit den sonst noch in bestimmter Richtung für Förderung der Schulangelegenheiten des Verbandes tätigen Verbandsmitgliedern. Darauf folgte die Beratung über die Bewilligung von Subventionen für einzelne Gemeinden. In seinem Referat über die Pensionskasse für jüdische Neligionslehrer und Kultusbeamte in Ostpreußen konnte Herr Waisenhausiuspektor Heritz Mitteilen, daß die Verhältnisse der Kasse sich aufS beste entwickeln und eine baldige Erhöhung der Pensionen erhoffen lassen. Ueber den Stand der Angelegenheit des neubegründeten Alters- und Sieckenhauses in Allenstein berichten die Herren Rabbiner Dr. Olitzki und Kaufmann I. Wohthaler-Allenstein. Zum Schluß sprach noch Herr Dr. Täubler-Berlin über das neubegründete Gesamtarchiv der deutschen Juden. Bei den Wahlen in den Ver bandsaus schuß wurden Kie Herren Sanitätsrat Dr. Kamnitzer Allenstein als Verbandsvorsitzender, Stadtrat Magnus-Königsberg llnd Rechtsanwalt Wießtinicki-Allenstein als stellvertretende Vorsitzende, Justizrat Holz-Königsberg als Dezernent für das gesamte Schulwesen des Verbandes, Amtsgerichtsrat Blumenfeld-Insterburg als Referent sür Schiedsgerichtsangelegenheiten und Rechtssachen, Stadtrat Otto Eichelbaum-Jnsterburg als Vorsitzender der Kommission für Ver einigung kleiner Gemeinden zu einem Schulverbande. Rabbiner Dr. Vogel stein-Königsberg als Vorsitzender der Schulinspektion. Julius Levin-Allenstein als Kassenkurator, Stadtrat Professor Dr. Lassar Cohn-Königsberg, H. Holz-Insterburg, Ed. Jacoby Rastenburg. S. Jacoby-Osterode. M. Jacobsberg-Zinten, Julius Lazar - Königsberg, Waisenhausinspektor Peritz - Königsberg und Dr. I. Sebba-Tilsit als Beisitzer wiederrespektive neugewählt. Als Ort der nächsten Verbandstagung wurde Bartenstein in Aussicht genommen. e. Körrigshütte, 6. November. Am 27. v. M. tagte Hierselbst der Synagogen-Gemeinde-Verband des Regierungsbezirks Oppeln, der eine sehr reichhaltige Tagesordnung zu erledigen hatte. Dem Be richt über die Tätigkeit im letzten Jahre 1906/07 entnehmen wir. daß dem Verbände 33 Synagogengemeinden angehören. Im Be richtsjayr sind sechs Gemeinden, nämlich Karlsruhe, Falkenberg. Hultschin, Leobschütz, Peiskretscham und Pitschen neu beigetreten. Der bisherige Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Glogauer, der naci, Breslau übersiedelte, wurde einstimmig zum Ehrenmitgliede und av seiner Stelle zum Vorsitzenden Justizrat Berger gewählt. Der Ausschuß des Verbandes hat im laufenden Jahre vier Sitzungen ab gehalten und in ihnen 42 Vorlagen erledigt. Der Verkehr mit dem Rabbinerverband und den Verbandsgemeinden war sehr rege, insbesondere die kleinen Gemeinden holten öfter Rat ein. Den Gemeinden Ratibor und Groß-Strehlitz wurden wiederum Zuschüsse zu den Kosten der rituellen Beköstigung israelitischer Strafgefangener während des Passahfestes gewährt, ebenso wurden wiederum Bei Hilfen für die Seelsorge in Groß-Strehlitz und für die Schüler der Lehrerbildungsanstalt in Hannover geleistet. Auch ist der Verband als außerordentliches Mitglied der Witwen- und Waisenkasse der Rabbiner Deutschlands beigetreten; für Wanderpredigten, die nach dem Ergebnis einer Rundfrage von elf Gemeinden gewünscht wurden, wurde ein Betrag von 500 Mark ausgesetzt. Dem Religionsunterrichi wurde die größte Aufmerksamkeit gewidmet. Beihilfen zu demselben wurden sieben kleinen Gemeinden in Höhe von 1200 Mark bewilligt Revisionen des Religionsunterrichts wurden in elf Gemeinden vor genommen. Der Kassenbestand war am Schluß des Geschäftsjahres 1. April 1907, 1358,42 Mark (gegen 1065,04 Mark am 1. April 1906). Im Anschluß hieran folgte der Bericht über das israelitische Waisenhaus in Rybnik. Am 1. März 1907 hatte es 28 Zöglinge (17 Knaben. 11 Mädchen), das Vermögen der Anstalt belief sich am 1. April 1907 außer dem schuldenfreien Grundstück auf 108 293,77 Mark. Nach Beratung des Waisenhaus-Etats für das nächste Jahr sowie Vornahme von Wahlen für das Waisenhaus-Kuratorium in Rybnik, und Erledigung einer Reihe von Formalien berichtete noch Herr Justizrai Schüller über die letzte Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden in Frankfurt a. M., an der er als Delegierter teilgenommen hatte. Herr Archivar Dr. Zivier-Pleß hielt zum Schluß einen interessanten Vortrag über „Die Juden Oberschlesiens im Anschluß an das Gesamtarchiv der deutschen Juden". Braurrschweig, 15. November. Wie wir erfahren, ist hier zum erstenmal ein jüdischer Notar ernannt, und zwar in der Person des Justizrats Heymann. Vermutlich steht dies mit einer vom Verband der Deutschen Juden am 11. Juli 1907 an die Herzog liche Regierung gerichteten Vorstellung in Verbindung. Wie wenig bedeutend die Sache auch an sich sein mag, so ist sie doch immerhin