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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-10-11 · Heft 41 (11.10.1907) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 41 (11.10.1907)
Date
1907-10-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 11. Oktober 1907. 7, Nr 4L Dxx GemeindeÜote. Detlaxe zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". lkorrelpondrn?eil und Aschrichten. Deutschland. 8. Berlin, 6. Oktober. Die heutige Sitzung der Repräsentantenversammlung gestaltete sich insofern zu einer interessanten, als wieder einmal die Einführung einer Orgel in der Synagoge Rykestraße zur Debatte stand. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende der Versammlung dem jüngst verstorbenen Stadtverordneten Moritz Heilmann einen warm empfundenen Nachruf, in dem er besonders die großen Verdienste des Verewigten um die jüdische Gemeinde, namentlich dessen unermüdliche dreißigjährige Tätigkeit in der Armenkommission, würdigte. Zum geschäftlichen Teil gab Professor Kali sch er von dem am 9. Oktober stattfindenden 25jährigen Amtsjubiläum des Herrn Direktor Dr. Michael Holz mann als Leiter der Knabenschule, der Präparanden- und Lehrerbildungsanstalt Kenntnis und bat, sich an diesem Akte recht zahlreich zu beteiligen. Der zur Entlastung vorliegende Rechnungs' abschluß der Synagoge Lindenstraße pro 1906/07 wurde debattelos genehmigt. Die Einnahmen beliefen sich unter Einrechnung des Gemeindezuschusses (39 740 Mark) insgesamt auf 40 320,10 Mark, die Ausgaben auf 38 354,39 Mark. Die Mindereinnahme an Mizwot- Geldern (326,60 Mark) veranlaßt, wie schon öfters, Herrn Manheimer, zu der Bitte, den unwürdigen Verkauf der Mizwot in Zukunft völlig zu beseitigen. Während Herr Manheimer von Herrn Rechtsanwalt Dr. Ignaz Cohn kräftig unterstützt wird, treten die Herren Aron Hirsch, Benas Levy und Willibald Loewenthal für die vorläufige Beibehaltung des alten Brauchs ein. Sie stehen auf dem Standpunkt, daß es nicht immer möglich sei, diejenigen Gemeindemitglieder zur Stelle zu haben, die für diese Ehre geeignet und würdig erscheinen. Debattelose Erledigung fand auch der Rechnungsabschluß für die Synagoge Lützowstraße. Die Einnahmen haben hier 38 656,50 Mark (Gemeindezuschuß 38 070 Mark), die Ausgaben35079,66Markergeben. Mit der nachträglichen Eintragung von fünf Zensiten in die Wählerliste erklärt sich die Versammlung einverstanden. — Den größten Raum der Tagesordnung nahm die Vorlage betreffs Einführung einer Orgel in der Synagoge Rykestraße ein, die der Versammlung zur Kenntnisnahme überreicht wurde. Wie wir in Erinnerung bringen, ist am 7. August 1905 eine gemischte Deputation zur Beratung der erwähnten Petition eingesetzt worden. Dieser Deputation ist auch eine von dem Vorstande des „Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde" an den Gemeindevorstand gerichtete Eingabe gleichen Inhalts sowie eine gegen die Einführung einer Orgel gerichtete, vom 11. Januar 1906 datierte Petition überwiesen worden. Die Deputation ist das erstemal am 13. Februar 1906 zusammengetreten und damals zu dem Ergebnis gelangt, daß es wünschenswert sei, zunächst das vorhandene Material zu sichten und demnächst diejenigen Platzinhaber, welche sich bisher nicht geäußert hätten, zur Erklärung aufzufordern. Der Gemeindevorstand hat demzufolge eine Prüfung des in den eingegangenen Petitionen niedergelegten Materials durch das Verwaltungsbureau vornehmen lassen, wobei sich folgendes ergeben hat: Die Zahl der Plätze, welche von Personen gemietet waren, die sich für die Einführung einer Orgel ausgesprochen hatten, betrug 853, die Zahl der von Gegnern der Orgel gemieteten Plätze 281, bei einer Gesamtzahl von 1642 Plätzen, die im Jahre 1905 in der fraglichen Synagoge vermietet waren. Am 21. Januar 1907 hat die Deputation zum zweitenmal getagt, ohne jedoch zu einem endgültigen Beschlüsse zu gelangen. Vielmehr wurde dem Wunsche nach einer Ergänzung des Materials Ausdruck gegeben und an den Gemeindevorstand das Ersuchen gerichtet, an sämtliche Gemeindemitglieder,die für dasJahr1906/07sürdie Synagoge Rykestraße Plätze gemietet hatten, mit bezahlter Rückantwort die Frage zu richten, ob sie die Einführung einer Orgel wünschen oder nicht, oder ob endlich ihnen mit oder ohne Orgel der Gottesdienst gleich genehm wäre. Der Gemeinde- Vorstand hat sich nicht dazu entschließen können, diesem Gesuche stattzugeben. In seinem Bescheid wies er darauf hin, daß mit der verlangten Amfrage ein Präzedenzfall geschaffen wäre, dessen Wirkung für die Zukunft unabsehbar erscheinen würde. Es würde damit ein neuer, durch Gesetz und Statut nicht vorgesehener Faktor in die Gemeindeverwaltung hineingetragen werden, was im vorliegenden Falle um so bedenklicher scheinen müßte, als dem Ergebnis eines eventuellen Plebiszits eine ausschlaggebende Bedeutung nicht beigemessen werden könnte. Denn einerseits wechsle ein Teil der Mieter in jedem Jahre; andererseits werde die Synagoge während des Jahres zu nicht geringem Teile von solchen Personen besucht, die nicht Mieter von Plätzen seien. Der Gemeindevorstand hat unter diesen Umständen die gemischte Deputation ersucht, sich auf Grund des vorliegenden, von dem Bureau bearbeiteten Materials schlüssig zu machen. Bei ihrer dritten Tagung ist die Deputation daraufhin nach eingehender Beratung mit drei gegen zwei Stimmen, bei Stimmenthaltung des Vorsitzenden, zu dem Ergebnis gelangt, die Ablehnung des Antrages auf Einführung einer Orgel zu empfehlen. In seiner Sitzung vom 17. Juli dieses Jahres ist der Gemeinde- Vorstand diesem Votum beigetreten und hat die Petition abgelehnt. Maßgebend für seinen Beschluß war, daß nach seinen eigenen Wahrnehmungen der gegenwärtige Zustand ein durchaus würdiger und ordnungsmäßiger ist und Klagen an die Verwaltung bisher nicht gelangt sind. Der Gemeindevorstand glaubt um so weniger Veranlassung zu einer Aenderung zu haben, als dadurch eine Beunruhigung in die Gemeinde hineingetragen würde, die, falls nicht gewichtige Gründe zum Gegenteil zwingen, vermieden werden müsse. Endlich bewiesen die von Jahr zu Jahr steigenden Zahlen der vermieteten Plätze, daß der Gottesdienst der Synagoge Rykestraße in seiner gegenwärtigen Gestalt den Wünschen der in Betracht kommenden Gemeindemitglieder durchaus entspricht und sich stetig zunehmender Beliebtheit erfreut. Während von den vorhandenen 1969 Plätzen im Jahre 1904 nur 1431 vermietet waren, stieg die Zahl im Jahre 1905 auf 1642 und im Jahre 1906 auf 1737, ausschließlich der Beamtenfreiplätze, deren Zahl im vergangenen Jahre über 80 betrug. Berücksichtigt man ferner, daß im Vorjahre allein von den schriftlichen Gesuchen die Anträge aus nahezu 450 Plätze in der Synagoge Rykestraße abgelehnt werden mutzten, weil in den betreffenden Preislagen keine Plätze mehr vorhanden waren, so muß das bisherige Vermietungsergebnis als ein durchaus günstiges bezeichnet und als ein Beweis dafür angesehen werden, daß ein Bedürfnis sür eine Aenderung in der bisherigen Art des Gottesdienstes nicht vorliegt. Nun zur heutigen Debatte. Zu derselben ist ein Antrag der Herren Veit Simon, Blaschke, Minden und Pincus eingegangen: Die Repräsentantenversammlung erachtet die Errichtung einer Orgel in der Synagoge Rykestraße sür dringend /erforderlich, bedauert die ablehnende Haltung des Gemeindevorstandes und ersucht ihn, den Gegenstand in nochmalige Erwägung zu ziehen. Der Referent der Vorlage, Dr. Ignatz Cohn, der selbst Synagogenvorsteher in der Rykestraße ist, gibt zunächst die oben erwähnten Phasen des Kampfes um die Orgel wieder und hebt nachdrücklich hervor, daß alle Befürchtungen, die man bezüglich der Frequenz oder bezüglich der Würde des Gottesdienstes gehegt, in keiner Weise eingetreten sind und deshalb kein Grund zu einer Aenderung des sich völlig bewährenden Zustandes vorliegt. Der Antragsteller der erwähnten Resolution, Jnstizrat Dr. Veit Simon, bekämpft in sehr scharfer Weise den ablehnenden Bescheid des Gemeindevorstandes. Er ist der Ansicht, daß der letztere den Beschluß der gemischten Deputation betreffs Ergänzung der Umfrage hätte ausführen müssen, um sich ein objektives Urteil in dieser Sache zu bilden. Der Gemeindevorstand scheint jedoch die Volksstimme zu fürchten und will der Repräfentantenversammlung ein kaudinisches Joch auferlegen. Redner berust sich auf ein von ihm zitiertes Gutachten von Abraham Geiger,

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