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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-10-25 · Heft 43 (25.10.1907) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 43 (25.10.1907)
Date
1907-10-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 25. Oktober 1907. 71. Jahrgang. (^21111^111^012. Deilaze zur „Allgemeinen Leitung drS Judentums". korrrlponürn?rn und Kschrichtrn. Deutschland. §2 Berlin, 22. Oktober. Ein Fest von hoher Bedeutung für das gesamte deutsche Judentum war es, das wir heute gefeiert haben: Die Einweihung des eigenen Heims der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Was jahrzehntelang erhofft und ersehnt wurde, ist nunmehr eingetroffen, und der wärmste Dank gebührt allen, die das Werk gefördert und zustande gebracht haben. Nicht soll heute das stattliche Gebäude in der Artilleriestraße 14 geschildert werden — das verspüren wir uns für ein andermal — nur die ebenso würdige wie eindrucksvolle Feier der Einweihung wollen wir hier in kurzem Umriß zu schildern versuchen. Diese Feier begann heute um 12 Uhr mittags in der festlich geschmückten neuen Aula der Lehranstalt vor einer Korona von Hörern und Gönnern, die den wiederholt zitierten Segensspruch in vieler Herzen wiederklingeu ließ: „Gelobt sei, der die Zeiten ändert!" Wir nennen von den Ehrengästen' vor allem den Herrn Kultusnlinister Dr. Ho lle, den Herrn Polizeipräsidenten von Borries, den Vizepräsidenten des Provinzialschulkollegiums Geheimen Rat Mager, den Provinzialschulrat Ullmann,den Stadtschulrat Mi ch ael is, die Professoren der Theologie Strack und Graf Baudiss in, Claude Montefiore, Professor Israel Levy - Breslau, die Vertreter der Berliner Gemeinde, des Vorstandes der deutschen Juden, der j Alliance, des Gemeindebundes, des Zentralvereins deutscher! Staatsbürger, der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des > Judentums. Das Kuratorium war natürlich vollzählig erschienen.! Wir bemerkten Geheimrat Prof. Cohen, Geh. Justizrat Prof, j Mosse, Geheimrat Goldberger, Oberregierungsrat Dr. Paul! Meyer, Professor Geiger, Professor Oppert, Justizrat Selig-! sohn, Moritz Manheimer, Max Weiß, Oscar Wassermann, : Siegfried Brünn, Geheimrat Emil Jacob, an die sich ein ' großer Kreis aus den angesehensten Männern und Frauen unserer j Gemeinde anschloß. Mit dem Gesang des Psalm 24 wurde die Feier j eröffnet. Dann hielt Justizrat Veit Simon als Vorsitzender des j Kuratoriums die einleitende Rede, in der er die Bedeutung des Tages! in würdiger, vornehmer und schlichter Weise schilderte und über die j Glückwünsche berichtete, die zur Feier eingelaufeu waren. Von diesen i erwähnen wir für heute nur den des Dekans der theologischen j Fakultät der Universität Berlin, in dem es zum Schlüsse heißt: ,,Jch! brauche nicht erst darauf hinzuweisen, wie wichtig für die christliche Theologie die Fortschritte sind, die auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums gemacht werden." Zum Schluß seiner Rede verkündete Justizrat Simon, daß das Kuratorium Herrn Sanitätsrat Neu mann — der gerade heute seinen 88. Geburtstag feiert — Frau Stadtrat Nannh Meyer und Herrn Professor May bäum zu immerwährenden Ehrenmitgliedern ernannt habe. Mit einem Hoch auf den Kaiser, den Schirmherrn der Wissenschaft im Deutschen Reiche, und auf die Kaiserin, anläßlich ihres Geburtsfestes, schloß die eindrucksvolle Rede. Hierauf erhob sich der Herr Kultusminister zu folgender Ansprache, die wir ihrer Bedeutung wegen im Wortlaut geben: Meine Herren! Wenn ich heute an dieser Stelle das Wort nehme, so erwarten Sie kein Eingehen auf schwierige religiöse Gebiete, wie sie der Herr Vorredner berührt hat. Ich bin hierher gekommen, um mich mit Ihnen Ihres neuen prächtigen Heims zu freuen und Ihnen durch mein Erscheinen wie die übrigen Gäste zu bekunden, daß jede ernste wissenschaftliche Arbeit und darum auch diese Anstalt, die zur tieferen Erforschung Ihrer Religion und zur Heranbildung tüchtiger Religionsdiener bestimmt ist, vollen Beifall und volle Anerkennung findet. Die Wissenschaft, ob sie gleich nach des Dichters Wort dem Leben ihre Kraft verdankt und aus dem Leben ihr eigenes Leben nimmt, schafft doch auch erst des Lebens wahren Wert. Und dazu rechne ich neben dem höchsten Ziele, uns an die Grenzen menschlicher Erkenntnis zu führen, vor allem auch, daß wissenschaftliches Forschen auf allen Gebieten, wenn es selbstlos und in sachlicher 'Hingabe getrieben wird, unseren Blick weitet, uns die Auffassungen anderer verstehen läßt und so echte Duldung fördert. Möchte sich dies auch an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums fürder bewähren! Ich wünsche Ihr zu ihrem Fortschreiten im neuen Heim von Herzen Glück und Gottes Segen. Den Neigen der Glückwünschenden eröffnete nunmehr Justizrat Lach manu, indem er namens der Berliner Gemeinde den innigen Zusammenhang dieser mit der Lehranstalt betonte, der sich an die Namen Makower und Lazarus knüpft. Namens des Verbandes der deutschen Juden und des Zentralvereins sprach Justizrat Fuchs, der den Einfluß der Wissenschaft auf das soziale und politische Leben, vor allem auf den Gang der Emanzipation, kräftig hervorhob. Für die ehemaligen Hörer trat Rabbiner Dr. Rosenzweig, als einer der ältesten von diesen, mit einem innigen Dank für die unausgesetzte Arbeit und treue Fürsorge des Kuratoriums ein. Hierauf sprach Professor Dr. Maybaum als Vorsitzender des Lehrerkollegiums. Derselbe gab in großen Zügen einen Rückblick aus die Entwicklung der Wissenschaft des Judentums und auf ihren Zusammenhang mit der allgemeinen Wissenschaft und Kulturentwicklung. Zum Schluß dankte Justizrat Simon dem Herrn Minister und allen Rednern für die Teilnahme, die sie ausgesprochen, und für die Anregungen, die sie gegeben haben. Mit dem Halleluja des Psalm 150 fand die in jeder Beziehung gelungene Feier ihren weihevollen Abschluß. Die Ehrengäste folgten nun der Aufforderung des Vorsitzenden zur Besichtigung der Räume der Lehranstalt, die nach jederRichtung hin uneingeschränktes Lob fanden und demBaumeisterHerrnHöNiger zurEhre gereichen. Am Abend fand unter ungewöhnlich starker Beteiligung ein Festkommers des Vereins der Hörer der Lehranstalt im Oberlichtsaal der Philharmonie statt, der einen sehr animierten Verlauf nahm. Ernste und heitere Toaste würzten das Fest, bei dem der unverwüstliche Humor der Jugend zu seinem guten Rechte gelangte. Der ganze Tag der Einweihung des neuen Heims für die Wissenschaft des Judentums in Berlin bleibt ein bedeutungsvoller, ein unvergeßlicher für alle, die ihn miterlebt haben. 8. Berlin, 18. Oktober. Auf das Huldigungs-Telegramm des Verbandes der deutschen Juden an den Kaiser ist folgende telegraphische Antwort zu Händen des Verbandsvorsitzenden eingegangen: „Potsdam, 14. Oktober 1907. Se. Majestät der Kaiser lassen dem Verbände der deutschen Juden für das Gelöbnis der Treue danken. Auf Allerhöchsten Befehl: Der Geheime Kabinettsrat von Lucanus." — Der geschäftssührende Ausschuß des Verbandes setzt sich nach den letzten Wahlen folgendermaßen zusammen: Justizrat Dr. Edm. Lachmann, Justizrat Dr. M. Horwitz, Prof. Dr. M. Philippson, Justizrat B. Breslauer, Landgerichtsrat Loewe, Justizrat Dr. Eugen Fuchs, sämtlich in Berlin, Rechtsanwalt Dr. Blau- Frankfurt, Landtagsabgeordneter Dr. Cohn-Dessau, Landgerichtsrat Wollstein-Breslau, Geheimer Regierungsrat Aron-Berlin, Kommerzienrat Benjamin Hirsch-Halberstadt, Oberlehrer Dr. Fiegel-Berlin, Stadtrat Homburger-Karlsruhe, Bankier Ignaz Goldschmidt-Posen, Justizrat Steinhardt-Danzig, Sanitätsrat Dr. Apfel-Köln, Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Pinner-Berlin, Justizrat Geiger-Frankfurt, Justizrat Cassel-Berlin, Stadtrat Aronsohn-Bromberg und Rechtsanwalt Makower-Berlin. Zu Kassenprüsern wurden die Herren Dr. Isidor Ginsberg-Berlin und Justizrat Lewin-Stettin wiederernannt. 8. Berlin, 22. Oktober. Gelegentlich der Hauptversammlung des „Verbandes der deutschen Juden" fand in Frankfurt a. Main am 12. d. M. eine vertrauliche Besprechung von Delegierten liberaler Vereine für jüdische Jnteressen statt. Es wurde hierbei einstimmig die Gründung eines allgemeinen liberalen Verbandes zum Zwecke der Stärkung und Förderung des freisinnigen Judentums

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