Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1907)
- Date
- 1907-10-25
- Page
- Seite 516 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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516 „Ich fei, gewährt mir die Bitte, In Eurem Bunde der Dritte. Godel Mund." Säumigen Kunden, schlechten Zahlern, sendet er das Konto mit einem Motto versehen: „Schon ist die Hoffnung mir geschwunden —" oder: „Der Worte sind genug gewechselt. Laßt mich nun endlich Taten sehn." - Einem polnischen Grafen, der zu Neujahr seine Rechnung empfängt, schreibt er auf dieselbe: „Unser Schuldbuch sei vernichtet, Ausgesöhnt die ganze Welt." Godel Mund sieht ihn Kaffee wiegen und gibt Barom einen Verweis und will ihm die Kunstgriffe zeigen, die er selbst vor Zeiten zu Ehren Merkurs praktiziert hat, aber der ehrliche Barom schüttelt feine schwarzen Löckchen und erwidert: „Denn wie jeder wägt, wird ihm gewogen —" und Godel Mund zuckt die Achseln und geht. Abrahamek wälzt eine Kiste mit Porzellan herein nnd läßt sie fallen. Er erschrickt und Godel Mund noch inehr, denn es hat gar verdächtig geklirrt, als sie zu Boden stürzte. „Das ist mir doch noch nie geschehen," seufzt Abrahamek' und wischt sich mit dem Hemdärmel die heißen Tropfen von der Stirne. „Da ist kein Stoff zu freudigen Gesängen," ruft Barom aus und geht mutig daran, die Kiste zu öffnen. „Lassen Sie gehen," schreit Godel Mund, „ich habe Angst, das Unglück zu erblicken, was ist angerichtet von diesem Faulpelz." Doch Barom läßt sich nicht abhalten, schon arbeitet er kräftig mit Hacke und Steinmeisen und deklamiert: „Entblößt muß ich die Wahrheit sehen, Soll gleich mit meinem Wahn mein ganzer Himmel schwinden." Richtet er die Allslage her, so ist dies für Baronr ein Gegenstand des Studiums und eine künstlerische Aufgabe. „Wie machen wir's, daß alles frisch und neu Und mit Bedeutung auch gefällig sei? —" spricht er immer wieder jit Abrahamek, der ihm hilft und fügt jedesmal vergnügt hinzu: „Denn freilich mag ich gern die Menge sehen, Wenn sich der Strom nach unserer Bude drängt." Wenn Barom eine Kiste bezeichnet, in der sich Glas oder Geschirr befindet, malt er zuerst eine riesige Flasche auf den Deckel und setzt in großen schwarzen Lettern: Zerbrechlich! Nicht stürzen! darüber und darunter: Mit des Geschickes Mächten Ist kein ewiger Brrnd zu flechten. Und das Unglück schreitet schnell. Oder die Kiste) welche versendet wird, enthält Zucker, Kaffee, Schokolade, dann schreibt er auf dieselbe: Nässe schadet! und fügt hinzu: Deirn die Elemente hassen Das Gebild von Menschenhand. Und so treibt Poesie ihr schalkhaft aninlltiges Spiel in dem kleinen, finsteren jüdischen Kaufmannsgewölbe und streut zwischen Heringsfaß und Kaffeetonne, Leinwandballen und Zuckerhüten ihre duftigen Blumen. lFortsetzung folgt.) Litrrarilchk Mitteilungen. x Es ist eine erfreuliche Tatsache, daß man in neuester Zeit begonnen hat, der Lektüre unserer Jugend eine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Es ist dies auch sehr nötig, denn mit der jüdischen Jugendliteratur ist es gar arg bestellt. Die Zahl geeigneter Schriften ist so gering, daß die Jugendschristenkommission des Verbandes der jüdischen Lehrervereine unter den in ihrem veröffentlichten Verzeichnis von 118 empfehlenswerten Schriften nur 21 speziell jüdische, zu nennen in der Lage war. Und es steht noch nicht einmal fest, ob die hier bezeichneten jüdischen Jugendschristen samt und sonders den Anforderungen genügen, die an eine gute Jugendschrist gestellt werden müssen. Uni diesem Mißstande zu begegnen, ist es erforderlich, unserer Jugend neues, brauchbares Lesematerial zu beschaffen. Zu unserer Freude können wir nun mitteilen, daß dem sich immer fühlbarer machenden Mangel an jüdischer Jugendlektüre demnächst abgeholfen werden soll. Herr Lehrer I. Herzberg in Bromberg beabsichtigt einige Serien guter Jugendschriften in ansprechender Ausstattung und zu billigem Preise herauszugeben, und die bekannte Verlagsbuchhandlung M. W. Kaufmann in Leipzig hat sich bereit erklärt, die Schriften, die unter dem Gesamttitel: „Neue israelitische Jugendbücherei Saron, Unterhaltendes und Belehrendes aus alter und neuerer Zeit" erscheinen sollen, in Verlag zu nehmen. Herr Herzberg, der auf dem Gebiete der jüdischen Jugendschristenliteratur wohl erfahren und selbst Verfasser mehrerer gern gelesener Jugendschriften ist, will in erster Reihe Lebensbilder hervorragender israelitischer Männer aller Zeiten, ferner Erzählungen aus Talmud und Midrasch, sowie Sammlungen jüdischer Dichtungen aus alter und neuer Zeit und Schilderungen jüdischen Lebens mittels passender Erzählungen darbieten. Endlich sollen die Geistesprodukte bedeutender jüdischer Schriftsteller, sofern deren Schriften dem Verständnis der Jugend nahe liegen, dieser zugänglich gemacht werden. Wie wir erfahren, haben bereits namhafte Schriftsteller und Schriftstellerinnen ihre Mitarbeit zugesagt, und es soll auch anderen berufenen und befähigten Schriftstellern Gelegenheit geboten werden, ihre Feder in den Dienst unserer jüdischen Jugend zu stellen. Geeignete Arbeiten, die entsprechend honoriert werden, sind an den Verlag M. W. Kaufmann in Leipzig zu senden. Es ist zu hoffen und zu wünschen, daß das dankenswerte Unternehmen eine allseitige wirksame Unterstützung findet. Gilt es doch, unsere Jugend geistig zu fördern. Sprechlsal. Sehr geehrte Redaktion! it Bezug auf den Artikel „Der jüdische Index" von Dr.'Epstein in Nr. 41 der „Allg. Zeitung des Judentums" erlaube ich mir auf einen Hauptirrtum des Verfassers hinzuweisen, wodurch dann so manche Folgerung hinfällig wird. Die Bücher des Ben Laanah werden zwar nicht im babylonischen, aber im jerusalemischen Talmud des Traktats Sanhedrin, Abschnitt X, Seite 28 a oben erwähnt- Ebendort auch die Bücher „Hamiram", die auch in der Mischna Judajim 4, 6 Vorkommen. Die Stelle jer. Sanhedrin 28a lautet: „R. Akiba sagt, auch wer in den apokryphischen Büchern liest (wird das zukünftigen Lebens nicht teilhaftig), wie zum Beispiel in den Büchern des Ben Swa und des Ben Laanah; wer hingegen in den Büchern des „Hamiram" liest, als läse er in einem Briefe (ist also teilhaftig des zukünftigen Lebens)." „Hamiram" wird von Musafia, der das Wörterbuch des R. Nathan aus Nom ergänzte, „Homeros" gelesen, doch ist es nicht wahrscheinlich, daß man die Göttergeschichten Homers zuzeiten des Talmud ohne weiteres zu lesen gestattet hätte. Das Zitat in der „Vossischen Zeitung" kommt also jedenfalls vor und ist nicht erfunden. Im Gegenteil ist von einem Buche Bar Kochbas nichts bekannt. Budapest-Ofen, 14. Oktober 1907. Rabbiner Dr. Berthold Edelstein. Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin. >