Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1907)
- Date
- 1907-10-25
- Page
- Seite 509 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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509 dienst verblieben sind, und daß sich unter ihnen 155 Juden befunden haben. Von diesen 3628 Justizbeamten sind 665 in höhere Stellungen befördert worden, wenn man zunächst die Staatsanwaltschaft beiseite läßt und als höhere Stellen die Aemter der Direktoren, Oberlandesgerichtsräte und Präsidenten in Betracht zieht. Von den 665 Beförderten sind 631 Christen und 4 Juden (von den 30 Getauften, die hierher gehören, wird weiter unten die Rede sein). Das ergibt folgendes Verhältnis: 3628 Justizbeainte, darunter 665 in höheren Stellen — 18,3 % 3365 Christen „ 631 „ „ „ 18,8 „ 155 Juden „ 4 „ „ „ 2,6 „ Betrachtet man nur die Oberlandesgerichtsräte, so bleibt das Verhältnis der Juden ein ähnliches, denn: 3628 Justizbeamte, darunter 316 Oberlandesgerichtsräte 8,7 "/» 3365 Christen „ 290 „ 8,6 „ 155 Juden „ 4 2,6 „ Zieht man dagegen nur die Direktoren und Präsidenten („die Dirigenten bei den Verwaltungsbehörden") in Betracht, so ergibt sich folgendes Bild: 3628 Justizbeainte, darunter 349 Dir. und Präs. — 9,6 % 3365 Christen „ 341 „ „ „ 10,1 „ 155 Juden „ 0 „ „ „ 0 „ Es ergibt sich hieraus klar, daß die Judeir in der Beförderung erheblich gegen ihre christlichen Kollegen zurückgesetzt sind, und daß sie zu den „Dirigentenstellen bei den Justizverwaltungsbehörden" überhaupt nicht berufen werden. Die bloße Zahl beweist natürlich noch nichts bezüglich der Gerechtigkeit bei der Verteilung der Aemter, da Fähigkeit, Kenntnisse, Eifer und Ausdauer mit in Berücksichtigung zu ziehen sind. Immerhin kann man sich aber an der Hand der Zahlen die Gesamtlage im wesentlichen klar machen: Die 155 Juden stellen 4,2 Prozent sämtlicher 3628 Justizbeamten dar. Es wurden Oberlandesgerichtsräte: Von allen 3628 Justizbeamten 316 8,7 % „ den 3365 Christen . . 290 8,6 „ „ „ 155 Juden ... 4 -- 2,6 „ „ „ 108 Getauften. . 22 20,4 „ Es wurden Direktoren und Präsidenten: Von allen 3628 Justizbeamten 349 --- 9,6 % „ den 3365 Christen . . 341 10,1 „ „ „ 155 Juden ... 0 ---- 0 „ „ „ 108 Getauften. . 8 7,4 „ Diese Zahlen ergeben zugleich das erschreckende Resultat, daß von der Justizverwaltung geradezu eine Prämie auf die Taufe gesetzt worden ist, denn in höhere Stellen wurden überhaupt von den Christen nur 18,8 Prozent, von den Getauften 27,8 Prozent, und zunr Amt eines Oberlandesgerichtsrats insbesondere von den Christen 8,6 Prozent, von den Getauften 20,4 Prozent befördert — eine so erhebliche Bevorzugung selbst den Christen gegenüber hätte man wohl kaum für möglich halten sollen. Wie hatte doch im Jahre 1860 der Abgeordnete und spätere Kultusminister Dr. Falk aus gleicher Veranlassung dem Justizminister Simons geantwortet? „Das also ist die Ausführung einer Verfassung, welche die Heiligkeit der Religion, als eine Sache des Gewissens und der Ueberzeugnng, von der unlauteren Berührung mit äußeren Interessen trennen wollte!" Stellt man den obigen Zahlen die Verhältnisziffern zwischen Juden und Getauften gegenüber, so ergibt sich folgendes Bild: 155 Juden, darunter in höheren Aemtern . .4-2,6 % 108 Getaufte „ „ „ . . 30 27,8 „ 155 Juden „ Oberlandesgerichtsräte . . 4 2,6 „ 108 Getaufte „ „ . . 22 20,4 „ 155 Juden „ Präsidenten und Direktoren 0^-0 108 Getaufte „ „ „ „ 8 7,4 „ Der Vollständigkeit halber sollen nunmehr auch die Verhältnisse der Staatsanwaltschaft herangezogen werden. Es gab in jenem Zeitabschnitt 316 Oberlandesgerichtsräte, darunter 4 Juden, es hätten aber 4,2 Prozent, d. h. 13 Juden darunter sein müssen. Es gab 280 Landgerichtsdirektoren, darunter 0 Juden Es hätten aber, bei Berücksichtigung des Satzes von 4,2 Prozent 12 Juden darunter fein müssen. Es gab 69 Präsidenten, darunter 0 Juden. Es hätten aber, da 155 jüdische Richter 4,2 Prozent vorhanden waren, darunter 3 Juden sein müffen. Ergeben schon die bloßen Zahlen so erhebliche Unterschiede, wie sie hier gefunden worden sind, ergibt sich insbesondere, daß in 21 Jahren nur vier jüdische Richter zu Oberlandesgerichtsräten ernannt sind, und daß nicht ein einziger zunr Direktor oder Präsidenten bestellt worden ist, so liegt die Absicht, die hiermit verfolgt wird, klar zutage. Diese Absicht tritt aber noch deutlicher in die Erscheinung, wenn die Zahl der Getauften aus jenem Zeitabschnitt, die mehr oder weniger kurze Zeit nach der Taufe das erstrebte Amt erreicht haben, mit berücksichtigt wird. Es sind in höhere Stellen befördert worden: Von allen 3628 Justizbeamten 665 - 18,3 „ den 3365 Christen . . 631 - 18,8 „ „ „ 155 Juden ... 4 - 2,6 „ „ „ 108 Getauften. . 30 --- 27,8 „ Lin Denkmal kür Males Mendelslahn. Von Professor Ludwig Geiger. ine so stimmungsvolle Feier wie die in den Mittagstunden des 9. Oktober beim fünfundzwanzigjährigen Jubiläum des hochverdienten Direktors Dr. M. HolzmannHat das jüdische Berlin noch selten erlebt. Es hat zwar schon viel schwungvollere Reden gehört und viel längere, aber keine herzlichere; es hat wohl mehr Berühmtheiten in einem Saale zusammen gesehen, aber selten so viele Männer und Kinder, alle von einem Gefühl getragen — dem der Bewunderung und der Liebe. Diese Zeilen sind aber nicht dazu bestimmt, den Bericht, der in einem anderen Teile des Blattes stand, zu ergänzen, ein Charakterbild des verehrten Mannes zu entwerfen, der mir so nahe steht, daß mein Lob verdächtig erscheinen könnte, und ein neues Blatt in den Ruhmeskranz des bescheidenen Mannes zu winden, der nichts mehr haßt, als aus seinem stillen Wirken vor die Oeffentlichkeit gezogen zu werden. Aber dies festliche Zusammensein so vieler für das Judentum begeisterter älterer und jüngerer Männer regte einen Gedanken an, den ich gern an Holzmanns Namen anknüpfe. Doch muß ich hinzufügen, daß nicht ich Vater deS Gedankens