Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1907)
- Date
- 1907-11-08
- Page
- Seite 533 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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533 Abschrift. Geehrter Herr Pisa! Uled-Hriß. Herr Abraham Ainstet ist zu uns nach Uled-Hriß gekommen, um zu erkunden, ob von hier aus Juden nach Casablanca zurückzuschicken seien. Er hat 15 junge Mädchen ausfindig gemacht, von denen drei noch nicht losgekauft sind. Die übrigen sind teils von ihren Angehörigen, teils von uns oder von hiesigen jüdischen Privat» lcuten zurückgekauft worden. Eines der jungen Mädchen hat aus Dankbarkeit ihren Besreier geheiratet. gez.: Elias Bensimchen. Abschrift. Maguch, 1. Cheschwan 5668. Geehrter Herr Jsaac Pisa! Hierdurch teilen wir Ihnen mit, daß Ihr Abgesandter, Herr Abraham Amstet, am Freitag bei uns angekommen ist, zwei Tage nach seiner Abreise aus Casablanca. Er hat uns Ihre Vollmacht vorgelegt, damit wir ihm bei der Befreiung der jungen Mädchen und Kinder behilflich sind, die sich in dieser Gegend noch in Gefangenschaft befinden. Wir haben ihn gut ausgenommen und bis zum Sonntag bei uns behalten. Dann sind wir sehr früh am Morgen mit ihm auf die Suche nach Gefangenen gegangen. Das erste junge Mädchen fanden wir bei einem Araber namens Ahmed ben Zahra. Er hatte ihr das Haupthaar abgeschoren und betrachtete sie als seine Tochter. Abraham Amstet wollte das Mädchen mit Gewalt entführen und wäre dabei beinahe von dem Araber erschossen lvorden, wenn sein Begleiter ihn nicht gerettet hätte. Wir gingen darauf zll einem Freund des Arabers, der uns sagte, wir würden das Mädchen gegen ein Lösegeld herausbekommen. Für das zweite von uns aufgefundene Mädchen verlangte man zehn Duros. Wir fanden danach noch dreizehn Mädchen und drei Knaben, von denen erst zwei Mädchen von ihren Eltern zurückgekauft worden sind. Alle diese jungen Leute sind bei den Moakras. Von hier aus rvollte Herr Abraham Amstet noch nach Mzab gehen, um auch dort nach Israeliten zu suchen. Wir ließen es aber nicht zu, denn die Araber hätten ihn totgeschlagen, weil sie ihn für einen Spion hielten. Ein einziger Araber, der Häuptling aller Kabylen, hat Ihren 'Abgesandten respektiert und hat uns versprochen, Ihnen zuliebe die jlmgen Mädchen zu befreien, die sich bei diesen Kabylen befinden. Dazu ist aber etwas Geld nötig, das lvir Einwohner von Maguch nicht geben können. Bitte beraten sie darüber mit den Reichen in Casablanca und lassen Sie uns wissen, was Sie zu tun gedenken. gez.: Die Israeliten von Maguch. Moir Trudjman, Elias Benchimol, Messod Amor, Abram Benchetrit. Ry Messod Edery usw. A b s ch r i f t. Settat. Geehrte Herren Pisa und Zagury! Herr Abraham Amstet ist mit seinem Begleiter Si Mohamed ben Hadj-Omar von Uled-Hriß zu uns nach Settat gekommen. Dieser Araber hat unterwegs zwei junge Mädchen für sechs Duros losgekauft und bis Settat geleitet,, ohne dafür auch nur ein Centime anzunehmen. Er meint, das sei ein Geschenk, das er den Israeliten macht. Er hat uns erzählt, welchen großen Mühen Abraham Amstet sich hat unterziehen müssen, um alle aus Casablanca entflohenen Inden wieder aufzufinden. Sie wünschen von uns Auskunft, wieviel Juden aus Casablanca sich hier in Settat aufhalten. Seitdem wir sie hier bei ihrer Ankunft empfangen, haben nur ungefähr 500 Familien verzeichnet. Wir haben sie gastfreundlich ausgenommen; vielen von ihnen, die nach Mazagan weiter gegangen sind, haben wir die Führer dorthin bezahlt und haben ihnen Brot für ben Weg mitgegeben. Andere sind hiergeblieben, und solange sie noch bleiben wollen, werden sie hier freies Essen und Trinken und Obdach erhalten. Wir haben auch junge Mädchen aus den Händen der Araber in der Umgebung von Settat befreit. Sobald wir erfahren, daß in einem bestimmten Duar lBeduinendors) ein jüdisches Mädchen ist, schicken wir sofort Vertrauenspersonen hin, um sie losznkaufen. Wird ein vernünftiger Preis gemacht, fünf bis sechs Duros, so kaufen wir sie. Verlangt man aber 50 bis 60 Duros, so lassen wir die Mädchen dort, bis die Araber selbst kommen und sie uns für den von uns abgegebenen Preis zur Verfügung stellen. Viele junge Mädchen sind bei den Leuten vom Stamm Uled- Said, die von uns 100 bis 150 Duros verlangen. Unter den von diesen Arabern zurückgekauften Jüdinnen haben wir zwei sehr teuer bezahlt; eine junge Frau, die Tochter eines sehr angesehenen Mannes, haben wir für 91 Duros auch noch fast mit Gewalt nehmen müssen; für die andere, eine Frau mit ihren Kindern, haben wir 101 Duros bezahlt. Das dazu erforderliche Geld haben die Angehörigen der beiden jungen Frauen gegeben. Erst in dieser Woche haben wir wieder vier Personen zum Loskauf von Mädchen zu den Uled-Saids geschickt; es soll dort noch eine ganze Anzahl sein. Herr Abraham Amstet hat uns Ihren Auftrag ausgerichtet, wir sollten hier die gefangenen Mädchen loskaufen, Sie würden uns das dafür verauslagte Geld zurückerstatten. Wir bitten Sie demnach, meine Herren, uns für das Lösegeld der jungen Mädchen und für ihre Weiterbeförderung nach Mazagan einen Kredit bei dem Schullehrer oder bei Herrn Maimaru in Mazagan zu eröffnen, denn mit dieser Stadt können wir bequem verkehren. Wir hier arbeiten nur um Gottes willen und aus Mitleid für unsere Glaubensgenossen, aber wir haben nicht genügend Mittel, um unsere Pflicht ohne Beihilfe zu erfüllen. gez. David A m a r. Abraham O h a y o n. Abschrift. Mzab, den 3. Cheschwan 5668. Geehrter Herr Schuldirektor! Wir haben Ihren Brief erhalten und daraus ersehen, daß Sie sich damit beschäftigen, den Israeliten zu helfen. Gott helfe Ihnen bei Ihrem Werk. Eine große Anzahl von Familien hat sich bei uns aufgehalten. Einige hatten wir losgekauft und nach Mazagan geschickt, einige Familien sind noch hier und bleiben, bis wir ihnen die Weiterreise bezahlen können. Nachdem wir jetzt Ihre Zusage erhalten haben, werden wir alle Israeliten loskaufen, die sich noch in den Händen der Araber befinden. Mit diesem Brief zugleich erhalten Sie die Liste der von uns losgekauften Personen und der Personen, denen wir Reisegeld gegeben haben. Wir werden uns bemühen, alle in unserm Bezirk verstreuten Israeliten in Settat zusammenznsühren. Wir stehen Ihnen immer zu Diensten. gez.: Benchetrit. Mordechai Ruemi. Abschrift. Azemmur, den 4. Cheschwan 5668. Ter Unterzeichnete bezeugt hiermit, daß Herr Abraham Amstet zu uns nach Azemmur gekommen ist, um zu erkunden, ob sich hier Israeliten aus Casablanca aufhalten, die er loskaufen und mitnehmen könnte. Er hat hier nichts gefunden, denn die in unserer Umgegend gefangen gewesenen Frauen und Mädchen hatten wir selbst schon von den Arabern losgekauft und nach Mazagan befördert. Abrahanr Amstet hat sich darauf nach Stuka und nach Chiadma begeben und auch dort keinen Flüchtling gefunden. Zur Bekräftigung des Gesagten zeichne ich gez. S i d Venator. UraMilche Lrsiehmissanttatt kür geiltig?urückskbliebrnk Sinder in Lerlih. Behnlich erwarten zahlreiche jüdische Eltern die Nachricht vvn der Vollendung des geplanten Erziehungsheims für schwachsinnige Minderjährige. Mit ihnen werden alle Menschenfreunde, denen die Ausbreitung des Notstandes auf diesem bisher unbebauten Gebiete der jüdischen Wohlfahrtspflege bekannt ist, sich freuen, daß dieses vom Deutsch- Israelitischen Gemeindebund und der Großloge für Deutschland Knei-Lriss gemeinschaftlich angestrebte Ziel in greifbare Nähe gerückt ist.