Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1907)
- Date
- 1907-10-25
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 Gemeindemitgliedern Kenntnis dieser hervorragenden Institution zu verschaffen. Der Bücherbestand ist von 18 350 auf 15 800 Bände angewachsen, die Zahl der Besucher betrug 720, die Zahl der Besuche 6264 gegen 645 beziehungsweise 5217 im Vorjahre, die Zahl der nach Haus verliehenen Bücher betrug 6383 (im Vorjahre 532), im Lesesaale wurden benutzt 1178 Bücher (im Vorjahre 878). Zum erstenmal fand im Berichtsjahre auch eine Verleihung von Büchern nach auswärts und zwar sowohl an Private wie an Bibliotheken statt. — Der seitens der Witwen- und Waisenkasse der Rabbiner Deutschlands an die Verwaltung gerichtete Antrag, ihr als außerordentliches Mitglied mit einem laufenden Jahresbeitrag beizutreten, wurde nach kurzer Debatte einer gemischten Deputation zur nochmaligen Beratung überwiesen. Der Gemeindevorstand hatte beschlossen, nur einen einmaligen Beitrag von 5000 Mark zu gewähren, da die Gemeinde ihren Rabbinern sowohl Pension als auch Reliktenversorgung bewillige. — Für Einrichtungen im Hospital und in der Knabenschule sowie zur Anschaffung zweier Thora-Rollen werden die erforderlichen Summen bewilligt. Zum Schlüsse der ösfentlichen Sitzung erklärt sich die Versammlung damit einverstanden, in gemischter Deputation die Frage einer eventuellen Aktion zugunsten der rumänischen Juden zu beraten. Seitens der Versammlung werden in diese Deputation die Herren Geheimrat Senator, Professor Kalischer, Professor Baginsky und Weinberg entsandt; vom Vorstande sind in diese Kommerzienrat Eisner und Justizrat Ti meu d o rfer abgeordnet worden. Der Antrag betreffend Aenderung der Barmizwah-Feier wurde auf Wunsch des Antragstellers Weinberg von der Tagesordnung abgesetzt. s. Berlin, 20. Oktober. Die Julius Neumannsche Schülerstiftung vergibt Stipendien an Schüler, welche die hiesige Gemeindeschule besucht haben, wenn, sie nach Absolvierung derselben irgend eine technische Ausbildung sich noch erwerben wollen. Bisher wurden junge Leute unterstützt, welche die technische Hochschule, Baugewerkschule, Bauschule, Kunst- und Kunstgewerbeschule, sowie ähnliche Anstalten besuchen wollten. Gesuche sind an den Schriftführer Dr. H. Neumann, W. 35, Potsdamerstraße 121 e, zu richten. s. Berlin, 13. Oktober. Aus Anlaß des 25 jährigen Bestehens der Firma Simon Boehm ist von den Kindern des Begründers der Firma eine Stiftung unter den Namen Simon, Hermann und Ella Boehm - Stiftung ins Leben gerufen worden. Aus dieser Stiftung werden alljährlich am 10. Januar, 31. Mai, 12. Juni und 5. August einmalige Unterstützungen in Höhe von 100 bis 400 Mark an solche alleinstehende, ganz oder teilweise erwerbsunfähige weibliche Personen gewährt, die noch nicht der öffentlichen Armenpflege anheimgesallen sind. Insbesondere sollen aber auch Familien unterstützt werden, die ihres Ernährers beraubt sind und denen durch Gewährung einer Unterstützung die Möglichkeit zur Begründung oder Wiederaufrichtung einer Existenz geboten wird. Das Vermögen der Stiftung besteht zurzeit in 177 000 Mark Hypothekenkapitalien, 27 000 Mark Berliner Stadtanleihescheinen ä 3^ Prozent, 18,96 Mark Sparkassenguthaben. Aus den Einnahmen dieser Stiftung pro 1906 find im Jahre 1907 insgesamt Unterstützungen gezahlt worden und zwar au 48 christliche Bewerberinnen 5100 Mark, 21 - jüdische Bewerberinnen 2600 Mark, Summa 7700 Mark. ff. Posen, 15. Oktober. Im August d. I. hat die Stadtverordneten-Versammlung über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe verhandelt. Zu dieser Tagesordnung lag eine Petition von jüdischen Firmen vor, in der hervorgehoben wurde, daß diese Firmen ihren Angestellten eine ausreichende Ruhezeit dadurch gewähren, daß ihre Geschäfte von Freitag abend bis Sonnabend abend geschlossen bleiben. Daraufhin wurde der Zusatz über die Neuordnung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe einstimmig beschlossen, wonach jüdische Firmen, die ihre Geschäfte am Sonnabend geschlossen halten, ihre Angestellten auch am Sonntag von 7—7^ und von 1 — 2 Uhr beschäftigen dürfen. Der Bezirksausschuß hat das von der städtischen Behörde geschaffene Ortsstatut über die Sonntagsruhe einschließlich der Bestimmung zugunsten der am Sabbat geschlossen haltenden Geschäfte genehmigt. Breslau, 18. Oktober. Die von Jahr zu Jahr steigende Zunahme der Leichenverbrennungen hat auch für die Verwaltung unserer Synagogengemeinde die Frage der Beisetzung der Aschenurnen praktisch werden lassen. Auf eine Anfrage des Vorstandes hatten sich die Rabbiner übereinstimmend dahin geäußert, daß gegen die Beisetzung von Aschenurnen aus den hiesigen jüdischen Friedhöfen ohne religiöse Feier nichts einzuwenden sei. Demzufolge sind bisher die Urnen von der Leichenhalle respektive von dem Vorplatz derselben aus an das Grab getragen und dort ohne jedes Zeremoniell beigesetzt worden, — ein Vorgang, der nicht bloß von den Leidtragenden, sondern auch von dem Trauergefolge überaus peinlich empfunden worden ist. Beim Gemeindevorstand ist deshalb angeregt worden, bei Beisetzungen von Urnen — wie dies unter anderem auch auf dem Berliner Gemeindefriedhof geschieht — ein Gebet sprechen zu lassen. Die beiden Kultuskommissionen haben sich in ihrer Mehrheit für Zulassung der Gebetverrichtung ausgesprochen, nachdem erklärt worden war, daß, wenn auch die Leichenverbrennung prinzipiell nicht erwünscht sei, die Verrichtung eines Gebetes vom religiösen Standpunkte aus wohl gestattet werden könne. Nur eine Bedingung wollten die Kultuskommissionen an die Gebetsverrichtung geknüpft sehen: es soll auf keinen der bei der Beerdigung beteiligten Beamten ein Zwang dahin ausgeübt werden, das Gebet wider seinen Willen zu sprechen. Die Repräsentanten-Versammlung hat nun in ihrer letzten Sitzung den Antrag des Vorstandes mit elf gegen drei Stimmen angenommen. d. Görlitz, 16. Oktober. Aus Anlaß der am 20. d. M. stattfindenden Vermählung seiner einzigen Tochter hat der Handelsrichter- Arthur Alexander Katz der hiesigen Synagogengemeinde 10000 Mark zum inneren Ausbau der geplanten neuen Synagoge als Geschenk überwiesen. Es reiht sich diese Gabe den bereits bestehenden Stiftungen der Familie Katz zum Besten der Stadt und der engeren Gemeinde und des Landkreises Görlitz, in dem von dem Geschenkgeber bereits ein Kinderhort errichtet worden ist, würdig an; sie wird mit dazu beitragen, die neue Synagoge in einer unserer schönen und kunstsinnigen Stadt geziemenden Weise herzustellen. 21. Hamburg, 18. Oktober. Die Erweiterungsbauten der Auswandererhallen der Hamburg-Amerika Linie gehen nunmehr ihrer Vollendung entgegen. Statt der bisherigen 11 sind es nunmehr 31 Pavillons, die 4000 bis 5000 Auswanderer gleichzeitig Unterkunft bieten. Getrennt von den Unterkunftspavillons liegen die Wirtschaftspavillons mit ihren gewaltigen Speisesülen und den geräumigen Küchen. In den für die jüdischen Auswanderer bestimmten Küchen erfolgt die Zubereitung der Speisen nach streng jüdischen: Ritus unter Aussicht eines vom Oberrabbiner bestellten Schäumers. Für diejenigen Auswanderer, die aus gesonderte Unterkunft und Mahlzeiten Wert legen, ist eine ganze Reihe besserer Wohnungen, meist zu vier Betten, in zwei Sondergebäuden vorhanden. Sie werden namentlich von den Passagieren dritter Klasse gern benutzt. Den: religiösen Bedürfnisse der Emigranten dienen zwei evangelische und eine katholische Kirche sowie ein jüdischer Betsaal. z. Tessin, 18. Oktober. Am 10. d. M. verschied hier nach kurzen: Leiden infolge eines Schlaganfalls der israelitische Religionslehre? G. Frank nach einer 40jährigen segensreichen Wirksamkeit. Der Verklärte war ein edler Charakter, verband reiche Bildung mit großer Kenntnis des Judentums. Durch seine Milde und Bescheidenheit gewann er sich die Herzen der Menschen, so daß alle ihm ihre Liebe eutgegenbrachten. Die Beerdigung gestaltete sich zu einer erhebenden Trauerkundgebung. Landrabbiner Dr. Feilchenfeld-Schwerin gab im Gotteshause, wo die Bahre aufgestellt war, ein getreues Lebensbild des Verklärten. Am Grabe rief der Religionslehrer V. Sawitz- Rostock i. M. dem Dahingeschiedenen einige Worte in die Gruft nach als Zoll persönlichen Dankes für treue Freundschaft, während ein Neffe des Verklärten, Kantor und Lehrer Frank-Leipzig, Worte des Dankes an die Anwesenden richtete für all die Liebe und Treue, die sie dem Toten erwiesen. Durch all die Reden klang die lieberzeugung, daß mit dem Verblichenen ein Lehrer dahingegangen, aus den alle mit Genugtuung blicken durften. 0. Düsseldorf, 10. Oktober. Am 4. d. M. wurde Herr Dr. Leo Baeck aus Oppeln in sein Amt als Rabbiner von Düsseldorf eingeführt. Vor Beginn des Gottesdienstes hatten sich die Herren vom Vorstand und das Repräsentantenkoüegium im Sitzungssaals des Gemeindehauses eingefunden. Der Vorsitzende des Vorstandes begrüßte Herrn Rabbiner Dr. Baeck, und die Herren geleiteten ihn im festlichen