Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-10-18 · Heft 42 (18.10.1907) · p. Seite 497

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 42 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
Seite 497 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228744-3228787--63897-3297834
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

4Ö7 endlich Reiche hland in im iionale li den daß andere eutschitikern ionale etätigrstigen n, an- Ein- -e 1906 lenden is era auf schon cf ein, tellen- >r der gstens i sind, »es erst s Ziel seiner . In rhand )lung, n der ldische Lpion g der glicht, eigen, lüssen.! lderer Verl und arückscher" ebuch, . daß ischen »egenischen ischen lftlich zenen i uns iesem und egen, > das ä)as deutsche Bureau der Alliance IsraSlite Univer* seile ftettt uns die nachfolgenden Spezialberichte aus Marokko zur Verfügung: Casablanca, den 23. September 1907. Ich habe die Ehre, Sie zu benachrichtigen, daß ich soeben die Verteilung von Unterstützungen an Lebensmitteln und Geld beendet habe. Ungefähr 300 Familien befanden sich in äußerster Not. An diese habe ich an den Rüsttagen zum Rosch-Haschana-, zum Jom- Kippur- und zum Sukkot-Fest drei große Verteilungen vorgenommen. Den Familien, die nicht zur Abholung zu kommen wagten, habe ich die Spenden persönlich ins Haus gebracht, die anderen kamen in die Schule, um dort die Gaben zu empfangen. Aüe Lebensmittel und eine beträchtliche Geldsumme sind verteilt worden. Sobald auch die Kleidungsstücke verteilt sein werden, die wir von Dr. Baron Rothschild erhielten, können wir, glaube ich, das Unterstützungswerk an Ort und Stelle für abgeschlossen erachten, um nicht etwa auf Trägheit eine Belohnung zu setzen. Kommandant Mangin, den ich gestern sprach, hat mir versichert, daß alle kräftigen Männer Arbeit finden, und daß die Frauen als Bonnen, Haushälterinnen, Köchinnen, Wäscherinnen Beschäftigung haben können. Wirkliche Armut bleibt nur bei den wenigen Familien, für die solche Tätigkeit sich nicht eignet, bei Kranken und Waisenkindern. Ich stelle eine Liste dieser Personen aus, die wie in früheren Tagen wöchentliche Unterstützung erhalten werden. Besondere Aufmerksamkeit wende ich jetzt den im Innern des Landes und an der Küste zerstreuten Glaubensgenossen zu. Die Verteilung der Spenden hat unendliche Mühe gemacht. Bei der Auflösung aller Autorität fand ich bei niemand Hilfe, wohl aber überall Beschwerden und — Kritik. Ausnahmen bildeten einzig die Herren Danabu und David Alexander, die mir bei der Aufstellung der Liste der Bedürftigen von großem Nutzen gewesen sind. (Diese Listen, in denen die Namen der Unterstützten und die ihnen gegebenen Beträge verzeichnet sind, bleiben als Unterlagen für den Rechenschaftsbericht einstweilen im Archiv des provisorischen Komitees). Soeben erhalte ich den beiliegenden Brief, der mir in der Abwesenheit des Herrn von Rothschild ausgehändigt worden ist. Wie ich erfahre, hat die Gemeinde von Mazagan sich die größten Opfer auferlegt, um unsere Glaubensgenossen aus Settat freizukausen und sie zu ernähren. Doch muß sie eine große Zahl fortschicken, weil sie bereits überlastet ist. Den Absendern des Briefes habe ich alsbald Ermächtigung geschickt, alle Familien auszulösen, die in der Gewalt der Araber sind, und ihnen einstweilen 1500 Franken zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig habe ich Herrn Elmaleh von der Lage unterrichtet, damit er sich nach seiner Rückkehr nach Mazagan mit der Repatriierung dieser Unglücklichen beschäftigen könne. Heute früh kam aus Mazagan ein Zug von 123 Personen, die von der Gemeinde freigekauft und von Herrn Zenath, einem Notablen von Mazagan, hierher geleitet waren. Pisa. Anlage. Mazagan, 17. September 1907. Wir beehren uns, an die menschlichen und großherzigen Gefühle zu appellieren, die Ihnen die Bewunderung und die Dankbarkeit der Völker eingetragen haben. Infolge der kritischen Lage in Mazagan haben fast alle bemittelten Israeliten das Land verlassen. Wir aber sind um unserer Geschäfte willen hier geblieben und haben vom ersten Tage an es als unsere Pflicht angesehen, den 200 Brüdern, die sich hier im tiefsten Elend befinden, Hilfe zu leisten. Während unsere Mittel so großer Not gegenüber schon unzureichend waren, kamen die Araber vom Lande, um uns den Freikauf der Unglücklichen anzubieten, die in Casablanca und anderen Ortschaften gefangen worden waren. Es sind bereits 600 solcher Israeliten in Mazagan eingetroffen. Unser guter Wille wird niemals aufhören, aber unsere Mittel gestatten uns eine weitere wirksame Hilfe nicht. Wir vertrauen Ihrer edlen und mächtigen Intervention, auf die wir mit bewundernder Zuversicht rechnen. Genehmigen Sie den Ausdruck unserer Dankbarkeit und Ergebenheit. Aron A. Zunth. Casablanca, 26. September 1907. Heute früh sind 150 Israeliten, die von der Gemeinde Mazagan jreigekauft waren, durch unsere Vermittlung repatriiert worden. Sie kamen in beklagenswertem Zustand an. Wir hüben ihnen die nötige Hilfe geleistet. Die von Herrn von Rothschild geschickten 2(füOÖ Francs sind in Händen des Kommandanten Mangin. Sechs- bis siebentausend Francs sind für Matratzen, Decken und Kleider ansgegeben worden. Für -den Rest schlägt Kommandant Mangin folgende Verwendung vor: Ankauf von Rohstoffen zur Herstellung von Leinewand für Kinder und Frauen. Israelitische Frauen sollen mit dem Weben und Zuschneiden beschäftigt werden und dadurch einige Monate Arbeit haben. — Reinigung und Desinfektion des Mellah. — Organisierung der Arbeiten zur Säuberung des Innern der Häuser, zu ihrer Abwaschung mit Karbolwasser und zum Weißen der Mauern. — Ankauf einiger Esel für die Straßenausseher im Mellah usw. — Das provisorische Komitee wird sich über die Vorschläge äußern. Pisa. Casablanca, 1. Oktober 1907. Ich beehre mich, Ihnen die Nachrichten zü übermitteln, die ein von mir nach Uleid-Jlriß, Uled-Zyan, Lidakra und bis nach Settat entsandter Kurier gebracht hat: Das Land ist öde und verlassen. Der Kurier begegnete unterwegs nur einigen Familien, die, von den unterworfenen Stämmen frei* gelassen, nach Casablanca zurückkehrten. Die Hauptmasse der Flüchtlinge scheint sich nach Settat zurückgezogen zu haben. In dieser Stadt hatten sich jüngst 700 bis 800 Seelen angesammelt, von denen etwa 350 nach Mazagan und Rabat zurückgekehrt sind. Gegen 400 Personen blieben in äußerstem Mangel zurück. Herr David Amar, der in den ersten Tagen sich damit beschäftigt hatte, sie an fzu nehmen, zeigt trotz der Hilfsmittel, die ich ihm zur Linderung des Elends dieser Unglücklichen zur Verfügung stellte, jetzt nur noch mäßige Teilnahme und Fürsorge. Eine Zurückführung in Massen ist zur Zeit untunlich, weil Settat jetzt von dem Stamm der Schaujas besetzt ist und seit gestern das Gerücht sich hartnäckig erhält, daß die Mahala des Gegensultans Muleh Hafid zu den Schaujas gestoßen sei. Man weiß noch nicht, welche Haltung die beiden Sultane einnehmen werden; es scheint aber, daß die Hauptentwicklung des Dramas sich in dieser Gegend vollziehen wird. Unter solchen Umständen ist es für uns äußerst schwierig, zu entscheiden, ob wir die Flüchtlinge hierher sollen kommen lassen, oder ob wir ihnen Unterstützungen schicken sollen. Ihre Lage zwischen den beiden Sultanen und inmittew einer unentschiedenen Bevölkerung ist überaus besorgr^serregend. Mit Freude teile ich Ihnen mit, daß eine der Friedensbedingungen, die General Drude, Admiral Philibert und Herr Malpertuy den Stämmen auserlegt haben, die Preisgabe aller von ihnen während der jüngsten Ereignisse gemachten Gefangenen ist. Aus den Zeitungen wissen Sie, daß fast alle Stämme in der Umgebung von Casablanca ihre Unterwetfung ängemeldet haben. Es sind demgemäß auch alle Israeliten, die sich bei ihnen befanden, in die Stadt zurückgekehrt. Pisa. Die llrhrsnttalt kür dir Wiklenlchakt des Judentums. Berlin, 14. Oktober. Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums lädt zur ' Einweihung ihres eigenen Heims ein. Wie wenige Ereignisse, lenkt dieses unseren Blick in die Vergangenheit, mahnt es zu rückschauender Betrachtung. Seitdem im ersten Jahrgang dieses Blattes der „Aufruf zur Gründung einer jüdisch-theologischen Fakultät" veröffentlicht wurde, bis zur Errichtung eines eigenen Gebäudes für die Lehranstalt welche wunderbare Wendung, welcher Wandel derGeschickewelcheFülle von Ereignissen, welcheMannigfaltigkeit von Erlebnissen! Wofür Ludwig Philippson und AbrahamGeigerseitdem Beginn ihres öffentlichen Auftretens gekämpft und gestritten, was sie in einer langen, ruhmvollen Laufbahn erstrebt, das haben sie beide erst gegen Ende ihres Lebens sich erfüllen sehen. Und selbst als die Hochschule gegründet war M

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.