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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-09-27 · Heft 39 (27.9.1907) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 39 (27.9.1907)
Date
1907-09-27
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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fühlen. — Arn 19: d. M. feierte in Teplitz-Turn in Böhmen der bekannte österreichische Schriftsteller Leo Herzberg - Fränkel in körperlicher und geistiger Frische seinen achtzigsten Geburtstag. Als Autodidakt in Brody lernte er Sprachen, trieb mit besonderem Eifer wissenschaftliche Studien und begann frühzeitig zu schriststellern. Im 19. Lebensjahre bestimmten ihn Fannlienverhültnisse nach Bessarabien auszuwandern. Aach seiner Heimatstadt znrückgekehrt, veröffentlichte er die Reiseskizzen: „Ein Stück russisches Leben", Bilder aus Rußland, die Beifall fanden und in mehreren Sprachen übersetzt wurden. Im Jahre 1848 war er Unteroffizier der Nationalgarde und versah gleichzeitig den Dienst eines Berichterstatters für mehrere Wiener Blätter. Seine Geschichten und Bilder aus dem polnischen Ghetto, die unter dem Gesamttitel „Polnische Juden" erschienen sind, machten seinen Namen über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus bekannt; sie wurden ins Englische, Französische, Russische, Polnische und zum Teil auch ins Hebräische übersetzt. Außerdem veröffentlichte er viele andere Erzählungen und Novellen. Beachtenswert ist auch seine historische und ethnographische Studie „Die Juden in Polen", die im Werke des Kronprinzen Rudolph „Oesterreich-Ungarn in Wort und Bild" erschienen ist. — Der Kaiser hat dem Professor am Staatsgymnasium im achten Gemeindebezirk, Privatdozenten an der Universität, Dr. Wilhelm Jerusalem anläßlich der von ihm erbetenen Versetzung in den bleibenden Ruhestand den Titel eines Negierungsrates verliehen. — In Budapest ist der greise Professor Moses Bloch nunmehr von seinem Posten als Dozent des Talmuds an der Landesrabbinerschule im 93. Lebensjahre zurückgetreten. Jedes Wort des Lobes über die Bedeutung und die Lehrtätigkeit dieses Gelehrten von Weltruf wäre vermessen. Möge es ihm beschieden sein, die wohlverdiente Muße noch lange zu genießen! Von Mh und Fern. Der Privatdozent Dr. Hugo Preuß ist als hauptamtlicher Professor des öffentlichen Rechts an der Handelshochschule bestätigt worden. — HerrJames Simon ist zum Ehrenmitglied des Deutschen Archäologischen Instituts ernannt worden. — Der Fabrikbesitzer Karl Ezarnikow hat den Kronenorden IV. Klasse erhalten. — Am 22.d.M. ist hier der japanische Konsul Karl Wolf fson nach langem Leiden gestorben. — Die Einwohnerzahl der Erde, die nach einem Blaubuch der amerikanischen Mission auf 1564 Millionen Menschen angegeben wird, umfaßt derselben Quelle zufolge 658 862 000 Christen, nämlich 166 066 500 Protestanten, 272 638 600 Römisch-Katholische und 120157 000 Griechisch-Katholische, hierin auch die alten orientalischen Kirchengemeinschasten inbegriffen. Ferner werden angegeben 11222000 Inden, 216 630 000 Mohammedaner, 137 935 000 Buddhisten, 209 659 000 Hindus. Zur Lehre des Confucius bekennen sich 231816 000 Menschen, 24 900 000 sind Schintoisten und 157 Millionen Fetischanbeter, Animisten usw. — Kommerzienrat Leopold Alex and er in Memel erhielt anläßlich der Einweihung des Nationaldenkmals daselbst den Roten Adlerorden IV. Klasse. — In Bütow ist am 19. d. M. der Vorsitzende des Vorstandes der Shnagogengemeinde Sally Herr mann, im rüstigen Mannesalter plötzlich gestorben. — In Esch Wege ist der langjährige Vorsteher der Gemeinde, Levi Brinkmann, ein allgemein geachteter und beliebter Mann, nach langem Leiden gestorben. — Am 20. und 21. d. M. fand an der Jacobson-Schule zu Seesen a. Harz (Stift-Realschule und Realprogymnasium mit Erziehungsanstalt) die Reifeprüfung unter dem Vorsitz des Herrn Schulrats Professor Dr. Brandes. Gymnasialdirektor zu Wolfenbüttel, als Herzoglichem Kommissar, statt. Von 18 Prüflingen der beiden ersten Klassen haben zwölf dieselbe mit Ersolg bestanden. — Lehrer Salom on in Schrendlingen (Rheinhessen) erhielt das Dekret an das Realgymnasium und die Oberrealschule zu Gießen, unter Belastung in der Kategorie der Volksschullehrer. — In Köln ist am 18. d. M. Herr Daniel Marks, der mehrere Jahre hindurch Mitglied des Repräsentanten-Kollegiums war, im 52. Lebensjahre, in Bonn Herr Samuel Lazarus, der als Repräsentant und stellvertretendes Mitglied gleichfalls jahrelang gewirkt hat, im 53. Lebensjahre gestorben. — In der Synagoge zu Aachen stürzte während des Kolnidre der amtierende Kantor Moritz Weinberg infolge Herzschlags tot zu Boden. — In Reinheim (Hessen) schlug ein Blitz in demselben Augenblick in das israelitische Bethaus ein, als zahlreiche Beter gerade in dem Gotteshause weilten. Die Lichter erloschen sofort und verschiedene Personen stürzten besinnungslos zu Boden, ohne indes aber weiteren Schaden zu nehmen. — In Dresden feierte der Arzt Dr. W. Mattersdorf sein 70jähriges Doktorjubiläum. Derselbe ist 98 Jahre alt. Seine ärztliche Praxis übte er früher in Gr. Glogau aus, wo er auch zu den Mitbegründern des „Glogauer demokratischen Vereins" gehörte, der an der Volksbewegung des Jahres 1848 hervorragenden Anteil nahm. — Der Kaiser hat der israelitischen Gemeinde zu Schirmeck (Elsaß) zum Bau einer kleinen Synagoge eine Beihilfe von 7000 Mark gewährt. — Das Internationale Friedensbureau in Bern hat einer Arbeit des Herrn S. M. Melamed daselbst, über „Ursprung, Theorie und Geschichte der Friedensarbeit", den Preis zuerkannt. — Nach der letzten Zählung betrug die Zahl der Juden in Rußland 5225803 Seelen, also 4,15 Prozent der Gesamtbevölkerung. Militärpflichtig waren im ganzen 1241 819, davon Juden 54 277, also 4,37 Prozent, das heißt 0,22 Prozent über das Normalverhältnis. Jüdische Soldaten waren im selben Jahre 53 194 in der Armee, während es nach dem Verhältnisse der Seelenzahl nur 42 709 hätten sein sollen. — In die Moskauer Universität sind 43 Israeliten ausgenommen worden, und es soll für weitere 54 um Erlaubnis zur Aufnahme nachgesucht werden. — Zu Beginn dieses Schuljahres wird von einem gewissen Herrn Niwasch in Riga ein achtklassiges Gymnasium eröffnet werden, in das nur Schüler mosaischer Konfession ausgenommen werden sollen. Zu den Unterrichtsfächern soll auch die hebräische Sprache zählen. — Aus dem Städtchen Kala rasch, welches gelegentlich des Pogroms vor zwei Jahren zur Hälfte eingeäschert worden war, entflohen fast alle Juden. Die Juden wandten sich an den Gouverneur um Schutz. Dieser beobachtete aber unter dem Eindruck der Vorgänge in Odessa und der Drohungen Kruschewans eine unentschlossene Haltung. — In Ufa ist der Leiter der dortigen Irren-Klinik, Dr. Jacob Kaphan, ein früherer Afsistent von Professor Mendel, von einem Irren erstochen worden. — Zur Unterstützung der jüdischen Flüchtlinge in Marokko hat das Haus Rothschild in London 200 Pfund Sterling an General Sir Frederick Forrester Walker in Gibraltar gesendet, wo sich ein Hilfskomitee unter der Leitung der einflußreichsten Juden der Stadt gebildet hat. Auch die jüdische Gemeinde in London ist eifrig an der Arbeit, um Geldmittel zur Unterstützung ihrer unglücklichen Glaubensgenossen in Marokko auszubringen. — Eine englische Flugschrift berichtet über die Greuel, die die Franzosen in Casablanca verübt haben. Tausende und Abertausende unschuldiger Männer, Frauen und kleiner Kinder (Juden und Araber gleicherweise), seien in Stücke gerissen von Melinitgranaten, auf der Flucht aus Bajonette aufgespießt und niedergeschossen worden, oder, nachdem das Bombardement das Schlimmste getan hatte, aus ihren Verstecken hervorgezogen und kaltblütig ermordet worden durch die Mörder von der Fremdenlegion. Einige tausend Juden waren aus ihren zerstörten Häusern nach einem für sicher gehaltenen Zufluchtsort an der Seeseite, außerhalb der Gewehrschußweite, geflohen, doch kaum wurden sie von den Schiffen aus entdeckt, als man sie mit einem Regen von Granaten überschüttete. Dieses Zerstörungswerk wurde in Zwischenräumen zwei Tage lang fortgesetzt. — Nach den neuesten Nachrichten aus Fez wird der deutsche und der französische Postdienst von marokkanischen Juden ungestört weiterversehen. — Nach der Zählung von 1901 hatten in Australien: Sydney 5137 jüdische Einwohner bei einer Gesamtzahl von 6447 in Neusüd Wales, Melbourne 5907 für ganz Viktoria; Brisbane 488 bei 733 in ganz Queensland; Adelaide 452 bei einer Gesamtzahl von 786 in Südaustralien; Perth 632 bei im ganzen 1359 in Westaustralien. Die jüdische Bevölkerung Australiens ist nicht wesentlich gewachsen. Die Kolonie in Neuseeland hat 982 männliche und 885 weibliche jüdische Bewohner; das sind nur 0,21 vom Hundert der Gesamtbevölkerung. Die Hauptgemeinden sind Aucktand mit 344, Wellington mit 521, Cristchurch mit 152 und Dunedin mit 251 Seelen.

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