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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-10-18 · Heft 42 (18.10.1907) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 42 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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71. Jahrgang. Nr. 42. > Berlin, 18. Oktober 1907. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". korrrlpondkn?rn und Kachrichten. Deutschland. 82 Berlin, 14. Oktober. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, die nun in ihr neues Heim Artilleriestraße 14 einzieht, sendet uns das Verzeichnis der im Wintersemester 1907/1908 zu haltenden Vorlesungen. Dr. Baneth wird lesen: 1. Talmud babylonischer Shnhedrin, Kap. I, 4 Stunden, Montags und Donnerstags 11—1 Uhr; 2. Talmud babylonischer Nedarim, Kap. IV, 4 Stunden, Mittwochs 10—12 und Freitags 11—1 Uhr; 3. Jore De'a (Tur und Schulchan' Aruch, Hilch. Taa'ruboth) 2 Stunden, Mittwochs 8—10 Uhr; 4. Eben ha'ezer XVII (Forts.), 1 Stunde, Montags 10—11 Uhr; 5. Mischne Thora, Buch 9, 2 Stunden, Montags und Donnerstags 9—10 Uhr; 6. Der jüdische Kalender, 1 Stunde, Donnerstags 10—II Uhr. Dr. Elbogen wird lesen: 1. Einleitung in die Wissenschaft des Judentums, 1 Stunde, Sonntags 10—11 Uhr; 2. Pentateuch mit alten Kommentaren (für Fortgeschrittene), 2 Stunden, Dienstags 10—12 Uhr; 3. Talmud, Rosch haschanah-, Kap. III, 4 Stunden, Sonntags und Mittwochs 8—10 Uhr; 4. Geschichte der Juden in Deutschland, III. Teil (1500—1750), 2 Stunden, Donnerstags 11—1 Uhr; 5. Historische Uebungen, 2 Stunden, Dienstags 8—10 Uhr. Professor Dr. Mahbaum wird lesen: 1. Homiletik, 1 Stunde, Dienstags 9—10 Uhr; 2. Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Freitags 8—10 Uhr. Dr. Da hu da wird lesen: 1. Das Buch Hiob, 2 Stunden, Dienstags und Freitags 10—11 Uhr; 2. Die Bücher der Könige mit Quellenuntersuchungen unter Heranziehung der Bücher der Chronik nebst historischen Exkursen über die Nachbarvölker Israels, 3 Stunden, Montags 10—11 Uhr und Dienstags 3—5 Uhr; 3. Hebräische Grammatik mit stilistischen Uebungen, 3 Stunden, Montags und Freitags 12—1 und Dienstags 5—6 Uhr; 4. Ausgewählte religiöse Gedichte von Gabirol, Jeh. Halevi und Zbn Ezra, 1 Stunde, Freitags 11—12 Uhr; 5. Altarabische Gedichte (privatissime), 2 Stunden, Mittwochs 8—10Uhr. Dr. Freund wird lesen: Die Grundzüge des preußischen Schulrechts unter besonderer Berücksichtigung der jüdischen konfessionellen Verhältnisse, 2 Stunden, in noch zu bestimmenden Stunden. Die Vorlesungen beginnen am 24. Oktober. 8. Berlin, 9. Oktober. In der festlich geschmückten Aula der jüdischen Knabenschule fand heute mittag das 25jährige Amts' jubiläum des Direktors Dr. Michael Holzmann als Leiter der Knabenschule, der Präparanden- und Lehrerbildungsanstalt statt. An dem feierlichen Akte nahmen außer den Mitgliedern der Gemeindebehörden und des Schul- und Talmud-Thora-Vorstandes die Lehrer der Anstalt, die jetzigen sowie viele ehemalige Zöglinge und zahlreiche Verehrer und Freunde des Jubilars teil. Ein aus Seminaristen Und Schülern gebildeter Chor unter Leitung des Kapellmeisters Kellermann und musikalischer Begleitung von William Wolf eröffnete den Festakt mit dem Liede „Gott grüße dich". In kurzer Ansprache gedachte der Vorsitzende des Schulvorstandes, Sanitätsrat Dr. Julius Stern, der hervorragenden Verdienste des Jubilars um die Ausgestaltung des Schulwesens innerhalb der hiesigen Gemeinde und hob hervor, daß die Gemeindebehörden es sich deshalb nicht haben nehmen lassen, dem heutigen Tage eine seiner Bedeutung entsprechende Weihe zu geben, trotzdem der Gefeierte in der Bescheidenheit seines Wesens jede Ehrung abgelehnt hatte. Als Beweis dieser Dankbarkeit überreichte Sanitätsrat Dr. Stern im Aufträge des Gemeindevorstandes eine künstlerisch ausgeführte Adresse und teilte mit, daß seitens der Gemeindeverwaltung die Summe von 3000 Mark gestiftet worden ist, welche als Grundstock einer „Dr. Michael Holzmann-Stiftung" diesen Namen späteren Geschlechtern dauernd erhalten soll. Die Zinsen der Stiftung sollen den Präparanden zugute kommen. Herr Seminarlehrer Rosenthal dankte odann im Namen des Lehrerkollegiums dem treuen Führer und Berater^ für die Anregungen, die er ihnen in unermüdlicher und nimmer rastender Arbeit gegeben. Nach einem kurzen Rückblick auf die mannigfachen Schwierigkeiten, die Holzmanu bei Antritt seines Amtes zu überwinden gehabt, betonte er, daß das, was der Jubilar vor 25 Jahren versprochen, ein Lehrer unter Lehrern zu sein, getreulich gehalten worden sei, und daß seine zielhewußte Führung, die straffe Zucht mit Milde zu paaren verstand, die Anstalt zu der heutigen Bedeutung erhoben habe. Wesentlich seinem Verdienste sei auch die Anerkennung der städtischen Behörden zuzuschreiben, die in der Verleihung des Rechtes, die Prüfung, für den einjährigen Dienst vorzunehmen, zum Ausdruck gebracht sei. Im Namen der Seminaristen dankte ein Zögling dem Jubilar für die ihnen gewidmete Fürsorge, die sich nicht genug sein ließ an ihrer geistigen Förderung, sondern sich auch in liebevollster, väterlicher Weise ihrer materiellen Interessen und ihres körperlichen Wohls annehme. In poetischer, sinniger Form brachte sodann ein kleiner Schüler die Liebe und Verehrung zum Ansdruck, welche die Kinder ihrem Direktor entgegenbringen. Es folgten noch die meist kurzen Ansprachen von Rabbiner Dr. Galliner, der die Glückwünsche der ehemaligen Zöglinge der Lehrerbildungsanstalt und ein Geschenk von 1200 Mark überbrachte, die der oben erwähnten Stiftung hinzugefügt werden sollen, von Dr. Lach mann für den Verein ehemaliger Schüler der jüdischen Knabenschule und Dr. Gut man, der als Rektor der jüdischen Mädchenschule namens des dortigen Lehrerkollegiums gratulierte und besonders das kollegiale Verhältnis beider Anstalten hervorhob. In bewegten Worten dankte Herr Dr. Holz mann für die reichen Beweise der ihm dargebrachten Liebe und Verehrung seiner Mitarbeiter und Zöglinge, den staatlichen und städtischen Behörden für die Anerkennung seines Wirkens, der Gemeindeverwaltung für die stete Bereitwilligkeit, seinen Anregungen Folge zu geben, und gelobte, wie bisher in treuer Arbeit seines Amtes weiter zu walten und die Prinzipien zu wahren, die er seiner bisherigen Tätigkeit zugrunde gelegt. Insbesondere gab er seiner großen Freude über die Stiftung Ausdruck, durch welche die Gemeindeverwaltung seinem Namen Dauer verschaffen wolle und jene von ihm durchs ganze Leben getragene Anschauung zur Geltung bringe, daß der Geist alles, Not und Tod überwinde. Der Schlußgesang „Ich erhebe meine Augen zu den Bergen" beendete die würdige und eindrucksvolle Feier. P ** Berlin, 14. Oktober. Der Verein für jüdisch^ Geschichte und Literatur eröffnete am 10. d. M. die diesjährige Vortragssaison mit einem hochinteressanten und lehrreichen Vortrag des Privatdozenten Dr. Julius Goldstein aus Darmstadt über „Darwinismus und Judentum". Der Redner entwickelte zuerst das Problem, das sich aus der religiösen Weltauffassung des Judentums und der darwinistischen Weltauffassung des modernen Materialismus ergibt. Dort der Glaube an schöpferisch lebendige zielstrebende Kräfte, die an der Gestaltung der Wirklichkeit bildend wirksam sind, hier der Glaube an die Alleinherrschaft eines aller inneren Ziele baren Mechanismus. Im Darwinismus muß man aber die Evolutionslehre und die Selektioustheorie unterscheiden. Letztere, mit ihrer Behauptung der Höherentwicklung der Lebewesen auf rein mechanischem Wege, ist unverträglich mit dem Judentum. Aber die Selektionstheorie ist von beinahe allen führenden Naturforschern — im Gegensatz zu Häckel — als unzulänglich aufgegeben worden. Redner gab dafür eine Reihe von Beweisen und schloß seine Betrachtungen mit dem Hinweis, daß der Glaube des Judentums an den Sieg des immer volleren und reicheren Lebens sich in bestem Einklang mit dem Lebensglauben der modernen Entwicklungslehre befinde. -/V. Berlin, 13. Oktober. Am 14. d. M. hat die Jüdische Toh nbee - H alle der Berliner Bne Brith-Logen ihre diesjährige Wintertätigkeit in ihrem alten Heim, Kaiserstraße 10 eröffnet. Die Jüdische Tohnbee-Halle wird täglich mit Ausnahme der Freitage geöffnet. Das wohltätige und segensreiche Wirken dieser Institution, die ihren Gästen täglich abends unentgeltlich eine edel angewandt

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