Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Im Laufe der ziemlich langen Diskussion machte Herr Benas Levy den sehr beachtenswerten Vorschlag, den Barmizwah-Knaben von Gemeinde wegen eine Bibel zu überreichen. Er verweist auf das Beispiel Englands, wo in sämtlichen jüdischen Familien nicht nur die Bibel vorhanden ist, sondern auch gelehrt und gelesen wird, während in den meisten deutschen jüdischen Familien die Bibel fehlt. Dieser Antrag owie die beiden vorhergenannten wurden von der Versammlung;um Beschluß erhoben. Der Antrag Weinberg betreffend Einrichtung des früheren Chorraums in der Synagoge Kaiserstratze wurde auf Antrag Loewenthal dem Gemeindevorstand zur nochmaligen Erwägung überwiesen. Der Witwen- und Waisenkasse der Rabbiner Deutschlands wurde ein einmaliger Beitrag von 5000 Mark bewilligt. Folgende Zuwendungen wurden debattelos angenommen: 12 600 Mark der Frau Mathilde Priester geb. Knopf an die dritte Alterversorgungsanstalt zum Zweck einer Zimmer-Stiftung, 6000 Mark der Eheleute Moritz und Berta Brauer, 7000 Mark per Frau Jda Blum geb. Eichelbaum und 2000 Mark des Rentiers Louis Nathan, sämtlich zu Grabeserhaltungszwecken. Der Rechnungsabschluß des Krankenhauses ergibt an Einnahmen 251 728,71 Mark, an Ausgaben 260 007,32 Mark, mithin einen Mehrverbrauch von 8283,61 Mark, der nachbewilligt wird. Bei dieser Gelegenheit beantragen die Herren Professor Baginsky, Moritz Manheimer und Emil Pincus, den Gemeindevorstand zu ersuchen, das Terrain des neuen Krankenhauses durch Ankauf eines Rachbarterrains bereits jetzt zu vergrößern. Begründet wird der Antrag damit, daß durch die stetigen Anforderungen der Wissenschaft sowie durch die schnell steigende Entwicklung der hiesigen Gemeinde das bereits vorhandene Terrain sich in absehbarer Zeit als zu klein erweisen würde. Die Beratung dieses Antrages wurde in die geheime Sitzung der nächsten Versammlung verlegt. Der Rechnungsabschluß der Schulverwaltung pro 1906/07 erfordert bei einigen Schulen einen Mehrverbrauch von 2368 Mark, der auch nachbewilligt wird. Bei den Gemeindeschulen, trugen Religionsschulen, der Lehrerbildungsanstalt und den Religionskursen für Seminaristinnen ist dagegen ein Minderverbrauch von 18405,54 Mark zu verzeichnen, der an die Gemeindehauptkasse zurückgezahlt worden ist. Der Abschluß der Synagoge Kaiser st raße ergibt einen Minderverbrauch von 5675,13 Mark. Die Waisenkommission schließt mit 58693,62 Mark Einnahmen und 58851,89 Mark Ausgaben, also einem Mehrverbrauch von 158,27 Mark ab. Während des Berichtsjahres befanden sich in voller Pflege der Kommission 36 Kinder (gegen 33 im Vorjahre), welche an 18 Pflegestellen untergebracht waren. Sie erforderten einen monatlichen Betrag von >74 Mark Pflegegeld, das ergibt pro Kopf und Monat einen Aufwand von durchschnittlich 271/18 Mark. Die Zahl der bei ihren Müttern belassenen Kinder, für die seitens der Kommission Erziehungsbeiträge gewährt wurden, betrug 310 gegen 323 im Vorjahre. Hierfür wurden monatlich insgesamt im Durchschnitt 2872,50 Mark bewilligt, pro Kopf und Monat durchschnittlich 9,26 Mark. Seitens der städtischen Armenpflege wurde im Berichtsjahre ein Zuschuß von 4848 Mark, und zwar direkt an die betreffenden Mütter geleistet. Für die Unterbringung mehrerer Pfleglinge in den Ferienkolonien wurde wie in ben Vorjahren ein Betrag von 500 Mark verausgabt. Der Abschluß der Kommission zur Beschaffung des Koscherfleisches ergibt einen Ueberschuß von 10045,22 Mark. Die Mehreinnahmen sind in erster Linie darauf zurückzuführen, daß der Konsum an Koscherfleisch unter Aufsicht der Gemeinde und damit der Beitrag der Koscherfleischhündler nicht unerheblich gestiegen ist. Die Quellbadverwaltung hat einen Minderverbrauch von 250,94 Mark zu verzeichnen. Die Frequenz hat sich im allgemeinen ungefähr auf der Höhe der Vorjahre gehalten, nur die Zahl der Freibäder, welche im Jahre 1905/06 nur 2050 betrug, ist im Berichtsjahre auf 2366 gestiegen. Zur Reparatur von Gräbern auf dem Friedhof Schönhauser Allee, zur Einrichtung von fünf neuen Wochenstunden in der X. Religionsschule, zur Herstellung eines Drahtzaunes aus dem neuen Krankenhausterrain, zur Vornahme von Bauarbeiten auf dem Friedhofe Weißensee wurden die erforderlichen Summen bewilligt. An den Verband für Statistik der Juden wurde wie im Vorjahre ein Beitrag von 1000 Mark beschlossen. Die Leistungen des Verbandes werden als beachtenswert bezeichnet. Auf Anregung von Professor Geiger soll der Verband ersucht werden, seine „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" allen Vorstandsmitgliedern und Repräsentanten zugehen zu lassen. — Die Gebührentarife der Friedhöfe in Weißensee und in der Schönhauser Allee bezüglich der Hügelbepflanzung und Pflegegebühren werden alsdann formell zum Gemeindebeschluß erhoben. Diese Maßnahme hat sich als erforderlich erwiesen, da rückständige Zahlungen für die in Rede stehenden Leistungen im Klagewege bisher verfolgt werden mußten, nicht aber, gleich den übrigen Gemeindeabgaben im Verwaltungswege eingezogen werden konnten. — An den Religionsverein Moa bi t und Hansaviertel wurde eine Subvention von 2300 Mark und eine außerordentliche Beihilfe von 900 Mark bewilligt. Die Bewilligung einer Extrabeihilfe für den Religionsverein „Ahawa s Scholaum" wurde nach längerer Debatte zur nochmaligen Prüfung an die Subventionskommission zurückverwiesen. Der Verein war, kurz nachdem ihm eine Jahressubvention von 3000 Mark bewilligt war, noch um eine Extrabeihilfe von 2000 Mark vorstellig geworden. Der Referent der Subventionskommission hatte zwar die Angaben des Vereins für zutreffend erachtet, die Kommission selbst ist diesem Votum aber nicht i beigetreten und hat nur eine einmalige Beihilfe von 500 Mark mit j Rücksicht darauf empfohlen, daß die Vereinsschule in starkem Wachstum begriffen ist und eine —ohne Beihilfe unvermeidliche — Störung im Unterrichtsbetriebe vermieden werden muß. Dem Beschluß der Subventionskommission hat sich der Gemeindevorstand angeschlossen.! Vom Vorstandstische aus rügte Justizrat Lilienth al besonders das! leichtsinnige Wirtschaften vieler Religionsvereine, die weit über ihren | Etat hinausgehende Ausgaben machen und dann an den Vorstand herantreten mit dem Ersuchen, diese Schulden zu decken. Das gleiche Bedenken wurde von Prosessor Blaschke hervorgehoben, der den Vereinen riet, in ihrem eigenen Interesse erst die Höhe der Gemeindesubvention abzuwarten, bevor sie sich zu größeren Ausgaben entschließen. Die Herren W einberg und Rechtsanwalt Jg natz Cohn halten den Weg der Ablehnung der Vereinsforderung nicht für ratsam, da durch die stark verminderte Bewilligung die geprüfte und für richtig befundene Schuldenlast nicht zur Deckung gelangen könne. 8. Berlin, 14. November. Im „Liberalen Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin" hielt am 13. d. Mts. Herr Rabbiner Dr. Kellermann einen sehr interessanten Vortrag über „Liberales Judentum". Die logische Berechtigung eines solchen begründete der Redner in lichtvoller Weise vom Standpunkte der Entwicklungslehre, die historische im Sinne der Propheten-Religion, an die wir unmittelbar anzuknüpfen haben, da weder das talmudische noch das rabbinische Judentum eine Fortentwicklung der Weltanschauung genannt werden könne, die Amos, Jesaya, Micha und die andern Propheten verkündet und die das Sitten gesetz weit über das Zeremonialgesetz gestellt haben. Der dritte Teil des Vortrags war der Gegenwarts-Berechtigung des freisinnigen Judentums gewidmet. Die Forderungen, die der Redner!! i