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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-11-01 · Heft 44 (1.11.1907) · p. Seite 522

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 44 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
Seite 522 (sequence 6)
Language
German
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höher zu besolden als die an den städtischen Volksschulen wirkenden Lehrkräfte. Bezüglich der Gehaltsskalen für die wissenschaftlichen Lehrer, Fachlehrer und Fachlehrerinnen hat sich die Deputation den Vorschlägen des Schulvorstandes angeschlossen, in einigen weiteren Punkten ist sie jedoch noch über die Anträge desselben hinausgegangen. In seiner Sitzung vom 12. September ist alsdann der Gemeindevorstand den Vorschlägen der gemischten Deputation beigetreten und hat beschlossen: 1. Das Grundgehalt der Lehrer an der Knaben- und Mädchenschule um 300 Mark, also von 1900 Mark auf 2200 Mark zu erhöhen; 2. von den Lehrern der Knaben- und Mädchenschule, sowie die Präparandie a) denjenigen, welche die Mittelschullehrerprüsung abgelegt, b) denjenigen, welche die Mittelschuttehrerprüfung zwar nicht abgelegt haben, aber am 1. April 1907 mindestens 14 Jahre an der Schule angestellt waren und e) denjenigen, welche die Mittelschullehrerprüfung nicht abgelegt haben, aber bereits vor dem 1. April 1907 definitiv angestellt worden sind, sobald sie 14 Jahre definitiv Anstellung anfzuweisen haben werden, eine Funktionszulage von 200 Mark zu gewähren. Das Anfangsgehalt der wissenschaftlichen Lehrerinnen wird von 1500 Mark auf 1700 Mark jährlich erhöht und soll durch sieben Alterszulagen von je 200 Mark, nach 2, 4, 7, 10, 13, 16 und 19 Jahren auf 3100 Mark ansteigen. Das Ansangsgehalt für die technischen Lehrerinnen ist auf 1450 Mark festgesetzt worden und soll durch sieben Alterszulagen von je 150 Mark in den gleichen Zeiten wie bei den wissenschaftlichen Lehrerinnen auf 2500 Mark ansteigen. Die Hilfslehrerinnen werden in der Besoldung den Hilfslehrern gleichgestellt und demnach mit 1,50 Mark, bei einer Beschäftigung von mindestens 1/2 Jahr nach dem Jahressatze von 75 Mark für die Wochenstunde honoriert. Mehrere Einzelgehälter haben ebenfalls eine angemessene Erhöhung erfahren. Die Repräsentantenversammlung hat in ihrer Sitzung vom 20. Oktober die Beschlüsse des Gemeindevorstandes unverändert angenommen und damit der in zahlreichen Vorberatungen sorgsam erwogenen Neuordnung den Schlußstein gegeben, welche der Arbeitsfreude der Lehrer nur eine erneute und verstärkte Basis zu geben vermag. In nicht genug zu rühmendem Eifer und anerkennenswerter Sorge um das materielle Wohl der Lehrkräfte haben alle beteiligten Instanzen zusammengewirkt. Mögen Gemeindeverwaltung und Lehrer in reichem Maße die Saat aufgehen sehen, die sie zu bestellen übernommen haben! Mgybaums Kredigten. Von Rabbiner Dr. L. Blumenthal-Berlin. en in den Jahren 1892 und 1894 erschienenen Teilen seines Predigtwerkes hat Maybaum einen neuen Band folgen lassen (Predigten und Schrifterklärungen, Zweites, Drittes und Viertes Buch Moses. Berlin 1907. Selbstverlag des Verfassers); der nächste Band soll die Predigten zum Pentateuch abschließen und das ganze Werk dann durch Herausgabe der Festpredigten vollendet werden. Die homiletische Eigenart Maybauins ist in dieser Zeitschrift bei der Besprechung der beiden ersten Bände seiner Predigten und anläßlich seines 25 jährigen Amtsjubiläums in der Berliner Gemeinde eingehend gewürdigt worden. Alle Welt weiß, daß er hinsichtlich der künstlerischen Vollendung seiner Predigten die höchsten Anforderungen an sich gestellt hat und daß es ihm wie nur wenigen modernen Predigern vergönnt worden ist, weit über den Kreis seiner Gemeinde hinauszuwirken durch die Macht seiner Persönlichkeit und durch die Kraft seiner religiösen Ueberzeugung. „Goldene Aepfel in silberner Schale, so ist das zur rechten Zeit gesprochene Wort", dieser Weisheitsspruch kennzeichnet Mahbaums reichgesegnete Kanzelwirksamkeit, sein Wollen und sein Vollbringen als Prediger der größten deutschen Gemeinde. Seine Predigten sind im besten Sinne des Wortes Zeitpredigten zu nennen, Predigten aus der Gegenwart und für die Gegenwart; aber die zeitgeschichtlichen Momente, die Maybaum in den Kreis seiner Betrachtung zieht und zu plastischer Anschauung bringt, sind doch nur die silberne Schale, in die er die goldenen Früchte vom Baume der Religion hineinlegt, und die künstlerische Schönheit, die er in Sprache, Stil und Aufbau seiner Predigten anstrebt, steht ihm ganz und gar im Dienste der religiösen und sittlichen Wahrheiten, die er lebendig und eindringlich verkündet und in der Seele seiner Zuhörer fest verankern will. Man merkt es den hier abgedruckten Predigten an, daß hinter ihnen eine Persönlichkeit steht, die von der Bestimmung des Judentums zur Weltreligion erfüllt und durchdrungen ist, die nicht bloß belehren, sondern auch zur Tat aufrufen und zur Erhaltung, Vertiefung und Weiterbildung des jüdischreligiösen Lebens inmitten aller Zweifel und Nöte, Gefahren und Kämpfe der Gegenwart begeistern will. Zwei in diesem Bande abgedruckte Kasualreden erscheinen mir für die hohe Auffassung Mahbaums von dem Berns des modernen Rabbiners besonders charakteristisch: die Rede zum 25 jährigen Amtsjubiläum seines Freundes Vogelstein-Stettin und die Dankrede bei der Feier seines eigenen Amtsjubiläums. Wenn er dort an der Hand des Prophetenwörtes: „Mein Herr, der Ewige, hat mir Beredsamkeit verliehen, um den Matten mit dem Worte zu stärken usw." (Jesaja 50,4) den Kollegen feiert als einen Beauftragten Gottes, dessen Beredsamkeit nicht zur Erweckung ästhetischen Lustgefühls, sondern zur Verkündung des Gotteswortes an die Mühseligen und Beladenen, Zweifelnden und Verirrten dient, wenn er ihn als einen Prophetenjünger bezeichnet, der mit stets wachem Ohre auf die Offenbarungen Gottes im Getriebe des Völkerlebens lauscht und sich weder aus Menschenfurcht noch aus Wissensdünke, den Forderungen der Zeit verschließt, wenn er seine freudige Mitarbeit an dem Aufschwung der deutschen Judenheit in den letzten Jahrzehnten und seine Ueberzeugungstreue im Kampfe für die Fortbildung des Judentums rühmt, so gibt er damit nicht bloß eine zutreffende Würdigung der Begabung und Leistung seines Freundes und Gesinnungsgenossen, sondern zeichnet auch das Ideal, dem er selbst neben und mit ihm in Lehre und Leben seine Kraft und seine Arbeit gewidmet hat. Der Rückblick aber, den Maybaum bei seinem eigenen Amtsjnbiläum auf die letzten 25 Jahre seiner Wirksamkeit wirft, ist von demütigem Danke gegen Gott erfüllt dafür, daß es ihm vergönnt war, an der inneren Entwicklung seiner Gemeinde, an der Begründung neuer Vereine und Verbände, an dem Ausbau der Wissenschaft des Judentums mitzuwirken und in der vordersten Reihe der Kämpfer zu stehen, gegen die äußeren und inneren Feinde der deutschen Judenheit, gegen den Antisemitismus auf der einen, gegen Jndifferentismus, Abtrünnigkeit und Orthodoxie auf der andern Seite. Diesen beiden Selbstbekenntnissen des Verfassers reihen sich die andern hier abgedruckten zwölf Kasualreden, namentlich die Synagogen- und Schilleinweihungsreden, als Ehrenzeugnisse für das gediegene Vorwärtsstreben und für die zielbewußte Schaffensfreudigkeit der Berliner Gemeinde an, deren Anregung und Förderung durch Rat und Tat Maybaum zu einem guten Teile als sein persönliches Verdienst in Anspruch nehmen darf. Auch auf die feinsinnige Gedächtnisrede, die der Seminardirektor Holzmann bei der Trauerfeier für Maybaums Lebensgefährtin Emilie geb. Landsberg in dem von ihr begründeten Kinderheim gehalten hat und mit der Maybaum diese Predigtsammlung pietätvoll eröffnet, sei hier kurz hingewiesen. Von dem Reichtum der Gedanken, der die 24 Predigten und Schrifterklärungen dieses Bandes als eine überaus wert-

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