Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1907)
- Date
- 1907-11-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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71. Jahrgang. Nr. 45. Berlin, 8. November 1907. Der Gemeindebote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums. Korrespondenten und Sschrichten. Deutschland. =-= Berlin, 2. November. In der ersten Sitzung der Wissenschaf tl i ch en Berein igu n g j ü dj scher Leh rer und L ehrerinn en zu Berlin nach langer Sommerpause stimmte die Versammlung nach Aufnahme eines neuen Mitgliedes freudig dein Vorschläge des Vorsitzenden zu. Herrn Direktor Dr. Adler, unserm Ehrenmitglieder zu seinem 50. Geburtstage in Form einer Adresse und eines Blumen- Arrangements die besten Wünsche darzubringen. Für das laufende Semester ist erfreulicherweise eine stattliche Neihe von Vorträgen zugesagt. Es wurde auch beschlossen, in diesem Jahre wieder Ferienkurse zu veranstalten. -Ueber die Bemühungen und Erfolge in dieser Richtung soll demnächst ausführlich berichtet werden, doch sei schon jetzt mit Bedauern ausgesprochen, daß die Ferienkurse wohl kaum zustande kommen werden. Zum Mitglieds des Verbandsvorstandes lourde der Vorsitzende, Herr Rektor Dr. Gutmann, gewählt, zu Delegierten für den Verbandstag die Kollegen Auerbach und Hauff und zu deren Stellvertreter Kollege Falkenberg. Ans Veranlassung des Vorsitzenden äußerte sich Kollege Hauff über die vom badischen Oberrat herausgegebene Denkschrift zur Abfassung des Gebetbuches und empfahl deren Anschaffung. Nunmehr referierte Kollege Hirschfeld über einige der religionswissenschastlichen Volksbücher ziveiter Reihe. Ter Referent kann außer dem geringen Preis die schone Darstellung, den wissenschaftlichen Ernst, das Streben nach Wahrheit und Objektivität rühmen, die sich in allen diesen Schriften kund gibt. Allerdings habe die Objektivität eine Schranke: das Bekenntnis der Verfasser; dem Judentum muß bei aller Anerkennung die Vollkommenheit abgesprochen werden, um dem Christentum die Krone der Vollendung zusprechen zu können. Leider versagt es sich Beer in seinem „Saul, David und Salomo" nicht, Bemerkungen einfließen zu lassen, die den Verdacht gewöhnlichen Antisemitismus aufkommen lassen. Besonders gut und empfehlenswert ist Gunkels „Elia, Jahve und Baal" und Küchlers „Hebräische Volkskunde". Referent wünscht, daß baldigst Aehnliches von jüdischer Seite geschaffen werden möge. Im Anschlüsse an das Referat bedauerte auch der Vorsitzende die mangelnde Beschäftigung der jüdischen Gelehrten mit der Bibel. Er machte auf Sellins „Urgeschichte der Bibel" aufmerksam, aus der man erkennen könne, daß selbst hochkonservative evangelische Gelehrte der Bibel freier gegenüberstehen als unsere liberalen Rabbiner. Die christlichen Gelehrten haben uns erst die Propheten recht kennen und würdigen gelehrt. Es sei aber nicht zn bestreiten, daß auch die Propheten noch nicht den Universalismus in seinerreinsten Form lehren. An diese Bemerkung knüpfte die weitere Diskussion an. Kollege Levy ist der Meinung, daß wir über den llniversalismns der Propheten noch nicht hinausgeschritten sind und daß die christlichen Gelehrten mit ihrer Kritik vor dem Christentum Halt machen. Kollege Hanff sagt, man müsse die Propheten als Kinder ihrer Zeit betrachten und aus dieser heraus sie beurteilen. Man vergesse oder übersehe nicht, daß auch das Neue Testament eigentlich jüdisch sei und daß das Schöne und Gute darin auch im Alten Testament sich finde und demgemäß diesem und den Propheten gut geschrieben werden müsse. z. Berlin, 4. November. Ter segensreich wirkende Verein „Freunde der Taubstnmmen-Jedidö-Jlmim" versendet soeben folgenden Ausruf:. „Die Teilnahme, welche die Mitwirkung der Jugend an der Arbeit werktätiger Liebe in den Kreisen der Herren Synagogenvorsteher, Rabbiner und Lehrer alljährlich findet, läßt uns hoffen, daß diese wiederum zu dem bevorstehenden Channkafeste die Kinder ihrer Gemeinschaften und Schulen veranlassen werden, uns durch Sammlungen zu helfen, das Los armer jüdischer taubstummer Kinder zn mildern. Wir erziehen in unserer Taubstummen-Anstalt in Weißensee bei Berlin 48 Kinder (25 Knaben und 23 Mädchen) ans afitu Gauen des Deutschen Reiches. Der größte Teil dieser Kinder wird in Freistellen von uns erzogen. Durch die den Zöglingen znteil werdende Ausbildung werden sie befähigt, mit ihren hörenden Mitmenschen in der Lautsprache zu verkehren und sich als schaffenssreudige arbeitsame Menschen zu betätigen. Um nicht in die peinliche Lage zu kommen, hilfsbedürftige Kinoer von der Aufnahme zurückweisen zu müssen, bedürfen wir der Unterstützung aller derjenigen, die Freude am Wohltun empfinden, und Sinn für alles Edle und Gute haben." Indem wir die Aufmerksamkeit unserer geschätzten Leser auf diesen von reiner Menschenlie.be getragenen 'Aufruf lenken, empfehlen wir den Verein „Freunde der Taubstummen" dem Wohlwollen weitester Kreise und bitten, etwaige Gaben an Herrn Adolph Salomon, Charlottenburg, Knesebeckstraße 35 36, zu senden. s. Berlin, 4. November. In der ersten Novemberhälfte wird in der „Galerie für alte und neue Kirnst" in der Wilhelmstraße eine Ausstellung von Bildern und Skulpturen jüdischer Künstler stattfinden, der sich auch Werke der synagogalen Kunst und Erzeugnisse neueren jüdischen Kunstgewerbes anreihen werden. Die Anregung zu der Veranstaltung bot eine analoge Ausstellung, die „Exhibition of Jewish Art and Antiquifies", luchiie in ber Whitechapel Art Gallery zn London stattfand. Die Berliner Ausstellung wurde von dem „Verein zur Förderung jüdischer Kunst", dem ein aus Künstlern, Schriftstellern und Kunstmäcenen zusammengesetztes Komitee zur Seite stand, organisiert. Sie umfaßt hauptsächlich Werke ausländischer jüdischer Künstler, die man in Berlin selten zu sehen Gelegenheit hat. Ihren Mittelpunkt bildet eine größere Kollektion von Oelbildern, Aquarellen und Radierungen des Altmeisters Joseph Israels. Die Ausstellung ist mit einem wohltätigen Zweck verbunden. ■/V- Berlin, 5. November. Das Komitee für Chanuka- Bescherung wendet sich an die Mitglieder der jüdischen Gemeinde mit dem folgenden beherzigenswerten Aufruf: „Wir wenden uns von neuem voll Zuversicht au den altbewährten Wohltätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen und Genossinnen und bitten herzlich, uns auch dieses Jahr zn Chanuka in den Bestrebungen für unsere Schuljugend zu unterstützen. 1384 jüdische Kinder, welche wir im vorigen Jahre mit Kleidung, Stieseln und Lehrmitteln versehen konnten, denken dankerfüllt an ihre Wohltäter, welche ihnen das freudige Bewußtsein verschafft haben, daß der Arme nicht verlassen ist. Es ist unser Streben gewesen und wird es immer bleiben, durch diese Gaben, nach sorgfältiger Auswahl des Notwendigen und Nützlichen, in den Kindern den Sinn für Ordnung und Sauberkeit zn wecken und ihren Fleiß anzuspornen. Auch dieses Jahr erwarten viele Hunderte die gleiche Wohltat; wir hoffen um so mehr auf edle Geber, als durch die Preissteigerung der notwendigen Gebrauchsgegenstände sowohl die Bedürftigkeit der Armen als auch unsere Ausgaben gestiegen sind. Jede der Unterzeichneten nimmt Gaben an Geld. Stoffen. Jugendschristen und so weiter mit Dank, entgegen und erteilt gern nähere Auskunft. Berlin im Oktober 1907. Das Komitee für Chanuka - Bescherung. Frau Julie Neumann, Vorsitzende, Potsdamer Straße' 121 6. Frau Marcus Adler, Frau Max Benjamin, Frau Julius Böhm, Frau Geheime Sanitätsrat Flatow, Frau Dr. Frankl, Frau Leopold Friedmann, Frau Dr. Ginsberg, Frau Dr. Grabower, Frau Anna Jtzig, Frau Professor Dr. F. Liebermann, Frau Sanitätsrat Dr. Mühsam, Frau Louise Oliven, Frau Louis Oppenheim, Frau Helene Schönwald, Frau Emma Sieskind, Frau Sanitätsrat Dr. Stern, Frau Dr. Ungerleider, Frau Sanitätsrat Dr. Otto Wiesenthal. Lp. Ans der Provinz Posen, im November. Frau Bertha Oppler in Plescheu, die Mitbegründerin des dort bestehenden israelitischen Frauenvereins, ist kürzlich im Alter von 78 Jahren gestorben. — Die Kauflente M. Brandt in Pl.eschen und Pasch in Ra witsch sind zu unbesoldeten Mngistratsmitgliedern neugewählt worden. — Kaufmann Siegfried Lesser in Posen hat