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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-11-08 · Heft 45 (8.11.1907) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 45 (8.11.1907)
Date
1907-11-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Zufuhren, fo das; wiederum neue Lehrkräfte angestellt werden mußten. Als ein Beweis für die erfolgreiche Arbeit der Anstalt sei hier hervorgehoben, daß in den letzten neun Jahren, also gerade in der Zeit der Steigerung der Ansprüche an die Ausbildung der Zöglinge, jeder der Prüflinge vor der Königlichen Prüfungskommission bestanden Hot. Mit warmem Eifer trat der Ausschuß des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens, insbesondere der Vorsitzende Herr S. Flörsheim und die Ausschußmitglieder Herren Rabbiner Dr. Coblenz-Bielefeld, Js. Goldschmidt-Dortmund und M. Liebenfeld-Bochum, der Werbetätigkeit des Kuratoriums zur Seite, so daß die finanziellen Schwierigkeiten überwunden werden konnten. Im Laufe der Berichtsperiode wurden sämtliche an der Marks-Haindorsschen Stiftung angestellten Lehrer nach Auflösung der Pensionskasse des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens in die Pensionskasse der Kreise, Städte und anderer Korporationen in der Provinz Westfalen und in die Westfälische Witwen- und Waisenversorgungskasse eingekauft. Der Besuch der Anstalt hat sich während der Berichtszeit nicht wesentlich geändert. Es betrug die Durchschnittsziffer der Seminarklassen 19, der Etementarklassen 27, der Religionsklassen 24 Schüler. Die erste Lehrerprüfung vor der Königlichen Prüfungskommission bestanden: Karl Rosenthal aus Bielefeld, er übernahm die Lehrerstelle in Gütersloh; Siegfried Braun aus Dusemond, er übernahm die Lehrerstelle in Werl; Gustav Drucker aus Bengel, er übernahm die Lehrerstelle in Ulrichstein; Max Heymann aus Gelsenkirchen, er übernahm die Lehrerstelle in Anröchte. Die Finanzen der Anstalt haben sich gebessert. Trotzdem bedarf sie noch der nachhaltigsten Förderung, die sie auch in jeder Beziehung verdient. GesterveiH-Angsm. A Wien, 4. November. Bei der Debatte w.ährend der ersten Lesung des Ausgleichs nahm auch der unermüdliche Abgeordnete Dr. Strauch er das Wort. Er besprach zuerst die materielle Seite des Ausgleichs und führte dann aus, seine Partei wolle sich mit dem Ausgleich befreunden, trotzdem die Juden und die Vertreter des jüdischen Volkes sich keines besonderen Wohlwollens seitens der Regierung zu erfrenen haben. Die österreichische Regierung lasse die Judenschaft von allen Seiten mit Füßen treten. Speziell die Zurücksetzung jüdischer Bewerber um öffentliche Anstellungen sei so kraß, daß sich kein anderer Volksstamm eine derartige Behandlung gefallen lassen würde. Aber auch die Juden können es sich nicht länger gefallen lassen, in diesem Staate als vogelfrei zu gelten. Die Juden dulden viel schweigend, und von anderer Seite hat man lange Jahre zugesehen, so lange es sich bloß um die Gleichberechtigung handelte; als aber von diesem Schicksal auch andere Völker heimgesucht wurden, lehnte man sich laut dagegen aus. Redner appelliert an die Solidarität der Völker. Die Juden wollen nicht ewig bei der Regierung um ihr Recht betteln, hier, im Volkshause, ist der Platz, hr Recht von jenen zu verlangen, die hier im Besitze der Macht sind, die durch ihre Stimmen darauf Einfluß nehmen können, daß endlich die Staatsgrundgesetze auch gegenüber den unterdrückten und verhöhnten Juden zur Wahrheit werden. Lebhafter Bestall.) — Die Antisemiten haben bis jetzt noch mit Interpellationen im Reichsrat zurückgehalten. In der vorigen Woche aber sah sich der Abgeordnete v. Stransky bemüßigt, an ^en Unterrichtsminister eine Interpellation betreffend „die Verübung (!) der österreichischen Hochschulen" zu richten. Der Interpellant fragte, ob 'der Unterrichtsminister geneigt sei, mit der Ernennung jüdischer Lehrkräfte für die deutschen Hochschulen in Oesterreich einzuhalten. Wir glauben, daß die Interpellation gegenstandslos ist, da der künftige Unterrichtsminister sicher keine Inden nistellen wird, wer es auch sein mag. — Vor kurzem ist hier ein reicher Mann, der Rentier Donato Ta ußig gestorben und hat den Konvent der Barmherzigen Brüder als Universalerben eingesetzt. Taußig bittet in seinem Testament die Barmherzigen Brüder, auch arme jüdische Kranke aus den im Reichsrate vertretenen Königreichen unb Ländern, mit Ausnahme von Galizien, nach Maßgabe der Raumverhältnisse des Spitals und der jeweiligen Spitalsbedürftigkeit aufzunehmen und, „wie bekannt, auch liebevoll zu pflegen". Taußig hat auch eine Stiftung für arme Junggesellen ohne Unterschied der Konfession gemacht, und bestimmt, „daß ans keinen Fall aus Galizien gebürtige Junggesellen und solche, die jemals an der Effektenbörse gespielt . haben, bedacht werden sollen". Man kann sich denken, wie dieses Testament von den Antisemiten gegen die armen galizischen Juden ausgebeutet wird. — Rabbiner Dr. Herzog in Smichow bei Prag, Privatdozent an der dortigen Universität, wurde in Graz einstimmig zum Rabbiner gewählt. — In Sandowa- Wisznia hat vorige Woche die zweite orthodoxe Rabbinerversammlung Galiziens stattgefunden, die sich mit der Verteilung der Chalukah in Jerusalem und anderen Fragen beschäftigte. Auf ein Telegramm an den Kaiser lief folgende Antwort ein: „Seine kaiser-königlich apostolische Majestät haben die durch Ew. Hochwohlgeboren in so begeisterter Weise zum Ausdruck gebrachte Loyalitätskundgebung der in Sandowa-Wisznia versammelten orthodoxen Rabbiner Galiziens mit Befriedigung zur allerhöchsten Kenntnis genommen und danken allergnädigst für Ihre frommen Gebete und guten Wünsche. Kabinettskanzlei." — Der Oberrabbiner von Preßburg, Akiba Schreiber, wurde durch ein Reskript des Kultusministeriums in seiner Stelle als Direktor der mit Oeffentlichkeitsrecht ausgestatteten orthodoxen Landesrabbinerschule definitiv bestätigt. Von Kah und Fern. — Dem Direktor der Allgemeinen Elektrizitütsgesellschaft Paul Mamroth ist der Charakter als Kommerzienrat verliehen worden. — Die Weber- und Wirkerinnung zu Rowawes hat den Kommerzienrat Ludwig Lehmann zum Ehrenmeister ernannt. Das Diplom wurde anläßlich der Wiederkehr des Tages überreicht, an dem vor 50 Jahren der Vater des Kommerzienrats zum erstenmal die Nowaweser Weber mit Herstellung von Konsektionsstoffen, die die Fabrik auch heute noch herstellt, beauftragte. Bis dahin wurde in Nowawes hauptsächlich Seide und Leinwand hergestellt. Von diesem Tage datiert der riesige Aufschwung, den die Nowaweser Innung genommen hat. — Fürstbischof Dr. Kopp-Breslau weilte vergangene Woche in Küstrin. Aus diesem Anlaß wurde von der Kirchenbehörde ein Festessen veranstaltet, zu denr auch neben den Spitzen der Behörden, den Geistlichen, der Prediger der jüdischen Gemeinde, Haase, geladen war. Der Kirchenfürst erkundigte sich sehr eingehend nach dessen Stellung und den Verhältnissen der Gemeinde und verabschiedete sich in der leutseligsten Weise. In Czersk ist am 12. v. M. im Alter von 50 Jahren der dort allgemein geachtete Kultusbeamte David Selasnitzky gestorben. — Jn Culmsee tagte am 8. Oktober die elfte Jahresversammlung jüdischer Religionslehrer und Kantoren Westprenßens in der Villa Nova. Von auswärts waren 18 Herren eingetroffen. Als Ort der nächsten Jahresversammlung ist Thorn in Aussicht genommen. — Der Dampfmühlenbesitzer Abraham Borchardt in Pinne hat, nachdem er vor Jahresfrist beim Verkauf eines Grundstücks für diejüdische Gemeinde eine Hypothek von 15 000 Mark als Geschenk überlassen, in dieser Woche ein ihm gehörendes Grnndstück, welches neben der Synagoge liegt und einen Wert von 12 000 Mark repräsentiert, geschenkt. — Dem Dampfmühlenbesitzer Kall mann in Argen au wurde der Kronenorden IV. Klasse verliehen. — Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Aurich petitionierte bei der Stadtverwaltung und beim Oberpräsidenten um Verlegung des Herbst- Markttages, der auf die jüdischen Feiertage siel; das Gesuch wurde indes in letzter Instanz abschlägig beschieden. Aus Ersuchen des Gemeindevorstandes veranlaßten darauf die beiden Lehrer die jüdischen Handelsfirmen zu der Erklärung, daß wegen des Feiertages sämtliche jüdischen Geschäfte geschlossen bleiben und daß die jüdischen Viehhändler kein Vieh auftreiben lassen würden. So kam es denn auch. Tie Gemeinde hat durch ihr einmütiges Vorgehen ein schönes Beispiel gegeben. — Zu dem im ganzen 250 Schriftstücke umfassenden Einlauf der an die bayrische Kammer der Abgeordneten gelangten Petitionen gehört auch jene der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg um einen Zuschuß und die des Landesvereins behufs Erhöhung des Etats für Zwecke des israelitischen Kultus. —In Heidelberg wurde gegenüber der alten Universität ein MilchpasteurisierungsInstitut Eröffnet, das der New Aorker Millionär Nathan Straus ins Leben gerufen hat. Die Einrichtung wurde von Herrn Straus selbst erläutert. — Im Jahre 1905 inklusive der ersten Hälfte des

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