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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-11-15 · Heft 46 (15.11.1907) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 46 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 mehr befriedigt werden kann. Zwar wird jeder Einsichtige berücksichtigen, daß man einer so jungen Einrichtung billig Zeit zur Entwicklung lassen muß, allein auf die Dauer würde das Interesse an der jüdischen Schwesternsache dock eine Abkühlung erleiden, wenn es nicht gelingen sollte, die nötigen Kräfte zu beschaffen. Zur Abwendung dieser Gefahr bitten wir Sie denn hiermit von neuem, uns bei der Gewinnung geeigneter Damen behilflich zu sein! Wir wiederholen: 1. die jüdische Schwester ist durch kein Gelübde gebunden; der Weg zur Ehe steht ihr immer offen, und auch wenn ihr die Pflegetätigkeit keine innere Befriedigung mehr gewährt, kann, ja soll sie ihr entsagen; 2. die jüdische Schwester nimmt eine bevorzugte soziale Stellung ein; sie wird am Orte ihrer Stationierung standesgemäß und fürsorglich untergebracht und darf auf besten Familienverkehr rechnen; 3. unsere Schwestern dürfen sich auf Lebenszeit als versorgt betrachten; sie beziehen bei vollständig freier Station ein bis zu 600 Mark ansteigendes festes Jahresgehalt und im Falle der Arbeitsunfähigkeit ein Ruhegehalt von bis zu 1000 Mark im Jahre, während sie in Krankheitsfällen sorgfältige und unentgeltliche Verpflegung genießen; 4. unsere Schwestern haben jedes Jahr Anspruch auf vier Wochen Urlaub; 5. die Ausbildung unserer Schwestern erfolgt kostenfrei in unserem Berliner Mutterhause, wie auch die Kosten der vor dem Eintritt etwa erforderlichen Reisen von uns bestritten werden; 6. ausgenommen wird jede unbescholtene, gesunde und gebildete Jüdin im Alter von etwa 20 bis 30 Jahren. Aber noch unendlich höher als die soziale Seite veranschlagen wir die ethische Bedeutung dieses Werkes! Seit alters her galt uns Juden die Krankenpflege ohne Ansehen der Person, des Standes oder religiösen Bekenntnisses als eine der vornehmsten Liebestaten, und wir erweisen uns der Väter nur würdig, wenn wir sie wieder in Uebung bringen. Leihen Sie uns darin Ihren Beistand! Weisen Sie in Ihrer Familie, in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreise immer wieder aus diesen schönen Frauenberuf hin, ebenso auf die Erleichterungen und Vorteile, die wir bieten, und veranlassen Sie die Damen, die sich ihm widmen wollen, sich bald bei unserem mitunterzeichneten Dortmunder Mitglieds zu melden, das Ihnen gern jede weitere Auskunft erteilen wird. Der Ausschuß zur Heranbildung jüdischer Krankenpflegerinnen Geheimer Sanitätsrat Dr. Marehki-Berlin, S. Fl örsheim-Dortnlund. a. Insterburg, 11. November. Das Buch: „Mein Werk dem Könige", Andachtsbuch für jüdische Soldaten, verfaßt von Kreisrabbiner Dr. Beermann, wurde von der Lehrabteilung des Deutsch- Israelitischen-Gemeindebundes den jüdischen Gemeinden zur Anschaffung empfohlen. Das Kriegsministerium hat die Generalkommandos angewiesen, die Verbreitung der Schrift im Heere zu genehmigen. Vorn Reichskanzler Fürsten Bülow, der die Schrift persönlich eingesehen hat, ging dem Verfasser folgendes anerkennende Handschreiben zu: „Der Reichskanzler. Berlin den 29. Oktober 1907- Euer Hochwohlgeboren bitte ich für die freundliche Uebereignung Ihres Andachtsbuches für die deutschen Soldaten jüdischen Glaubens meinen verbindlichsten Dank entgegenzunehmen. Möchten unsere deutschen Mitbürger jüdischen Glaubens daraus den Geist der Gottesfurcht und Königstreue schöpfen. Bülow. — Breslau, 10. November. Der Verein israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen veranstaltet die 29. ordentliche Generalversammlung am Mittwoch, den 20. November hier im Sitzungssaale der Repräsentanten der Shnagogengenleinde (Wallstraße 14). Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht über das letzte Vereinsjahr 1906/07 sowie über die Tätigkeit des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche. 2. Rechnungslegung der Kassenverwaltung. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. „Die materielle Lage des jüdischen Lehrerstandes im besonderen in den Provinzen Schlesien und Posen." (Kollege Wolfgang-Bernstadt.) 5. „Neue Wege und Ziele der jüdischen Jugendliteratur." (Fräulein E. Menkem Breslau.) 6. Diskussion über den vom Kollegen Bühr-Waldenburg in der letzten Generalversammlung gestellten Antrag betreffend Einrichtung von Bezirksrabbinaten. 7. Bericht der Kommission „den Normallehrplan für Neligionsschulen einer allgemeinen Revision zu unterziehen". 8. Bericht über einige Neuerscheinungen auf dem Gebiete des jüdischen Religionsunterrichts. 9. Etwaige Anträge ans der Mitte der Versammlung. — An die Versammlung soll sich, wie üblich, ein gemeinsames Mahl in den Räumen der Lessing-Loge anfchließen. Anmeldungen nimmt der Schriftführer Lehrer Moops- Breslau entgegen. 0. Dresden, 8. November. Am 21. v. M. feierte das hiesige Krankenunterstützungsinstitut für Israeliten (Chew ra K adi s ch a) das Jubelfest seines 100 jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß hat Herr Fabrikbesitzer Max Elb als Festschrift die Geschichte dieser alten, so segensreich wirkenden Institution der Dresdener Gemeinde geschrieben, die eine Fülle interessanter Daten auch aus der Geschichte der Dresdener Gemeinde enthält, deren Werdegang mit dem des jubilierenden Vereins natürlich enge zusammenhängt. Die Lektüre dieser hübsch, gemütvoll und interessant geschriebenen und ebenso ausgestatteten Festschrift wird sicher jeden Leser auch außerhalb Dresdens lebhaft fesseln. Die Feier hätte eigentlich schon anl 2. August begangen werden sollen, da an jenem Tag das Institut das erste Jahrhundert seines Bestehens vollendet hatte. Von dem Wunsche beseelt, möglichst viele Gemeindemitglieder bei dem Jubiläums- Festgottesdienst und -Festmahl zu vereinigen, hat aber der Vorstand diese Feier nach dem Ende der Sommerfrischensaison, aus den jetzigen Zeitpunkt verlegt. Der eigentliche Gründungstag (25. Tamus) erhielt seine Weihe nur durch eine stille Friedhofsfeier. 0. Düsseldorf, 9. November. Am 7. d. M. ist hier im Alter von 71 Jahren der emeritierte Oberrabbiner von Crefeld Dr. Jacob Horowitz gestorben. Derselbe war ein geborener Galizier, der seine Studien am Breslauer Seminar machte, wo er ein Lieblingsschüler Zacharias Frankels war; 1867 kam er nach Märkisch-Friedland und 1869 von da nach Crefeld, wo er bis 1906 eine wahrhaft gedeihliche und segensreiche Tätigkeit entfaltete. Selten hatte sich ein Rabbiner in einer Gemeinde so allgemeiner Beliebtheit und in der ganzen Stadt solchen Ansehens zu erfreuen, wie der Verstorbene sie in Crefeld genossen. Dies war vor allem seinen hohen Tugenden, seiner Milde, Güte und Schlichtheit zuzuschreiben. Horowitz war aber auch einer der gelehrtesten deutschen Rabbiner, wovon die Oeffentlichkeit allerdings leider nur wenig erfahren. Allzugrvße Bescheidenheit, später zunehmende Kränklichkeit, mannigfache Wechselsälle des Schicksals hinderten ihn daran, sein großes Wissen in Werken zusammenzusassen. In jungen Jahren hat er mancherlei geschaffen, was die besten Hoffnungen erweckte, so eine Studie über das Buch Sirach (1865), einen Index zu Frankels Hodegetik der Mischna (1867), Skizzen über die Chassidim (1868) und zahlreiche Predigten. Das Leichenbegängnis fand am 10. d. M. in der Gemeinde, in der er fast vierzig Jahre unermüdlich gewirkt und großen Segen gestiftet, unter allgemeiner Teilnahme weiter Kreise statt. Eine Trauerfeier in der Synagoge ging voran, der die Geistlichen der verschiedenen Konfessionen, die städtischen Behörden, die Rabbiner von Aachen, Bonn, Düsseldorf, Elberfeld, Essen sowie zahlreiche Freunde des Verblichenen aus allen Kreisen der Bevölkerung beiwohnten. Oberrabbiner Dr. Levy hielt eine tief ergreifende Gedächtnisrede. Dann folgten die Trauergesänge von Kantor Meyer und dem Chor, weihevoll ausgeführt. Aus dem Friedhof sprach Dr. Samuel-Essen im Namen des Rabbinerverbandes und zum Schluß Dr. Levy nochmals namens der Irenen Gemeinde. Das Andenken des teuren Verblichenen wird in Ehren fortleben! Frankfurt a. M., 6. November. Der antisemitische Deutschnationale Handlungsgehilsenverband pflegt da, wo cs ihm paßt, seinen Charakter als antisemitische Vereinigung in Abrede zu stellen. Da ist es nun von Wert, daß seine Zugehörigkeit zur antisemitischen Partei jetzt von Gerichtswegen festgestellt wurde. In einem am 5. Oktober gefällten Urteil der sechsten Strafkammer des Landgerichts Frankfurt a. M. heißt es nämlich: „Die mit Beziehung auf den Privatkläger, Mitglied des D.-N. H., gebrauchte Bezeichnung als „Kandidat der Antisemiten" entspricht zunächst der Wahrheit. Daß der „Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband" antisemitische Tendenzen verfolgt, ergibt der oben angeführte § 2 seiner Statuten, und der Privatkläger war, wie er angibt, mehrfach Kandidat dieses Verbandes." Gailingen, 5. November. In voriger Woche hielt der Landesvorstand des Friedrichsheim für israelitische Sieche und arme Greise die alljährliche Besichtigung der Anstaltab, und bei dieser Gelegenheit veranstaltete derselbe eine Gedenkfeier für .Großherzog Friedrich I., der als Protektor der Anstalt bis zu seinem

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