Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1907)
- Date
- 1907-10-11
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Lehrtätigkeit zurückgetreten. Mit Hofrat Politzer scheidet einer der verdienstvollsten Männer der Wissenschaft von der Universität. Wenn die Ohrenheilkunde heute auf demselben hohen wissenschaftlichen Niveau steht, wie die übrigen klinischen Lehrgegenstände, so ist dies zu allererst dem scheidenden Meister zu verdanken. — In Ungarn sind doch noch andere Verhältnisse als bei uns, wie sehr man sich auch in letzter Zeit bemüht, die Lage der dortigen Juden als durchaus nicht so rosig hinzustellen. Oder wo kommt es noch vor, daß der Magistrat einer Residenzstadt, wie es der Budapester in dieser Woche getan hat, den Beschluß faßt, daß die Kommune für den neuen Ofner israelitischen Tempel 100000 Kronen, für den in Steinbruch zu errichtenden 30 000 Kronen bewillige. Gehet hin und tuet desgleichen! — Der ungarische Kultus- und Unterrichtsminister hat den Rabbiner Dr. Michael Guttmann in Csongrad, der sich durch die ersten Hefte einer talmudischen Enzyklopädie „Clavis talrrmdica" bekannt gemacht, vorläufig in provisorischer Eigenschaft als ordentlichen Professor des Landes-Rabbinerseminars zum Vortrage des Talmud, der Liturgie, der Bibel-Exegese, der hebräischen und aramäischen Sprache ernannt. — Dem galizischen Landtag wird noch in dieser Session eine Ausschußvorlage zugehen, in der das Land die Kosten einer jüdisch-theologischen Fakultät oder eines Rabbiner- und Lehrerseminars in Lemberg übernehmen soll. Begründet wird diese Vorlage damit, daß die jüdischen Religionslehrer an den galizischen Mittelschulen von Wien und Berlin bezogen werden müssen. Die jüdische Gemeinde wird bloß die Kosten der Lokalmiele bestreiten. Der Handelskammerpräsident Samuel v. Horowitz hat zu diesem Zweck einen Betrag von 20 000 Kronen gespendet und überdies sür zehn Jahre ein Stipendium von je 1000 Kronen gestiftet. Die Anstalt soll im Oktober eröffnet werden. Von Sah und fern. Der in weiteren Kreisen bekannte Herr Jacques Callomon feierte das 25jährige Dienstjubiläum im Hause Rudolf Mosse. Eine besondere Ehrung durch seine Chefs wie auch Aufmerksamkeiten seiner hiesigen Kollegen und seitens der auswärtigen Geschäftsführer der Firma wurden dem Jubilar an diesem Ehrentage zuteil und gaben lebhaftes Zeugnis ab für die Sympathien, deren sich Herr Callomon erfreut. — Der jüdische Friedhof in Weißensee ist wieder einmal von zerstörungssüchtigen Elementen heimgesucht worden. Die Täter haben an zwei Erbbegräbnissen Zerstörungen ausgeführt. Wertvolle Bronzeteile nahmen die Burschen mit. Es handelt sich bei diesem Frevelfalle, die sich in der letzten Zeit wiederholt haben, anscheinend um Racheakte. — Dr. Julius Gallandt aus Salzwedel, ein ehemaliger Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums zu Berlin, hat am 1. v. M. die Rabbiner- und Religionslehrerstelle der Bezirksgemeinde Schönebeck, Bad Elmen, Erummern, Gr. Salze übernommen und ist daselbst feierlich in sein Amt eingesührt worden. — In Leipzig ist die Begründerin des Schillerbundes deutscher Frauen, Frau Frida Brasch, Witwe des ihr vor etwa einem Jahrzehnt im Tode vorausgegangenen freisinnigen Schriftstellers und Philosophen Dr. M. Brasch, gestorben. — Auf die Beileidsdepesche des Zentralkomitees der zionistischen Vereinigung für Deutschland in Cöln ist folgende Antwort eingelaufen: „Mainau, 30. September 1907. Seine Königliche Hoheit der Großherzog lassen für die treue Anteilnahme bestens danken. Auf Allerhöchsten Befehl Seyb." — Sanitätsrat Dr. I. Lewis on in Siegburg ist anläßlich seines 50jährigen Berufsjubilüums zum Geheimen Sanitätsrat ernannt worden. — Der Gerichtsarzt für den Landgerichtsbezirk Gleiwitz, Geheimer Sanitätsrat Dr. Kornfeld ist in den Ruhe stand getreten. — Der gewiß seltene Fall, daß eine Frau unter Trommelwirbel in Begleitung militärischer Vereine zu Grabe getragen wurde, ist in St. Ingbert vorgekommen. Frau Lina Kahn, Witwe, welche Inhaberin der Kriegsmünze von 1870/71 für Nicht- Geschäftliche Kotigen. Das Töchterpensionat und Forlbildungsinstitut der Geschwister Leben stein, Berlin W., gegr. im Jahre 1887, hat im September die Villa Lutherstraße 17 bezogen. Das mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattete Haus, das auch einen schönen, großen Garten und gedeckte Veranda hat, bietet den Zöglingen die bestmöglichen hygienischen Vorteile. Das Institut umfaßt ein In- und Externat. Das letztere für schulpflichtige Mädchen jeden Alters, ferner Fortbildungskurse und populärkoinbattanten und der Kaiser Wilhelms-Erinnerungsmedaille war wurde diese Ehrung auf dem Wege zur letzten Ruhestätte zuteil. — In Gebweiler ist der Verleger der „Straßburger Israelitischen Wochenschrift", Buchdruckereibesitzer Josef Dreifns, lange Zeit Vorsteher der dortigen Gemeinde, gestorben. — In Paris ist in hohem Alter die Baronin Joseph Leonino, eine ebenso wohltätige wie angesehene Dame, gestorben. Ihr Sohn, Baron Emanuel Leonino war mit der Tochter von Baron Gustav Rothschild verheiratet, die vor einigen Jahren ein so tragisches Ende nahm. — Dem Bildhauer Hanaux in Paris wurde die Ausführung des Denkmals übertragen, das auf den französischen Kriegsgräbern zn Noiseville bei Metz errichtet werden soll. — Ein ungarischer Staatsbürger jüdischer Konfession, der in Wien wohnhaft ist, hat vor zehn Jahren mit einer österreichischen Christin beim Standesamt in Preßburg eine Zivilehe geschlossen. Jetzt ist die Frau ihres Gattin überdrüssig geworden und hat beim Wiener Landesgericht die Ungültigkeitserklärung der Ehe nachgesucht. Das Gericht hat diesen! Gesuch auch stattgegeben. In der Begründung heißt es, daß die beiden Ehegatten, da das Ehehindernis der Religionsverschiedenheit vorliegt, eine in Oesterreich gültige Ehe nicht eingehen konnten. Daran ändere auch die Tatsache nichts, daß die fragliche Eheschließung außerhalb Oesterreichs vorgenommen wurde. — König Eduard war in den letzten Wochen einer Einladung zur Hühnerjagd nach dem schottischen Landsitz des Herrn Artur Abr. D. Sass o n gefolgt. Da dies gerade in die Zeit des Versöhnungstags war. fiel auf Befehl des Königs an diesem Tage auch für ihn und seine Umgebung die Jagd aus. — Der russische Unterrichtsminister hat einem Gesuche der Hochschulen entsprechend, gestattet, daß Juden in einer den normalen Satz übersteigenden Zahl zum Besuch der Hochschulen zugelassen werden unter der Bedingung, daß die vorgeschriebene Gesamtzahl der Studierenden nicht überschritten wird, und daß die Interessen der christlichen Studenten gewahrt bleiben. Offiziöse Lockspeise! — Ganz anders klingt die folgende Nachricht: Der Zar hat, wie „Rjetsch" mitteilt, alle wegen Teilnahme an den Pogromen des Jahres 1905Verurteilten begnadigt- Dieser Akt kaiserlicher Huld wird sicherlich nicht dazu beitragen, die Mord- und Raubbanden in Odessa und anderwärts abzuschrecken. — Der Oberrabbiner Dr. A. Drabkin in Petersburg hat aus sein Amt resigniert. — Baron Da v id Günzberg hat vom Kultusminister die Erlaubnis erhalten, Hochschulkurse für die Wissenschaft des Judentums in Petersburg zu errichten. — In Odessa erklärten die antisemitischen Stadtverordneten im Stadtrat, man müsse den „nationalen" Prinzipien des Verbandes des russischen Volkes folgen. Der Stadtrat beschloß infolge dessen eine prozentuale Beschränkung der jüdischen Angestellten in den städtischen Betrieben. Unter dem Eindruck dieses Beschlusses legten viele jüdischen Stadtverordneten ihr Mandat nieder. — General Glagolew in Odessa soll wegen der Vorgänge bei der letzten Judenhetze als Generalgouverneur abgesetzt worden sein. Es fragt sich, ob er nicht sehr bald anderswohin befördert wird. Zu seinem Nachfolger ist bekanntlich der Stadthauptmann Nowitzky ernannt worden. — In den amtlichen „Charkower Gouvernementsnachrichten" ist zu lesen: „Infolge der Bemühungen der hiesigen Abteilung des „Verbandes der echten Russen" sind auf allerhöchste Anordnung Stepan Laptjew, Nikotaj Golowko und Wladimir Lukin. die von dem Kreisgericht Charkow wegen Ermordung des Juden und Revolutionärs Scherr verurteilt worden waren, begnadigt und auf freien Fuß gesetzt worden." —Der Sultan hat, als er von der Erkrankung des Oberrabbiners von Konstantino pel erfuhr, sofort einen Adjutanten in dessen Wohnung geschickt, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen und ihm einen ansehnlichen Betrag aus der Privatschatulle für die jüdischen Armen zu senden. — Vor mehreren Wochen hat in Louisville die Vermählung eines Juden mit einer Christin stattgefunden; das junge Paar wurde von einem christlichen und einem jüdischen Geistlichen getraut. wissenschaftliche Damenvorträge. — Neu eingerichtet ist ein Kindergarten unter der Leitung einer Fröbel-Kindergärtnerin. «s* Für Nervöse und Schwache, besonders solche Personen, die sich infolge überstandener Krankheit elend, müde und schlaff fühlen, dürsten die großen Erfolge, die durch das seit vielen Jahren rühmlich bekannte Sa na tagen erzielt worden sind, von großem Interesse sein. Wir verweisen ausdrücklich auf den der heutigen Nummer beiliegenden Prospekt der Sanatogen-Werke Bauer & Cie., Berlin SW. 48.