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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-11-08 · Heft 45 (8.11.1907) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 45 (8.11.1907)
Date
1907-11-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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bcm dortigen Oberbürgermeister 200 Mark als Beitrag zum Spendenfonds überwiesen; dasselbe geschah durch Frau Dr. Mankiewicz daselbst mit einem Beitrage von 50 Mark anläßlich des Todestages ihres verstorbenen Ehemannes. — Dem Rentier S. Lippmann in Labi s chi n ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. — Die jüdische Volksschule in Ja ratsch ewo ist mit dem 1. Oktober durch Beschluß der Regierung zu Posen und mit Genehmigung des Ministers endgültig aufgelöst worden. Mit Ablauf der Herbstferien wurden die jüdischen Kinder der evangelischen Schule daselbst einverleibt. — Kaufmann Julius Tuch in Ko sch min und Kaufmann Adolf Lewin in Pogorzela sind zu Mitgliedern des Gewerbesteuerausschusses für den Kreis Koschmin gewühlt worden. Fabrikbesitzer Simon in Jastrow ist zum Vorstandsmitglied des dortigen Männergesangvereins gewählt worden. — Dem Synagogendiener Heinrich Kozminski in Posen ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. — Stadtrat Aronsohn in Brom borg hat dem dortigen Diakonissenhause 1500 Mark als Spende mit der Bestimmung überwiesen, daß der Betrag dauernd zur Unterhaltung einer Kleinkinder-Bewahranstalt verwendet werde. — Kürzlich beging das Fa bisch Salzm an nsche Ehepaar in Ostrowo das Fest der goldenen Hochzeit. — Lissa i. P., 2. November. Am 22. d. M. verschied in Berlin der Rentier M ax Moll. Der Verstorbene war, obschon er seitJahren seinen Wohnsitz in Berlin hatte, mit seiner Heimatsgemeinde Lissa eng verbunden geblieben. Mit lebhaftestem Interesse verfolgte er deren Entwicklung, unterstützte ihre Bedürfnisse oftmals mit offener Hand, und als es sich um den Neubau des Tempels handelte, da war er es, der die herrliche Orgel dazu stiftete. Auch sonst war er wegen feiner Wohltätigkeit weithin bekannt. Sein Andenken wird in unserer Gemeinde unvergessen bleiben. o. Hamburg, im November. Die Hamburger Stadtbibliothek hat, wie auch von uns seinerzeit schon kurz erwähnt, im letzten Jahre eine äußerst wertvolle Bereicherung ihrer Sammlung hebräischer Werke erfahren. Die Verwaltung hebt in ihrem Jahresbericht für 1906 dies als eine der bedeutsamsten Errungenschaften der Bibliothek hervor, indem sie schreibt, daß es ihr insbesondere gelungen sei, die Bibliothek des verstorbenen Rechtsanwalts Tr. H. B. Levy zu erwerben, die hauptsächlich hebräische Literatur enthält. Ein Gönner der Stadtbibliothek hatte 9000 Mark, der Vorstand der Averhoff-Stiftung 3000 Mark, Senat und Bürgerschaft beit Rest zur Verfügung gestellt. Die Sammlung besteht aus 1020 Werken und 174 Manuskripten, teilweise in sehr schönen, kunstvollen, auch einigen silbernen Einbänden. 6. Heilbronn, 3. November. Der Israelitische Wohltätigle itsverein darf in diesen Tagen auf ein halbes Jahrhundert seines Bestehens zurückblicken, das er in würdiger Weise feierte, zugleich damit verbindend das 50 jährige Jubiläum seines Vorstandes Liebmann Strauß, der seit dem Bestehen den Verein leitet und der einzige noch lebende Mitbegründer ist. In einer hübschen Festschrift wird die Tätigkeit des Vorstandes in warmen Worten gewürdigt und anerkannt; ein bescheidenes Zeichen dieser Anerkennung gab ihm der Verein schon im Jahre 1891 durch die Ernennung zum Ehrenmitglied. Die Festschrift, von Rabbiner Kahn im Auftrag des Ausschusses verfaßt, gibt weiter ein anschauliches Bild von der Entstehung, dem Wachstum und der Tätigkeit des Vereins. Die Entstellung datiert in den November 1857 zurück. Den sieben Gründern schlossen sich bald weitere Gemeindegenossen an, und im Jahre 1861 betrug die Zahl der Mitglieder schou 36. Heute sind es deren über 200. Die Hauptaufgabe des Vereins war und blieb immer die Fürsorge für Kranke, Sterbende und Verstorbene; daneben ging eine förmliche Krankenpflege, die zunächst ausschließlich auf dem Prinzip der Freiwilligkeit beruhte, bis 1901 zwei eigene Krankenpflegerinnen angestellt wurden, die gegebenenfalls auch außerhalb des Vereins und der Gemeinde Dienste leisten. Von der israelitischen Gemeindeverwaltung wurde dem Verein stets Ansehen und Würdigung entgegengebracht; wiederholt war er in der Lage, der Gemeindeverwaltung Anregungen zu geben und Vorschläge zu machen, so bei der Anlegung eines eigenen Friedhofes und Brunnens daselbst und durch Uebernahme des Beerdigungswesens; auch hat er mit den anderen israelitischen Vereinen, die das Gebiet der Wohltätigkeit pflegen, gegebenenfalls gern und erfolgreich zusammengewirkt. Die Jubiläumsfeier selbst begann, indem sich eine Deputation des Ausschusses zu dem Jubel-Vorstand Liebmann Strauß begab und diesem unter Ueberreichung einer Ehrengabe die Glückwünsche des Vereins zum Ausdruck brachte. Die Oberkirchenbehörde ließ ihm gleichzeitig ihre Glückwünsche aussprechen in einem Schreiben, das Oberregierungsrat Lang überreichte. Weiter erfolgte ein Festgottesdienst in der geschmückten Synagoge, der durch Gesänge des Synagogenchors (Psalm 90 von Lewandowsky) und einem Solo von Vorsänger Dreifus (Psalm 41 von Lewandowsky) verschönt war und einen tiefen Eindruck hinterließ. Die Festpredigt hielt Rabbiner Kahn. Im Laufe des Tages erschienen weitere Deputationen bei dem Vorstand; Kirchenvorsteheramt, Ausschuß des Wohltätigkeitsvereins. Armenunterstützungsverein, Herderloge, Synagogenchor, Israelitischer Frauenverein und Verein Talmud Thora, sie alle brachten dem greisen, verdienten Vorstand ehrende Glückwünsche dar. Dem Gedächtnis der verstorbenen Mitglieder war eine kurze, erhebende Feier in der Friedhoskapelle gewidmet; Rabbiner Kahn hielt die Gedenkrede. Ein Festmahl im Württemberger Hof schloß die Reihe der Veranstaltungen. d. Köln, 4. November. Nach dem soeben erschienenen Jahresbericht des Vereins sür jüdische Krankenpflegerinnen zu Köln zählte der Verein im Jahre 1906 vier Schülerinnen und dreizehn Schwestern, die zum überwiegenden Teil im Israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache, zum kleineren Teil in der Privat- und Armenpflege tätig waren. Von letzteren wurden 820 Tages- und 239 Nachtpflegen übernommen, in 238 Fällen wurde ambulante Krankenpflege ausgeübt oder Aerzten bei kleineren Operationen Beistand geleistet. Ein geräumiges neues Schwesternhaus, zur Aufnahme von 30 Pflegerinnen ausreichend, ist auf dem neun Morgen großen Terrain errichtet worden, auf dem sich die großartigen Neubauten des Asyles erheben. Das Haus, das heute bis auf die innere Ausstattung vollendet ist, wurde nach dem preisgekrönten Entwurf des Architekten Winkler in Charlottenburg erbaut und enthält im Erdgeschoß Wohnräume sür eine Oberschwester, einen großen gemeinschaftlichen Speisesaal, Unlerhaltungszimmer und Unterrichtssaal; von diesen Räumen vollständig getrennt, durch einen besonderen Eingang vom Garten erreichbar, liegen Zimmer und Baderäume sür die in der Pflege ansteckender Krankheiten beschäftigten Schwestern. Im ersten und zweiten Stock führen breite Korridore zu je zwölf Zimmern und den Badezimmern. Das Gebäude ist an die Dampfheizung und die elektrischen Leitungen der Gesamtanlage angeschlossen und gewährt mit seinen vorgebauten Balkons und Veranden einen künstlerisch schönen Anblick. Bei den großen Anforderungen, welche die Uebernahme der Krankenpflege in der demnächst zu eröffnenden neuen Kranken- und Altersversorgungsanstalt an den Verein stellte, bietet das Schwesternheim die Gelegenheit, eine größere Anzahl von Schülerinnen durch geordneten theoretischen Unterricht zu tüchtigen Schwestern auszubilden. Möge die Anstalt dazu beitragen, unter den jüdischen Mädchen und Frauen Propaganda für einen Beruf zu machen, der ihnen neben einer befriedigenden Tätigkeit angenehme soziale Stellung und auskömmliche Versorgung bei Alters- und Berufsinvalidität gewährt. Münster, im Oktober. Der 43. Bericht über die Marks- Haindorfsche Stiftung (Lehrerseminar) ist soeben erschienen. Er geht vom 1. April 1905 bis 1. April 1907. Leider hat die Marks-Haindorfsche Stiftung in dieser Periode durch den Tod des Kurators Herrn Moritz Katzenstein in Bielefeld einen schmerzlichen Verlust erlitten. Das Kuratorium ist nunmehr aus folgenden Herren zusammengesetzt: Rentner Jos. Stern-Münster, Präses; Justizrat Hertz-Münster, stellvertretender Präses; Fabrikant C. S. Lehmann-Cöln, Bankier I. S. Hirschland-Essen, Kaufmann D. Leeser-Dortmund Kuratoren• Bankier M. Hanf - Witten, Justizrat Hertz-Münster, Kaufmann I. Levison in Düsseldorf, Fabrikbesitzer P. W. Meyer-Aachen, stellvertretende Kuratoren. Diese Berichtsperiode war für die Weiterentwicklung der Anstalt von der größten Bedeutung; durch die neuen amtlichen Bestimmungen, die dem Seminar und der Präparande weitaus gesteigerte Lehraufgaben stellen, erhalten diese Anstalten immer mehr den Charakter einer einheitlichen höheren Schule. Es war daher notwendig, trotz der verhältnismäßig geringen Schülerzahl die Klassenteilung in Seminar und Präparande weiter durch-

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