Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1907)
- Date
- 1907-10-11
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Kraft mb sein reiches Wissen gern in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Manche Schöpfungen unserer Stadt verdanken ihm ihre Entstehung und stete Förderung. Innerhalb der jüdischen Gemeinde hat Herr Mende ebenfalls seit Jahrzehnten eine wahrhaft gedeihliche und eifrige Tätigkeit entwickelt. Auch auf dem Gebiete der Armenpflege hat sich der Jubilar als Menschenfreund in hervorragendem Maße ausgezeichnet und sich die größte Liebe der Armen und Bedrückten erworben. K. Allenstein, 7. Oktober. Wie bereits mitgeteilt, feierte am 1. Oktober d. I. Herr Prediger und Lehrer Sturmann in Osterode, Ostpr., sein 50jähriges Amtsjubiläum. Zunächst in der Synagoge. Kanzel und Emporen waren reich mit Blumen und Topfpflanzen geschmückt. Nachdem der Jubilar, wie alljährlich, zu Chattan Thora aufgerufen worden war, sprach er nach beendeter Thoravorlesung von der Kanzel ein Gebet, in welchem er Gott für die seltene Gnade dankte, ihm diesen Tag erleben zu lassen. Hierauf folgte eine kurze Ansprache an die Gemeinde. Im festlich geschmückten Hause erwarteten den Jubilar Überraschungen aller Art. Zahlreiche Briefe und Telegramme waren aus fern und nah eingetroffen. Der Verein 'der ostpreußischen Lehrer und Kultusbeamten hatte seinem Vorsitzenden einen prachtvollen Fruchtkorb gesandt. Außerdem hatten sämtliche Kollegen der Provinz ihrem Senior brieflich oder durch Telegramm einzeln gratuliert. Um 12 Uhr erschienen Deputationen, die im Namen des Synagogenvorstandes, der Repräsentanten, der Ghewra Kadischa und des Frauenvereins der Gemeinde Osterode ihre Glückwünsche überbrachten. Der Vorsitzende des Synagogenvorstandes, Rentier Jacobh sprach dem bewährten Beamten Anerkennung und Dank aus und wünschte ihm Kraft zu fernerem Wirken. Namens des Nepräsentantenkollegiums sprach Dr. Ritterband und führte in seiner Rede u. a. aus, daß das 50jährige Jubiläum wie eine goldene Hochzeit zu betrachten sei und verglich die lange, segensreiche Amtsdauer des Jubilars mit einer glücklichen Ehe, in der ja auch hin und wieder Zwistigkeiten Vorkommen, die aber nur die Liebe zu erneuern pflegen. Ferner hielten Ansprachen die Herren Wittenberg, namens der Chewra Kadischa und Siegbert Jacobsohn, welcher dem verehrten Lehrer die Glückwünsche der ehemaligen Schüler aussprach. Das achtjährige Töchterchen des Herrn Dr. Ritterband trug ein Gedicht vor, welches seine Mutter einst als Schülerin gelegentlich des 25jährigen Jubiläums des Herrn Sturmann gesprochen hatte. Mit bewegten Worten dankte der Gefeierte für alle Beweise der Liebe und Anteilnahme. Am folgenden Tage wurde ihm von der Gemeinde, der Chewra und dem Frauenverein ein ansehnliches Geldgeschenk überreicht. Möge es Herrn Sturmann vergönnt sein, noch viele Jahre seines Amtes zu wallen. o. Oels, 4. Oktober. Das Ableben unseres Rabbiners Dr. C h odowsky haben Sie bereits gemeldet. Das Leichenbegängnis fand am 29. v. M. statt. Eine Feier in der Synagoge mußte der Festtage wegen unterbleiben. Die dadurch bedingte schlichte Art der Beisetzung entsprach offenbar mehr als eine prunkvolle Feier dem Sinne des Verstorbenen, der sein ganzes Leben hindurch ein Muster an Einfachheit und Anspruchslosigkeit gewesen. Das große Leichengefolge, in welchem neben vielen auswärtigen Schülern und Freunden des Dahingeschiedenen alle Kreise unserer Stadt sehr zahlreich vertreten waren, bekundete deutlich, welcher großen Liebe und Wertschätzung sich der Verstorbene in den weitesten Kreisen erfreute. Auf dem Friedhofe sprachen die Herren Rabbiner Dr. Rosenthal und Dr. Guttmann aus Breslau mit packender Beredsamkeit von dem Streben, Wirken und Leiden des dahingegangenen Amtsgenossen, wie er, aus drückenden äußeren Verhältnissen hervorgegangen, nur durch unausgesetzte Arbeit, rastlose Tätigkeit und unerschütterliche Energie das ideale Ziel, das er sich gesteckt, zu erreichen vermochte, alsdann aber in seinem hohen Berufe segensreich wirkte, bis schweres Siechtum ihn vorzeitig den Seinen und seiner Gemeinde entrissen. Was sie von seiner Zärtlichkeit als Gatte, seiner Liebe als Kind, seiner Aufopferungsfähigkeit als Vater sagten, fand einen rührenden und erschütternden Ausklang in dem heißen Dank, den der Schwiegersohn des Verstorbenen, Rabbiner Dr. Feuerstein-Falkenau, alsdann noch dem Toten ins Grab uachries. Ein kurzes Gebet der nächsten Leidtragenden schloß die Feier. i. Herford, 4. Oktober. Ein Fest, wie es selten gefeiert wird, war die Abschiedsfeier für unfern verehrten Rabbiner Dr. Hu lisch. Schon am Morgen hatte der Scheidende in einem von Kinderchören eröffneten und von Kinderchören geschlossenen Festgottesdienste von seiner Gemeinde an geweihter Stelle Abschied genommen, und am Nachmittage begann um drei Uhr im Schützenhof der zweite Teil der Abschiedsseier. Von nah und aus der Ferne waren ehemalige Schüler und Schülerinnen erschienen, um noch einmal ihren alten Lehrer iiVs treue Aug' zu schauen. Sie alle, samt den Ehrengästen, den Vertretern der übrigen Bekenntnisse und der Stadt, hieß Direktor Baruch mit herzlichen Worten willkommen. Der erste offizielle Redner war sodann Herr Jonas Meyer, der erste Vorsteher der Shnagogengemeinde. Anknüpfend an das Wort der Psalnristen: „Wenn das Leben köstlich gewesen, so ist es Mühe und Arbeit gewesen," entrollte der Redner ein köstliches Bild von der Lebensarbeit des scheidenden Rabbiners. Dann nahm Bürgermeister Busse das Wort: Wenn es gelte, Abschied zu nehmen von einem Berufe, der den Lebensinhalt gebildet habe, dann steige im Herzen des Scheidenden die Wehmut empor, wenn in der Scheidestunde auch noch so viele treue Hände sich ausstreckten und noch so manches Dankeswort gesprochen würde. Nur das Bewußtsein, seine Pflicht getan zu haben und ein Amt aus müden Händen in frische, tatkräftige zu legen, erleichtere die Scheidestunde. Dieses Bewußtsein aber dürfe Dr. Hulisch mit hinübernehmen in den Ruhestand. Ihm folge nicht nur der Dank seiner Geinde, auch sein König danke ihm für alles das, was er geleistet, und habe ihm durch Erlaß vom 18. d. M. den Roten Adlerorden IV. Klasse verliehen. Er überreiche denselben, daran knapsend die Glückwünsche der Königl. Staatsregierung und der städtischen Behörden und die Hoffnung, daß Dr. Hulisch als edler Menschenfreund noch manches Jahr unter uns weilen möge. Begeistert stimmte dann die Versammlung in das Hoch auf den Gefeierten ein. Bewegten Herzens dankte Dr. Hulisch für alle guten Worte, die. man seinem Wirken gezollt. Der nächste Redner war Pfarrer Scheugberg. Derselbe richtete ergreisende Worte an den scheidenden Rabbiner, besonders hinweisend auf seine Arbeit in der Schule, in der er so manchen der heute Mitfeiernden zum tüchtigen Menschen herangebildet habe. Direktor Werther dankte dem Scheidenden für die treue Arbeit an den Seelen derjenigen, die als Gefangene hinter Mauern und Gitter Straftaten zu büßen hätten. Lehrer Goldmann, der Nachfolger von Dr. Hulisch, gab seiner Freude über die Anwesenheit der Herren Pfarrer Schengberg und Köper Ausdruck und brachte ihnen ein jubelnd aufgenommenes Hoch. Herr Hugo Weinberg sprach im Nameu der ehemaligen Schüler und überreichte dem scheidenden Lehrer einen kostbaren Spazierstock. Den Toast auf Frau Dr. Hulisch brachte Herr Josephy aus. Nochmals dankte dann der Gefeierte für alle Liebe und Treue, die man ihm erwiesen und bat, ihm auch fernerhin ein treues Gedenken bewahren zu wollen. — In der Schlußfeier am Abend kam dann vor allem die Jugend zu ihrem Rechte. Möge das freundliche Licht, das über die Abschiedsfeier seinen Schimmer bereitete, mit hinüberwandern in den Ruhestand des verehrten Mannes, ihm den Abend des Lebens zu vergolden! d. Nürnberg, 6. Oktober. Heute fand im Sitzungssaals der israelitischen Kultusgemeinde dahier, unter dem Vorsitz des Geh. Hof- und Justizrats Josephthal eine gemeinsame Besprechung der Gemeindeverwaltungen von München und Nürnberg mit den Vertretern der orthodoxen Vereinigungen dieser Städte statt, an der die Rabbiner von München und Nürnberg, sowie. mehrere andere bayrische Rabbiner Teilnahmen. Auf Grund eingehender Beratungen wurde eine Anzahl von Einigungspunkten festgestellt und beschlossen, die noch differierenden Gegenstände den Gemeindeverwaltungen von München und Nürnberg zu nochmaliger, endgültiger Entscheidung zu unterbreiten. Es besteht begründete Aussicht, in allen noch schwebenden Fragen eine gütliche Einigung herbeisühren zu können. (Bravo! Die Red.) Gesterntch-Ungarn. A Wien, 7. Oktober. Zu den angesehensten und verdienstvollsten Männern unserer Gemeinde gehört der weltberühmte Ohrenarzt Hofrat Adam Politzer. Derselbe ist am I. d. M. von seinem Amte als Chef der Universitäts-Ohrenklinik, das er 34 Jahre lang verwaltet, und nach Absolvierung des akademischen Ehrenjahres von der