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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-11-01 · Heft 44 (1.11.1907) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 44 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 s. Berlin, 24. Oktober. Das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums hatte am Sonntag die Wohltäter der Anstalt zu einer außerordentlichen Generalversammlung nach dem neuen Gebäude eingeladen und damit gleichzeitig eine Besichtigung des schmucken Lehrgebäudes, das bereits am Dienstag feierlich eingeweiht worden ist, verbunden. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Justizrat Simon, begrüßte die Versammlung und gab in kurzen Zügen ein Bild von der Entwicklung des Planes und der inneren und äußeren Gestaltung des neuen Heims. An Stelle des Herrn Georg Meyer wurde Herr Geheimer Justizrat Professor Dr. M o s s e in das Kuratorium gewählt. Hieraus hielt Dr. A. S. Dahuda einen Vortrag über „Die wissenschaftlichen Aufgaben der Lehranstalt". Die Lehranstalt will der Glaubenslehre und der Wissenschaft dienen. Sie hat die vollständige Denksreiheit auf ihre Fahne geschrieben und dem Lehrerkollegium uneingeschränkte Lehrfreiheit zugesichert. Die Lehranstalt will nicht bloß Rabbiner ausbilden, sondern jedem, ohne Unterschied des Berufes und der Konfession, der sich über jüdische Religion, jüdische Ethik, jüdische Religionsphilosophie, Literatur und Geschichte unterrichten will, Belehrung verschaffen. Dies war die Absicht der Gründer der Anstalt, und dies sei auch die Absicht der heutigen Leiter derselben geblieben; nur sind die Pflichten jetzt bedeutend gewachsen. Ein Teil der jüdischen Wissenschaft, der bisher erforscht worden ist, steht in gar keinem Verhältnis zu dem, was noch bearbeitet werden soll. Der Redner schloß mit der Versicherung, daß die Lehranstalt imstande sein werde, all ihren neuen Ausgaben gerecht zu werden. Nunmehr wurden die Einrichtungen des Gebäudes besichtigt, das die Architekten Hoeniger und Sedelmeier ausgeführt haben. Der Haupteingang, an dessen linker Seite sich die Donatorentafel befindet, ist freundlich, geräumig und einladend gestaltet; die Haupttreppe, massiv aus Kunststeinstufen mit eisernen Brüstungsgeländern hergestellt, zeigt große Ausmessungen. Die Auditorien, in ihrer Ausstattung selbst schlicht und einfach gehalten, aber unter Berücksichtigung der neuesten schultechnischen Anschauungen ausgeführt, liegen im ersten Stock, wo sich auch das Sitzungszimmer des Kuratoriums befindet, während das Zimmer für das Lehrerkollegium im Erdgeschoß gelegen ist. Die Aula ist im zweiten Stockwerk untergebracht und bildet in Verbindung mit dem großen Seminarraum ein Auditorium von 150 bis 200 Plätzen. Im dritten Stock ist der Lesesaal, im Anschluß an diesen folgen die Räume der sehr ansehnlichen Bibliothek. Der mit Licht und Lust reichlich versehene geräumige Lesesaal ist mit einer angemessenen Sammlung von Nachschlagewerken und Zeitschriften ausgestattet. Er soll in erster Reihe der: Hörern der Anstalt dienen und ihnen einen Mittelpunkt für die Studien bieten. ff. Aus der Provinz Posen, 20. Oktober. Aus dem Vermögens- Nachlaß der in diesen Tagen in Berlin verstorbenen Frau Rentiere Roth mann ist ein Legat in Höhe von 17100 Mark der jüdischen Gemeinde in Kolmar i. P. zugesallen. Außerdem erhält genannte Stadtgemeinde ein Legat von 750 Mark und eins von 20000 Mark. Die Zinsen des ersten Legats sollen alljährlich zur Beschaffung von Brennmaterial für Arme der Stadt verwendet werden. Die Zinsen des Legats von 20000 Mark sollen dazu dienen, um Bürgern oder Einwohnern der Stadt Kolmar i. P., die durch nicht verschuldete Unglücksfälle in eine Notlage geraten sind, zinsfreie Darlehen zu gewähren. DieDarlehen dürfen jedoch denBetrag von 150Marknichtübersteigen und sind wieder zurückzuzahlen. Als Beweis, wie sehr der jüdische Lehrer die Vereinsbestrebungen unterstützt und namentlich im Lehrerverein für das Interesse der Schule wirkt,ergibt die Statistik für Jarotsch in, zur Provinz Posen gehörend. An der katholischen Schule daselbst wirken zehn Lehrkräfte, davon gehören drei und von den sechs Kräften der evangelischen Schule nur einer dem Lehrerverein an. Der einzige jüdische Lehrer (Läufer) hat trotz aller Wandlungen, die der Verein in Jarotschin durchgemacht hat, die Vereinsfahne nie verlassen, noch verleugnet. — Die jüdischen Hausväter des Gemeindebezirks Ja ratsch ewo Stadt, Kreis Jarotschin, sind vom 1. Oktober d. Js. ab, bei gleichzeitiger Auflösung des jüdischen Schulverbandes Jaratschewo, in die evangelische Schule Jaratschewo eingeschult worden. — Der Königliche Auktionskommissarius und Stadtverordnete Ludwig Manheimer, der Senior der Posener Stadtverordnetenversammlung, feierte mit seiner Ehefrau das goldene Hochzeitsjubiläum. t. Zabrze, 25. Oktober. Das Fest seines fünfundzwanzigjährigen Amtsjubiläums als Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemeinde Zabrze feierte vor einigen Tagen Herr- Michael Kaiser. Zu dauernder Erinnerung an diesen Ehrentag wurde von den Gemeindekollegien beschlossen, das Bild des Jubilars im Sitzungssaale der Gemeinde anzubringen. Zu diesem Zwecke fand eine erhebende Feier statt, bei welcher die Herren Rabbiner Dr. Kaatz, L. Danziger und E. Händler Ansprachen hielten und die großen Verdienste, welche sich der Jubilar während des Vierteljahrhunderts seiner Amtstätigkeit um die Gemeinde erworben, feierten. Daran schloß sich ein Festmahl, bei welchem ernste und heitere Reden einander folgten. M. Hamburg, 22. Oktober. Der Verein zur Förderung jüdischer Interessen beschäftigte sich in seiner letzten Versammlung mit dem 8 2 des neuen Gemeindestatuts. Der Paragraph enthält die Bestimmung, daß, wenn mindestens 300 Gemeindemitglieder beim Vorstand die Bildung eines neuen Kultusverbandes beantragen, dieser ihnen diese Rechte nicht versagen kann. Durch diese Bestimmung, die bereits vom Gemeindevorstand und Repräsentantenkollegium angenommen ist, glauben sich die beiden bestehenden Verbände (Synagogen- und Tempelverband) in ihren Rechten gekürzt. Sie haben bei der Senatskommission für den israelitischen Kultus Protest eingereicht mit dem Ersuchen, den neuen Statuten die nachgesuchte Genehmigung zu versagen. Es entspinnt sich ein lebhafter Meinungsaustausch, in dem einzelne Redner erklären, daß, wenn der Senat das Statut genehmigt, der Vorstand des Synagogenverbandes den Klageweg betreten wird und die Angelegenheit bis zur höchsten Instanz auskämpfen wird, denn die eventuelle Gründung neuer Kultusverbände würde zu einer Zersplitterung in der Gemeinde führen, unter der aber namentlich auch die Gemeindemitglieder, die den gesetzestreuen Standpunkt vertreten, zu leiden haben. Der Synagogenverband vertritt diese Interessen in lobenswerter Weise. Von anderer Seite wurde angeregt, ob es nicht besser sei, wenn die Trennung des Kultus von der Gemeinde wieder aufgehoben wird. Solange diese Trennung besteht, kann der Gemeindevorstand die Bildung neuer Kultusverbände nicht inhibieren. Es wurde weiterangeregt, ein Schiedsgericht einzuberufen und sich dann der Entscheidung zu fügen. Die Versammlung beschloß nach stundenlanger lebhafter- Debatte vorläufig eine abwartende Stellung einzunehmen und zunächst die Entscheidung des Senats abzuwarten. d. Essen, 24. Oktober. Einen hervorragenden und allgemein beliebten Schulmann haben wir in diesen Tagen hier gefeiert. Am 1. d. Mts. waren 25 Jahre verflossen, seit Herr Lehrer Kaufmann in den Dienst der hiesigen jüdischen Volksschule getreten war. Aus diesem Anlasse veranstaltete am 21. d. Mts. die Synagogengemeinde, in der der Jubilar außerdem die Stelle des zweiten Kantors bekleidet, eine in allen Teilen würdig verlaufene Feier. Nach dem Morgengottesdienst, dessen liturgischen Teil Herr Kaufmann selbst leitete, fand im Hause des Jubilars die Gratulationskur statt. Namens des Vorstandes der jüdischen Gemeinde gab Herr Kommerzienrat Hirschland den Gefühlen des Dankes und der warmen Anerkennung für die langjährigen treuen Dienste Ausdruck und überreichte ihm ein wertvolles Ehrengeschenk. Für bie * früheren Schüler sprach Herr Ewald Hertz und übergab dem verehrten Jugendbildner eine wertvolle Uhrkette. Am Sonntag Abend vereinigte ein Festessen im Kasino die zahlreichen Freunde zu einem Festmahle, welches sich aufs schönste gestaltete. Reden wechselten mit Liedern ab, und dankte der Jubilar allen denen, die zu dem Gelingen der schönen Feier beigetragen. Möge es dem Jubilar noch eine lange Reihe von Jahren vergönnt sein, mitzuwirken an der Jugendbildung zum Wohle unserer Gemeinde. — Diepholz, im Oktober. Die „Diepholzer Kreiszeitung" veröffentlichte am 18. Juli d. I. unter der Spitzmarke „Schwester- Karl" nachstehenden Bericht aus Eldagsen: „Der hiesige Vaterländische Frauenverein hatte eine Krankenpflegerin angestellt, die sich durch ihr bescheidenes Auftreten die Smypathien aller erwarb. In letzter Zeit kamen jedoch krasse Eigentümlichkeiten zum Vorschein, so daß man nicht umhin konnte, ihnen aus den Grund zu gehen. Namentlich ein Fräulein hatte sehr unter der Zudringlichkeit dieser Schwester zu leiden, weshalb es die Sache zur Sprache brachte. Sehrrasch häuften sich jetzt diese Art Beschwerden, und „Schwester Käthe"

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