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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-09-27 · Heft 39 (27.9.1907) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 39 (27.9.1907)
Date
1907-09-27
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Getreide- und Bankfirma Müller & Heilmann hier, die er anfangs der fünfziger Jahre errichtete und an deren Emporblühen er dauernd lebhaften Anteil gehabt hat. Schon frühzeitig hatte er sich in weitem Unfang gemeinnützigen Werken gewidmet. Seit 1883 war er Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, bis er vor kurzem wegen Krankheit sein Mandat niederlegte. Er war auf den verschiedensten Gebieten der Gemeindeverwaltung tätig gewesen, wegen seiner Sachkenntnis, Umsicht und Unparteilichkeit hoch geschätzt. Er gehörte der Finanzdeputation, dem Kuratorium für den Viehhof-, der Verkehrsdeputation, der Markthallendeputation, der Einkommensteuer-Berufungskommission an und war Sachverständiger für dre Abschätzung eventueller Landlieferungen für Kriegszeiten. Auch wohltätige Vereine zählten Heilmann zu ihrem immer regen, opferfreudigen und hilfsbereiten Mitgliede. Insbesondere gehörte er seit 1865 der alten Gesellschaft der Freunde an, in der er bis zu seiner Erkrankung über dreißig Jahre lang das mühevolle und verantwortungsschwere Amt des Pflegevaters mit ebensoviel Menschenliebe wie Gewissenhaftigkeit versehen hat. Wir aber haben am meisten seine unermüdliche Tätigkeit im Dienste der jüdischen Gemeinde zu rühmen, die fast ein halbes Jahrhundert treuer, hingebender Arbeit umfaßt und sich auch auf eine große Zahl von Humanitäts- und wohltätigen Vereinen erstreckt, denen er beständig sein Interesse und seine Arbeitskraft widmete. Moritz Heilmann, der in der Nepräsentantenversammlung stets die Interessen des religiösen Liberalismus vertrat, war ein glaubenstrener Jude; er war das Muster und Vorbild eines deutschen Juden, der mit nie wankender Treue seinem Glauben, mit voller Hingabe aber auch dem Vaterlande und der Heimatsstadt angehörte. — Das Leichenbegängnis fand heute unter außerordentlicher Teilnahme weiter Kreise statt. Im Tranerhause hielt nach einem einleitenden Gesang Professor Dr. Maybaum die Gedächtnisrede. Er feierte den Verstorbenen als einen pflichttreuen, gewissenhaften und welterfahrenen Mann, dessen Name unter seinen engeren Berufsgenossen und in der Bürgerschaft einen guten Klang hatte. In Vereinen und Verbänden sei er vielfach leitend oder mitarbeitend tätig gewesen und habe nach Kräften zur Linderung menschlichen Elends beigetragen. Dann widmete Stadtverordneter Justizrat Cassel namens der städtischen Fraktion der alten Linken dem Heimgegangenen ehrende Worte der Anerkennung. Fast drei Jahrzehnte habe er dem Stadtparlamente angehört und sich dort der höchsten Achtung erfreut. Freiheit und Volkswohl seien die Ideale gewesen, denen er sich in eifervoller und gewissenhafter Arbeit stets hingegeben habe. Er sei im städtischen Steuer- und Finanzwesen besonders bewandert gewesen, habe aber auch auf anderen Gebieten der Stadtverwaltung Großes geleistet. Für freiheitliche Grundsätze sei er immer ruhig, aber auch entschieden eingetreten. Nach einem Schlußgesang ordnete sich der Zug zur Beisetzung der Leiche auf dem jüdischen Friedhofe in der Schönhauser Allee. Das Andenken des vortrefflichen Mannes wird fortleben! i. Stolp, im September. In unserer Gemeinde wird eine Kultussteuer von 1,8 Prozent erhoben. Dieser Satz wird aber vom Höchstsatz der jeweiligen Steuerklasse erhoben; außerdem sind sämtliche Gemeindemitglieder rechtlich verpflichtet, einen Sitz in der Synagoge zu mieten, so daß hierdurch jeder zur Deckung des Finanzbedürfnisses genügend herangezogen werden kann. Um die weniger kapitalkräftigen Gemeindemitglieder auf Kosten der übrigen zu entlasten, werden Einkommen bis 1500 Mark nur zu zwei drittel zur Kultusgemeinde herangezogen. Auf diese Art wird eine gerechte Verteilung herbeigeführt. Im übrigen ist die Opferwilligkeit innerhalb der jüdischen Gemeinde recht erfreulich, auch herrscht ein reges gottesdienstliches Leben. Die Gemeinde hat jährlich eine bedeutende Summe zur Verzinsung und Tilgung der Kosten für den Bau der neuen Synagoge in der Arnoldstraße aufzuwenden, die seit dem 2. September 1902 in Benutzung ist. Unsere Gemeinde ist nach der Stettiner die größte der Provinz Pommern. ff. Posen, im September. Zum Bau der neuen Synagoge, deren Einweihung in der vorigen Nummer beschrieben wurde und die nach einem Entwurf der Berliner Architekten Cremer und Wolfenstein errichtet worden, sind von Gemeindemitgliedern namhafte Geldspenden, in Beträgen von 50 bis 12 000 Mark, Zusammen über 32 000 Mark, gestiftet worden. Frau Leonore Victor geb. Cohn hier, und die anderen Hinterbliebenen des Herrn Wolff Guttmann schenkten das silberne Löwenornament über dem Thoraschrank, Salomo Friedenthal zum Andenken an seine Eltern einen weißseidenen, reichgestickten Vorhang mit Goldornamenten zum Thoraschrank, mit Zubehör, aus dem bekannten Atelier der Geschwister Bleichrode in Berlin, die Familie S. D. Jaffö - Berlin zwei monumentale, von Professor Ringelmann modellierte Ehrensitze, sowie den Tisch zu den Thoravorlesungen, und Michaelis Rosenthal die in Silber getriebene ewige Lampe zum Andenken an seine Eltern. Kommerzienrat N. Hamburger hier, Nathan Baumgardt hier und Gustav Kronthal- Berlin ließen die kostbaren, von ihren Voreltern für die alten Betfchulen gestifteten Vorhänge und Äecken den Größenverhältnissen der neuen Synagoge anpassen und das Zubehör ergänzen. Eine Vereinigung von Damen der Gemeinde, unter Führung von Frau Anna Hamburger geb. Victor und Frau Fanny Bernhard geb. Friedländer, beschaffte durch eine Sammlung die Mittel für einen reich ausgestatteten' Trauhimmel. Die vorerwähnten Kunststickereien wurden unter Aufsicht der genannten Damen von der Firma Geschwister Bleichrode-Berlin, Geschwister Praunitz hier und Fräulein Piekarczyk hier in vollendeter Weise ausgesührt. Frau Milka Peiser hier und Frau Dr. Goitein-Karlsruhe stifteten einen in kunstvoller Malerei von Frau Professor Dessauer-Perugia hergestellten Thoramantel. Lp. Aus der Provinz Posen, im September. Die Synagoge in Schubin erhält elektrische Beleuchtung. Die Kosten hierfür sind meist durch Spenden ausgebracht worden. Die jüdische Volksschule in Schubin zählt jetzt nur noch acht Kinder. Noch vor 15 Jahren hat sie 60 Schüler gezählt. — Rentier Jsak in Nakel beging neulich unter zahlreichen Ehrenbezeugungen seinen 70. Geburtstag. — Die Firma D. Scherek Ww.in Posen hat anläßlich der Eröffnung eines neuen Verkaufshauses daselbst an gemeinnützige Anstalten Spenden im Gesamtbetrags von über 4000 Mark verteilt. — Zur Schwurgerichtsperiode in Ostrowo sind für Oktober d. I. die Herren Kaufmann Emil Seidel in Krotoschin, Kaufmann Juli ns Neumark in Krotoschin, Kaufmann Max Rosenthal in Ostrowo, Fabrikbesitzer Theodor Herzberg in Falkstädt und Kaufmann Bernhard Ritter in Kempen als Geschworene ausgelost worden. — In Posen wurden wiedergewählt die Stadträte Schleyer, Kronthal, Kantorowicz. Die Wahl des Kaufmanns Breslauer zum Magistratsrnitgliede auf die Amtsdauer von sechs Jahren ist von der König!. Negierung bestätigt worden. i. Schweidnitz, 22. September. Der am 31. Mai d. I. von der hiesigen Stadtverordnetenversammlung gestellte Antrag zur Herbeiführung eines Schach tv erbotes im hiesigen Schlachthofe, den der Magistrat auch angenommen hatte, rief seiner Zeit eine Beschwerde des hiesigen Synagogengemeinde-Vorstandes hervor. Auf diese Beschwerde beim Regierungspräsidenten in Breslau ist nun der Bescheid eingegangen, daß der Erlaß eines Schächtv erbotes unzulässig ist. Bezug genommen wurde hierbei auf die Entscheidung des Ministers für Handel und Gewerbe, die in gleichem Falle für die Stadt Bunzlau getroffen wurde. Danach kann auch ein Schächtverbot für Schweidnitz nicht mehr in Frage kommen. Rostock, im September. Am 1. d. M. feierte der israelitische Religionslehrer Herr B. Sawitz sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Die Feier wurde durch einen Gottesdienst in der Synagoge eingeleitet, bei welchem der Landesrabbiner Dr. Feilchenseld aus Schwerin die Festrede hielt. Dann überreichte der Vorstand der Gemeinde ein Ehrengeschenk, während die jetzigen und früheren Schüler und Schülerinnen dem Jubilar durch kostbare Geschenke erfreuten. Außerdem ehrte der Wohltätigkeitsverein Sawitz durch einen Pokal. Zahlreiche persönliche Gratulationen, sowie viele Telegramme legten Zeugnis von der Liebe und Achtung ob, dessen sich der Jubilar erfreut. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch recht lange seines Amtes zu walten. e. Peine, 22. September. In Gegenwart der gesamten jüdischen Gemeinde, mehrerer auswärtiger Rabbiner, von Vertretern des Kreises, der Stadt und der Bürgerschaft, ferner im Beisein der Geistlichen beider christlicher Konfessionen, der Vertreter der Schulen und sonstiger öffentlicher Institute fand hier die Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. Rach den üblichen Zeremonien übergab Senator Voges als Vertreter des Bürgermeisters den SchlüsselHerrnLandrabbiner

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