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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-09-27 · Heft 39 (27.9.1907) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 39 (27.9.1907)
Date
1907-09-27
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Dr. Lewinsky, welcher unter Zitierung des Schristwortes „Oeffnet mir die Tür des Heils, damit ich durch sie einziehe", das Gotteshaus feierlich öffnete. Den feierlichen Akt der Anzündung des ewigen Lichts nahm Landesrabbiner Dr. Nüls-Brannschweig vor. Nunmehr betrat Landesrabbiner Dr. Lewinsky das Rednerpult, um die Weihe- und Festpredigt zu halten, die die Bestimmung des Gotteshauses eindrucksvoll behandelte. Zum Schluß sprach Landesrabbiner Dr. Gronemann- Hannover das Gebet für den Kaiser. Nachdem noch ein Sologesang von Frau Wertheimer vorgetragen worden war, intonierte der Chor das Schlußlied: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre." Damit erreichte die Feier ihr Ende. 8. Hannover, 15. September. Am 9. d. M. beging Herr Bernhard Löwenstein, das seit annähernd 30 Jahren unermüdlich tätige Vorstandsmitglied fast sämtlicher hiesiger jüdischer Wohltätigkeitsinstitute, mit seiner Gattin die goldene Hochzeit. Dieses Fest hatte seinen zahlreichen Frennden und Verehrern Veranlassung zu besonderen Ehrungen gegeben. Zur Vorfeier brachten bereits am Freitag Abend die Schüler der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer dem Jubelpaar ein Ständchen, bei welcher Gelegenheit HerrSeminardirektor Dr. Knoller den Dank der Schüler und des für dieselben wirkenden Unterstützungsvereins, dessen Vorstand Herr Löwenstein seit mehr als einem Vierteljahrhundert angehört, in herzlichen Worten Ausdruck gab. Am Sonntag Morgen wurden die Gefeierten durch Gesangs- und Deklamationsvorträge der Zöglinge des Knaben- Waisenhauses und eine Ansprache des Leiters dieses Instituts, Lehrer Federlein, erfreut. Am Festtage selbst wurde der Jubilar, dessen Platz in der Synagoge, woselbst er ebenfalls das Amt eines Vorstehers bekleidet, ebenso wie der seiner Gattin mit einer Girlande geschmückt war, in feierlichster Weise, während die sämtlichen Anwesenden sich von ihren Plätzen erhoben, zur Thora gerufen, und Herr Landrabbiner Dr. Gronemann gedachte am Schlüsse seiner Festpredigt des Jubelpaares und erflehte des Allgütigen Segen für seinen ferneren Lebensweg. Mittags erschienen mit den Rabbinern die zahlreichen Kollegen des Jubilars, und hielt zunächst Herr Landrabbiner Dr. Gronemann eine von Herzen kommende und zu Herzen gehende Rede, in welcher er besonders den Dank der zahlreichen Vereine, denen Herr Löwenstein seine Kräfte widmet, Ansdruck gab und im Anschluß daran die Ehe-Jubiläumsmedaille überreichte. Daß Herr Löwenstein vor 14 Tagen anläßlich der Anwesenheit Seiner Majestät des Kaisers mit dem Kronenorden dekoriert wurde, haben wir bereits berichtet. Alsdann überreichte der erste Vorsteher der Synagogengemeinde, Herr Senator Fischer, mit einer warmherzigen Ansprache die Stiftungsurkunde einer zur Feierder goldenen Hochzeit von Frennden des Jubelpaares unter lebhafter Beteiligung aller Schichten der Synagogengemeinde ins Leben gerufenen Bernhard und Sophie Löwenstein-Stiftung, die den Namen Löwenstein zu dauerndem gesegneten Andenken in unserer Gemeinde erhalten soll. Die Zinsen des Stiftungskapitals sollen nach näherer Bestimmung des Jubelpaares zu wohltätigen Zwecken innerhalb der Synagogengemeinde Hannover Verwendung finden. Wie Herr Löwenstein in seinen Dankesworten ausführte, wird er das Stistungskapital aus eigenen Mitteln erhöhen, wie er auch im übrigen die sämtlichen hiesigen Vereine anläßlich der Feier besonders bedacht hat. Die Vertreter der Zion-Loge überreichten mit einer Ansprache eine Adresse, und eine Anzahl Zöglinge der israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem brachte verschiedene Gesänge zu Gehör. Daß das Jubelpaar durch eine große Fülle von Blumenspenden, telegraphisch, brieflich und persönlich übermittelten Glückwünschen erfreut wurde, soll nicht unerwähnt bleiben. Mögen dem edlen Paare noch viele Jahre reinsten Glücks und ungetrübter Gesundheit vergönnt sein und die zahlreichen Vereine sich noch lange der tatkräftigen und eifrigen Förderung des Herrn Löwenstein erfreuen. e. Frankfurt a. M., 20. September. Für den zweiten Juden- Tag,den der „Verband der deutschen Juden" hier abhalten will, gibt sich in Süddeutschland ein besonderes Interesse kund. Man darf erwarten, daß der Verbandstag sehr gut besucht sein wird. Das Programm setzt sich folgendermaßen zusammen: Sonnabend den 12. Oktober 1907, abends 7y2 Uhr: Vorbesprechung im großen Saale der Frankfurt-Loge, Eschersheimer Landstraße 27. Abends 9 Uhr: Begrüßung dortselbst. Sonntag den 13. Oktober 1907, vormittags 9 Uhr: Versammlung der Korrespondenten im Saalbau, Junghofstraße 19. Vormittags 11 Uhr: Im großen Saale daselbst: Haupt» Versammlung mit folgender Tagesordnung: 1.- „Religiöse Postulate." Referent: Geheimer Regierungsrat Professor Dr.Cohen, Marburg. 2. „Staatsinteresse und Politik." Referent: Professor Dr. Philippson, Berlin. Korreferent: Rechtsanwalt Max Loeb, Mainz. 3. Wahl des Ausschusses. 4. Wahl der Kassenprüfer. Abends 6 Uhr findet ein Festmahl, gegeben von der jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M., im großen Saal der Frankfurt-Loge statt. ----- Mannheim, 19. September. Eine interessante Klage beschäftigte das Kaufmannsgericht in seiner letzten Sitzung. In den Diensten einer hiesigen Eisenhandlung, deren beide Inhaber Juden sind, stand zuerst als Reisender, zuletzt als Verkäufer mit einem Gehalt von 150 Mark ein junger Mann. Am 12. August nachmittags erging sich dieser im Geschäfte einem Kunden und dem anderen Personal gegenüber in antisemitischen Redensarten. Als die Herren Chefs davon hörten, entließen sie begreiflicherweise sogleich ihren Angestellten mit sofortiger Wirkung. Dieser aber hatte nichts Eiligeres zu tun, als seine Chefs auf die Gehaltszahlung vom Entlassungstage bis zum 30. September mit 245 Mark zu verklagen. Nachdem im ersten Termin der junge Mann zur Zurücknahme seiner Klage nicht zu bewegen war, ersolgte eine weitere Klageabweisung, da das Gericht anerkannte, daß das Verhalten des Klägers seine Prinzipale zur sofortigen Entlassung berechtigte. Gesterretch-Unggrn. A Wien, 22. September. Der Tod des Komponisten Ignaz Brüll ist Ihnen bereits gemeldet worden. Es kann nicht meine Aufgabe sein, das Leben und die Wirksamkeit dieses ausgezeichneten Künstlers heute zu schildern. Das wird sicher von berufener Seite geschehen. Hier will ich nur hervorheben, daß der aus einer angesehenen altjüdischen Familie stammende (Brüll wurde 1846 in Proßnitz in Mähren geboren) Komponist zeitlebens ein guter Jude war und an den Angelegenheiten des Judentums Anteil genommen hat. Er war unter anderen auch Kurator des hiesigen jüdischen Museums und in der Verwaltung verschiedener jüdischer Stiftungen für Künstler tätig. Es ist natürlich, daß man in seinen Werken nach jüdischen Melodien gesucht hat. Ob mit Recht, weiß ich nicht. Ich weiß nur. daß alle Musikkritiker, die heute über ihn schreiben, einstimmig anerkennen, daß er der Reorganisator der volkstümlichen deutschen Spieloper war. Nach der Premiere seiner Oper „Das goldene Kreuz" in Berlin richtete Kaiser Wilhelm I. an ihn folgende Worte: „Ihr Wiener seid doch glückliche Menschen! Die Melodien kommen euch über Nacht, und so heiter und herzensfroh zu singen, versteht doch niemand wie ihr!" Den großen Reichtum an herzgewinnenden Melodien, den feinen Formensinn und die gesunde musikalische Empfindung des Heimgegangenen müssen selbst seine Gegner loben. Ehre seinem Andenken! — Ein Jude, Herr Wasserzug aus Warschau, hat auf dem Freidenkerkongreß in Prag folgende Resolution beantragt: „Der Vierte Internationale Freidenkerkongreß spricht bezüglich der Judenfrage folgende Wünsche aus und erwartet von allen Organisationen eine stetige Arbeit für deren Realisierung: Da der Antisemitismus der frappanteste Ausbruch des religiösen und Rassenhasses und die Juden stets seine ersten Opfer sind, da ferner die antisemitische Propaganda auf die niedersten menschlichen Instinkte spekuliert und deshalb eine schädliche Macht in jeder Hinsicht ist, fordert der Kongreß die Freidenker aller Länder auf, ihre Kräfte der Bekämpfung des Antisemitismus zu widmen und die bürgerlichen Rechte für die Juden in allen Ländern, in denen sie dieselben noch nicht besitzen, zu erkämpfen. Bezüglich des jüdischen Klerikalismus erkennt der Kongreß, daß derselbe der größte Feind des jüdischen Volkes ist, da er künstlich das Volk im Aberglauben und in Unwissenheit sowie in religiösem Fanatismus erhält. Der Kongreß fordert die jüdischen Freidenker auf, eine rege Propaganda unter den Juden zugunsten der Prinzipien und der Weltanschauung der Freidenker zu veranstalten und das jüdische Volk von dem Joche des jüdischen Klerikalismus zu befreien und die Erziehung in den Schulen auf das Fundament der reinen Laienverhältnisse zu stellen." Komisch, daß die Freidenker gerade gegen den jüdischen Klerikalismus, der gewiß der harmloseste und unschädlichste ist, zu Felde zu ziehen sich bemüßigt

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