Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- Seite 564 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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564 „Sind es doch Leine Bücher, mein Herz," erwiderte sie mit einem glücklichen Lächeln, „die ich habe kommen lasten von Lemberg für Dich, alles was hier ist. ist Dein, und hier noch —" sie zog eine prachtvolle goldene Taschenuhr mit Kette hervor und gab sie ihm. Barom bebte am ganzen Leibe. „Frau, was soll ich tun — um zu verdiene», was Du so gut zu mir bist." „Mich lieb haben," sagte sie, „das ist alles, was mein Herz sich wünscht." (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. =----- August W ü n sche: Aus Israels Lehrhallen. Kleine Midraschim zur späteren legendarischen Literatur des Alten Testaments, zum erstenmal übersetzt. I. Band. Leipzig 1907, E. Pfeiffer. Der Verfasser, dem wir bereits zahlreiche Uebersetzungen aus dem Talmud und den Midraschwerken verdanken, hat in der vorliegenden Schrift interessante Legenden, besonders von Henoch, Abraham und Moses, hauptsächlich aus der Sammlung von A. Jellinek „Let da Midrasch“ übertragen. In diesen Erzeugnissen der jüdischen Literatur, die aus dem späteren Mittelalter stammen, aber auf alten Traditionen beruhen, kommen die Stimmungen der Volksseele treffend zum Ausdruck, schmerzliche Empfindungen über die gegenwärtigen Leiden; aber auch Trostgedanken, die Hoffnung auf das Herannahen einer Zeit des Heiles. Die Sage füllt manche Lücken im Leben erhabener Personen aus, sie sucht einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Ereignissen herzustellen. Wir schauen oft wunderbare Gemälde von großer Lebendigkeit und erfreuen uns anderseits an der Einfachheit und Schlichtheit der Darstellung. Nicht bloß für Theologen, sondern für alle Freunde der Sitten- und Sagenkunde sind diese Uebertragungen von Bedeutung, um so mehr, als am Ende jedes Abschnittes eine Erläuterung über den Inhalt und die Tendenz folgt, sowie Vergleiche aus der mohammedanischen und keilschriftlichen Literatur. Die zweite Hälfte dieses Bandes enthält weitere Sagen über Moses, Aron, Salomo, Elia, das Exil, Esther und Judith. Dann sollen noch zwei Bände eschatologischen Inhalts, also Sagen über den Messias, die Auferstehung, das Weltgericht usw. folgen. Möge das Werk bald vollendet werden und dazu beitragen, die Kenntnis der jüdischen Literatur in weitere Kreise dringen zu lassen. Dr. L. Stein-Dresden. £ Professor Dr. B. Baentsch: David und sein Zeitalter. (Wissenschaft und Bildung, Einzeldarstellungen aus allen Gebieten des Wissens. Nr. 16.) Leipzig. 1907. Quelle & Meher. Der Versuch, König David und sein Zeitalter vor den Augen des modernen Menschen wieder lebendig werden zu lassen, bedarf, wie der Verfasser einleitungsweise sehr richtig bemerkt, keiner besonderen Rechtfertigung. Gehört David doch zu den Größten unter den Großen und fasziniert er doch seine Zeitgenossen, wie später etwa Alexander der Große. Ohne ihn ist die ganze folgende Geschichte Israels, vor allem die Geschichte der Juden, nicht denkbar. Seine Negierung hat eine schlechthin grundlegende Bedeutung. All dies wird erst so recht bei der Lektüre dieses empfehlenswerten, zum Teil direkt spannenden Büchleins klar. Nicht nur Davids eigenartige Wirksamkeit als Regent. Kriegsmann und Politiker lernen wir hier kennen, sondern wir werden zugleich in großzügiger Weife in die Geschichte und Kultur des damaligen Orients eingeführt und vermögen erst durch diese'Perspektive die weltgeschichtliche Bedeutung Davids ganz zu würdigen. Ein besonderer Vorzug der Darstellung aber ist es, daß sie stets von den Quellen, in erster Linie also von der Bibel, ausgeht und den Leser lehrt, aus der Ueberlieferung ein einheitliches, historisch wahres, stets lebensvolles Bild dieses großen Mannes zu gewinnen. * Rabbiner Dr. Carlebach-Lübeck: An Horebs Höhen. 2. Teil. Zehn Predigten zum Feste der Gesetzgebung. Der Verfasser hat Eigenart. Ich versuchte bereits in einem früheren Aufsatze vor ca. drei Jahren seine festausgeprägte Predigtweise zu kennzeichnen. Als Hauptmerkmal will ich heute seine große Lebendigkeit und Frische in Form und Gedanken rühmen. Zwischen dem wogenden Leben und dem Fels der Thora bewegen sich seine Reden, bald kleinmalerisch, bald großzügig, immer aber ehrlich und glaubenskrästig. Ueber allen; liegt der fromme Sinn eines freien weiten Herzens, das in dev Gottesgesetzen den lebendigen Odem der Offenbarung vernimmt und bekennt. Zu den Vorzügen des Büchleins gehört, daß es über Tagesfragen sich ungescheut, aber ohne Einseitigkeit äußert. Die Sprache ist klar und kraftvoll, ohne Drechselei und süßliches Spiel und man fühlt es den Worten an, daß hinter ihnen ein Mann steht — ein Charakter. Dr. M. Beermann-Insterburg. Eine neue Vierteljahresschrist für die Kunde des alten. Orients und die Wissenschaft des Judentums geht uns aus St. Petersburg zu. Sie führt den Titel „Hakedem" und wird von I. B. Markon und A. Sarsowsky herausgegeben. Das erste Heft enthält Beiträge von den beiden Herausgebern, von M. Güde mann, W. Bacher, L. Blau, H. Chajes, Baron D. Günzburg u. a.. die zumeist sehr wertvoll sind. Die Aufsätze sind teils in deutscher, teils in hebräischer Sprache, einer sogar französisch abgefaßt. Wir wünschen dem verheißungsvollen jungen Unternehmen das beste Gedeihen! Bei dieser Gelegenheit wollen wir feststellen, das; bei richtige Titel der von der Gesellschaft „Sinai" begründeten hebräische;' Zeitschrift ,,Haatid“ lautet. S, Sprechsaal. Hochgeehrte Redaktion! Im Anschluß an beit in Ihrer geschätzten Zeitung erschienenen Artikel „Zur Bergpredigt" von Herrn Dr. Bernfeld möchte ich hiermit auf eine äußerst auffallende Stelle im Neuen Testament Hinweisen die von einer geradezu erstaunlichen Unkenntnis der einfachsten biblischen Erzählungen Zeugnis ablegt. In der „Apostelgeschichte" in der Verteidigungsrede des Apostels Stephanus heißt es: „Und Jakol zog hinab nach Aegypten und starb, er und seine Väter, und fit wurden hierübergebracht nach Sichem in das Grab, das Abraham um Silberwert gekauft hatte von den Söhnen Hemors zu Sichem". ... Da ist die Höhle Machpela, die Abraham von Ephon gekauft hatte, mit dem Felde, das Jakob von den Söhnen Hemors gekauft hatte, verwechselt worden. Hochachtungsvoll Königsberg i. Pr. Leon Rosenberg •*. Geehrter Herr Redakteur! u der in Nummer 44 Ihres geschätzten Blattes von Herrn Professor G. Deutsch in Cincinnati gestellten Frage, betreffend Napoleon! und Frankfurt a. M. erlaube ich mir zu bemerken, daß ich dieselb- Geschichte vor vielen Jahren gehört habe, jedoch mit dem Unterschiede daß statt Frankfurt a. M. — Wilna genannt wurde. Aber eti hier ansässiger Glaubensgenosse aus Wilna sagte mir heute, daß er dieselbe Geschichte erzählen hörte, jedoch wäre es nicht Napoleon l, sondern „König Friedrich in Berlin" gewesen. Auch ein anderer Glaubensgenosse aus Rußland sagte mir, daß er solches über einen „Deutschen König" erzählen hörte. Stockholm, den 3. November 1907. Ergebenst Dr. M. Fried. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.