Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1907)
- Date
- 1907-10-11
- Page
- Seite 492 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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492 „Was wünscht Ihr?" fragte Barom die Bauern, während er den Samt aufwickelte, die Elle nahm, rasch abmaß, abschnitt und einwickelte. „Ein Kopftuch möchte ich, so schön rot", begann die eine Bäuerin. „Hier sind Kopftücher." Baron legte ein Dutzend oder mehr auf den Tisch. „Ich will Tabak," sagte ein alter Bauer. „Hier ist Tabak." Jeder verlangte etwas anderes und jeder wurde ans der Stelle bedient, während die hübsche Frau zahlte, Barom das Geld in die Lade warf und ihr säst zärtlich die Hand küsste. Sie nahm den Samt, ging aber nicht fort, sondern sah ihm zu. wie er mit den Bauern, die sich lange nicht entschließen konnten, seine ganze Beredsamkeit erschöpfte und endlich doch jeder: bestimmte, etwas zu kaufen. „Ein jeder sucht sich endlich etwas aus — pflegt Goethe zu sagen im Faust", sprach er, zu der hübschen Frau gewendet. Endlich entfernten sich die Bauern und Bäuerinnen, und auch die Frau im reichen Pelz verließ das Gewölbe, nachdem Barom ihr zum drittenmal die Hand geküßt hatte, und er blieb für zwei Minuten allein und konnte in die Türe treterr und mit klopfendem Herzen zu dem Fenster emporblicken, an dem ihm die unbekannte Schöne erschienen war. Da waren die Tulpen und Hyazinthen, und ein pelzbesetzter Aermel fuhr auf und ab, und eine Stirnbinde funkelte. Die schöne Frau, denn schön war sie, wunderbar schön, davon war Barom überzeugt — saß offenbar am Fenster und nähte und war über ihre Arbeit gebeugt. Er seufzte und seufzte wieder, und war es ein Zufall oder trug ein guter Geist, vielleicht der Prophet Elias, selbst seine Seufzer zu ihr hin, jetzt hob sie den Kopf und blickte zum Fenster hinaus und erschien Barom in ihrer prächtigen Pelzjacke, mit der kostbaren Stirnbinde, stolz und herrlich wie eine Herrscherin. iFertsetznng folgt.) Tempelwrihe. @vw Von Zosepha Metz. ns duftenden Zedern, rotem Gold Erzen, den Bergesadern entrollt, Blassem Marmor und Elfenbein: Köstlich sott der Tempel sein!- Und wie eine Wunderblume stolz Ans Elfenbein, Marmor und edlem Holz, Weithin schattend auf Kanaans Au, Erwuchs des Tempels heiliger Bau, Erblühte des Tempels Majestät.- Grüßt ihn mit Jubel und mit Gebet Den prangenden Tempel, ihr Männer, ihr Frauen. Eilt, eilt, das Heiligtum anzuschauen, Mit leuchtenden Rosen, leuchtenden Blicken Das Herrliche herrlicher zu schmücken. Ihr Jünglinge, ihr Jungfrauen im Land, Das Cymbal nehmt und die Harfe zur Hand, Ilmkränzt mit duftenden Blumen das Haar, Schart Euch und singt vor dem hohen Altar: Jehova Ehre, Jehova Ruhm! Heil seinem einigen Königtum! Singt Heil! Singt Heil! — — Und Männer und Frauen verlassen das Haus Und ziehen mit Kindern und Knechten hinaus. Die Wege voll Blumen, die Lüfte voll Klang, Und weithin durch Kanaan geht der Sang: Jehova Ehre! Jehova Ruhm! Heil seinem ewigen Königtum! Die Zeiten aber brausten daher Wie schellende Rosse, wie stürmendes Meer, Zerstampften, zerbrachen Glied um Glied, Was leuchtend zum Aelher emporgeblüyt: Schimmernde Erze, Elfenbein, Duftende Zedern und Marmorstein. Alles zerronnen wie loser Sand. Und Weinen und Klagen ging durchs Land: Jehova Ehre! Jehova Ruhm! Weh, unser köstliches Heiligtum! Und der bangen Klagen zitternden Chor Trank einer Mauer steinernes Ohr. Doch ward auch der heilige Tempel ein Raub Von Feiud und Flammen, von Schutt und Staub... Wir schauen mit stillglänzendem Blick In die Wnnderlvelt unserer Väter Zurück Und hören, wie im Traume leis', Harfe und Cymbal Zu Gottes Preis In unsere Zeit, so kühl und grau, Herüberklingen von Kanaans Au: Jehova Ehre! Jehova Ruhm! Heil seinem ewigen Königtum! Litersrilchr Mitteilungen. Dr. A. Eckstein, Geschickte der Juden im Markgrasentnm Bayreuth. Bayreuth 1907. B. Seligsberg. Der als Historiker der Juden in Bayern bereits vielfach bewährte Autor tritt auch dies, mal wieder mit einer recht erfreulichen Gabe hervor, die nach vielen Richtungen hin für uns besonders interessant ist. Ist doch die Markgrafschast Bayreuth aus dem Burggrafentum von Nürnberg hervorgegangen, dem Stammsitz der Hohenzollern. Zwei Generationen war sie mit dem Kurfürstentume Brandenburg unter denselben Herrschern vereinigt. Ist daher im allgemeinen die Geschichte Bayreuths von größerer Wichtigkeit, als diejenige anderer kleiner Fürstentümer, so muß dasselbe auch von dem Verhalten seiner Herrscher, insbesondere des kräftigen und ritterlichen Albrecht Achill zu den Juden gelten. Dieser Fürst zeigte sich nickt nur seinen jüdischen Untertanen gegenüber als wohlwollender Herrscher, sondern gestattete auch einer großen Anzahl von Juden, welche aus dem Bistum Bamberg auszuwandern gezwungen war, sich in seinem Lande niederzulassen. Wie andere Fürsten seiner Zeit hat übrigens auch Albrecht Achill, für seine Gesundheit durch Anstellung eines jüdischen Leibarztes gesorgt. Auch sonst sind jüdische Aerzte im Fürstentum Bayreuth mehrfach nachweisbar. (S. 9, 10, 23.) Dagegen wird der Leser der vorliegenden Schrift sicher nicht erwarten, in ihr auch einem jüdischen Hosschachspieler und einem jüdischen Hofmaler bei einem Hohenzollernfürsten des 18. Jahrhunderts zu begegnen. Sie wurden von dem kunstliebenden Markgrafen Friedrich, Gemahl der Lieblingsschwester Friedrich des Großen, angestellt. In traurige Zeiten führt uns die spätere Darstellung, aber auch hier weiß der Verfasser viel Interessantes und Wertvolles zu berichten. Sein Buch beruht auf eingehenden archivalischen Studien und zeigt zugleich, daß Eckstein, was ja die Leser dieses Blattes längst wissen, gut zu erzählen versteht. Lprrchlsal. Sehr geehrter Herr Redakteur! ur Abhandlung des Kollegen Goldschmidt in Nummer 39 sei bemerkt, daß schon die Septuaginta s. B. M. XLVII extr. nftäl mit paßoos übersetzen, danach im NT. Hebr. XI, 21. Tilsit. Rabbiner Dr. Ehrlich. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.